Wolfgang Wirth

Erneuerung von Organisationen?!

Wolfgang Wirth (Foto: Tom Sepp, Schloss Lautrach)
Lebende Organismen lassen sich nicht von außen steuern – sie steuern sich vielmehr selbst auf Basis ihrer spezifischen inneren Muster. Mit Blick auf die Organisationen von Unternehmen stellt sich die Frage: Wie erkennt man die inneren Muster einer Organisation? Dem geht Wolfang Wirth vom Management Centrum Schloss Lautrach in diesem Beitrag nach.

Jede Organisation formt im Laufe ihrer Entwicklung ihre eigene, individuelle Identität, sprich Unternehmenskultur. Sie entwickelt eine Unverkennbarkeit und Einmaligkeit über ihre Produkte und Dienstleistungen, aber auch über ihre Kundenbeziehungen.

Eingespielte Strukturen – Aufbrechen ist immer der erste Schritt

Stabile Kundenbeziehungen sind nach wie vor ein Garant für eine nachhaltige Profitabilität. Durch eine enge Koppelung zwischen Kunde und Hersteller etablieren sich über Jahre hochfunktionale Strukturen und Spielregeln zwischen den Unternehmen (Symbiose). Diese eingespielten, gewachsenen strukturgebenden Merkmale (Werte, Normen, Aufbauorganisation, Prozesse etc.) haben dann auch naturgemäß ein „Beharrungsvermögen“, so zu bleiben, wie sie sind, um ja die stabilen Beziehungen nicht zu stören. Ein langanhaltender Erfolg verstärkt zudem die Folgerichtigkeit von Vision und Strategie seitens des Managements, verstellt jedoch den Blick für längst überfällige Veränderungen.

Fokus auf sinnvolle Veränderung

Damit ein Organismus seine Identität aufrechterhalten kann, muss er innerlich ständig aktiv sein, sich erneuern und verändern. Und hier liegt nun die besondere Herausforderung für das Management, diese Originalität und den Sinn ihrer Organisation zu erfassen, um Identitätskrisen frühzeitig zu erkennen. Diese stellen sich meist dann ein, wenn langjährige Schlüsselkunden wegbrechen und Wachstumsstrategien sich weitgehend erschöpfen, bis dahin, dass sich angestrebte Unternehmensvisionen doch verwirklichen lassen, jedoch neue Perspektiven nicht kraftvoll erscheinen.

Störfaktoren und Bedingungen einer sinnvollen Veränderung

Ein Zukauf innovativer Geschäftsmodelle oder Technologien ist kein Algorithmus, der eine perfekte Erneuerung garantiert. Dieser Weg ist dann sinnvoll, wenn ein solches Geschäftsmodell mit der Kultur des eigenen Hauses harmoniert oder sie sogar bereichert. Ansonsten besteht die Gefahr einer Abstoßreaktion mit der Folge, dass die erfolgreiche Unternehmens-Transformation von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Neues Handeln kann aber auch aus Ideen und Entscheidungen mit einer gewissen Unschärfe entstehen. Dazu bedarf es einer Innenschau und Antworten auf die Fragen: Wo kommen wir her, mit welchen Akteuren sind wir unterwegs und worauf können wir uns untereinander wirklich verlassen? Denn stichhaltige Argumente für neue Ziele, innovative Produktideen oder komplexe Entscheidungen finden nur dann Anklang, wenn diese mit Hilfe eines nach Regeln gestalteten Diskurses gewonnen werden. Und dieser ist nicht immer einfach!

Hohe Bedeutung der Unternehmenskultur

Der bekannte Management-Denker Peter Drucker prägte folgende Aussage: »Culture eats strategy for breakfast«. Damit verdeutlicht er, welchen entscheidenden Einfluss die Unternehmenskultur auf die Strategieentwicklung und in Folge auf die Organisation hat. Ohne Berücksichtigung der Kultur und der Menschen ist die Erneuerung einer Organisation wenig aussichtsreich. Fazit: Eine gute Grundlage für erfolgreiche Interventionen kann ein moderierter Diskussionsrahmen über Produkte und Leistungen unter Einbeziehung der transformierenden Strukturen, Logiken und Arbeitsweisen der Organisation bilden. Auch deren Auswirkungen auf die vorherrschenden Kommunikationsmuster und Werthaltungen im Organisationssystem spielen dabei eine wesentliche Rolle.

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