Hans-Peter Heinemann

Der digitale Nachlass – drei wichtige Punkte für zukünftige Erblasser

Was fällt unter den Begriff digitaler Nachlass? Welche Vorbereitung kann ich bereits zu Lebzeiten treffen? Wie kann ich diesen an meine Erben weitergeben? Antworten hat Rechtsanwalt Hans-Peter Heinemann.

Unser Leben wird immer mehr durch das Internet bestimmt. Dies bringt immer wieder neue und bisher ungeklärte rechtliche Probleme mit sich. So musste der BGH in einem Urteil aus dem Jahr 2018 (Az.: III ZR 183/17) über die Frage entscheiden, ob Facebook den Eltern, als Erben ihrer verstorbenen Tochter, den Zugang zum Facebook Account der Tochter verweigern dürfe. Der BGH entschied damals, dass die Eltern als Gesamtrechtsnachfolger der Tochter auch auf ihren Facebook Account zugreifen dürften. Im Zuge dieser Entscheidung, fand eine Sensibilisierung bezüglich der erbrechtlichen Frage statt, wie ein digitaler Nachlass verwaltet und übertragen werden kann.

Doch was fällt unter den Begriff digitaler Nachlass? Welche Vorbereitung kann ich bereits zu Lebzeiten treffen? Wie kann ich diesen an meine Erben weitergeben?

Punkt 1: Was ist vom digitalen Nachlass umfasst?

Der digitale Nachlass umfasst „die Gesamtheit des digitalen Vermögens des Erblassers, sprich die Gesamtheit der Rechtsverhältnisse des Erblassers betreffend informationstechnische Systeme, einschließlich der gesamten elektronischen Datenbestände des Erblassers.“

Vereinfacht ausgedrückt, besteht der digitale Nachlass aus sämtlichen Internetaktivitäten und vom Erblasser gespeicherten Daten.

Punkt 2: Welche Vorkehrungen kann ich bereits zu Lebzeiten treffen?

Bereits zu Lebzeiten können Sie Maßnahmen ergreifen, um Ihren Erben im Erbfall den Zugang zu Ihrem digitalen Nachlass zu erleichtern.

  • Erstellen Sie eine möglichst vollständige Liste all Ihrer Online-Benutzerkonten und Passwörter und halten Sie diese aktuell. Die Liste sollte ausgedruckt bei den wichtigsten Dokumenten bzw. auf einem speziell gesicherten USB-Stick sicher aufbewahrt werden. Eine Hinterlegung beim Notar ist vor dem Hintergrund, dass Passwörter aus Sicherheitsgründen regelmäßig geändert werden sollten, nicht sinnvoll.
  • Benennen Sie bereits zu Lebzeiten eine Vertrauensperson bzw. einen Vorsorgebevollmächtigten für den digitalen Nachlass. Der Bevollmächtigte wird mit der Verwaltung Ihres digitalen Nachlasses bei eigenem Ableben, Handlungsunfähigkeit oder Geschäftsunfähigkeit betraut. Die Vollmacht sollte über Ihren Tod hinaus erteilt werden. Der Bevollmächtigte sollte internetaffin sein und Ihr besonderes Vertrauen genießen. Dem Bevollmächtigten kann im Detail aufgegeben werden, wie er mit dem digitalen Nachlass zu verfahren hat.
  • Es gibt auch kommerzielle Anbieter für die Verwaltung des digitalen Nachlasses bei eigenem Ableben. Es ist jedoch grundsätzlich nicht zu empfehlen, sensible Daten an unbekannte Dritte weiterzugeben. Inwieweit die anvertrauten Daten durch die Anbieter ausreichend gesichert werden, muss von Fall zu Fall geprüft werden.

Punkt 3: Was kann ich in meiner letztwilligen Verfügung regeln?

Für Verfügung über den digitalen Nachlass gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für sonstige Verfügung über den Nachlass.

  • Sie können entscheiden, wer einzelne Teile des digitalen Nachlasses erhalten soll. Dabei ist die Regelung des Verbleibs des E-Mail Accounts von besonders großer Bedeutung, da er häufig den Ausgangspunkt Ihrer Online-Aktivitäten darstellt. Von diesem Account können die Erben bzw. Bevollmächtigte meist einen schnellen und umfassenden Überblick über den digitalen Nachlass erhalten. Gleichzeitig können sie auf Konten und Daten zugreifen. Sie können Online-Abonnements kündigen, Bestellungen stornieren und offene Forderungen begleichen.
  • Sie als Erblasser können auch entscheiden, wie mit Ihrem digitalen Nachlass nach ihrem Ableben zu verfahren ist. So können Sie anordnen, dass bestimmte Abonnements gekündigt oder Social-Media Accounts geschlossen werden sollen.
  • Den Erben kann ein Testamentsvollstrecker für die Verwaltung des Nachlasses zur Seite gestellt werden, sollte dies nicht schon durch die Benennung einer Vertrauensperson bzw. eines Vorsorgebevollmächtigten zu Lebzeiten geschehen sein. Dies ist in solchen Fällen sinnvoll, in denen die Erben nur über mangelhafte technische Kenntnisse verfügen und nicht in der Lage sind, die Verwaltung des digitalen Nachlasses selbst zu übernehmen. Dem Testamentsvollstrecker kann im Detail aufgegeben werden, wie er mit dem digitalen Nachlass zu verfahren hat. Wichtig ist dabei, dass Sie dem Testamentsvollstrecker alle nötigen Informationen und Zugangsdaten zur Verfügung stellen.

Wie so oft ist im Erbrecht die richtige Vorbereitung auf den Erbfall der erste und wichtigsten Schritt für einen reibungslosen Erbgang. Die Regelung des Zugangs zum digitalen Nachlass und dessen Verwaltung vor und nach dem Erbfall sind dabei das A und O.

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Hans-Peter Heinemann

Der digitale Nachlass – drei wichtige Punkte für zukünftige Erblasser

Was fällt unter den Begriff digitaler Nachlass? Welche Vorbereitung kann ich bereits zu Lebzeiten treffen? Wie kann ich diesen an meine Erben weitergeben? Antworten hat Rechtsanwalt Hans-Peter Heinemann.

Unser Leben wird immer mehr durch das Internet bestimmt. Dies bringt immer wieder neue und bisher ungeklärte rechtliche Probleme mit sich. So musste der BGH in einem Urteil aus dem Jahr 2018 (Az.: III ZR 183/17) über die Frage entscheiden, ob Facebook den Eltern, als Erben ihrer verstorbenen Tochter, den Zugang zum Facebook Account der Tochter verweigern dürfe. Der BGH entschied damals, dass die Eltern als Gesamtrechtsnachfolger der Tochter auch auf ihren Facebook Account zugreifen dürften. Im Zuge dieser Entscheidung, fand eine Sensibilisierung bezüglich der erbrechtlichen Frage statt, wie ein digitaler Nachlass verwaltet und übertragen werden kann.

Doch was fällt unter den Begriff digitaler Nachlass? Welche Vorbereitung kann ich bereits zu Lebzeiten treffen? Wie kann ich diesen an meine Erben weitergeben?

Punkt 1: Was ist vom digitalen Nachlass umfasst?

Der digitale Nachlass umfasst „die Gesamtheit des digitalen Vermögens des Erblassers, sprich die Gesamtheit der Rechtsverhältnisse des Erblassers betreffend informationstechnische Systeme, einschließlich der gesamten elektronischen Datenbestände des Erblassers.“

Vereinfacht ausgedrückt, besteht der digitale Nachlass aus sämtlichen Internetaktivitäten und vom Erblasser gespeicherten Daten.

Punkt 2: Welche Vorkehrungen kann ich bereits zu Lebzeiten treffen?

Bereits zu Lebzeiten können Sie Maßnahmen ergreifen, um Ihren Erben im Erbfall den Zugang zu Ihrem digitalen Nachlass zu erleichtern.

  • Erstellen Sie eine möglichst vollständige Liste all Ihrer Online-Benutzerkonten und Passwörter und halten Sie diese aktuell. Die Liste sollte ausgedruckt bei den wichtigsten Dokumenten bzw. auf einem speziell gesicherten USB-Stick sicher aufbewahrt werden. Eine Hinterlegung beim Notar ist vor dem Hintergrund, dass Passwörter aus Sicherheitsgründen regelmäßig geändert werden sollten, nicht sinnvoll.
  • Benennen Sie bereits zu Lebzeiten eine Vertrauensperson bzw. einen Vorsorgebevollmächtigten für den digitalen Nachlass. Der Bevollmächtigte wird mit der Verwaltung Ihres digitalen Nachlasses bei eigenem Ableben, Handlungsunfähigkeit oder Geschäftsunfähigkeit betraut. Die Vollmacht sollte über Ihren Tod hinaus erteilt werden. Der Bevollmächtigte sollte internetaffin sein und Ihr besonderes Vertrauen genießen. Dem Bevollmächtigten kann im Detail aufgegeben werden, wie er mit dem digitalen Nachlass zu verfahren hat.
  • Es gibt auch kommerzielle Anbieter für die Verwaltung des digitalen Nachlasses bei eigenem Ableben. Es ist jedoch grundsätzlich nicht zu empfehlen, sensible Daten an unbekannte Dritte weiterzugeben. Inwieweit die anvertrauten Daten durch die Anbieter ausreichend gesichert werden, muss von Fall zu Fall geprüft werden.

Punkt 3: Was kann ich in meiner letztwilligen Verfügung regeln?

Für Verfügung über den digitalen Nachlass gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für sonstige Verfügung über den Nachlass.

  • Sie können entscheiden, wer einzelne Teile des digitalen Nachlasses erhalten soll. Dabei ist die Regelung des Verbleibs des E-Mail Accounts von besonders großer Bedeutung, da er häufig den Ausgangspunkt Ihrer Online-Aktivitäten darstellt. Von diesem Account können die Erben bzw. Bevollmächtigte meist einen schnellen und umfassenden Überblick über den digitalen Nachlass erhalten. Gleichzeitig können sie auf Konten und Daten zugreifen. Sie können Online-Abonnements kündigen, Bestellungen stornieren und offene Forderungen begleichen.
  • Sie als Erblasser können auch entscheiden, wie mit Ihrem digitalen Nachlass nach ihrem Ableben zu verfahren ist. So können Sie anordnen, dass bestimmte Abonnements gekündigt oder Social-Media Accounts geschlossen werden sollen.
  • Den Erben kann ein Testamentsvollstrecker für die Verwaltung des Nachlasses zur Seite gestellt werden, sollte dies nicht schon durch die Benennung einer Vertrauensperson bzw. eines Vorsorgebevollmächtigten zu Lebzeiten geschehen sein. Dies ist in solchen Fällen sinnvoll, in denen die Erben nur über mangelhafte technische Kenntnisse verfügen und nicht in der Lage sind, die Verwaltung des digitalen Nachlasses selbst zu übernehmen. Dem Testamentsvollstrecker kann im Detail aufgegeben werden, wie er mit dem digitalen Nachlass zu verfahren hat. Wichtig ist dabei, dass Sie dem Testamentsvollstrecker alle nötigen Informationen und Zugangsdaten zur Verfügung stellen.

Wie so oft ist im Erbrecht die richtige Vorbereitung auf den Erbfall der erste und wichtigsten Schritt für einen reibungslosen Erbgang. Die Regelung des Zugangs zum digitalen Nachlass und dessen Verwaltung vor und nach dem Erbfall sind dabei das A und O.

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