Blickpunkt E-Government von Hans-Peter Günter

Blickpunkt E-Government von Hans-Peter Günter

Der vorgezeichnete Weg über die E-Bilanz zum E-Government.

Man kann wohl nicht behaupten, dass sich die Steuerbürger an die wechselhafte, zunehmend unübersichtliche und streitanfällige Steuergesetzgebung gewöhnt haben. Aber in der engagierten Beraterschaft gehört der professionelle Umgang mit dieser fachlichen Herausforderung zum Tagesgeschäft. Neben hoher fachlicher Kompetenz ist dabei auch die Fähigkeit zu entsprechend effizienter Qualitätssicherung in der Kanzlei gefordert. Die inzwischen in weiten Teilen verpflichtende elektronische Kommunikation zwischen Unternehmen und der Finanzverwaltung stellt zusätzliche und zunehmend hohe Anforderungen an die technische Kompetenz und Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen und deren Berater – genauso wie die damit einhergehende Entwicklung zur Leistung einer Vielzahl von Deklarations- und Erläuterungspflichten. Diese Anforderungen sind von den Steuerpflichtigen selbst nur noch schwer zu überschauen und zu erfüllen, ohne dabei Rechtsnachteile zu erleiden oder unter Umständen hohe Risiken von möglichen Rechtsverstößen einzugehen.

Daher ist es an der Beraterschaft, den Mandanten ein qualifiziertes Dienstleistungspaket anzubieten und dieses zu verantworten. Wenn man bedenkt, dass die Einreichung der Umsatzsteuervoranmeldungen sowie der Zusammenfassenden Meldungen (ZM-Meldung) – in einem seit 2010 geforderten erweiterten Umfang – die hohen Anforderungen im Bereich der elektronischen Zoll- und Speditionsmeldungen (ATLAS-Verfahren) sowie die Neuerungen des BilMoG (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz) kaum richtig verarbeitet sind, ist es schon bemerkenswert, dass die Unternehmen bereits wieder einem neuen staatlichen Großprojekt gegenüberstehen.

Stichtag „Ultimo 2011“ fixiert

Mit der Einführung von § 5b Einkommensteuergesetz und § 52 Abs. 15a Einkommensteuergesetz besteht für alle Unternehmen die Verpflichtung, den Inhalt der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung erstmals für Wirtschaftsjahre zu übermitteln, die nach dem 31. Dezember 2010 beginnen (E-Bilanz). Aufgrund der hohen Komplexität und der schnell ersichtlichen Adaptionsprobleme bei der Schaffung der technischen und organisatorischen Voraussetzungen für die elektronische Übermittlung wurde der erstmalige Anwendungszeitpunkt bereits um ein Jahr verschoben. Nunmehr ist erstmals für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2011 beginnen, der Jahresabschluss elektronisch zu übermitteln. Ob eine erneute Verlängerung erwartet werden darf, ist eher zweifelhaft. Das Datenschema für die Übermittlung wird mittels einer verpflichtenden sogenannten Taxonomie vorgegeben. Darin sind Struktur und Umfang der Datenaufbereitung definiert, die mit einem sehr differenzierten steuerlich orientierten Kontenrahmen vergleichbar ist. Ausgegangen wird vom Schema des Handelsgesetzbuches sowie den bilanziellen Gepflogenheiten und Kommentar-Meinungen, die um zusätzliche und umfangreiche steuerliche Angaben ergänzt werden. Derzeit sind drei verschiedene Taxonomien zur Anwendung vorgesehen: für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Offen ist noch die Entwicklung von branchenspezifischen Spezialtaxonomien.

Durchblick bis auf Ebene der Einzelkonten

Nach wie vor sind aber Teile des Jahresabschlusses weiterhin in Papierform einzureichen (zum Beispiel Lagerberichte und Prüfungsberichte) oder wahlweise elektronisch oder in Papierform (zum Beispiel Anlagenverzeichnis). Die Angabepflichten sind entsprechend stark ausdifferenziert – so enthält bereits die Taxonomie für Einzelunternehmen schon 800 Felder, davon 465 Felder für die Bilanzangaben und 302 Felder für die Ergebnisrechnung. Eine beachtliche Anzahl davon sind als Pflichtfelder vorgegeben und gehen erheblich über die Gliederungsvorgaben des Handelsgesetzbuches hinaus. So werden Bilanzposten über mehrere Gliederungsebenen entsprechend den Bedürfnissen der Finanzverwaltung zerlegt, in einzelnen Fällen sogar bis auf die Ebene der Einzelkonten. Problembehaftet ist zudem der vorgesehene Mindestumfang der Gewinn- und Verlustrechnung, der auch die außerbilanziellen rein steuerlichen Korrekturen mit umfasst. Dadurch wird die gesamte steuerliche Gewinnermittlung auf die Bilanzierungsebene übertragen, was einem faktischen Zwang zur gesonderten Erstellung einer Steuerbilanz nahekommt.

Zudem bestehen nach wie vor bilanztechnische Ungereimtheiten, wenn beispielsweise für Einzelunternehmen, die diese Position gar nicht kennen, Kapitalrücklagen als Mussfeld anzugeben sind. Exemplarisch wird der Differenzierungsdruck bei der Position „sonstige betriebliche Aufwendungen“ ersichtlich. Diese werden in 29 Einzelpositionen und mindestens 19 Unterpositionen zerlegt. Die sonstigen betrieblichen Erträge in 22 Einzelpositionen und 14 Unterpositionen. Damit entfallen rund 40% der E-GuV allein auf diese beiden Positionen.

Hoher Mehraufwand ist zu erwarten

Schwierigkeiten sind vorprogrammiert, wenn die im Buchhaltungssystem hinterlegten Konten nicht deckungsgleich mit dem vorgegebenen Schema der Taxonomie sind. Nach ersten Untersuchungen können bis zu 100 Änderungen im Kontenrahmen veranlasst sein. Viele steuerliche Daten spiegeln sich auf der Ebene von Einzelkonten erst gar nicht wider, sodass diese gesondert ermittelt werden müssen. Insbesondere für mittlere und kleine Unternehmen entsteht hierdurch ein nur noch schwer zu rechtfertigender Mehraufwand, den es nun von Beraterseite im Mandanteninteresse operativ umzusetzen gilt – sei es durch die entsprechende Strukturierung von Mandantenbuchhaltungen, so weit diese beim Berater in Auftrag gegeben sind, oder sei es durch Unterstützung bei der Anpassung der Finanzbuchhaltungsprozesse des Mandanten vor Ort. Fest steht: Die Digitalisierung ist auch bei den steuerlichen Deklarationspflichten nicht aufzuhalten. Die Steuerberaterkammern in den südlichen Bundesländern sind bemüht, diesen Prozess von Anfang an in positiver Hinsicht mit zu gestalten. Bereits heute wird in Bayern ein Pilotprojekt auf der Basis einer von der Steuerberaterkammer verwalteten Vollmachtsdatenbank gemeinschaftlich mit der Finanzverwaltung initiiert und umgesetzt, damit auch noch in Zukunft den Steuerpflichtigen, die steuerlich vertreten sind, Fristverlängerungen erteilt werden – ansonsten droht die Regelung einer Zwangsgeldeinführung. Worauf gilt es also aus Mandantensicht besonderen Wert zu legen, um die Erfordernisse der Finanzverwaltung zu erfüllen? Hier ist es hilfreich, die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Mandatsträgers unter diesem Aspekt zu prüfen – und zu fordern. Nur wer neben der unabdingbaren steuerrechtlichen Kompetenz auch die Prozesse der Kommunikation mit dem Mandanten und der Finanzverwaltung in technischer Hinsicht beherrscht und diese frühzeitig in den Abläufen einer mandantenorientierten Kanzlei verankert, wird in naher Zukunft noch in der Lage sein, seinem Auftrag entsprechen zu können.

Von Hans-Peter Günter, Steuerberater -  Günter – Reitmayer & Partner (zum Kanzleiporträt)

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Blickpunkt E-Government von Hans-Peter Günter

Blickpunkt E-Government von Hans-Peter Günter

Der vorgezeichnete Weg über die E-Bilanz zum E-Government.

Man kann wohl nicht behaupten, dass sich die Steuerbürger an die wechselhafte, zunehmend unübersichtliche und streitanfällige Steuergesetzgebung gewöhnt haben. Aber in der engagierten Beraterschaft gehört der professionelle Umgang mit dieser fachlichen Herausforderung zum Tagesgeschäft. Neben hoher fachlicher Kompetenz ist dabei auch die Fähigkeit zu entsprechend effizienter Qualitätssicherung in der Kanzlei gefordert. Die inzwischen in weiten Teilen verpflichtende elektronische Kommunikation zwischen Unternehmen und der Finanzverwaltung stellt zusätzliche und zunehmend hohe Anforderungen an die technische Kompetenz und Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen und deren Berater – genauso wie die damit einhergehende Entwicklung zur Leistung einer Vielzahl von Deklarations- und Erläuterungspflichten. Diese Anforderungen sind von den Steuerpflichtigen selbst nur noch schwer zu überschauen und zu erfüllen, ohne dabei Rechtsnachteile zu erleiden oder unter Umständen hohe Risiken von möglichen Rechtsverstößen einzugehen.

Daher ist es an der Beraterschaft, den Mandanten ein qualifiziertes Dienstleistungspaket anzubieten und dieses zu verantworten. Wenn man bedenkt, dass die Einreichung der Umsatzsteuervoranmeldungen sowie der Zusammenfassenden Meldungen (ZM-Meldung) – in einem seit 2010 geforderten erweiterten Umfang – die hohen Anforderungen im Bereich der elektronischen Zoll- und Speditionsmeldungen (ATLAS-Verfahren) sowie die Neuerungen des BilMoG (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz) kaum richtig verarbeitet sind, ist es schon bemerkenswert, dass die Unternehmen bereits wieder einem neuen staatlichen Großprojekt gegenüberstehen.

Stichtag „Ultimo 2011“ fixiert

Mit der Einführung von § 5b Einkommensteuergesetz und § 52 Abs. 15a Einkommensteuergesetz besteht für alle Unternehmen die Verpflichtung, den Inhalt der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung erstmals für Wirtschaftsjahre zu übermitteln, die nach dem 31. Dezember 2010 beginnen (E-Bilanz). Aufgrund der hohen Komplexität und der schnell ersichtlichen Adaptionsprobleme bei der Schaffung der technischen und organisatorischen Voraussetzungen für die elektronische Übermittlung wurde der erstmalige Anwendungszeitpunkt bereits um ein Jahr verschoben. Nunmehr ist erstmals für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2011 beginnen, der Jahresabschluss elektronisch zu übermitteln. Ob eine erneute Verlängerung erwartet werden darf, ist eher zweifelhaft. Das Datenschema für die Übermittlung wird mittels einer verpflichtenden sogenannten Taxonomie vorgegeben. Darin sind Struktur und Umfang der Datenaufbereitung definiert, die mit einem sehr differenzierten steuerlich orientierten Kontenrahmen vergleichbar ist. Ausgegangen wird vom Schema des Handelsgesetzbuches sowie den bilanziellen Gepflogenheiten und Kommentar-Meinungen, die um zusätzliche und umfangreiche steuerliche Angaben ergänzt werden. Derzeit sind drei verschiedene Taxonomien zur Anwendung vorgesehen: für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Offen ist noch die Entwicklung von branchenspezifischen Spezialtaxonomien.

Durchblick bis auf Ebene der Einzelkonten

Nach wie vor sind aber Teile des Jahresabschlusses weiterhin in Papierform einzureichen (zum Beispiel Lagerberichte und Prüfungsberichte) oder wahlweise elektronisch oder in Papierform (zum Beispiel Anlagenverzeichnis). Die Angabepflichten sind entsprechend stark ausdifferenziert – so enthält bereits die Taxonomie für Einzelunternehmen schon 800 Felder, davon 465 Felder für die Bilanzangaben und 302 Felder für die Ergebnisrechnung. Eine beachtliche Anzahl davon sind als Pflichtfelder vorgegeben und gehen erheblich über die Gliederungsvorgaben des Handelsgesetzbuches hinaus. So werden Bilanzposten über mehrere Gliederungsebenen entsprechend den Bedürfnissen der Finanzverwaltung zerlegt, in einzelnen Fällen sogar bis auf die Ebene der Einzelkonten. Problembehaftet ist zudem der vorgesehene Mindestumfang der Gewinn- und Verlustrechnung, der auch die außerbilanziellen rein steuerlichen Korrekturen mit umfasst. Dadurch wird die gesamte steuerliche Gewinnermittlung auf die Bilanzierungsebene übertragen, was einem faktischen Zwang zur gesonderten Erstellung einer Steuerbilanz nahekommt.

Zudem bestehen nach wie vor bilanztechnische Ungereimtheiten, wenn beispielsweise für Einzelunternehmen, die diese Position gar nicht kennen, Kapitalrücklagen als Mussfeld anzugeben sind. Exemplarisch wird der Differenzierungsdruck bei der Position „sonstige betriebliche Aufwendungen“ ersichtlich. Diese werden in 29 Einzelpositionen und mindestens 19 Unterpositionen zerlegt. Die sonstigen betrieblichen Erträge in 22 Einzelpositionen und 14 Unterpositionen. Damit entfallen rund 40% der E-GuV allein auf diese beiden Positionen.

Hoher Mehraufwand ist zu erwarten

Schwierigkeiten sind vorprogrammiert, wenn die im Buchhaltungssystem hinterlegten Konten nicht deckungsgleich mit dem vorgegebenen Schema der Taxonomie sind. Nach ersten Untersuchungen können bis zu 100 Änderungen im Kontenrahmen veranlasst sein. Viele steuerliche Daten spiegeln sich auf der Ebene von Einzelkonten erst gar nicht wider, sodass diese gesondert ermittelt werden müssen. Insbesondere für mittlere und kleine Unternehmen entsteht hierdurch ein nur noch schwer zu rechtfertigender Mehraufwand, den es nun von Beraterseite im Mandanteninteresse operativ umzusetzen gilt – sei es durch die entsprechende Strukturierung von Mandantenbuchhaltungen, so weit diese beim Berater in Auftrag gegeben sind, oder sei es durch Unterstützung bei der Anpassung der Finanzbuchhaltungsprozesse des Mandanten vor Ort. Fest steht: Die Digitalisierung ist auch bei den steuerlichen Deklarationspflichten nicht aufzuhalten. Die Steuerberaterkammern in den südlichen Bundesländern sind bemüht, diesen Prozess von Anfang an in positiver Hinsicht mit zu gestalten. Bereits heute wird in Bayern ein Pilotprojekt auf der Basis einer von der Steuerberaterkammer verwalteten Vollmachtsdatenbank gemeinschaftlich mit der Finanzverwaltung initiiert und umgesetzt, damit auch noch in Zukunft den Steuerpflichtigen, die steuerlich vertreten sind, Fristverlängerungen erteilt werden – ansonsten droht die Regelung einer Zwangsgeldeinführung. Worauf gilt es also aus Mandantensicht besonderen Wert zu legen, um die Erfordernisse der Finanzverwaltung zu erfüllen? Hier ist es hilfreich, die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Mandatsträgers unter diesem Aspekt zu prüfen – und zu fordern. Nur wer neben der unabdingbaren steuerrechtlichen Kompetenz auch die Prozesse der Kommunikation mit dem Mandanten und der Finanzverwaltung in technischer Hinsicht beherrscht und diese frühzeitig in den Abläufen einer mandantenorientierten Kanzlei verankert, wird in naher Zukunft noch in der Lage sein, seinem Auftrag entsprechen zu können.

Von Hans-Peter Günter, Steuerberater -  Günter – Reitmayer & Partner (zum Kanzleiporträt)

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