Christian Fiederling, BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft

Beteiligungskapital: So überwinden Sie die Corona-Krise

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie scheinen sich die Zahlen und Entwicklungen langsam zu beruhigen – ein gutes Zeichen in der Krise. Weshalb für die Krisenresistenz von Unternehmen eine gute Eigenkapitalaustattung von hoher Bedeutung ist und welche Rolle der Kapitalmangel spielt.

2,6 Millionen Unternehmen sind direkt von der Pandemie betroffen, berichtet die KfW. Das Bruttoinlandsprodukt ist im Jahresvergleich um rund 5 Prozent gesunken, berichten die Wirtschaftsforschungsinstitute. Der Export ist um 9 Prozent eingebrochen, berichtet das Statistisches Bundesamt.

Würde der Horrorschriftsteller Stephen King einen Wirtschaftsthriller schreiben, dann würde er ihn wohl mit diesen Zahlen beginnen und den Schrecken immer mehr kumulieren lassen.

Zum Glück hat Stephen King bei Corona nichts zu sagen und es gibt inzwischen etwas beruhigendere Zahlen, Entwicklungen und Trends. So ist der ifo-Geschäftsklimaindex im Februar 2021 wieder gestiegen. Die volkswirtschaftliche Insolvenzrate ist – zwar bedingt durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht – sogar gesunken.

Krisenresistenz: Hohe Eigenkapitalquote

Insgesamt zeigen die umfangreichen Interventionen der öffentlichen Hand Wirkung. Zahlreiche Unternehmen konnten mit Hilfe der staatlichen Hilfskredite und -programme unmittelbare und bestandsgefährdende Liquiditätsprobleme fürs Erste lösen.

Nicht weniger Bedeutung für die relativ hohe Krisenresistenz der Unternehmen hat die gute Eigenkapitalausstattung, die die mittelständischen Unternehmen in den vorangegangenen zwölf Jahren guter Konjunktur aufgebaut hatten. Im Jahr 2019 hatte die durchschnittliche Eigenkapitalquote mittelständischer Unternehmen den Rekordwert von 31,8 Prozent erreicht.  

Zur dauerhaften Überwindung der Krise ist es aber notwendig, dass die Investitions- und Innovationstätigkeit wieder anspringt. „Wir müssen die Chancen der Digitalisierung auf allen Ebenen umsetzen.“ Auch wenn diese Aussage inzwischen schon fast sprechblasenhaft in keiner Politik-Talk-Runde fehlen darf, falsch ist sie trotzdem nicht. Die Unternehmen werden und müssen über neue Produktions-, Organisations- oder Logistikabläufe nachdenken und diese dann installieren. Auch die Transformation ganzer Geschäftsmodelle darf und wird kein Tabu sein. Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist regelmäßig mit zusätzlichem Kapitaleinsatz verbunden.

Dilemma: Investitionsbedarf versus Kapitalmangel

So stehen die Unternehmen vor einem Dilemma. Dem erweiterten Kapitalbedarf stehen die finanziellen Auswirkungen der Krise gegenüber, die auch in den Bilanzen ihre Spuren hinterlassen: Die in Anspruch genommenen (Hilfs-)Kredite lasten mit ihren Zinsen und Rückzahlungsverpflichtungen als eine Hypothek auf die Zukunft auf den Unternehmen. Mit den Umsatz- und Gewinneinrückgängen werden die Eigenkapitalpolster des Mittelstands dünner. 30 bis 40 Prozent der Unternehmen beklagen einen Rückgang der Eigenkapitalquote, so das Ergebnis von Erhebungen von DIHK und KfW.

Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzierungsoptionen und -möglichkeiten. Je mehr die Eigenkapitalquote sinkt, desto schwieriger wird die Finanzierung über Fremdkapital, da Eigenkapital einen wichtigen Indikator für die unternehmerische Stabilität und Bonität darstellt; diese wiederum prägt den Zugang zu und die Konditionen von Fremdkapital.

Eine Erhöhung der Eigenkapitalquote über Thesaurierung ist in der gegenwärtigen Situation vielfach aber nicht darstellbar.

Lösungsoption: Beteiligungskapital

Eine Lösungsoption ist es, externes Eigenkapital – zum Beispiel in Form von Mezzanine oder einer direkten Beteiligung – ins Unternehmen zu holen. Beteiligungskapital „denkt“ anders als Fremdkapital. Während sich Fremdkapitalgeber eher an Istzahlen und Rating orientieren, stehen bei Beteiligungskapital Zukunftsperspektiven und -chancen im Vordergrund. Also: Unabhängig von einem Corona-Effekt engagieren sich Beteiligungsgesellschaften auch in dieser herausfordernden Zeit bei mittelständischen Unternehmen. Wichtig ist: Ein langfristig zukunftsfähiges Geschäftsmodell.

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Christian Fiederling, BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft

Beteiligungskapital: So überwinden Sie die Corona-Krise

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie scheinen sich die Zahlen und Entwicklungen langsam zu beruhigen – ein gutes Zeichen in der Krise. Weshalb für die Krisenresistenz von Unternehmen eine gute Eigenkapitalaustattung von hoher Bedeutung ist und welche Rolle der Kapitalmangel spielt.

2,6 Millionen Unternehmen sind direkt von der Pandemie betroffen, berichtet die KfW. Das Bruttoinlandsprodukt ist im Jahresvergleich um rund 5 Prozent gesunken, berichten die Wirtschaftsforschungsinstitute. Der Export ist um 9 Prozent eingebrochen, berichtet das Statistisches Bundesamt.

Würde der Horrorschriftsteller Stephen King einen Wirtschaftsthriller schreiben, dann würde er ihn wohl mit diesen Zahlen beginnen und den Schrecken immer mehr kumulieren lassen.

Zum Glück hat Stephen King bei Corona nichts zu sagen und es gibt inzwischen etwas beruhigendere Zahlen, Entwicklungen und Trends. So ist der ifo-Geschäftsklimaindex im Februar 2021 wieder gestiegen. Die volkswirtschaftliche Insolvenzrate ist – zwar bedingt durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht – sogar gesunken.

Krisenresistenz: Hohe Eigenkapitalquote

Insgesamt zeigen die umfangreichen Interventionen der öffentlichen Hand Wirkung. Zahlreiche Unternehmen konnten mit Hilfe der staatlichen Hilfskredite und -programme unmittelbare und bestandsgefährdende Liquiditätsprobleme fürs Erste lösen.

Nicht weniger Bedeutung für die relativ hohe Krisenresistenz der Unternehmen hat die gute Eigenkapitalausstattung, die die mittelständischen Unternehmen in den vorangegangenen zwölf Jahren guter Konjunktur aufgebaut hatten. Im Jahr 2019 hatte die durchschnittliche Eigenkapitalquote mittelständischer Unternehmen den Rekordwert von 31,8 Prozent erreicht.  

Zur dauerhaften Überwindung der Krise ist es aber notwendig, dass die Investitions- und Innovationstätigkeit wieder anspringt. „Wir müssen die Chancen der Digitalisierung auf allen Ebenen umsetzen.“ Auch wenn diese Aussage inzwischen schon fast sprechblasenhaft in keiner Politik-Talk-Runde fehlen darf, falsch ist sie trotzdem nicht. Die Unternehmen werden und müssen über neue Produktions-, Organisations- oder Logistikabläufe nachdenken und diese dann installieren. Auch die Transformation ganzer Geschäftsmodelle darf und wird kein Tabu sein. Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist regelmäßig mit zusätzlichem Kapitaleinsatz verbunden.

Dilemma: Investitionsbedarf versus Kapitalmangel

So stehen die Unternehmen vor einem Dilemma. Dem erweiterten Kapitalbedarf stehen die finanziellen Auswirkungen der Krise gegenüber, die auch in den Bilanzen ihre Spuren hinterlassen: Die in Anspruch genommenen (Hilfs-)Kredite lasten mit ihren Zinsen und Rückzahlungsverpflichtungen als eine Hypothek auf die Zukunft auf den Unternehmen. Mit den Umsatz- und Gewinneinrückgängen werden die Eigenkapitalpolster des Mittelstands dünner. 30 bis 40 Prozent der Unternehmen beklagen einen Rückgang der Eigenkapitalquote, so das Ergebnis von Erhebungen von DIHK und KfW.

Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzierungsoptionen und -möglichkeiten. Je mehr die Eigenkapitalquote sinkt, desto schwieriger wird die Finanzierung über Fremdkapital, da Eigenkapital einen wichtigen Indikator für die unternehmerische Stabilität und Bonität darstellt; diese wiederum prägt den Zugang zu und die Konditionen von Fremdkapital.

Eine Erhöhung der Eigenkapitalquote über Thesaurierung ist in der gegenwärtigen Situation vielfach aber nicht darstellbar.

Lösungsoption: Beteiligungskapital

Eine Lösungsoption ist es, externes Eigenkapital – zum Beispiel in Form von Mezzanine oder einer direkten Beteiligung – ins Unternehmen zu holen. Beteiligungskapital „denkt“ anders als Fremdkapital. Während sich Fremdkapitalgeber eher an Istzahlen und Rating orientieren, stehen bei Beteiligungskapital Zukunftsperspektiven und -chancen im Vordergrund. Also: Unabhängig von einem Corona-Effekt engagieren sich Beteiligungsgesellschaften auch in dieser herausfordernden Zeit bei mittelständischen Unternehmen. Wichtig ist: Ein langfristig zukunftsfähiges Geschäftsmodell.

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