Lehren und lernen online

Interview: Darum pausiert die FOM Augsburg das Semester nicht

Prof. Dr. Gerald Mann, wissenschaftlicher Studienleiter der FOM Hochschule in Augsburg. Foto: Mike Henning/FOM
Der Hochschulstart wurde bundesweit verschoben, doch bei der FOM lief das Semester da bereits. Prof. Dr. Gerald Mann, wissenschaftlicher Studienleiter der FOM Hochschule in Augsburg, erklärt im Interview, wie jetzt gelehrt wird und wo Herausforderungen liegen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Warum hat die FOM Augsburg das Semester nicht pausiert?

Prof. Mann: Die FOM ist eine Hochschule für Berufstätige. Unsere Studierenden investieren parallel zu Berufs- und Privatleben viel Zeit und Herzblut in ihr Studium, um sich mit einem Hochschulabschluss beruflich weiterentwickeln zu können. Deshalb führen wir das Semester, das bereits am 1. März 2020 begonnen hat, weiter – nicht in Präsenzform, sondern über unseren Online-Campus und digitale Medien. Unsere Studierenden haben klare Lernziele und wir möchten sie auf diesem Weg umfassend unterstützen.

Die FOM ist eine Präsenzhochschule. Wie setzen Sie das in der Coronakrise um?

Den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und den Anordnungen der Bundesländer folgend finden an den 33 Hochschulzentren der FOM Hochschule – und damit auch in Augsburg – derzeit keine Lehrveranstaltungen und Prüfungen in Präsenzform statt. Wir haben unsere Lehre deshalb schnellstmöglich umgestellt. Aktuell basiert sie auf zwei Säulen: Einerseits lernen Studierende über unseren digitalen Online-Campus – mit systematischer Anleitung durch die Lehrenden – und andererseits finden virtuelle Lehrveranstaltungen wie beispielsweise Webinare statt.

Wie schnell konnten Sie auf digitale Vorlesungen umsteigen? Welche Herausforderungen sind Ihnen dabei begegnet?

Wir haben es geschafft, unsere Lehre innerhalb einer Woche weitestgehend auf digitale Kanäle umzustellen. Dies war insofern eine große Herausforderung, weil wir das nicht allein für Augsburg, sondern für alle 33 FOM Hochschulzentren gleichermaßen umsetzen und dafür auch entsprechende Lizenzen erwerben mussten.

Haben Sie schon zuvor Webinare und Videokonferenzen genutzt?

Ja, wir haben bereits vor der Corona-Krise virtuelle Lehr- und Lernräume genutzt, aber eben nur ergänzend zur Präsenzlehre. Gemeinsames Lernen stand an der FOM immer im Vordergrund, weil es einen enormen Mehrwert bietet. Das wird auch nach der Corona-Krise wieder so sein.

Welches Feedback gibt es von Lehrkräften und Studierenden zu Webinaren?

Unsere Lehrkräfte geben uns grundsätzlich sehr positives Feedback. Bei der Umstellung auf die virtuelle Lehre haben wir unseren Lehrenden-Support, den wir bereits seit vielen Jahren professionell zur Verfügung stellen, entsprechend angepasst und aufgestockt, sodass wir aktive Hilfestellung etwa bei der Einrichtung von Webinaren geben konnten. Unter dem Motto „teach the teacher“ werden wir unsere Lehrenden hier bei Bedarf auch weiterhin unterstützen. Das Feedback unserer Studierenden ist ebenfalls sehr positiv: Einerseits vermissen sie die Präsenzlehre, weil gemeinsames Lernen eben auch einen hohen sozialen Faktor hat – gegenseitige Motivation und gemeinsames Lösen von Aufgaben –, aber sie spiegeln uns in großem Umfang zurück, dass wir die Situation als Hochschule sehr gut regeln. Sie sind froh, dass sie trotz Corona weiter studieren können. Einige von ihnen haben aktuell ja mehr Zeit für das Studium, weil sie im Homeoffice sind und Fahrtzeiten zur Arbeit entfallen. Für sie bedeutet die Krise dadurch auch eine Chance, mehr Zeit ins Studium zu investieren.

Sind digitale Vorlesungen die Zukunft in der Hochschullandschaft?

Digitale Lehr- und Lernmedien bzw. digitale Lehrveranstaltungen werden auch in Zukunft eine Ergänzung zu unserer bewährten Präsenzlehre bleiben. Der direkte persönliche Austausch mit Lehrenden und Studierenden im Hörsaal ist ein Vorteil, der von unseren berufsbegleitend Studierenden sehr gewünscht wird. Präsenz sorgt nachweislich für mehr Motivation und einen höheren Praxistransfer. Gemeinsam Themen zu bearbeiten, zu diskutieren und Herausforderungen zu bewältigen wird deshalb auch in Zukunft einen großen Teil der FOM Lehre ausmachen.

Klausuren und Kolloquien: Finden diese statt und wenn ja wie?

Klausuren und Kolloquien finden, solange dies nötig ist, virtuell statt. Dafür hat die Hochschulleitung eine konzeptionelle Grundlage geschaffen, die für alle Hochschulzentren und für alle Studiengänge anwendbar und rechtssicher ist. Die Informationen zu den verschiedenen Prüfungsmodalitäten erhalten die Studierenden – abhängig von ihrem Studiengang und dem jeweiligen Fachsemester – rechtzeitig über unseren Online-Campus. Damit diese neue Prüfungsform nicht überstürzend kommt und unsere Studierenden ausreichend Zeit zur Vorbereitung haben, wurde die anstehende Prüfungsphase insgesamt um ca. 14 Tage nach hinten verlegt.

Welche Maßnahmen haben Sie sonst ergriffen, um die Studenten durch das Semester zu begleiten?

Abgesehen von der Umstellung unserer Lehre bieten wir vermehrt eine telefonische Studienberatung an. Auch der Kontakt von Studierenden zu Lehrenden, telefonisch und per E-Mail, wurde intensiviert. In Augsburg sind unsere Studiengänge recht familiär, das erleichtert den Support von unseren Lehrenden für unsere Studierenden natürlich. Zudem haben wir bei allen Umstellungen immer auch frühzeitig unsere Semestersprecher ins Boot geholt, die für die Studierenden ebenfalls wichtige Ansprechpartner sind. Uns ist es wichtig, unseren Studierenden auf allen Ebenen zu vermitteln, dass wir sie in dieser schwierigen Zeit bestmöglich unterstützen.

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Prof. Mann: Die FOM ist eine Hochschule für Berufstätige. Unsere Studierenden investieren parallel zu Berufs- und Privatleben viel Zeit und Herzblut in ihr Studium, um sich mit einem Hochschulabschluss beruflich weiterentwickeln zu können. Deshalb führen wir das Semester, das bereits am 1. März 2020 begonnen hat, weiter – nicht in Präsenzform, sondern über unseren Online-Campus und digitale Medien. Unsere Studierenden haben klare Lernziele und wir möchten sie auf diesem Weg umfassend unterstützen.

Die FOM ist eine Präsenzhochschule. Wie setzen Sie das in der Coronakrise um?

Den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und den Anordnungen der Bundesländer folgend finden an den 33 Hochschulzentren der FOM Hochschule – und damit auch in Augsburg – derzeit keine Lehrveranstaltungen und Prüfungen in Präsenzform statt. Wir haben unsere Lehre deshalb schnellstmöglich umgestellt. Aktuell basiert sie auf zwei Säulen: Einerseits lernen Studierende über unseren digitalen Online-Campus – mit systematischer Anleitung durch die Lehrenden – und andererseits finden virtuelle Lehrveranstaltungen wie beispielsweise Webinare statt.

Wie schnell konnten Sie auf digitale Vorlesungen umsteigen? Welche Herausforderungen sind Ihnen dabei begegnet?

Wir haben es geschafft, unsere Lehre innerhalb einer Woche weitestgehend auf digitale Kanäle umzustellen. Dies war insofern eine große Herausforderung, weil wir das nicht allein für Augsburg, sondern für alle 33 FOM Hochschulzentren gleichermaßen umsetzen und dafür auch entsprechende Lizenzen erwerben mussten.

Haben Sie schon zuvor Webinare und Videokonferenzen genutzt?

Ja, wir haben bereits vor der Corona-Krise virtuelle Lehr- und Lernräume genutzt, aber eben nur ergänzend zur Präsenzlehre. Gemeinsames Lernen stand an der FOM immer im Vordergrund, weil es einen enormen Mehrwert bietet. Das wird auch nach der Corona-Krise wieder so sein.

Welches Feedback gibt es von Lehrkräften und Studierenden zu Webinaren?

Unsere Lehrkräfte geben uns grundsätzlich sehr positives Feedback. Bei der Umstellung auf die virtuelle Lehre haben wir unseren Lehrenden-Support, den wir bereits seit vielen Jahren professionell zur Verfügung stellen, entsprechend angepasst und aufgestockt, sodass wir aktive Hilfestellung etwa bei der Einrichtung von Webinaren geben konnten. Unter dem Motto „teach the teacher“ werden wir unsere Lehrenden hier bei Bedarf auch weiterhin unterstützen. Das Feedback unserer Studierenden ist ebenfalls sehr positiv: Einerseits vermissen sie die Präsenzlehre, weil gemeinsames Lernen eben auch einen hohen sozialen Faktor hat – gegenseitige Motivation und gemeinsames Lösen von Aufgaben –, aber sie spiegeln uns in großem Umfang zurück, dass wir die Situation als Hochschule sehr gut regeln. Sie sind froh, dass sie trotz Corona weiter studieren können. Einige von ihnen haben aktuell ja mehr Zeit für das Studium, weil sie im Homeoffice sind und Fahrtzeiten zur Arbeit entfallen. Für sie bedeutet die Krise dadurch auch eine Chance, mehr Zeit ins Studium zu investieren.

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Digitale Lehr- und Lernmedien bzw. digitale Lehrveranstaltungen werden auch in Zukunft eine Ergänzung zu unserer bewährten Präsenzlehre bleiben. Der direkte persönliche Austausch mit Lehrenden und Studierenden im Hörsaal ist ein Vorteil, der von unseren berufsbegleitend Studierenden sehr gewünscht wird. Präsenz sorgt nachweislich für mehr Motivation und einen höheren Praxistransfer. Gemeinsam Themen zu bearbeiten, zu diskutieren und Herausforderungen zu bewältigen wird deshalb auch in Zukunft einen großen Teil der FOM Lehre ausmachen.

Klausuren und Kolloquien: Finden diese statt und wenn ja wie?

Klausuren und Kolloquien finden, solange dies nötig ist, virtuell statt. Dafür hat die Hochschulleitung eine konzeptionelle Grundlage geschaffen, die für alle Hochschulzentren und für alle Studiengänge anwendbar und rechtssicher ist. Die Informationen zu den verschiedenen Prüfungsmodalitäten erhalten die Studierenden – abhängig von ihrem Studiengang und dem jeweiligen Fachsemester – rechtzeitig über unseren Online-Campus. Damit diese neue Prüfungsform nicht überstürzend kommt und unsere Studierenden ausreichend Zeit zur Vorbereitung haben, wurde die anstehende Prüfungsphase insgesamt um ca. 14 Tage nach hinten verlegt.

Welche Maßnahmen haben Sie sonst ergriffen, um die Studenten durch das Semester zu begleiten?

Abgesehen von der Umstellung unserer Lehre bieten wir vermehrt eine telefonische Studienberatung an. Auch der Kontakt von Studierenden zu Lehrenden, telefonisch und per E-Mail, wurde intensiviert. In Augsburg sind unsere Studiengänge recht familiär, das erleichtert den Support von unseren Lehrenden für unsere Studierenden natürlich. Zudem haben wir bei allen Umstellungen immer auch frühzeitig unsere Semestersprecher ins Boot geholt, die für die Studierenden ebenfalls wichtige Ansprechpartner sind. Uns ist es wichtig, unseren Studierenden auf allen Ebenen zu vermitteln, dass wir sie in dieser schwierigen Zeit bestmöglich unterstützen.

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