Dr. Matthias Walter, Blue Advisory GmbH

Zusammenarbeit: „Wie gelingt die Kooperation mit einem Startup?“

B4B-Leser fragen, unsere Branchenexperten aus der Region antworten: „Steigende Kundenanforderungen und immer kürzere Innovationszyklen veranlassen immer mehr etablierte Unternehmen zu einer Zusammenarbeit mit Startups. Worauf muss ich achten, wenn ich mit einem Startup zusammenarbeiten will?“ Diese Tipps gibt Dr. Matthias Walter, Senior Manager der Blue Advisory GmbH.

Die Investitionsquote deutscher Unternehmen hat sich laut der KfW Bank in den letzten 15 Jahren von 45 auf 19 Prozent verringert. Gerade im Hinblick auf nationale und internationale Wettbewerbsstärke ist das ein Alarmsignal. Innovationen und damit einhergehend die regelmäßige Überprüfung des eigenen Geschäftsmodells auf Innovationspotentiale ist überlebenswichtig für die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und den Mittelstand im Speziellen. 

Woran liegt der Rückgang an Innovationen?

Die Bertelsmann Stiftung kam 2019 in ihrer Studie „Tradition statt Disruption“ zu dem Ergebnis, dass deutschen Unternehmen vor allem Risikobereitschaft und eine ermutigende Innovationskultur fehlen. Spricht man mit der Unternehmensleitung, werden häufig Fachkräftemängel, Kapazitätsengpässe oder der schleppende Ausbau digitaler Netzinfrastrukturen als Begründung genannt. Nicht zuletzt verursachen Krisen eine aus Angst hervorgerufene Investitionsblockade.

Sind Kooperation mit Startups die Lösung?

Da erscheint schnell eine Kooperation mit einem Startup, welches innovative, agile Produkte, Services oder Vertriebswege aufweist, als die perfekte Lösung, um zu alter Innovationsstärke zurückzukehren. KMUs müssen so nicht selbstständig neue Technologien und Geschäftsmodelle entwickeln. Startups profitieren dagegen von einer Partnerschaft durch unter anderem Erfahrung, Marktkenntnis und Kundennetzwerk.

Vorsicht vor Stolpersteinen

Wer sich für eine Kooperation mit einem Startup entscheidet, sollte sich aber ebenso mit deren Schwächen auseinandersetzen. Oft sind digitale Newcomer noch unerfahren, ohne Marktkenntnis und nur mit geringen finanziellen Mittel ausgestattet. Manche Prozesse sind nicht, bis gar nicht organisiert und müssen erst strukturiert werden. Die Praxis hat auch gezeigt, dass unterschiedliche Unternehmenskulturen, Ziele und interne Widerstände häufig Hemmnisse auf dem Weg zu einer erfolgreichen Kooperation zwischen Startups und KMUs darstellen. Darüber hinaus ist der Zugang zu Startups immer noch für viele KMUs eine große Hürde, da deutschlandweit nur eine geringe Anzahl an innovativen Startups für Kooperationen in Frage kommen, diese sich hauptsächlich in Ballungszentren befinden und der Such-, Auswahl- und Bewertungsprozess äußerst zeitintensiv sein kann.

Was ist zu tun?

Im ersten Schritt rate ich Unternehmen, sich über die Art und Weise der Kooperationsform Gedanken zu machen. Je nachdem, welches Ziel sie mit der Kooperation verfolgen, können projektbezogene Kooperationen, längerfristige Geschäftsbeziehungen oder auch Beteiligungen die richtige Form sein.

Beide Partner sollten grundsätzlich offen sein für eine Kooperation. Auch wenn dies als selbstverständlich erscheint, prüfen Sie diesen Punkt sowohl bei sich als auch beim Kooperationspartner.

Beide Unternehmen sollten sich im Vorfeld klar über die eigenen sowie die gemeinsamen Visionen sein. Gleichzeitig sollte aber auch die jeweilige Autonomie des anderen respektiert werden. Dies gelingt nur mit Vertrauen, entsprechenden Verträgen (zum Beispiel im Hinblick auf den Datenschutz) und Organisationsdesign.

Eine Analyse der gegenseitigen Unternehmenskulturen sollte als Ergebnis eine gemeinsame, kulturelle Zieldefinition besitzen. Eine solche Zieldefinition hilft, ein passgenaues Maßnahmenprogramm für den Kooperationsverlauf abzuleiten. Mithilfe eines Kommunikationskonzepts können Mitarbeiter regelmäßig über Fortschritte informiert werden und ein wechselseitiger Austausch zwischen den Beteiligten erreicht werden. Das hilft, um interne Widerstände zu lösen. 

KMUs sollten eine Investitionsstrategie für den kleinen Partner anlegen und so Unterstützung signalisieren. Auf der anderen Seite sollten Startups klar zeigen, welchen konkreten Mehrwert sie einbringen.

Technische Voraussetzungen sollten so geschaffen werden, dass Kooperationen auch über weite Distanzen zwischen den Partnern möglich sind (zum Beispiel über digitale Work-Spaces).

Natürlich ist diese Liste nicht abschließend – am Ende ist es das „Gesamtpaket“, das zählt. Aber wenn Sie die genannten Punkte beachten, dann bin ich optimistisch, dass Sie sich auf einem guten Weg zu einer starken Kooperation befinden.

Sie haben Rückfragen an unseren Experten Dr. Matthias Walter, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Dr. Matthias Walter, Blue Advisory GmbH

Zusammenarbeit: „Wie gelingt die Kooperation mit einem Startup?“

B4B-Leser fragen, unsere Branchenexperten aus der Region antworten: „Steigende Kundenanforderungen und immer kürzere Innovationszyklen veranlassen immer mehr etablierte Unternehmen zu einer Zusammenarbeit mit Startups. Worauf muss ich achten, wenn ich mit einem Startup zusammenarbeiten will?“ Diese Tipps gibt Dr. Matthias Walter, Senior Manager der Blue Advisory GmbH.

Die Investitionsquote deutscher Unternehmen hat sich laut der KfW Bank in den letzten 15 Jahren von 45 auf 19 Prozent verringert. Gerade im Hinblick auf nationale und internationale Wettbewerbsstärke ist das ein Alarmsignal. Innovationen und damit einhergehend die regelmäßige Überprüfung des eigenen Geschäftsmodells auf Innovationspotentiale ist überlebenswichtig für die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und den Mittelstand im Speziellen. 

Woran liegt der Rückgang an Innovationen?

Die Bertelsmann Stiftung kam 2019 in ihrer Studie „Tradition statt Disruption“ zu dem Ergebnis, dass deutschen Unternehmen vor allem Risikobereitschaft und eine ermutigende Innovationskultur fehlen. Spricht man mit der Unternehmensleitung, werden häufig Fachkräftemängel, Kapazitätsengpässe oder der schleppende Ausbau digitaler Netzinfrastrukturen als Begründung genannt. Nicht zuletzt verursachen Krisen eine aus Angst hervorgerufene Investitionsblockade.

Sind Kooperation mit Startups die Lösung?

Da erscheint schnell eine Kooperation mit einem Startup, welches innovative, agile Produkte, Services oder Vertriebswege aufweist, als die perfekte Lösung, um zu alter Innovationsstärke zurückzukehren. KMUs müssen so nicht selbstständig neue Technologien und Geschäftsmodelle entwickeln. Startups profitieren dagegen von einer Partnerschaft durch unter anderem Erfahrung, Marktkenntnis und Kundennetzwerk.

Vorsicht vor Stolpersteinen

Wer sich für eine Kooperation mit einem Startup entscheidet, sollte sich aber ebenso mit deren Schwächen auseinandersetzen. Oft sind digitale Newcomer noch unerfahren, ohne Marktkenntnis und nur mit geringen finanziellen Mittel ausgestattet. Manche Prozesse sind nicht, bis gar nicht organisiert und müssen erst strukturiert werden. Die Praxis hat auch gezeigt, dass unterschiedliche Unternehmenskulturen, Ziele und interne Widerstände häufig Hemmnisse auf dem Weg zu einer erfolgreichen Kooperation zwischen Startups und KMUs darstellen. Darüber hinaus ist der Zugang zu Startups immer noch für viele KMUs eine große Hürde, da deutschlandweit nur eine geringe Anzahl an innovativen Startups für Kooperationen in Frage kommen, diese sich hauptsächlich in Ballungszentren befinden und der Such-, Auswahl- und Bewertungsprozess äußerst zeitintensiv sein kann.

Was ist zu tun?

Im ersten Schritt rate ich Unternehmen, sich über die Art und Weise der Kooperationsform Gedanken zu machen. Je nachdem, welches Ziel sie mit der Kooperation verfolgen, können projektbezogene Kooperationen, längerfristige Geschäftsbeziehungen oder auch Beteiligungen die richtige Form sein.

Beide Partner sollten grundsätzlich offen sein für eine Kooperation. Auch wenn dies als selbstverständlich erscheint, prüfen Sie diesen Punkt sowohl bei sich als auch beim Kooperationspartner.

Beide Unternehmen sollten sich im Vorfeld klar über die eigenen sowie die gemeinsamen Visionen sein. Gleichzeitig sollte aber auch die jeweilige Autonomie des anderen respektiert werden. Dies gelingt nur mit Vertrauen, entsprechenden Verträgen (zum Beispiel im Hinblick auf den Datenschutz) und Organisationsdesign.

Eine Analyse der gegenseitigen Unternehmenskulturen sollte als Ergebnis eine gemeinsame, kulturelle Zieldefinition besitzen. Eine solche Zieldefinition hilft, ein passgenaues Maßnahmenprogramm für den Kooperationsverlauf abzuleiten. Mithilfe eines Kommunikationskonzepts können Mitarbeiter regelmäßig über Fortschritte informiert werden und ein wechselseitiger Austausch zwischen den Beteiligten erreicht werden. Das hilft, um interne Widerstände zu lösen. 

KMUs sollten eine Investitionsstrategie für den kleinen Partner anlegen und so Unterstützung signalisieren. Auf der anderen Seite sollten Startups klar zeigen, welchen konkreten Mehrwert sie einbringen.

Technische Voraussetzungen sollten so geschaffen werden, dass Kooperationen auch über weite Distanzen zwischen den Partnern möglich sind (zum Beispiel über digitale Work-Spaces).

Natürlich ist diese Liste nicht abschließend – am Ende ist es das „Gesamtpaket“, das zählt. Aber wenn Sie die genannten Punkte beachten, dann bin ich optimistisch, dass Sie sich auf einem guten Weg zu einer starken Kooperation befinden.

Sie haben Rückfragen an unseren Experten Dr. Matthias Walter, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben