Thomas Kratzer, Kratzer Personalberatung

Wo liegen die Grenzen bei Quereinsteigern?

Quereinsteiger werden in der Regel nur dann eingestellt, wenn auf dem Arbeitsmarkt keine Fachkräfte verfügbar sind. Allerdings gilt für agile Unternehmen die Empfehlung, gezielt Quereinsteiger einzustellen. Wann profitieren Unternehmen von Quereinsteigern, was gilt es zu beachten und wo liegen die Grenzen des Seiteneinstiegs?

B4B-Leserin fragt:

Man hört immer öfter, dass es für „agile Unternehmen“ vorteilhaft ist, wenn sie bei neuen Mitarbeitern auch Quereinsteiger berücksichtigen. Wie breit ist denn dieser Begriff gefasst? Sind tatsächlich Lkw-Fahrer in der Lebensmittelproduktion denkbar oder Psychologen in der Außendienstdispo?

Thomas Kratzer, unser Experte für Recruiting, antwortet:

Was ist ein Quer- oder Seiteneinsteiger?

Als Quereinsteiger gelten Mitarbeiter, die für ihren aktuellen Arbeitsplatz weder eine klassische Berufsausbildung noch praktische Erfahrung vorweisen können. In Deutschland haben Quereinsteiger allgemein einen schweren Stand. Personalverantwortliche erwarten eine gewisse Vorerfahrung – aus Sorge vor zu langen Einarbeitungsphasen. Zudem fehlt das Vertrauen, dass der neue Mitarbeiter auch ohne Vorkenntnisse zeitnah gute Arbeitsergebnisse erzielt. Zudem existieren rechtliche Einschränkungen: Bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte oder Rechtsanwälte brauchen offizielle Nachweise und anerkannte Zertifikate, um ihren Beruf auszuüben.

Internationaler Vergleich: Quereinsteiger sind keine Exoten

Nirgendwo genießen Zeugnisse und Qualifikationsnachweise einen solchen Stellenwert wie hierzulande. Allerdings herrschen in den meisten Ländern auch weniger strenge Regeln als in Deutschland. Ein Beispiel ist der Kündigungsschutz. Unternehmer im Ausland handeln nach dem Motto: Wir probieren es. Wenn es nicht passt, dann beenden wir das Arbeitsverhältnis wieder. Ob es „passt“ zeigt sich nicht immer während der Probezeit. In Deutschland ist eine Kündigung nach dieser Phase kompliziert. Deshalb vermeiden viele Unternehmen das Risiko, einem Quereinsteiger eine Chance zu geben.

Agile Unternehmen profitieren von Quereinsteigern

Trotz der Vorbehalte sollten agile Organisationen das Potenzial von Seiteneinsteigern nicht unterschätzen. Quereinsteiger geben neue Impulse, sie gehen mit offenem Blick an ihre Aufgaben heran, sind nicht betriebsblind und die Personalkosten rangieren auf niedrigem Niveau. Außerdem: Ein Mitarbeiter mit zehn Jahren Berufserfahrung macht seinen Job nicht unbedingt besser als ein Seiteneinsteiger, der voller Motivation und Engagement seine Aufgaben anpackt. Idealerweise setzt ein Unternehmen auf einen gesunden Mix aus alten Hasen und Seiteneinsteigern.

LKW-Fahrer in der Lebensmittelproduktion

Grundsätzlich ist jeder Job – außer gesetzlich reglementierte Berufe – dafür geeignet. Allerdings gilt auch: Je komplexer ein Aufgabenbereich ist, umso länger dauert die Einarbeitung. Wenn etwa ein LKW-Fahrer in der Lebensmittelproduktion eingesetzt wird, kann er nicht sofort die Aufgaben einer ausgebildeten Fachkraft übernehmen. Aber er kann einfache Tätigkeiten ausführen und sich hocharbeiten. Außerdem muss er motiviert für den Schichtbetrieb und körperlich anstrengende Arbeit sein. Zusätzlich braucht er die Bereitschaft, hohe Hygienestandards einzuhalten. LKW-Fahrer kennen körperliche Arbeit und Schichtdienst – eine gute Voraussetzung.

Disponent als Psychologe?

Stellen Sie sich vor, ein Psychologe arbeitet als Disponent. Auch als Psychologe hatte er jeden Tag mit Menschen zu tun und musste schwierige Situationen meistern. Als Disponent muss er Touren umplanen und frustrierte Mitarbeiter trösten und wieder motivieren. Der Psychologie ist der ideale Quereinsteiger. Im Gegensatz dazu kann ein Disponent nicht einfach als psychologischer Berater tätig werden. Hier benötigt er in jedem Fall eine Umschulung, denn ihm fehlt es unter anderem an Wissen über psychische Krankheiten.

Passende Quereinsteiger identifizieren – so geht‘s

Überlegen Sie, welche Soft-Skills eine Person unbedingt braucht. Fachliches Knowhow lässt sich lernen. Wille, Fleiß und die Leidenschaft für den Job machen den Unterschied. Ohne großes Risiko können Sie befristete Arbeitsverträge abschließen, Probearbeitstage vereinbaren und dem Neuling einen Mentor zur Seite stellen. Sind Sie sich trotzdem unsicher, dann probieren Sie es über Leiharbeit.

Ein Beispiel: Viele Migranten sind Quereinsteiger. Sie wollen und müssen Geld verdienen und sind häufig motivierter und leistungsstärker als ihre deutschen Kollegen.

Sie haben Rückfragen an unseren Experten Thomas Kratzer, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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B4B-Leserin fragt:

Man hört immer öfter, dass es für „agile Unternehmen“ vorteilhaft ist, wenn sie bei neuen Mitarbeitern auch Quereinsteiger berücksichtigen. Wie breit ist denn dieser Begriff gefasst? Sind tatsächlich Lkw-Fahrer in der Lebensmittelproduktion denkbar oder Psychologen in der Außendienstdispo?

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Was ist ein Quer- oder Seiteneinsteiger?

Als Quereinsteiger gelten Mitarbeiter, die für ihren aktuellen Arbeitsplatz weder eine klassische Berufsausbildung noch praktische Erfahrung vorweisen können. In Deutschland haben Quereinsteiger allgemein einen schweren Stand. Personalverantwortliche erwarten eine gewisse Vorerfahrung – aus Sorge vor zu langen Einarbeitungsphasen. Zudem fehlt das Vertrauen, dass der neue Mitarbeiter auch ohne Vorkenntnisse zeitnah gute Arbeitsergebnisse erzielt. Zudem existieren rechtliche Einschränkungen: Bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte oder Rechtsanwälte brauchen offizielle Nachweise und anerkannte Zertifikate, um ihren Beruf auszuüben.

Internationaler Vergleich: Quereinsteiger sind keine Exoten

Nirgendwo genießen Zeugnisse und Qualifikationsnachweise einen solchen Stellenwert wie hierzulande. Allerdings herrschen in den meisten Ländern auch weniger strenge Regeln als in Deutschland. Ein Beispiel ist der Kündigungsschutz. Unternehmer im Ausland handeln nach dem Motto: Wir probieren es. Wenn es nicht passt, dann beenden wir das Arbeitsverhältnis wieder. Ob es „passt“ zeigt sich nicht immer während der Probezeit. In Deutschland ist eine Kündigung nach dieser Phase kompliziert. Deshalb vermeiden viele Unternehmen das Risiko, einem Quereinsteiger eine Chance zu geben.

Agile Unternehmen profitieren von Quereinsteigern

Trotz der Vorbehalte sollten agile Organisationen das Potenzial von Seiteneinsteigern nicht unterschätzen. Quereinsteiger geben neue Impulse, sie gehen mit offenem Blick an ihre Aufgaben heran, sind nicht betriebsblind und die Personalkosten rangieren auf niedrigem Niveau. Außerdem: Ein Mitarbeiter mit zehn Jahren Berufserfahrung macht seinen Job nicht unbedingt besser als ein Seiteneinsteiger, der voller Motivation und Engagement seine Aufgaben anpackt. Idealerweise setzt ein Unternehmen auf einen gesunden Mix aus alten Hasen und Seiteneinsteigern.

LKW-Fahrer in der Lebensmittelproduktion

Grundsätzlich ist jeder Job – außer gesetzlich reglementierte Berufe – dafür geeignet. Allerdings gilt auch: Je komplexer ein Aufgabenbereich ist, umso länger dauert die Einarbeitung. Wenn etwa ein LKW-Fahrer in der Lebensmittelproduktion eingesetzt wird, kann er nicht sofort die Aufgaben einer ausgebildeten Fachkraft übernehmen. Aber er kann einfache Tätigkeiten ausführen und sich hocharbeiten. Außerdem muss er motiviert für den Schichtbetrieb und körperlich anstrengende Arbeit sein. Zusätzlich braucht er die Bereitschaft, hohe Hygienestandards einzuhalten. LKW-Fahrer kennen körperliche Arbeit und Schichtdienst – eine gute Voraussetzung.

Disponent als Psychologe?

Stellen Sie sich vor, ein Psychologe arbeitet als Disponent. Auch als Psychologe hatte er jeden Tag mit Menschen zu tun und musste schwierige Situationen meistern. Als Disponent muss er Touren umplanen und frustrierte Mitarbeiter trösten und wieder motivieren. Der Psychologie ist der ideale Quereinsteiger. Im Gegensatz dazu kann ein Disponent nicht einfach als psychologischer Berater tätig werden. Hier benötigt er in jedem Fall eine Umschulung, denn ihm fehlt es unter anderem an Wissen über psychische Krankheiten.

Passende Quereinsteiger identifizieren – so geht‘s

Überlegen Sie, welche Soft-Skills eine Person unbedingt braucht. Fachliches Knowhow lässt sich lernen. Wille, Fleiß und die Leidenschaft für den Job machen den Unterschied. Ohne großes Risiko können Sie befristete Arbeitsverträge abschließen, Probearbeitstage vereinbaren und dem Neuling einen Mentor zur Seite stellen. Sind Sie sich trotzdem unsicher, dann probieren Sie es über Leiharbeit.

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