Jürgen Biedermann, Stadtwerke Augsburg Carsharing GmbH

Wie nachhaltig ist Carsharing gegenüber einem festen Fuhrpark?

Carsharing oder eigene Firmenflotte? Dieser Entscheidung liegen viele Überlegungen zugrunde – auch nachhaltige Aspekte spielen hier eine Rolle. Doch ist Carsharing nachhaltiger als ein fester Fuhrpark?

B4B-Leser fragt:

Gibt es eine Art Vergleichsbilanz, um wieviel nachhaltiger die Nutzung von Carsharing gegenüber einem festen Fuhrpark ist?

Jürgen Biedermann, Geschäftsbereichsleiter Multimobilität der Stadtwerke Augsburg Carsharing GmbH, antwortet.

Der Frage liegt wohl die Erkenntnis aus diversen Studien zugrunde, dass Fahrzeuge aus dem Carsharing intensiver genutzt werden als Fahrzeuge, die sich im eigenen Besitz befinden; geringere Standzeiten bedeuten weniger Flächenverbrauch. Ausgehend von der Annahme, dass außerdem der Anteil von E-Autos in Carsharing-Flotten höher ist als bei regulären Firmenflotten, kann man auch einen Vorteil bei CO2-Fußabdruck unterstellen.

Das Nachhaltigkeits-Bild stellt sich im alltäglichen Betrieb allerdings deutlich differenzierter dar. Deshalb ist eine pauschale Aussage nicht möglich. Einige Gründe, die diesen Zustand beeinflussen, sind hier aufgeführt, um Entscheidungen zu erleichtern bzw. richtig zu gewichten.

Guter Mix aus gewerblichen und privaten Nutzern

Generell sind Carsharing-Stationen dort am erfolgreichsten und wirtschaftlichsten – für Betreiber wie Nutzer – wo sich ein guter Mix aus gewerblichen Nutzern (vorwiegend unter der Woche) und privaten Nutzern (vorwiegend am Wochenende) darstellen lässt. Das führt zu einer gleichmäßigen Auslastung und damit auch zu einer tendenziell höheren Anzahl an Fahrzeugen. Diese wiederum beeinflusst die Verfügbarkeit. Stationen in reinen Gewerbegebieten erreichen in der Regel nicht die erforderliche Nutzungsintensität. In der Regel fahren Unternehmen in dieser Situation mit einer geleasten Flotte besser. Carsharing erweist sich hier aber als wertvoll, um fallweise Spitzen abzudecken.

Dabei gilt es auch zu berücksichtigen: Standorte, die vor Ort schon eine hohe Frequenz an Eigen-Fahrzeugen haben, sind für Carsharing wenig verlockend.

Mitarbeiter gehen bis zu 300 Meter zum Fahrzeug

Für kleinere Unternehmen – meistens in einer Größenordnung, die keinen eigenen Fuhrpark rentiert – stellt sich die Frage anders: Befindet sich ein Carsharing-Standort in der Nähe der Kanzlei, Praxis oder des Büros, ist die Nutzung von Sharing-Fahrzeugen eine gute Option, nicht nur was Nachhaltigkeit angeht, sondern die Kosten überhaupt. Bei der Akzeptanz unter den Mitarbeitenden spielt dabei die Entfernung zu Fuß eine kritische Rolle: Wege bis zu 300 Metern werden (vor allem bei der Mitnahme von Material und abhängig vom Wetter) noch in Kauf genommen – schließlich ist das Vergleichsmodell das „Auto vor der Tür“. Für öffentliche Verkehrsmittel werden da einige Schritte mehr akzeptiert.

Ein ausreichendes Volumen an Fahrten vorausgesetzt, können Unternehmen auch Fahrzeuge beim Carsharing-Anbieter für bestimmte Zeiten „blocken“ lassen. Das ist besonders dann nützlich, wenn regelmäßige Fahrten zu Niederlassungen, Kunden oder Dienstleistern stattfinden und die Verfügbarkeit sichergestellt sein soll. Hier hilft eine umfassende und detaillierte Analyse des Aufkommens zusammen mit dem Carsharing-Anbieter dabei, die passende Lösung zu finden.

Einzelfallmodelle sind möglich

Bleiben Unternehmen oder Standorte, die bewusst nachhaltig agieren wollen. Hier können von Fall zu Fall Modelle entwickelt werden, bei denen der Kunde für eine eventuelle Mindernutzung geradesteht, um ein Carsharing-Angebot zu realisieren. Ländliche Kommunen kommen hierfür ebenso in Frage wie Firmen, die ihren Fahrzeugpool auf Carsharing umstellen und so ein „Wochenend-Auto“ für Anwohner oder Angestellte ermöglichen. Auch hier ist eine konkrete Kalkulation zusammen mit dem Anbieter empfehlenswert.

Sie haben Rückfragen an Carsharing-Experten Jürgen Biedermann, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt gerne direkt Kontakt auf.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Jürgen Biedermann, Stadtwerke Augsburg Carsharing GmbH

Wie nachhaltig ist Carsharing gegenüber einem festen Fuhrpark?

Carsharing oder eigene Firmenflotte? Dieser Entscheidung liegen viele Überlegungen zugrunde – auch nachhaltige Aspekte spielen hier eine Rolle. Doch ist Carsharing nachhaltiger als ein fester Fuhrpark?

B4B-Leser fragt:

Gibt es eine Art Vergleichsbilanz, um wieviel nachhaltiger die Nutzung von Carsharing gegenüber einem festen Fuhrpark ist?

Jürgen Biedermann, Geschäftsbereichsleiter Multimobilität der Stadtwerke Augsburg Carsharing GmbH, antwortet.

Der Frage liegt wohl die Erkenntnis aus diversen Studien zugrunde, dass Fahrzeuge aus dem Carsharing intensiver genutzt werden als Fahrzeuge, die sich im eigenen Besitz befinden; geringere Standzeiten bedeuten weniger Flächenverbrauch. Ausgehend von der Annahme, dass außerdem der Anteil von E-Autos in Carsharing-Flotten höher ist als bei regulären Firmenflotten, kann man auch einen Vorteil bei CO2-Fußabdruck unterstellen.

Das Nachhaltigkeits-Bild stellt sich im alltäglichen Betrieb allerdings deutlich differenzierter dar. Deshalb ist eine pauschale Aussage nicht möglich. Einige Gründe, die diesen Zustand beeinflussen, sind hier aufgeführt, um Entscheidungen zu erleichtern bzw. richtig zu gewichten.

Guter Mix aus gewerblichen und privaten Nutzern

Generell sind Carsharing-Stationen dort am erfolgreichsten und wirtschaftlichsten – für Betreiber wie Nutzer – wo sich ein guter Mix aus gewerblichen Nutzern (vorwiegend unter der Woche) und privaten Nutzern (vorwiegend am Wochenende) darstellen lässt. Das führt zu einer gleichmäßigen Auslastung und damit auch zu einer tendenziell höheren Anzahl an Fahrzeugen. Diese wiederum beeinflusst die Verfügbarkeit. Stationen in reinen Gewerbegebieten erreichen in der Regel nicht die erforderliche Nutzungsintensität. In der Regel fahren Unternehmen in dieser Situation mit einer geleasten Flotte besser. Carsharing erweist sich hier aber als wertvoll, um fallweise Spitzen abzudecken.

Dabei gilt es auch zu berücksichtigen: Standorte, die vor Ort schon eine hohe Frequenz an Eigen-Fahrzeugen haben, sind für Carsharing wenig verlockend.

Mitarbeiter gehen bis zu 300 Meter zum Fahrzeug

Für kleinere Unternehmen – meistens in einer Größenordnung, die keinen eigenen Fuhrpark rentiert – stellt sich die Frage anders: Befindet sich ein Carsharing-Standort in der Nähe der Kanzlei, Praxis oder des Büros, ist die Nutzung von Sharing-Fahrzeugen eine gute Option, nicht nur was Nachhaltigkeit angeht, sondern die Kosten überhaupt. Bei der Akzeptanz unter den Mitarbeitenden spielt dabei die Entfernung zu Fuß eine kritische Rolle: Wege bis zu 300 Metern werden (vor allem bei der Mitnahme von Material und abhängig vom Wetter) noch in Kauf genommen – schließlich ist das Vergleichsmodell das „Auto vor der Tür“. Für öffentliche Verkehrsmittel werden da einige Schritte mehr akzeptiert.

Ein ausreichendes Volumen an Fahrten vorausgesetzt, können Unternehmen auch Fahrzeuge beim Carsharing-Anbieter für bestimmte Zeiten „blocken“ lassen. Das ist besonders dann nützlich, wenn regelmäßige Fahrten zu Niederlassungen, Kunden oder Dienstleistern stattfinden und die Verfügbarkeit sichergestellt sein soll. Hier hilft eine umfassende und detaillierte Analyse des Aufkommens zusammen mit dem Carsharing-Anbieter dabei, die passende Lösung zu finden.

Einzelfallmodelle sind möglich

Bleiben Unternehmen oder Standorte, die bewusst nachhaltig agieren wollen. Hier können von Fall zu Fall Modelle entwickelt werden, bei denen der Kunde für eine eventuelle Mindernutzung geradesteht, um ein Carsharing-Angebot zu realisieren. Ländliche Kommunen kommen hierfür ebenso in Frage wie Firmen, die ihren Fahrzeugpool auf Carsharing umstellen und so ein „Wochenend-Auto“ für Anwohner oder Angestellte ermöglichen. Auch hier ist eine konkrete Kalkulation zusammen mit dem Anbieter empfehlenswert.

Sie haben Rückfragen an Carsharing-Experten Jürgen Biedermann, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt gerne direkt Kontakt auf.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben