Nikolai Üstündag, Kloepfel Corporate Finance

Wie gelingt eine Unternehmens-Nachfolge außerhalb der Familie?

Kann die Unternehmensnachfolge nicht in der Familie gelöst werden, müssen Externe in die Nachfolgeregelung integriert werden. Doch wann ist der geeignete Zeitpunkt, dies zu realisieren?

B4B-Leser fragt:

„Ich leite ein Familienunternehmen in zweiter Generation und denke über mein Ausscheiden nach. Leider gibt es innerhalb meiner Familie niemanden, der meine Nachfolge übernehmen kann. Wann sollte ich das Thema Unternehmensnachfolge angehen?“

Unser Experte Nikolai Üstündag, Associate bei Kloepfel Corporate Finance GmbH, antwortet:

Als Faustregel gilt: Je unabhängiger ein Unternehmen schon jetzt ohne seinen aktuellen geschäftsführenden Gesellschafter läuft, desto kürzer kann die Transferperiode ausfallen, in welcher die Geschäftsführung übergeben wird.

Überdies spielen die folgenden Fragen eine tragende Rolle:

  • Ist bereits eine zweite Management-Ebene etabliert?
  • Soll der Verkauf an einen Finanzinvestor oder an einen strategischen Käufer realisiert werden?

Für eine ordentliche Übergabe der Geschäftsführung mit einer bereits etablierten, gut funktionierenden zweiten Managementebene sollte jedoch mindestens mit einem Zeitraum von 6 Monaten gerechnet werden. Hinzu kommen noch ca. 6-12 Monate für einen strukturierten Transaktionsprozess. Somit ist ein Verkauf spätestens 1-2,5 Jahre vor einem geplanten Ausscheiden anzustoßen.

Dabei besteht für den ausscheidenden geschäftsführenden Gesellschafter selbstverständlich auch die Möglichkeit, weiterhin in das Unternehmen involviert zu sein, da insbesondere Finanzinvestoren das Know-How der ehemaligen Geschäftsführung i.d.R sehr zu schätzen wissen und deshalb diesem gerne eine Beiratsrolle anbieten. Folglich ist der ehemalige Geschäftsführer bei geringerer Arbeitslast noch immer in das Unternehmen eingebunden und kann diesem mit seinen Erfahrungen zur Verfügung stehen.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass ein Unternehmer nicht zu knapp planen sollte und eine ausreichende Übergangsphase einkalkuliert werden sollte. Allerdings ist dies auch von der jeweiligen Situation abhängig und ob ein Verkauf an einen Finanzinvestor oder an einen strategischen Käufer angestrebt wird.

Zweite Management-Ebene als Kriterium

Für Finanzinvestoren ist hier häufig die Qualität der zweiten Management-Ebene ein wichtiges Kriterium. Ist diese gut etabliert, beispielsweise durch einen oder mehrere Prokuristen, die schon viele Jahre im Unternehmen tätig sind, gestaltet sich die Übergangsphase deutlich kürzer. Denn dann kann auf einen signifikanten Teil der Einarbeitung verzichtet werden und dadurch lässt sich ein Transfer der Geschäftsführung relativ kurzfristig umsetzten (circa 6-12 Monate). Zudem besteht die Möglichkeit, bisherige Mitarbeiter aus der zweiten Management-Riege im Rahmen des Verkaufs am Unternehmen zu beteiligen und so entsprechende Anreize zu setzten, die auf das Wohl eines Unternehmens abzielen.

Ist jedoch keine qualifizierte zweite Management-Ebene in einem Unternehmen etabliert, bevor es an einen Finanzinvestor veräußert werden soll, ist von einer mehrjährigen Übergangsphase auszugehen. In dieser muss ein neues Management-Team gefunden werden, das im Nachgang auch noch entsprechend in das Unternehmen eingearbeitet werden muss. Es dauert also nach dem Ausscheiden eines geschäftsführenden Gesellschafters deutlich länger, um ein Unternehmen ohne qualifizierte zweite Management-Ebene nachhaltig erfolgreich führen zu können.

Etwas anders läuft der Prozess bei einem Verkauf an einen strategischen Investor. Indes erfolgt in der Regel eine Integration in die Organisationsstruktur des kaufenden Unternehmens. Üblicherweise findet diese im Rahmen eines 360-Tage-Plans statt, der dazu dient, administrative und operative Prozesse eines Unternehmens vollständig in die Struktur des Käufers zu übernehmen. Entsprechend ist derweil eine umfassende Geschäftsführung nicht mehr unbedingt notwendig.

Fazit

Zusammengefasst kann also davon ausgegangen werden, dass von der Entscheidung bis zum Verkauf eine minimale Vorlaufzeit von 6-12 Monaten liegen wird. Ergänzt wird diese Zeitspanne um die Übergangsphase der Geschäftsführung, die zwischen 6 Monaten bis zu mehreren Jahren andauern kann. Daher ist es als Geschäftsführung essenziell, frühzeitig eine Nachfolgelösung anzugehen, wenn diese nicht innerhalb der Familie realisiert werden kann.

Sie haben Rückfragen an unseren Experten Nikolai Üstündag, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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Nikolai Üstündag, Kloepfel Corporate Finance

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Kann die Unternehmensnachfolge nicht in der Familie gelöst werden, müssen Externe in die Nachfolgeregelung integriert werden. Doch wann ist der geeignete Zeitpunkt, dies zu realisieren?

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„Ich leite ein Familienunternehmen in zweiter Generation und denke über mein Ausscheiden nach. Leider gibt es innerhalb meiner Familie niemanden, der meine Nachfolge übernehmen kann. Wann sollte ich das Thema Unternehmensnachfolge angehen?“

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Als Faustregel gilt: Je unabhängiger ein Unternehmen schon jetzt ohne seinen aktuellen geschäftsführenden Gesellschafter läuft, desto kürzer kann die Transferperiode ausfallen, in welcher die Geschäftsführung übergeben wird.

Überdies spielen die folgenden Fragen eine tragende Rolle:

  • Ist bereits eine zweite Management-Ebene etabliert?
  • Soll der Verkauf an einen Finanzinvestor oder an einen strategischen Käufer realisiert werden?

Für eine ordentliche Übergabe der Geschäftsführung mit einer bereits etablierten, gut funktionierenden zweiten Managementebene sollte jedoch mindestens mit einem Zeitraum von 6 Monaten gerechnet werden. Hinzu kommen noch ca. 6-12 Monate für einen strukturierten Transaktionsprozess. Somit ist ein Verkauf spätestens 1-2,5 Jahre vor einem geplanten Ausscheiden anzustoßen.

Dabei besteht für den ausscheidenden geschäftsführenden Gesellschafter selbstverständlich auch die Möglichkeit, weiterhin in das Unternehmen involviert zu sein, da insbesondere Finanzinvestoren das Know-How der ehemaligen Geschäftsführung i.d.R sehr zu schätzen wissen und deshalb diesem gerne eine Beiratsrolle anbieten. Folglich ist der ehemalige Geschäftsführer bei geringerer Arbeitslast noch immer in das Unternehmen eingebunden und kann diesem mit seinen Erfahrungen zur Verfügung stehen.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass ein Unternehmer nicht zu knapp planen sollte und eine ausreichende Übergangsphase einkalkuliert werden sollte. Allerdings ist dies auch von der jeweiligen Situation abhängig und ob ein Verkauf an einen Finanzinvestor oder an einen strategischen Käufer angestrebt wird.

Zweite Management-Ebene als Kriterium

Für Finanzinvestoren ist hier häufig die Qualität der zweiten Management-Ebene ein wichtiges Kriterium. Ist diese gut etabliert, beispielsweise durch einen oder mehrere Prokuristen, die schon viele Jahre im Unternehmen tätig sind, gestaltet sich die Übergangsphase deutlich kürzer. Denn dann kann auf einen signifikanten Teil der Einarbeitung verzichtet werden und dadurch lässt sich ein Transfer der Geschäftsführung relativ kurzfristig umsetzten (circa 6-12 Monate). Zudem besteht die Möglichkeit, bisherige Mitarbeiter aus der zweiten Management-Riege im Rahmen des Verkaufs am Unternehmen zu beteiligen und so entsprechende Anreize zu setzten, die auf das Wohl eines Unternehmens abzielen.

Ist jedoch keine qualifizierte zweite Management-Ebene in einem Unternehmen etabliert, bevor es an einen Finanzinvestor veräußert werden soll, ist von einer mehrjährigen Übergangsphase auszugehen. In dieser muss ein neues Management-Team gefunden werden, das im Nachgang auch noch entsprechend in das Unternehmen eingearbeitet werden muss. Es dauert also nach dem Ausscheiden eines geschäftsführenden Gesellschafters deutlich länger, um ein Unternehmen ohne qualifizierte zweite Management-Ebene nachhaltig erfolgreich führen zu können.

Etwas anders läuft der Prozess bei einem Verkauf an einen strategischen Investor. Indes erfolgt in der Regel eine Integration in die Organisationsstruktur des kaufenden Unternehmens. Üblicherweise findet diese im Rahmen eines 360-Tage-Plans statt, der dazu dient, administrative und operative Prozesse eines Unternehmens vollständig in die Struktur des Käufers zu übernehmen. Entsprechend ist derweil eine umfassende Geschäftsführung nicht mehr unbedingt notwendig.

Fazit

Zusammengefasst kann also davon ausgegangen werden, dass von der Entscheidung bis zum Verkauf eine minimale Vorlaufzeit von 6-12 Monaten liegen wird. Ergänzt wird diese Zeitspanne um die Übergangsphase der Geschäftsführung, die zwischen 6 Monaten bis zu mehreren Jahren andauern kann. Daher ist es als Geschäftsführung essenziell, frühzeitig eine Nachfolgelösung anzugehen, wenn diese nicht innerhalb der Familie realisiert werden kann.

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