Sven-Roger von Schilling, Kloepfel Corporate Finance GmbH

Was ist die Mezzanine-Finanzierung und wann ist sie sinnvoll?

Bei der Mezzanine-Finanzierung handelt es sich um eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Wann diese empfehlenswert ist und worauf dabei geachtet werden sollte.

B4B-Leser fragt:

Sind Mezzanine-Finanzierungen noch up-to-date? Wenn ja: Unter welchen Voraussetzungen? 

Unser Experte Sven-Roger von Schilling, Partner bei Kloepfel Corporate Finance GmbH, antwortet:

Der Begriff Mezzanine stammt aus Italien und bedeutet „Zwischengeschoss“. Übertragen auf die Finanzstruktur eines Unternehmens, ist eine Mezzanine-Finanzierung eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Bilanziell befindet sich Mezzanine-Kapital zwischen dem Eigenkapital und Fremdkapital und kann keiner dieser beiden Finanzierungsformen eindeutig zugeordnet werden, da es sich um ein hybrides, also gekreuztes beziehungsweise gemischtes, Finanzierungsinstrument handelt.

Zwischen diesen Finanzierungen wird unterschieden

Landläufig wird zwischen eigenkapitalähnlichen (Equity Mezzanine) und fremdkapitalnahen (Debt Mezzanine) Finanzierungen unterschieden. In die Kategorie des Equity Mezzanine fallen unter anderem Genussrechte, wertpapierverbrieften Genussscheine sowie Wandel- und Optionsanleihen und auch Vorzugsaktien. Unter Debt Mezzanine fallen hingegen stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen und auch partiarische Darlehen.

Vorteile von Mezzaninen

Mezzanine Finanzierungen gibt es schon sehr lange, sie sind allerdings insbesondere in den Jahren nach der globalen Finanzkrise 2008/2009 in den Fokus von Unternehmen und Investoren gekommen, da

1. durch die verschärften Kreditvergaberegeln für Banken (Basel II und III) der Zugang für Unternehmen zu klassischen Fremdfinanzierungen zunehmend schwierig wurde, und

2. bedingt durch die geringe Rendite von Staatsanleihen der Private Debt Markt, Mezzanine-Finanzierungen sind eine Ausprägung davon, für institutionelle Investoren entsprechend attraktiver wurde.  

Charakteristika von Mezzanine-Kapital

Mezzanine-Finanzierungen zeichnen sich durch verschiedene Merkmale aus. Zum Beispiel die Nachrangigkeit von Debt Mezzanine, das heißt die Forderung des Darlehensgebers wird im Insolvenzfall erst nach Befriedigung aller anderen Gläubiger bedient. Oder den Equity-Kicker, bei einem Equity Kicker erhält der Mezzanine-Investor die Möglichkeit eine Beteiligung am Unternehmen zu erwerben oder eine Schuldverschreibung in eine Beteiligung an dem Unternehmen zum Nennwert der Forderung umzuwandeln, häufig zum Ende der Finanzierungslaufzeit.

Die Ausgestaltungsmöglichkeiten von Mezzanine-Kapital sind so variabel, dass sehr flexible Finanzierungslösungen hinsichtlich Laufzeiten (idR zwischen drei und zehn Jahren), Kündigungsmöglichkeiten, Verzinsungs-, Gewinn- und Verlustregelungen oder Rückzahlungsmodalitäten möglich sind. Die konkrete Ausgestaltung definiert, ob das investierte Kapital haftungs- und steuerrechtlich als Eigen- oder Fremdkapital betrachtet wird.

Dann ist eine Mezzanine-Finanzierung sinnhaft

Diese Art der Finanzierung bietet sich für Unternehmen an, die hohes Wachstumspotential und eine solide Ausgangsposition haben. Die Kapitalgeber müssen schließlich Anreize haben, in das Unternehmen zu investieren, da sie das Risiko tragen, das von ihnen eingelegte Geld zu verlieren. Mezzanine-Finanzierungen kommen somit im Zusammenhang mit Unternehmenskäufen oder auch zur Finanzierung von Wachstumsvorhaben zum Tragen.

Verbesserung von Bilanzstruktur und Bonität

Je nach konkreter Ausgestaltung verbessert Mezzanine-Kapital die Bilanzstruktur und damit die Bonität sowie das Firmenrating Ihres Unternehmens, stärkt das Eigenkapital ohne Sie als Gesellschafter zu verwässern und Sie in Ihrer unternehmerischen Freihat einzuschränken. Allerdings sind die Kosten von Mezzanine-Kapital höher als die einer klassischen Bankfinanzierung und im Gegensatz zu Eigenkapital steht Ihnen das Mezzanine-Kapital nur befristet zur Verfügung. Zudem haben die Mezzanine-Kapitalgeber regelmäßig höhere Transparenz- und Berichtserfordernisse als Banken.

Fazit: dann bieten sich Mezzanine-Finanzierungen an

Angesichts des erschwerten Zugangs zu Bankfinanzierungen und des gewachsenen Private Debt Marktes bieten sich immer öfter alternative Finanzierungsformen, unter anderem Mezzanine-Kapital, an. Insbesondere die hohe Flexibilität bei der Strukturierung von Mezzanine-Kapital macht dieses im Kontext der Finanzierung von Wachstumsstrategien und -vorhaben sowie Unternehmenskäufen sehr interessant.

Sie haben Rückfragen an unseren Experten Sven-Roger von Schilling, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.

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Was ist die Mezzanine-Finanzierung und wann ist sie sinnvoll?

Bei der Mezzanine-Finanzierung handelt es sich um eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Wann diese empfehlenswert ist und worauf dabei geachtet werden sollte.

B4B-Leser fragt:

Sind Mezzanine-Finanzierungen noch up-to-date? Wenn ja: Unter welchen Voraussetzungen? 

Unser Experte Sven-Roger von Schilling, Partner bei Kloepfel Corporate Finance GmbH, antwortet:

Der Begriff Mezzanine stammt aus Italien und bedeutet „Zwischengeschoss“. Übertragen auf die Finanzstruktur eines Unternehmens, ist eine Mezzanine-Finanzierung eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Bilanziell befindet sich Mezzanine-Kapital zwischen dem Eigenkapital und Fremdkapital und kann keiner dieser beiden Finanzierungsformen eindeutig zugeordnet werden, da es sich um ein hybrides, also gekreuztes beziehungsweise gemischtes, Finanzierungsinstrument handelt.

Zwischen diesen Finanzierungen wird unterschieden

Landläufig wird zwischen eigenkapitalähnlichen (Equity Mezzanine) und fremdkapitalnahen (Debt Mezzanine) Finanzierungen unterschieden. In die Kategorie des Equity Mezzanine fallen unter anderem Genussrechte, wertpapierverbrieften Genussscheine sowie Wandel- und Optionsanleihen und auch Vorzugsaktien. Unter Debt Mezzanine fallen hingegen stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen und auch partiarische Darlehen.

Vorteile von Mezzaninen

Mezzanine Finanzierungen gibt es schon sehr lange, sie sind allerdings insbesondere in den Jahren nach der globalen Finanzkrise 2008/2009 in den Fokus von Unternehmen und Investoren gekommen, da

1. durch die verschärften Kreditvergaberegeln für Banken (Basel II und III) der Zugang für Unternehmen zu klassischen Fremdfinanzierungen zunehmend schwierig wurde, und

2. bedingt durch die geringe Rendite von Staatsanleihen der Private Debt Markt, Mezzanine-Finanzierungen sind eine Ausprägung davon, für institutionelle Investoren entsprechend attraktiver wurde.  

Charakteristika von Mezzanine-Kapital

Mezzanine-Finanzierungen zeichnen sich durch verschiedene Merkmale aus. Zum Beispiel die Nachrangigkeit von Debt Mezzanine, das heißt die Forderung des Darlehensgebers wird im Insolvenzfall erst nach Befriedigung aller anderen Gläubiger bedient. Oder den Equity-Kicker, bei einem Equity Kicker erhält der Mezzanine-Investor die Möglichkeit eine Beteiligung am Unternehmen zu erwerben oder eine Schuldverschreibung in eine Beteiligung an dem Unternehmen zum Nennwert der Forderung umzuwandeln, häufig zum Ende der Finanzierungslaufzeit.

Die Ausgestaltungsmöglichkeiten von Mezzanine-Kapital sind so variabel, dass sehr flexible Finanzierungslösungen hinsichtlich Laufzeiten (idR zwischen drei und zehn Jahren), Kündigungsmöglichkeiten, Verzinsungs-, Gewinn- und Verlustregelungen oder Rückzahlungsmodalitäten möglich sind. Die konkrete Ausgestaltung definiert, ob das investierte Kapital haftungs- und steuerrechtlich als Eigen- oder Fremdkapital betrachtet wird.

Dann ist eine Mezzanine-Finanzierung sinnhaft

Diese Art der Finanzierung bietet sich für Unternehmen an, die hohes Wachstumspotential und eine solide Ausgangsposition haben. Die Kapitalgeber müssen schließlich Anreize haben, in das Unternehmen zu investieren, da sie das Risiko tragen, das von ihnen eingelegte Geld zu verlieren. Mezzanine-Finanzierungen kommen somit im Zusammenhang mit Unternehmenskäufen oder auch zur Finanzierung von Wachstumsvorhaben zum Tragen.

Verbesserung von Bilanzstruktur und Bonität

Je nach konkreter Ausgestaltung verbessert Mezzanine-Kapital die Bilanzstruktur und damit die Bonität sowie das Firmenrating Ihres Unternehmens, stärkt das Eigenkapital ohne Sie als Gesellschafter zu verwässern und Sie in Ihrer unternehmerischen Freihat einzuschränken. Allerdings sind die Kosten von Mezzanine-Kapital höher als die einer klassischen Bankfinanzierung und im Gegensatz zu Eigenkapital steht Ihnen das Mezzanine-Kapital nur befristet zur Verfügung. Zudem haben die Mezzanine-Kapitalgeber regelmäßig höhere Transparenz- und Berichtserfordernisse als Banken.

Fazit: dann bieten sich Mezzanine-Finanzierungen an

Angesichts des erschwerten Zugangs zu Bankfinanzierungen und des gewachsenen Private Debt Marktes bieten sich immer öfter alternative Finanzierungsformen, unter anderem Mezzanine-Kapital, an. Insbesondere die hohe Flexibilität bei der Strukturierung von Mezzanine-Kapital macht dieses im Kontext der Finanzierung von Wachstumsstrategien und -vorhaben sowie Unternehmenskäufen sehr interessant.

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