Dr. Mathias Bauer, Geschäftsführer Blue Advisory GmbH

Nachhaltigkeitsnachweis: „Kann ich damit Neukunden gewinnen?“

B4B-Leser fragen, unsere Branchenexperten aus der Region antworten: „Verbraucher machen ihre Kaufentscheidung zunehmend davon abhängig, ob ein Unternehmen auch Verantwortung übernimmt. Können Unternehmen mit einem Nachhaltigkeitsnachweis Neukunden gewinnen und sich gleichzeitig von der Konkurrenz abheben? “ Dr. Mathias Bauer, Geschäftsführer der Blue Advisory GmbH, gibt 5 Tipps für ein effizientes Vorgehen.

Bevor ich diese Frage beantworten kann, sollte ich den Begriff des Nachhaltigkeitsnachweises zum besseren Verständnis klären. In der Praxis sprechen Experten neben einem Nachweis auch häufig von einem Gütezeichen, Siegel, Umweltkennzeichen, Label oder auch Zertifikaten. Diese können sich zwar in Details unterscheiden, besitzen aber ein gemeinsames Ziel: nachweislich negative Auswirkungen des Wirtschaftens auf Menschen und Umwelt zu reduzieren.

Auch wenn die öffentliche Diskussion über die Verantwortung von Unternehmen hinsichtlich Umwelt und Gesellschaft aufgrund von Corona aktuell in den Hintergrund geraten ist, zeigen diverse Beispiele, dass man mit Verantwortung bzw. Nachhaltigkeit sowohl einen Beitrag leisten, aber auch Geld verdient werden kann. Daher empfehle ich Firmen ihr Geschäftsmodell auf Nachhaltigkeitspotenziale hin zu überprüfen und anzupassen.

Nachhaltige Geschäftsmodelle sind entscheidend für den künftigen Geschäftserfolg 

Zukünftig werden Unternehmen das Vertrauen der Kunden mehrheitlich vor allem dann gewinnen können, wenn sie nachweislich nachhaltige Geschäftsmodelle verfolgen. Gerade in Krisenzeiten legen Neukunden großen Wert auf beständige und vertrauenswürdige Unternehmen, die sich dieses Vertrauen fortlaufend verdienen und auch authentisch kommunizieren. Aber auch Investoren achten verstärkt auf einen nachhaltigen Business Case. Langfristig zahlen sich Investitionen in Energieeffizienz, Wasserverbrauch, Emissionsreduktion, Materialverbrauch aber auch in ein wertschätzendes und verantwortungsvolles Verhalten gegenüber Arbeitskräften und Gesellschaft aus. Eine erst 2019 veröffentlichte Studie des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) zeigte auf, dass kleine und mittlere Unternehmen, die in Umweltinnovationen investieren, höhere Gewinne ausweisen.

Aufmerksamkeit bei der Auswahl der Zertifizierungsstellen

Bei der Festlegung auf eine Organisation für die Zertifizierung des eigenen Unternehmens gilt es auf akkreditierte Kontrollstellen zu vertrauen und sich nur von solchen einen Nachweis ausstellen zu lassen. Ich rate stets davon ab, Auszeichnungen ohne Kontrollen, rein aus Marketingzwecken zu erwerben. Ein potenzieller Imageschaden aus verlorener Glaubwürdigkeit wäre größer als der anfängliche Nutzen.

Nachhaltigkeit in Kleinunternehmen

Seit 2017 sind börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen verpflichtet, die Corporate Social Responsibility (CSR) Richtlinien der EU zu befolgen und über nichtfinanzielle Themen zu berichten. Ziel war es die Transparenz über ökologische und soziale Aspekte von Unternehmen in der EU zu erhöhen. Dadurch wird deutlich, dass die EU bereits jetzt großen Wert auf Nachhaltigkeit in Unternehmen legt und weiter legen wird. Auch wenn klein- und mittelständische Unternehmen von dieser Berichtspflicht (noch) ausgenommen sind, steigt die Zahl firmeninterner Verhaltenskodizes oder der freiwilligen Teilnahme an Umweltmanagementsystemen. Auch kleinere Unternehmen dokumentieren vermehrt öffentlich, wie ihr Handeln zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Dadurch wird meist auf lokaler Ebene auch die Chance ergriffen Image aufzubauen und sich gegen Wettbewerber durchzusetzen.

Nachhaltigkeit für KMUs - 5 Tipps für ein effizientes Vorgehen

  • Analysieren und Identifizieren Sie Effizienzpotentiale hinsichtlich Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen.
  • Formulieren Sie konkrete Ziele und erstellen Sie einen Umsetzungsfahrplan (inkl. Business Case).
  • Verankern Sie Ihre gesetzten Ziele im Unternehmen, prüfen Sie Fortschritte.
  • Legen Sie fest, wie Sie Ihre Aktivitäten im Nachhaltigkeitsmanagement nach innen und außen sachlich, authentisch und faktenbasiert kommunizieren wollen.
  • Erkundigen Sie sich nach Fördermöglichkeiten und Partnern.
Sie haben Rückfragen an Dr. Mathias Bauer, oder wünschen eine tiefergehende Beratung? Dann nehmen Sie jetzt direkt Kontakt auf.
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Nachhaltigkeitsnachweis: „Kann ich damit Neukunden gewinnen?“

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Bevor ich diese Frage beantworten kann, sollte ich den Begriff des Nachhaltigkeitsnachweises zum besseren Verständnis klären. In der Praxis sprechen Experten neben einem Nachweis auch häufig von einem Gütezeichen, Siegel, Umweltkennzeichen, Label oder auch Zertifikaten. Diese können sich zwar in Details unterscheiden, besitzen aber ein gemeinsames Ziel: nachweislich negative Auswirkungen des Wirtschaftens auf Menschen und Umwelt zu reduzieren.

Auch wenn die öffentliche Diskussion über die Verantwortung von Unternehmen hinsichtlich Umwelt und Gesellschaft aufgrund von Corona aktuell in den Hintergrund geraten ist, zeigen diverse Beispiele, dass man mit Verantwortung bzw. Nachhaltigkeit sowohl einen Beitrag leisten, aber auch Geld verdient werden kann. Daher empfehle ich Firmen ihr Geschäftsmodell auf Nachhaltigkeitspotenziale hin zu überprüfen und anzupassen.

Nachhaltige Geschäftsmodelle sind entscheidend für den künftigen Geschäftserfolg 

Zukünftig werden Unternehmen das Vertrauen der Kunden mehrheitlich vor allem dann gewinnen können, wenn sie nachweislich nachhaltige Geschäftsmodelle verfolgen. Gerade in Krisenzeiten legen Neukunden großen Wert auf beständige und vertrauenswürdige Unternehmen, die sich dieses Vertrauen fortlaufend verdienen und auch authentisch kommunizieren. Aber auch Investoren achten verstärkt auf einen nachhaltigen Business Case. Langfristig zahlen sich Investitionen in Energieeffizienz, Wasserverbrauch, Emissionsreduktion, Materialverbrauch aber auch in ein wertschätzendes und verantwortungsvolles Verhalten gegenüber Arbeitskräften und Gesellschaft aus. Eine erst 2019 veröffentlichte Studie des ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) zeigte auf, dass kleine und mittlere Unternehmen, die in Umweltinnovationen investieren, höhere Gewinne ausweisen.

Aufmerksamkeit bei der Auswahl der Zertifizierungsstellen

Bei der Festlegung auf eine Organisation für die Zertifizierung des eigenen Unternehmens gilt es auf akkreditierte Kontrollstellen zu vertrauen und sich nur von solchen einen Nachweis ausstellen zu lassen. Ich rate stets davon ab, Auszeichnungen ohne Kontrollen, rein aus Marketingzwecken zu erwerben. Ein potenzieller Imageschaden aus verlorener Glaubwürdigkeit wäre größer als der anfängliche Nutzen.

Nachhaltigkeit in Kleinunternehmen

Seit 2017 sind börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen verpflichtet, die Corporate Social Responsibility (CSR) Richtlinien der EU zu befolgen und über nichtfinanzielle Themen zu berichten. Ziel war es die Transparenz über ökologische und soziale Aspekte von Unternehmen in der EU zu erhöhen. Dadurch wird deutlich, dass die EU bereits jetzt großen Wert auf Nachhaltigkeit in Unternehmen legt und weiter legen wird. Auch wenn klein- und mittelständische Unternehmen von dieser Berichtspflicht (noch) ausgenommen sind, steigt die Zahl firmeninterner Verhaltenskodizes oder der freiwilligen Teilnahme an Umweltmanagementsystemen. Auch kleinere Unternehmen dokumentieren vermehrt öffentlich, wie ihr Handeln zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Dadurch wird meist auf lokaler Ebene auch die Chance ergriffen Image aufzubauen und sich gegen Wettbewerber durchzusetzen.

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  • Formulieren Sie konkrete Ziele und erstellen Sie einen Umsetzungsfahrplan (inkl. Business Case).
  • Verankern Sie Ihre gesetzten Ziele im Unternehmen, prüfen Sie Fortschritte.
  • Legen Sie fest, wie Sie Ihre Aktivitäten im Nachhaltigkeitsmanagement nach innen und außen sachlich, authentisch und faktenbasiert kommunizieren wollen.
  • Erkundigen Sie sich nach Fördermöglichkeiten und Partnern.
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