Thomas Kratzer, Kratzer Personalberatung

Familienmitglieder beschäftigen: Ist das sinnvoll?

Viele deutsche Unternehmen sind Familienbetriebe oder eigentümergeführt. Welche Vor- und Nachteile das Zusammenarbeiten mit Verwandten bringt und wie man am besten damit umgeht.

B4B-Leser fragt:

Bei meinem Vater war es jahrzehntelang immer üblich, dass auch Kinder und Enkelkinder unserer Mitarbeiter in meiner Firma anfangen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das beibehalten will. Irgendwie schwimmt man dann ja immer in seiner eigenen Suppe. Welche Vorteile oder Nachteile gibt es?

Thomas Kratzer, unser Experte für Recruiting, antwortet:

Die meisten deutschen Unternehmen, etwa 90 Prozent, sind Familienbetriebe oder eigentümergeführt. Während viele Unternehmer ihre Nachfolger oder neue Mitarbeiter – ohne es zu hinterfragen – aus der Familie rekrutieren, suchen andere nach Auswegen aus dieser Tradition.

Welche Vor- und Nachteile hat diese Betriebsstruktur und wie können Fallstricke in Familienunternehmen umgangen werden?

Auch Familienangehörige brauchen nötige Qualifikationen

Manche Firmeninhaber, etwa der Trigema-Chef Grupp, setzen bewusst auf die Familienbande und vertreten diese Haltung in der Öffentlichkeit. Trigema stellt gerne die Kinder von Mitarbeitern ein. Der Ansatz dahinter: Wenn die Eltern an ihrem Arbeitsplatz gute Leistungen zeigen, sind deren Kinder jederzeit willkommen. Allerdings ist diese Haltung kein Freibrief. Kinder von Mitarbeitern müssen über geeignete Qualifikationen verfügen und die „Chemie“ muss ebenfalls stimmen. Wenn es um die eigenen Söhne, Töchter oder Enkel geht, fallen solche Hürden häufig weg.

Familienbetrieb: Was sind die Vorteile?

Grundsätzlich steigt der Zusammenhalt, wenn mehrere Familienmitglieder im Betrieb arbeiten. Dies gilt ebenfalls für die Bindung zur Firma. Klar ist: Wenn die richtigen Personen an der richtigen Stelle sitzen, wird eine äußerst gewinnbringende Konstellation geschaffen. Die wohl größte Herausforderung dabei: der Balanceakt zwischen unternehmerischen Anforderungen und persönlichen Erwartungen. In der Regel steigt das Engagement der Mitarbeiter. Sie fühlen sich für „ihre“ Firma mit verantwortlich. Das gilt besonders, wenn sie Firmenanteile besitzen. Auch die Übergabe an den Nachfolger wird erleichtert.

Die Nachteile eines Familienbetriebes

Trotz vieler Vorteile können familiäre Verflechtungen besonders in Krisenzeiten Schwierigkeiten bedeuten. Die betriebliche Lage wird häufig verzerrt wahrgenommen. Familienmitglieder behalten ihre Jobs, wobei sie über viele Freiheiten verfügen. Für Fehler müssen oft andere Mitarbeiter die Verantwortung tragen. Familienangehörige von Inhabern zeigen mitunter fachliche Defizite. Sie werden gern in der Verwaltung kurzfristig eingesetzt. Nach dem Motto: Das lernst du schnell, da wächst du hinein. Außerdem erhalten Familienangehörige oft Positionen, die sie auf dem freien Arbeitsmarkt nie erreichen würden.

Neutrale Beurteilung muss sichergestellt sein

Es gilt, eine ideale Mischung zu finden – nicht alle Führungspositionen können beispielsweise an Angehörige vergeben werden. Grundsätzlich muss eine neutrale Beurteilung immer sichergestellt sein. Damit vermeiden Sie, dass der familiäre Hintergrund ausgenutzt wird und das gesamte Betriebsklima darunter leidet. Die Anforderung sind für alle gleich: Probezeit, regelmäßige Feedback-Gespräche und Weiterbildungspflicht für Quereinsteiger. Idealerweise beweisen Angehörige in anderen Unternehmen ihr Können, bevor sie in den Familienbetrieb einsteigen. Falls der Familienangehörige die Erwartungen nicht erfüllt, müssen entsprechende Konsequenzen gezogen werden. 

Der Bewerbungsprozess als Herausforderung

Auswahlprozesse, bei denen sich Familienmitglieder im Bewerberpool befinden, sind besonders heikel. Natürlich müssen sich auch Angehörige offiziell bewerben und über die passenden fachlichen und persönlichen Qualifikationen verfügen. Den Vergleich mit anderen Bewerbern dürfen sie nicht scheuen. Trotzdem ist eine absolut neutrale Beurteilung eines Angehörigen nicht zu gewährleisten – schließlich spielt Sympathie eine große Rolle bei Personalentscheidungen. Mögliche Lösungen: Ein externer Sparringspartner sorgt für eine objektive Bewertung der Bewerber. Darüber hinaus sollte der Inhaber die finale Entscheidung an seine Abteilungsleiter delegieren.

Führungspositionen im Familienbetrieb vergeben

Führungspositionen im Familienbetrieb zu vergeben ist eine der größten Herausforderungen für Inhaber. Eine objektive Bewertung ist dabei besonders schwierig. So verständlich der Wunsch danach ist, eine Abteilung oder den ganzen Betrieb in Familienhand zu wissen, so wichtig ist eine Entscheidung im Sinne des Unternehmens. Deshalb: Übertragen Sie Führungspositionen nur an Angehörige, die tatsächlich dafür geeignet sind. Diese Eignung liegt nicht automatisch in der Familie. Schreiben Sie jede Stelle extern aus, um eine realistische Einschätzung des internen Kandidaten zu gewährleisten.

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Bei meinem Vater war es jahrzehntelang immer üblich, dass auch Kinder und Enkelkinder unserer Mitarbeiter in meiner Firma anfangen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das beibehalten will. Irgendwie schwimmt man dann ja immer in seiner eigenen Suppe. Welche Vorteile oder Nachteile gibt es?

Thomas Kratzer, unser Experte für Recruiting, antwortet:

Die meisten deutschen Unternehmen, etwa 90 Prozent, sind Familienbetriebe oder eigentümergeführt. Während viele Unternehmer ihre Nachfolger oder neue Mitarbeiter – ohne es zu hinterfragen – aus der Familie rekrutieren, suchen andere nach Auswegen aus dieser Tradition.

Welche Vor- und Nachteile hat diese Betriebsstruktur und wie können Fallstricke in Familienunternehmen umgangen werden?

Auch Familienangehörige brauchen nötige Qualifikationen

Manche Firmeninhaber, etwa der Trigema-Chef Grupp, setzen bewusst auf die Familienbande und vertreten diese Haltung in der Öffentlichkeit. Trigema stellt gerne die Kinder von Mitarbeitern ein. Der Ansatz dahinter: Wenn die Eltern an ihrem Arbeitsplatz gute Leistungen zeigen, sind deren Kinder jederzeit willkommen. Allerdings ist diese Haltung kein Freibrief. Kinder von Mitarbeitern müssen über geeignete Qualifikationen verfügen und die „Chemie“ muss ebenfalls stimmen. Wenn es um die eigenen Söhne, Töchter oder Enkel geht, fallen solche Hürden häufig weg.

Familienbetrieb: Was sind die Vorteile?

Grundsätzlich steigt der Zusammenhalt, wenn mehrere Familienmitglieder im Betrieb arbeiten. Dies gilt ebenfalls für die Bindung zur Firma. Klar ist: Wenn die richtigen Personen an der richtigen Stelle sitzen, wird eine äußerst gewinnbringende Konstellation geschaffen. Die wohl größte Herausforderung dabei: der Balanceakt zwischen unternehmerischen Anforderungen und persönlichen Erwartungen. In der Regel steigt das Engagement der Mitarbeiter. Sie fühlen sich für „ihre“ Firma mit verantwortlich. Das gilt besonders, wenn sie Firmenanteile besitzen. Auch die Übergabe an den Nachfolger wird erleichtert.

Die Nachteile eines Familienbetriebes

Trotz vieler Vorteile können familiäre Verflechtungen besonders in Krisenzeiten Schwierigkeiten bedeuten. Die betriebliche Lage wird häufig verzerrt wahrgenommen. Familienmitglieder behalten ihre Jobs, wobei sie über viele Freiheiten verfügen. Für Fehler müssen oft andere Mitarbeiter die Verantwortung tragen. Familienangehörige von Inhabern zeigen mitunter fachliche Defizite. Sie werden gern in der Verwaltung kurzfristig eingesetzt. Nach dem Motto: Das lernst du schnell, da wächst du hinein. Außerdem erhalten Familienangehörige oft Positionen, die sie auf dem freien Arbeitsmarkt nie erreichen würden.

Neutrale Beurteilung muss sichergestellt sein

Es gilt, eine ideale Mischung zu finden – nicht alle Führungspositionen können beispielsweise an Angehörige vergeben werden. Grundsätzlich muss eine neutrale Beurteilung immer sichergestellt sein. Damit vermeiden Sie, dass der familiäre Hintergrund ausgenutzt wird und das gesamte Betriebsklima darunter leidet. Die Anforderung sind für alle gleich: Probezeit, regelmäßige Feedback-Gespräche und Weiterbildungspflicht für Quereinsteiger. Idealerweise beweisen Angehörige in anderen Unternehmen ihr Können, bevor sie in den Familienbetrieb einsteigen. Falls der Familienangehörige die Erwartungen nicht erfüllt, müssen entsprechende Konsequenzen gezogen werden. 

Der Bewerbungsprozess als Herausforderung

Auswahlprozesse, bei denen sich Familienmitglieder im Bewerberpool befinden, sind besonders heikel. Natürlich müssen sich auch Angehörige offiziell bewerben und über die passenden fachlichen und persönlichen Qualifikationen verfügen. Den Vergleich mit anderen Bewerbern dürfen sie nicht scheuen. Trotzdem ist eine absolut neutrale Beurteilung eines Angehörigen nicht zu gewährleisten – schließlich spielt Sympathie eine große Rolle bei Personalentscheidungen. Mögliche Lösungen: Ein externer Sparringspartner sorgt für eine objektive Bewertung der Bewerber. Darüber hinaus sollte der Inhaber die finale Entscheidung an seine Abteilungsleiter delegieren.

Führungspositionen im Familienbetrieb vergeben

Führungspositionen im Familienbetrieb zu vergeben ist eine der größten Herausforderungen für Inhaber. Eine objektive Bewertung ist dabei besonders schwierig. So verständlich der Wunsch danach ist, eine Abteilung oder den ganzen Betrieb in Familienhand zu wissen, so wichtig ist eine Entscheidung im Sinne des Unternehmens. Deshalb: Übertragen Sie Führungspositionen nur an Angehörige, die tatsächlich dafür geeignet sind. Diese Eignung liegt nicht automatisch in der Familie. Schreiben Sie jede Stelle extern aus, um eine realistische Einschätzung des internen Kandidaten zu gewährleisten.

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