Interview zum Jubiläum in Memmingen

Ralf Schmid: „Der Allgäu Airport träumt nicht von den Chinesen“

Ralf Schmid, Geschäftsführer der Flughafen Memmingen GmbH. Foto: Iris Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Der Allgäu Airport feierte am 28. Juni sein 10-jähriges Bestehen. Wie aus Landwirten Flughafen-Experten wurden, wie sich die Gesellschaft gegen Kritiker behauptete und wie sich das Allgäu seither verändert hat – Geschäftsführer Ralf Schmid war von Anfang an dabei. Im Interview gibt er einen Einblick in „10 Jahre Flughafen Memmingen“.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie schwer war der Anfang für den Flughafen Memmingen?

Ralf Schmid: Die große Herausforderung zu Beginn war nicht nur, einen Flughafen aus dem Boden zu stampfen, sondern Schlosser, Elektriker oder Landwirte zu Flughafen-Experten zu machen. Es gab kein Konkurrenz-Unternehmen, von dem wir Fachkräfte hätten abwerben können. Der Personalmangel war ein großes Problem für uns.

Aber auch den Flugzeug-Hanger in nur vier Monaten zu einem Passagierflughafen-Terminal umzubauen, war nicht leicht. Die Bundeswehr hatte alles, was nicht Niet und Nagel fest war, mitgenommen. Heute ist das Terminal in seiner Form dafür eines unserer Hauptmerkmale. Unser Glück war auch, dass wir den Hanger „warm“ weiterbetreiben konnten. Es kam nie zum Stillstand oder zur Verwilderung. Bis heute profitieren wir hier von der guten Infrastruktur.

Wie plant man die Entwicklung eines Flughafens?

Wichtig war für uns der Planfeststellungs-Beschluss. Davon können wir noch die nächsten 20 Jahre profitieren. Als alle Klagen abgewiesen wurden und die Bürgerentscheide positiv ausfielen, da wusste ich: Die Region steht hinter ihrem Flughafen. Stadt und Landkreis können sich nun finanziell beteiligen. Davon fließt indirekt auch Geld in den Ausbau. Das ist einmalig in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Und das Netzwerk erweitert sich bis heute. Anfangs zählte der Flughafen fünf Gesellschafter, heute sind es 76.

Jubiläumsfeier am Flughafen Memmingen

Wie haben Sie die Fluggesellschaften davon überzeugt, dass der Allgäu Airport eine Zukunft hat?

Wir haben mit einer Fluglinie gestartet, TUIfly. Das ist natürlich nicht einfach, wenn man nur einen Kunden hat. 2009 kamen dann Ryanair und Wizz Air hinzu, zwei junge und in Süddeutschland unbekannte Airlines. Hier haben wir echte Pionier-Leistung gezeigt und uns mit den „Schmuddelkindern der Branche“ eingelassen, wie viele spotteten. Doch wir haben es geschafft, mit diesen Gesellschaften zahlreiche Gäste in die Region zu bringen. Es hat sich also bewährt.

Warum ist der Flughafen Memmingen aus Ihrer Sicht wichtig für das Allgäu?

Wir haben diese Konversionsfläche wieder mit Leben gefüllt und eine neue Branche in das Allgäu gebracht. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, die Kaufkraft erhöht und auch die Grundstücke erhielten eine Aufwertung. Das zog spannende Unternehmen in die Region und ermöglichte Erweiterungen am Standort. Zudem entstanden viele Hotels und Gastronomie-Betriebe. Die Internationalität tut dem Allgäu gut. Europa ist durch den Flughafen Memmingen näher ans Allgäu gerückt.

Welche Ziele hatten Sie sich zur Eröffnung für die ersten 10 Jahre gesteckt?

Ziel war so schnell wie möglich die Eine-Millionen-Gäste-Marke zu erreichen. Das wird uns leider erst in diesem Jahr gelingen. Und natürlich wollten wir uns als Heimatflughafen der Region etablieren, für alle in einen Umkreis von 50 bis 80 Kilometer. Ich denke, das haben wir geschafft.

Gibt es Pläne, auch Verbindungen außerhalb Europas anzubieten?

Europa ist für uns der Hauptmarkt. Flugziele in Nordafrika oder dem Mittleren Osten sind aber sicherlich auch interessant für uns. Weiter soll es aber nicht gehen. Wir träumen nicht von den Chinesen, die einen kurzen Weg nach Füssen zum Schloss Neuschwanstein suchen.

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Zudem möchten wir den Bereich der Geschäftsreisenden ausbauen. Dazu braucht es aber das richtige Angebot. Daher wollen wir nicht nur bei den Destinationen wachsen, sondern auch die Frequenzen anpassen. Wir wünschen uns hier auch innerdeutsche Flüge. Doch die Steuerpolitik macht uns hier einen Strich durch die Rechnung, da sie diese Verbindungen doppelt besteuert. Die Bundesregierung will die Reisenden für solche Anbindungen auf die Schienen bekommen. Die Bahn ist im Allgäu aber nach Berlin oder Hamburg keine Alternative.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie schwer war der Anfang für den Flughafen Memmingen?

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Aber auch den Flugzeug-Hanger in nur vier Monaten zu einem Passagierflughafen-Terminal umzubauen, war nicht leicht. Die Bundeswehr hatte alles, was nicht Niet und Nagel fest war, mitgenommen. Heute ist das Terminal in seiner Form dafür eines unserer Hauptmerkmale. Unser Glück war auch, dass wir den Hanger „warm“ weiterbetreiben konnten. Es kam nie zum Stillstand oder zur Verwilderung. Bis heute profitieren wir hier von der guten Infrastruktur.

Wie plant man die Entwicklung eines Flughafens?

Wichtig war für uns der Planfeststellungs-Beschluss. Davon können wir noch die nächsten 20 Jahre profitieren. Als alle Klagen abgewiesen wurden und die Bürgerentscheide positiv ausfielen, da wusste ich: Die Region steht hinter ihrem Flughafen. Stadt und Landkreis können sich nun finanziell beteiligen. Davon fließt indirekt auch Geld in den Ausbau. Das ist einmalig in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Und das Netzwerk erweitert sich bis heute. Anfangs zählte der Flughafen fünf Gesellschafter, heute sind es 76.

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Warum ist der Flughafen Memmingen aus Ihrer Sicht wichtig für das Allgäu?

Wir haben diese Konversionsfläche wieder mit Leben gefüllt und eine neue Branche in das Allgäu gebracht. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, die Kaufkraft erhöht und auch die Grundstücke erhielten eine Aufwertung. Das zog spannende Unternehmen in die Region und ermöglichte Erweiterungen am Standort. Zudem entstanden viele Hotels und Gastronomie-Betriebe. Die Internationalität tut dem Allgäu gut. Europa ist durch den Flughafen Memmingen näher ans Allgäu gerückt.

Welche Ziele hatten Sie sich zur Eröffnung für die ersten 10 Jahre gesteckt?

Ziel war so schnell wie möglich die Eine-Millionen-Gäste-Marke zu erreichen. Das wird uns leider erst in diesem Jahr gelingen. Und natürlich wollten wir uns als Heimatflughafen der Region etablieren, für alle in einen Umkreis von 50 bis 80 Kilometer. Ich denke, das haben wir geschafft.

Gibt es Pläne, auch Verbindungen außerhalb Europas anzubieten?

Europa ist für uns der Hauptmarkt. Flugziele in Nordafrika oder dem Mittleren Osten sind aber sicherlich auch interessant für uns. Weiter soll es aber nicht gehen. Wir träumen nicht von den Chinesen, die einen kurzen Weg nach Füssen zum Schloss Neuschwanstein suchen.

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