Stadtwerke Augsburg: Dr. Walter Casazza und Alfred Müllner im Interview

„Wir sind der Motor der Stadtentwicklung“

Alfred Müllner und Dr. Walter Casazza im Interview. Foto: vmm wirtschaftsverlag / Bernd Jaufmann
Das Führungsduo zu Gast in unserer Redaktion: Dr. Walter Casazza und Alfred Müllner geben einen Einblick in die Rolle der Stadtwerke Augsburg für die Region.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Das Internet lässt disruptive Märkte blühen. Wie steht es um das Geschäftsmodell eines Stadtwerks?

Alfred Müllner: Das Thema beschäftigt uns genauso, wie viele andere Unternehmer. Bei einem Teil unserer Produkte, etwa bei Strom und Gas, locken Billigange­bote aus dem Internet die Kunden. Aber wir sehen das sehr entspannt. Wir haben eine starke Marke und ste­hen auf starken Säulen. Deswegen haben Stadtwerke auch in sich schnell verändernden Märkten immer eine Zukunft. Uber zum Beispiel kann vielleicht indivi­duelles Eigentum ersetzen – aber keinesfalls einen funktionierenden ÖPNV für jedermann.

Dr. Walter Casazza: Mit unserem ÖPNV leisten wir dank unserer Erfahrung Großartiges. Denken Sie an ein Spiel des FCA. Innerhalb kürzester Zeit bringen wir die Fans sicher ins Stadion und wieder nach Hause – ein gutes Beispiel für die Leistungsfähigkeit unseres Netzes. Ein Netz, das gar nicht kostendeckend zu be­treiben ist. Wer aber würde freiwillig auf einen Markt treten, auf dem keine Gewinne zu erwarten sind?

Wie können Sie die swa fit für die Zukunft machen?

Casazza: Durch Innovationen. Wir treiben Zukunfts­themen voran, indem wir die Kreativität und das Know-how unserer Mitarbeiter nutzen, um für unsere Kunden Lösungen zu entwickeln. Und zwar Lösungen, die ihnen das Leben erleichtern, nicht nur um der In­novation willen.

Ein Beispiel für eine solche Innovation?

Casazza: Aus dem Verkehrsbereich sehe ich da das Carsharing. Es ist eine wunderbare Ergänzung, die den Zeitgeist trifft. Teilen ist en vogue. In einer Stadt mit ei­nem funktionierenden ÖPNV braucht nicht jeder ein eigenes Auto. Aktuell sind wir mit 70 Fahrzeugen un­terwegs und wir gehen davon aus, dass wir uns Ende 2017 wieder verdoppelt haben.

Gehen die swa auf Privatkunden anders zu als auf Firmenkunden?

Müllner: Kaum. Wir bieten beiden Zielgruppen alles, was sie erwarten: und zwar online und offline. Jeder soll im Internet schnell und einfach alle Informationen finden, die er sucht. Gleichzeitig stehen wir mit Man­power zur Seite, wenn wir gebraucht werden. Doch nicht nur unsere Mitarbeiter sind jederzeit ansprechbar. Wenn der Schuh mal richtig drückt, sind auch wir in der Geschäftsführung gerne erreichbar.

Wir hatten die letzten Jahre ja einiges „Rauf und Runter“ mit der Energiewende. Gerade für Firmen­kunden war da bei der mittel- und langfristigen Planung viel Unsicherheit im Spiel. Wie ist die Lage?

Müllner: Für Unternehmer, die eine sichere und preis­werte Energieversorgung möchten, um mit ihren Pro­dukten konkurrenzfähig auf den Markt zu treten, war die Energiewende alles andere als negativ. Schließlich sind unterm Strich die Energiepreise gefallen, sieht man von den Steuern und Umlagen ab. Die Energie­wende war richtig und wichtig – nicht nur aus ökologi­scher, sondern auch aus technologischer Sicht.

Casazza: Bei uns hat die Energiewende einen Innova­tionsschub ausgelöst und gestalterische Kräfte freige­setzt. Wir wollten ein Neu- und Umdenken. Und wir suchen stetig Wege, auf innovative Weise nachhaltige Energie zu erzeugen. Ein Beispiel ist die Power-to-Heat-Anlage in Lechhausen oder unser Smart-Grid-Projekt in Haunstetten, wo wir seit zwei Jahren die in­telligente Stromsteuerung in der Realität testen.

Alfred Müllner und Dr. Walter Casazza. Foto: vmm wirtschaftsverlag / Bernd Jaufmann

Wo sind die swa als Partner besonders gefragt?

Casazza: Contracting ist für uns ein wichtiges Thema, wo wir gemeinsam mit Wohnbau, Wohnungswirt­schaft, Industrie und Handel aktiv Lösungen vorantrei­ben. Hier befinden wir uns auf einem deutlichen Wachstumskurs und das ist der beste Beweis dafür, dass wir als Partner zur Lösung von Energiefragen an Bord sind. So hat uns beispielsweise der Papierherstel­ler UPM Kymmene mit ins Boot geholt, um deren Was­serkraftwerk zu reaktivieren.

Die dritte Säule der swa, Trinkwasser, steht häufig nicht so im Fokus der Öffentlichkeit wie Energie und Verkehr. Wie wichtig ist das Wasser für die Marke swa?

Casazza: Sehr wichtig! Wir sind stolz auf unser Wasser. Unser Trinkwasser hat eine herausragende Qualität und damit das so bleibt, haben wir für die Zukunft vor­gesorgt. Das saubere Wasser ist für die Augsburgerin­nen und Augsburger eine Selbstverständlichkeit – und das darf es auch sein. Hier können sich alle darauf ver­lassen, dass wir die erstklassige Qualität sicherstellen und auch für die nächsten Generationen erhalten. Hierfür investieren wir viel Geld, Zeit und Know-how.

Müllner: Als „Zugezogener“ beeindruckt mich die Größe des Trinkwasserschutzgebietes im Siebentisch­wald sehr. Das ist außerordentlich weitsichtig und ver­antwortungsbewusst. Es gibt so viele Konflikte auf der Welt rund um sauberes Trinkwasser. Hier in Augsburg wurde für Generationen vorgesorgt.

Wie verstehen die swa ihre Rolle für die Region?

Casazza: Die Infrastruktur wächst mit uns und wir wachsen mit der Infrastruktur. Wir sehen uns als Motor der Stadtentwicklung. Wir wollen nicht nur mitwach­sen, sondern auch Wegbereiter sein, in Vorlage gehen und aktiv mitentwickeln. Jede Straßenbahnachse ist für Investitionen von Dritten ein wichtiges Argument. Hier findet Wachstum statt. Vor allem ist sie auch verläss­lich. Die bleibt die nächsten 50 Jahre – garantiert.

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Stadtwerke Augsburg: Dr. Walter Casazza und Alfred Müllner im Interview

„Wir sind der Motor der Stadtentwicklung“

Alfred Müllner und Dr. Walter Casazza im Interview. Foto: vmm wirtschaftsverlag / Bernd Jaufmann
Das Führungsduo zu Gast in unserer Redaktion: Dr. Walter Casazza und Alfred Müllner geben einen Einblick in die Rolle der Stadtwerke Augsburg für die Region.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Das Internet lässt disruptive Märkte blühen. Wie steht es um das Geschäftsmodell eines Stadtwerks?

Alfred Müllner: Das Thema beschäftigt uns genauso, wie viele andere Unternehmer. Bei einem Teil unserer Produkte, etwa bei Strom und Gas, locken Billigange­bote aus dem Internet die Kunden. Aber wir sehen das sehr entspannt. Wir haben eine starke Marke und ste­hen auf starken Säulen. Deswegen haben Stadtwerke auch in sich schnell verändernden Märkten immer eine Zukunft. Uber zum Beispiel kann vielleicht indivi­duelles Eigentum ersetzen – aber keinesfalls einen funktionierenden ÖPNV für jedermann.

Dr. Walter Casazza: Mit unserem ÖPNV leisten wir dank unserer Erfahrung Großartiges. Denken Sie an ein Spiel des FCA. Innerhalb kürzester Zeit bringen wir die Fans sicher ins Stadion und wieder nach Hause – ein gutes Beispiel für die Leistungsfähigkeit unseres Netzes. Ein Netz, das gar nicht kostendeckend zu be­treiben ist. Wer aber würde freiwillig auf einen Markt treten, auf dem keine Gewinne zu erwarten sind?

Wie können Sie die swa fit für die Zukunft machen?

Casazza: Durch Innovationen. Wir treiben Zukunfts­themen voran, indem wir die Kreativität und das Know-how unserer Mitarbeiter nutzen, um für unsere Kunden Lösungen zu entwickeln. Und zwar Lösungen, die ihnen das Leben erleichtern, nicht nur um der In­novation willen.

Ein Beispiel für eine solche Innovation?

Casazza: Aus dem Verkehrsbereich sehe ich da das Carsharing. Es ist eine wunderbare Ergänzung, die den Zeitgeist trifft. Teilen ist en vogue. In einer Stadt mit ei­nem funktionierenden ÖPNV braucht nicht jeder ein eigenes Auto. Aktuell sind wir mit 70 Fahrzeugen un­terwegs und wir gehen davon aus, dass wir uns Ende 2017 wieder verdoppelt haben.

Gehen die swa auf Privatkunden anders zu als auf Firmenkunden?

Müllner: Kaum. Wir bieten beiden Zielgruppen alles, was sie erwarten: und zwar online und offline. Jeder soll im Internet schnell und einfach alle Informationen finden, die er sucht. Gleichzeitig stehen wir mit Man­power zur Seite, wenn wir gebraucht werden. Doch nicht nur unsere Mitarbeiter sind jederzeit ansprechbar. Wenn der Schuh mal richtig drückt, sind auch wir in der Geschäftsführung gerne erreichbar.

Wir hatten die letzten Jahre ja einiges „Rauf und Runter“ mit der Energiewende. Gerade für Firmen­kunden war da bei der mittel- und langfristigen Planung viel Unsicherheit im Spiel. Wie ist die Lage?

Müllner: Für Unternehmer, die eine sichere und preis­werte Energieversorgung möchten, um mit ihren Pro­dukten konkurrenzfähig auf den Markt zu treten, war die Energiewende alles andere als negativ. Schließlich sind unterm Strich die Energiepreise gefallen, sieht man von den Steuern und Umlagen ab. Die Energie­wende war richtig und wichtig – nicht nur aus ökologi­scher, sondern auch aus technologischer Sicht.

Casazza: Bei uns hat die Energiewende einen Innova­tionsschub ausgelöst und gestalterische Kräfte freige­setzt. Wir wollten ein Neu- und Umdenken. Und wir suchen stetig Wege, auf innovative Weise nachhaltige Energie zu erzeugen. Ein Beispiel ist die Power-to-Heat-Anlage in Lechhausen oder unser Smart-Grid-Projekt in Haunstetten, wo wir seit zwei Jahren die in­telligente Stromsteuerung in der Realität testen.

Alfred Müllner und Dr. Walter Casazza. Foto: vmm wirtschaftsverlag / Bernd Jaufmann

Wo sind die swa als Partner besonders gefragt?

Casazza: Contracting ist für uns ein wichtiges Thema, wo wir gemeinsam mit Wohnbau, Wohnungswirt­schaft, Industrie und Handel aktiv Lösungen vorantrei­ben. Hier befinden wir uns auf einem deutlichen Wachstumskurs und das ist der beste Beweis dafür, dass wir als Partner zur Lösung von Energiefragen an Bord sind. So hat uns beispielsweise der Papierherstel­ler UPM Kymmene mit ins Boot geholt, um deren Was­serkraftwerk zu reaktivieren.

Die dritte Säule der swa, Trinkwasser, steht häufig nicht so im Fokus der Öffentlichkeit wie Energie und Verkehr. Wie wichtig ist das Wasser für die Marke swa?

Casazza: Sehr wichtig! Wir sind stolz auf unser Wasser. Unser Trinkwasser hat eine herausragende Qualität und damit das so bleibt, haben wir für die Zukunft vor­gesorgt. Das saubere Wasser ist für die Augsburgerin­nen und Augsburger eine Selbstverständlichkeit – und das darf es auch sein. Hier können sich alle darauf ver­lassen, dass wir die erstklassige Qualität sicherstellen und auch für die nächsten Generationen erhalten. Hierfür investieren wir viel Geld, Zeit und Know-how.

Müllner: Als „Zugezogener“ beeindruckt mich die Größe des Trinkwasserschutzgebietes im Siebentisch­wald sehr. Das ist außerordentlich weitsichtig und ver­antwortungsbewusst. Es gibt so viele Konflikte auf der Welt rund um sauberes Trinkwasser. Hier in Augsburg wurde für Generationen vorgesorgt.

Wie verstehen die swa ihre Rolle für die Region?

Casazza: Die Infrastruktur wächst mit uns und wir wachsen mit der Infrastruktur. Wir sehen uns als Motor der Stadtentwicklung. Wir wollen nicht nur mitwach­sen, sondern auch Wegbereiter sein, in Vorlage gehen und aktiv mitentwickeln. Jede Straßenbahnachse ist für Investitionen von Dritten ein wichtiges Argument. Hier findet Wachstum statt. Vor allem ist sie auch verläss­lich. Die bleibt die nächsten 50 Jahre – garantiert.

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