101 Köpfe, Folge 114

Ronald Herkert: „Eigentlich bin ich mein Leben lang Kapitän geblieben“

Ronald Herkert, Gründer der FORUM MEDIA GROUP. Foto: Claus-Georg Petri
Jahrelang war Ronald Herkert, Gründer der FORUM MEDIA GROUP, als Kapitän eines Containerschiffs auf den Weltmeeren unterwegs. Weshalb er schließlich doch einen Verlag gründete und was ihn weiterhin mit der Schifffahrt verbindet, verrät er im 101 Köpfe-Interview.

Namen: Ronald Herkert

Alter: 64

Position: Gründer und Beiratsvorsitzender

Unternehmen: FORUM MEDIA GROUP

Hobbies: Tennis, Radeln, Schwimmen, Segeln, Fliegen und Videofilmen


B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Herkert, was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus?

Ronald Herkert: Man muss zuallererst eine Vision vor Augen haben, die einen antreibt. Dann gilt es hart zu arbeiten und permanent der Versuchung zu widerstehen, sich in zwischenzeitlich erreichten Komfortzonen einzunisten. Es ist wichtig, gute, fähige und selbständige Mitarbeiter zu finden, die man für gemeinsame Ziele begeistern, ihnen etwas zutrauen und entsprechende Freiräume geben kann.

Wieso investierte die FORUM MEDIA GROUP in ein hochseetaugliches Segelschiff?

Bevor ich Verleger wurde, machte ich eine Ausbildung zum „Kapitän auf Großer Fahrt“ bei der Handelsmarine. Dort lernte ich, dass die kleine Welt „Schiff“ ein idealer Ort ist, um die Bedeutung von Teamarbeit, Kommunikation, Menschenkenntnis, Vertrauen und des aufeinander verlassens zu erfahren und zu erlernen. Das wollte ich unseren Kunden sowie Mitarbeitern auch ermöglichen. So ein großes Segelschiff, das ohne Automatik gesegelt wird, bringt einem ohne viel Theorie bei, worauf es bei der Führungs- und Teamarbeit ankommt.

Nutzen Sie das Schiff selbst, wenn Sie einen Törn planen?

Es hat sich gezeigt, dass das Schiff auch für Urlaubsreisen attraktiv ist. Selbstverständlich buche auch ich mich ab und zu mal – leider viel zu selten – ein.

Wo waren Sie schon überall mit dem Schiff unterwegs?

Das Schiff hat schon mehrfach die Welt umrundet. Ich selbst war mit ihm in der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer, auf den Kanarischen Inseln und in der Karibik unterwegs.

Welchen Törn werden Sie nie vergessen?

Mein bewegendster Törn war der in den ehemaligen schwedischen Heimathafen Stockevik. Dort kennt noch fast jeder Einwohner das Schiff aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen. Der Besuch dort war eine Reise in die Vergangenheit und mit Tränen der Rührung bei allen Beteiligten verbunden.

Sie waren Kapitän eines Containerschiffs, bevor Sie sich für ein BWL-Studium entschieden haben. Wie kam es zu dieser radikalen Veränderung?

Ich bin insgesamt zehn Jahre auf den verschiedensten Schiffen zur See gefahren und habe eine Kapitänsausbildung durchlaufen. In dieser Zeit wurde mir aber bewusst, dass dieses Leben nur attraktiv ist, solange man jung und ungebunden ist. Also entschloss ich mich schweren Herzens, die Seefahrt aufzugeben und rechtzeitig eine neue Ausbildung zu absolvieren.

Sehnen Sie sich manchmal zu Ihren Zeiten als Kapitän zurück?

Alles hat seine Zeit. Im Nachhinein möchte ich nichts missen. Eigentlich bin ich mein Leben lang Kapitän geblieben. Wie gesagt: Ein Unternehmen zu steuern hat unglaublich viel Ähnlichkeit mit den Anforderungen ein Schiff zu steuern.

Neben der See und dem Land sind Sie auch als Pilot hoch in der Luft anzutreffen. Wie kamen Sie zum Fliegen?

Anfangs war es ein Hobby, sozusagen als Gegengewicht dafür, dass ich die Seefahrt aufgegeben habe. Später konnte ich die Fliegerei beruflich nutzen, um die Reisezeiten zu unseren Tochtergesellschaften in Polen und Ungarn drastisch zu reduzieren.

Die FORUM MEDIA GROUP nennt sogar ein Flugzeug ihr Eigen, ist das Ihrer Leidenschaft zu verdanken?

Ob wir uns ein eigenes Flugzeug geleistet hätten, wenn ich als Pilot nicht dessen Vorteile gesehen hätte, weiß ich nicht. Aber unser Firmenflugzeug wird nicht aus Hobby, sondern ausschließlich zu beruflichen Zwecken eingesetzt. Aber ich verhehle natürlich nicht, dass es auch Spaß macht, so ein komplexes, technisches Wunderwerk zu steuern.

Stand für Sie je zur Debatte als Pilot zu arbeiten?

Nie – dann hätte ich auch Schiffskapitän bleiben können.

Sie sind außerdem ehrenamtlich als Handelsrichter tätig. Was reizt Sie an Jura?

An meiner Aufgabe als Handelsrichter reizt mich einerseits die Möglichkeit meine Berufs- und Lebenserfahrung einzubringen um Konflikte zu lösen, andererseits die Möglichkeit zu lernen, was man für Fehler machen kann und was man tun muss um Konflikte zu vermeiden.

Schließlich haben Sie doch einen Verlag gegründet: Für welche Publikation haben Sie schon geschrieben?

Im Anfangsstadium unseres Unternehmens habe ich die Inhalte unserer Kundenzeitschriften häufig selbst geschrieben. Es hat mir Spaß gemacht, doch dafür habe ich heute leider keine Zeit mehr. Im Laufe meines Berufslebens musste ich lernen, dass man manchmal auf Dinge verzichten muss, die einem Spaß machen, um das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Print oder online – wie lesen Sie am liebsten?

Unter zehn Zeilen online – alles was darüber ist in Print. Einzige Ausnahme: Urlaubslektüre, die ich gerne auf dem e-reader mitnehme, damit mein Gepäck nicht so schwer wird.

Sie stammen aus Wasseralfingen bei Aalen. Was hat Sie nach Bayerisch-Schwaben gezogen?

Na ja, wir hatten zwar den Fluss Kocher, aber der ist bis heute nicht schiffbar. Also hat mich die Seefahrt von Wasseralfingen weggezogen. Die Augsburger Uni, an der man Ökonomie studieren konnte, hat mich 1976 dann wieder von der Seefahrt weg in den Süden gezogen.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Ich habe in Augsburg und Umgebung viele tolle Persönlichkeiten – prominente und weniger prominente – kennengelernt. Das waren glücklicherweise erheblich mehr als drei und alle haben mich auf ihre Art begeistert und inspiriert. Bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich keine einzelnen hervorheben möchte. Diejenigen, die das hier lesen, wissen schon, dass sie gemeint sind und ihnen sage ich danke.

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