Folge 26: Prof. Dr. Peter Schettgen, ZWW

Folge 26: Prof. Dr. Peter Schettgen

Als Kind wurde er "Sternendoktor" genannt - heute ist er erfolgreicher Professor für Psychologie. Prof. Dr. Schettgen arbeitet am ZWW und hat mit der Kampfkunst Aikido Hobby und Beruf verknüpft. "Das beste an Augsburg ist der Zug nach München"? Von wegen Herr Brecht. Prof. Dr. Schettgen sieht das anders...

Name: Peter Schettgen
Alter: 52
Position
: Geschäftsführer
Unternehmen: Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg
Hobbies: Aikido, Angeln, Unterwasserjagd

Sie sind seit einigen Jahren Leiter des ZWW der Universität Augsburg. Welches Dienstleistungs-Portfolio bietet das ZWW an?

Das Leistungsportfolio des ZWW ist auf die berufliche und betriebliche Weiterbildung von Fach- und Führungskräften gerichtet und in drei Schwerpunkte gegliedert: Kursprogramm, maßgeschneiderte Lösungen und Events. Unser Kursprogramm findet an der Universität Augsburg statt und umfasst Einzelseminare, Seminarsequenzen, Zertifikatskurse und einen MBA-Studiengang „Unternehmensführung“. Die maßgeschneiderten Lösungen entwickeln wir im Auftrag von Firmenkunden. Events stellen Einzelveranstaltungen wie Konferenzen, Foren, Vorträge oder Messebeteiligungen dar. Besonders bekannt sind hier unser Internationaler Fachkongress „erleben und lernen“, die Weiterbildungsreihe am Donnerstag, die Finance Experts Speaker Series und das Projektmanagement-Forum (pm-forum).

 Sie sind Professor für Psychologie und haben einen Schwerpunkt in der Entwicklung von „Soft Skills“. Wie wichtig sind diese im heutigen Berufsleben?

Die Soft Skills sind nach meiner Einschätzung die eigentlichen Hard Skills. Denn ohne geschickten Umgang mit den eigenen Kräften, ohne ein bewusstes Selbstmanagement, laufen viele Menschen heute Gefahr, durch die gestiegenen Anforderungen des Berufslebens ausgebrannt zu werden. Man muss also lernen, einem Burnout oder auch einer dauerhaften Schieflage der Work-Life-Balance vorzubeugen. Aber auch soziale Kompetenzen werden zunehmend wichtiger, da die weitaus meisten Tätigkeiten heute nicht mehr allein, sondern in echten oder virtuellen Teams vollzogen werden.

Immer mehr Menschen nehmen Weiterbildungs-Angebote in Anspruch. Ist Bildung in der heutigen Zeit der Schlüssel zum Erfolg?

Alle Menschen sind genetisch ausgestattet mit dem Rohstoff „Geist“. Dieser muss aber raffiniert werden, so wie ein Rohdiamant geschliffen werden muss, damit er strahlen kann. Bildung hört ja nicht auf, sondern setzt sich lebenslang über „learning on the job“ oder firmeninterne Programme der Personalentwicklung fort.

Bildung ist daher in mehrfacher Hinsicht ein Schlüssel zum Erfolg: weil es ohne lebenslanges Lernen aufgrund sich ständig weiter entwickelnder beruflicher Anforderungen einfach nicht mehr geht; weil Bildung an einem Wirtschaftsstandort wie Deutschland mehr oder weniger der einzige „Rohstoff“ ist, über den wir verfügen können – daher dürfen wir bei Investitionen in diesem Bereich auch aus gar keinen Gründen sparen; und schließlich sollten wir uns bewusst machen, dass es über den Geist hinaus immer auch eine Affekt-, Sozial- und Körperbildung gibt. Ich bin der Ansicht, dass wir diese anderen Aspekte auch in unser Bildungskalkül integrieren sollten, weil wir ansonsten nur Fachidioten produzieren.

Auf der Homepage des ZWW heißt es, Ihr Spezialgebiet liege in der „Anwendung fernöstlicher Bewegungskunst 'Aikido' im Rahmen von Konfliktmanagement-Trainings“. Was genau kann man sich unter 'Aikido' vorstellen?

Ich sehe Aikido nicht als Sportart, sondern als eine Kunst. Genauer gesagt, ist Aikido eine japanische Bewegungskunst, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von dem Japaner Morihei Uyeshiba (1883-1969) entwickelt wurde. Die Bedeutung des Aikido kann man am besten verstehen, wenn man den Begriff in seine bedeutungstragenden Silben zerlegt: „Ai“ steht für „Harmonie, Synchronisation, Koordination“, „Ki“ heißt „Lebenskraft, Vitalität, Energie“ und „Do“ wird mit „Übung“, „Übungsweg“ oder auch „Prinzip der Lebensführung“ übersetzt. Aikido ist also ein Prinzip der Lebensführung („Do“), das Kräfte („Ki“) in Einklang („Ai“) bringen will. Und das auf drei verschiedenen Ebenen: Einklang zwischen Körper, Geist und Seele; Einklang zwischen mir und anderen Menschen; und Einklang zwischen mir und der Natur. Aikido ist die Kunst, nicht kämpfen zu müssen, sondern die aus Konflikten erwachsenden Kräfte konstruktiv für die Lösung von Problemen zu verwenden.

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Wie sind Sie zu Aikido gekommen?

Mein Vater war begeisterter Amateurboxer. Als ich auf die Welt kam, musste er meiner Mutter zwar versprechen, mit dem aktiven Boxen aufzuhören, seine Faszination für diesen Sport blieb dadurch aber ungebrochen. So hatte ich später als Junge die Gelegenheit, mit meinem Vater ins Boxtraining zu gehen, ihm beim Sparringboxen zuzuschauen oder nachts um 3 Uhr Boxkämpfe mit Cassius Clay alias Muhammad Ali im Fernsehen anzuschauen. In meiner Pubertät kamen dann die sog. „Eastern“ auf, also die ersten Kung-Fu-Filme aus China und später auch Hollywood. Hier fand ich besonders beeindruckend, dass die an sich sinnlose und teilweise auch abstoßende Ausübung körperlicher Gewalt, die ich bis dahin vom Boxen kannte, an ein übergeordnetes Sinnsystem fernöstlicher Philosophie gebunden wurde: es ging um Selbstfindung, Wahrheit, Echtheit und zahlreiche andere menschliche Tugenden, die der Selbstvervollkommnung dienen. Das hat mich damals weit mehr angesprochen als das westliche Boxen. Daher war mir klar: Wenn ich jemals selbst aktiv einen solchen „Sport“ ausüben sollte, dann wäre es ein fernöstlicher Kampfsport. Kurz darauf sah ich einem Fernsehbeitrag über Aikido. Ich erkannte das Bewegungsmuster des Meisters und wusste sofort: Das war genau das, wonach ich gesucht hatte.

Was war als Kind Ihr Traumberuf? Hätten Sie damals gedacht, dass Sie später einmal eine solche Position bekleiden würden?

Schon als Erstklässler nannten mich meine Mitschüler „Sternendoktor“, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt schon intensiv mit Astronomie und Raumfahrt beschäftigt hatte. Meine Interessengebiete haben sich während meiner Schullaufbahn zwar immer wieder verändert: von der Astronomie zur Chemie und von da zur Philosophie/Theologie. Auf dem Gymnasium haben mich manche Mitschüler(innen) dann schon „Professor“ genannt. Spätestens in der Oberstufe war mir dann auch persönlich klar, dass ich einer werden wollte. Die Entscheidung für ein Studium der Psychologie fiel während meiner Bundeswehrzeit, in der ich jede freie Minute genutzt habe, um Psychologie-Bücher zu lesen. Insofern habe ich mein Traumziel erreicht. Meine Karriere innerhalb des ZWW war zwar ursprünglich nicht geplant, hat sich aber im Laufe meiner Beschäftigung am ZWW einfach so ergeben.

Brecht sagte einmal: „Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München“. Was würden Sie Brecht darauf antworten?

Ich persönlich würde sagen, dass auch Dichter und Denker zuweilen irren können. Brechts Meinung teile ich an dieser Stelle zumindest nicht. Aber ich bin auch ländlich aufgewachsen und war noch nie ein rechter Freund von Großstädten. Wenn ich die Wahl hätte, in einer Großstadt oder einer Provinzstadt zu leben, würde ich mich immer für die Provinz entscheiden. Leider hat „Provinz“ in unserem Sprachgebrauch etwas Abfälliges erhalten, das ich aufgrund meiner Wahrnehmung und Erfahrung überhaupt nicht nachvollziehen kann. Augsburg hat sehr viel zu bieten: ich denke da an den Goldenen Saal im Rathaus, das Schaezlerpalais, die Fuggerei, den Dom und das St. Ulrich Münster, die Maximilianstraße, die vielen Brunnen, den Rathausplatz und, und, und… Da muss es einem „weiß Gott“ nicht langweilig werden. Ich schätze Augsburg sehr und fühle mich hier wohl. Die Augsburger brauchen ihr Licht überhaupt nicht unter den Scheffel von München zu stellen. Wahre Größe zeigt sich nicht allein in der Einwohnerzahl.

Ein Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in spätestens 5 Jahren beruflich und privat erreicht haben?

In spätestens 5 Jahren möchte ich, dass sich das ZWW der Universität Augsburg in der Region Bayerisch-Schwaben zu einem allseits bekannten und zentralen Ansprechpartner für die berufliche und betriebliche Weiterbildung von Menschen entwickelt hat. Hierbei denke ich insbesondere an Bildungs- und Imagepartnerschaften mit wichtigen Firmen der Region. Wenn darüber hinaus – mit diesen starken Wurzeln in der Region – auch einzelne Äste und Zweige in die internationalen Kooperationen hinein wachsen: umso besser. Nur halte ich nicht viel davon, die Arme zum Himmel zu strecken, wenn die Füße nicht fest auf dem Boden stehen.

Meine privaten Ziele sind bescheiden: Ich möchte auch in fünf Jahren noch gesund und munter sein – und wenn möglich mehr Zeit für mich selbst, meine Frau und meine Hobbies haben, als mir das gegenwärtig möglich ist. Insofern reduziere ich, je älter ich werde, mein Leben von immer mehr Ballast, um Zeit für das Wesentliche zu haben. Lebensqualität ist halt durch nichts zu ersetzen.

Ganz spontan in 15 Sekunden: 3 tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben / der Region?

Da fallen mir zunächst Herr Stefan Holzamer von der SGL Carbon in Meitingen und Herr Settelmeier von der Stadtsparkasse Augsburg ein. Und das nicht nur, weil es sich hier um Sponsoren des ZWW handelt, sondern weil ich diese Personen persönlich kennen und schätzen gelernt habe. Sie sind authentisch und haben immer ein offenes Ohr. Und dann ist da noch Herr Johannes Juppe als Geschäftsführer der vbw-Bezirksgruppe Schwaben, der in unserer Region mit beeindruckender Tatkraft, Entschlossenheit und Frische für die Interessen der angeschlossenen Wirtschaftsverbände eintritt.

Wieso haben Sie erst mit 52 Jahren geheiratet?

Weil ich bis dahin nicht die Reife hatte, zu erkennen, dass man Freiheit auch in der Entscheidung für und damit letztlich in einer intimen Beziehung erleben kann.

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Folge 26: Prof. Dr. Peter Schettgen, ZWW

Folge 26: Prof. Dr. Peter Schettgen

Als Kind wurde er "Sternendoktor" genannt - heute ist er erfolgreicher Professor für Psychologie. Prof. Dr. Schettgen arbeitet am ZWW und hat mit der Kampfkunst Aikido Hobby und Beruf verknüpft. "Das beste an Augsburg ist der Zug nach München"? Von wegen Herr Brecht. Prof. Dr. Schettgen sieht das anders...

Name: Peter Schettgen
Alter: 52
Position
: Geschäftsführer
Unternehmen: Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg
Hobbies: Aikido, Angeln, Unterwasserjagd

Sie sind seit einigen Jahren Leiter des ZWW der Universität Augsburg. Welches Dienstleistungs-Portfolio bietet das ZWW an?

Das Leistungsportfolio des ZWW ist auf die berufliche und betriebliche Weiterbildung von Fach- und Führungskräften gerichtet und in drei Schwerpunkte gegliedert: Kursprogramm, maßgeschneiderte Lösungen und Events. Unser Kursprogramm findet an der Universität Augsburg statt und umfasst Einzelseminare, Seminarsequenzen, Zertifikatskurse und einen MBA-Studiengang „Unternehmensführung“. Die maßgeschneiderten Lösungen entwickeln wir im Auftrag von Firmenkunden. Events stellen Einzelveranstaltungen wie Konferenzen, Foren, Vorträge oder Messebeteiligungen dar. Besonders bekannt sind hier unser Internationaler Fachkongress „erleben und lernen“, die Weiterbildungsreihe am Donnerstag, die Finance Experts Speaker Series und das Projektmanagement-Forum (pm-forum).

 Sie sind Professor für Psychologie und haben einen Schwerpunkt in der Entwicklung von „Soft Skills“. Wie wichtig sind diese im heutigen Berufsleben?

Die Soft Skills sind nach meiner Einschätzung die eigentlichen Hard Skills. Denn ohne geschickten Umgang mit den eigenen Kräften, ohne ein bewusstes Selbstmanagement, laufen viele Menschen heute Gefahr, durch die gestiegenen Anforderungen des Berufslebens ausgebrannt zu werden. Man muss also lernen, einem Burnout oder auch einer dauerhaften Schieflage der Work-Life-Balance vorzubeugen. Aber auch soziale Kompetenzen werden zunehmend wichtiger, da die weitaus meisten Tätigkeiten heute nicht mehr allein, sondern in echten oder virtuellen Teams vollzogen werden.

Immer mehr Menschen nehmen Weiterbildungs-Angebote in Anspruch. Ist Bildung in der heutigen Zeit der Schlüssel zum Erfolg?

Alle Menschen sind genetisch ausgestattet mit dem Rohstoff „Geist“. Dieser muss aber raffiniert werden, so wie ein Rohdiamant geschliffen werden muss, damit er strahlen kann. Bildung hört ja nicht auf, sondern setzt sich lebenslang über „learning on the job“ oder firmeninterne Programme der Personalentwicklung fort.

Bildung ist daher in mehrfacher Hinsicht ein Schlüssel zum Erfolg: weil es ohne lebenslanges Lernen aufgrund sich ständig weiter entwickelnder beruflicher Anforderungen einfach nicht mehr geht; weil Bildung an einem Wirtschaftsstandort wie Deutschland mehr oder weniger der einzige „Rohstoff“ ist, über den wir verfügen können – daher dürfen wir bei Investitionen in diesem Bereich auch aus gar keinen Gründen sparen; und schließlich sollten wir uns bewusst machen, dass es über den Geist hinaus immer auch eine Affekt-, Sozial- und Körperbildung gibt. Ich bin der Ansicht, dass wir diese anderen Aspekte auch in unser Bildungskalkül integrieren sollten, weil wir ansonsten nur Fachidioten produzieren.

Auf der Homepage des ZWW heißt es, Ihr Spezialgebiet liege in der „Anwendung fernöstlicher Bewegungskunst 'Aikido' im Rahmen von Konfliktmanagement-Trainings“. Was genau kann man sich unter 'Aikido' vorstellen?

Ich sehe Aikido nicht als Sportart, sondern als eine Kunst. Genauer gesagt, ist Aikido eine japanische Bewegungskunst, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von dem Japaner Morihei Uyeshiba (1883-1969) entwickelt wurde. Die Bedeutung des Aikido kann man am besten verstehen, wenn man den Begriff in seine bedeutungstragenden Silben zerlegt: „Ai“ steht für „Harmonie, Synchronisation, Koordination“, „Ki“ heißt „Lebenskraft, Vitalität, Energie“ und „Do“ wird mit „Übung“, „Übungsweg“ oder auch „Prinzip der Lebensführung“ übersetzt. Aikido ist also ein Prinzip der Lebensführung („Do“), das Kräfte („Ki“) in Einklang („Ai“) bringen will. Und das auf drei verschiedenen Ebenen: Einklang zwischen Körper, Geist und Seele; Einklang zwischen mir und anderen Menschen; und Einklang zwischen mir und der Natur. Aikido ist die Kunst, nicht kämpfen zu müssen, sondern die aus Konflikten erwachsenden Kräfte konstruktiv für die Lösung von Problemen zu verwenden.

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Mein Vater war begeisterter Amateurboxer. Als ich auf die Welt kam, musste er meiner Mutter zwar versprechen, mit dem aktiven Boxen aufzuhören, seine Faszination für diesen Sport blieb dadurch aber ungebrochen. So hatte ich später als Junge die Gelegenheit, mit meinem Vater ins Boxtraining zu gehen, ihm beim Sparringboxen zuzuschauen oder nachts um 3 Uhr Boxkämpfe mit Cassius Clay alias Muhammad Ali im Fernsehen anzuschauen. In meiner Pubertät kamen dann die sog. „Eastern“ auf, also die ersten Kung-Fu-Filme aus China und später auch Hollywood. Hier fand ich besonders beeindruckend, dass die an sich sinnlose und teilweise auch abstoßende Ausübung körperlicher Gewalt, die ich bis dahin vom Boxen kannte, an ein übergeordnetes Sinnsystem fernöstlicher Philosophie gebunden wurde: es ging um Selbstfindung, Wahrheit, Echtheit und zahlreiche andere menschliche Tugenden, die der Selbstvervollkommnung dienen. Das hat mich damals weit mehr angesprochen als das westliche Boxen. Daher war mir klar: Wenn ich jemals selbst aktiv einen solchen „Sport“ ausüben sollte, dann wäre es ein fernöstlicher Kampfsport. Kurz darauf sah ich einem Fernsehbeitrag über Aikido. Ich erkannte das Bewegungsmuster des Meisters und wusste sofort: Das war genau das, wonach ich gesucht hatte.

Was war als Kind Ihr Traumberuf? Hätten Sie damals gedacht, dass Sie später einmal eine solche Position bekleiden würden?

Schon als Erstklässler nannten mich meine Mitschüler „Sternendoktor“, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt schon intensiv mit Astronomie und Raumfahrt beschäftigt hatte. Meine Interessengebiete haben sich während meiner Schullaufbahn zwar immer wieder verändert: von der Astronomie zur Chemie und von da zur Philosophie/Theologie. Auf dem Gymnasium haben mich manche Mitschüler(innen) dann schon „Professor“ genannt. Spätestens in der Oberstufe war mir dann auch persönlich klar, dass ich einer werden wollte. Die Entscheidung für ein Studium der Psychologie fiel während meiner Bundeswehrzeit, in der ich jede freie Minute genutzt habe, um Psychologie-Bücher zu lesen. Insofern habe ich mein Traumziel erreicht. Meine Karriere innerhalb des ZWW war zwar ursprünglich nicht geplant, hat sich aber im Laufe meiner Beschäftigung am ZWW einfach so ergeben.

Brecht sagte einmal: „Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München“. Was würden Sie Brecht darauf antworten?

Ich persönlich würde sagen, dass auch Dichter und Denker zuweilen irren können. Brechts Meinung teile ich an dieser Stelle zumindest nicht. Aber ich bin auch ländlich aufgewachsen und war noch nie ein rechter Freund von Großstädten. Wenn ich die Wahl hätte, in einer Großstadt oder einer Provinzstadt zu leben, würde ich mich immer für die Provinz entscheiden. Leider hat „Provinz“ in unserem Sprachgebrauch etwas Abfälliges erhalten, das ich aufgrund meiner Wahrnehmung und Erfahrung überhaupt nicht nachvollziehen kann. Augsburg hat sehr viel zu bieten: ich denke da an den Goldenen Saal im Rathaus, das Schaezlerpalais, die Fuggerei, den Dom und das St. Ulrich Münster, die Maximilianstraße, die vielen Brunnen, den Rathausplatz und, und, und… Da muss es einem „weiß Gott“ nicht langweilig werden. Ich schätze Augsburg sehr und fühle mich hier wohl. Die Augsburger brauchen ihr Licht überhaupt nicht unter den Scheffel von München zu stellen. Wahre Größe zeigt sich nicht allein in der Einwohnerzahl.

Ein Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in spätestens 5 Jahren beruflich und privat erreicht haben?

In spätestens 5 Jahren möchte ich, dass sich das ZWW der Universität Augsburg in der Region Bayerisch-Schwaben zu einem allseits bekannten und zentralen Ansprechpartner für die berufliche und betriebliche Weiterbildung von Menschen entwickelt hat. Hierbei denke ich insbesondere an Bildungs- und Imagepartnerschaften mit wichtigen Firmen der Region. Wenn darüber hinaus – mit diesen starken Wurzeln in der Region – auch einzelne Äste und Zweige in die internationalen Kooperationen hinein wachsen: umso besser. Nur halte ich nicht viel davon, die Arme zum Himmel zu strecken, wenn die Füße nicht fest auf dem Boden stehen.

Meine privaten Ziele sind bescheiden: Ich möchte auch in fünf Jahren noch gesund und munter sein – und wenn möglich mehr Zeit für mich selbst, meine Frau und meine Hobbies haben, als mir das gegenwärtig möglich ist. Insofern reduziere ich, je älter ich werde, mein Leben von immer mehr Ballast, um Zeit für das Wesentliche zu haben. Lebensqualität ist halt durch nichts zu ersetzen.

Ganz spontan in 15 Sekunden: 3 tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben / der Region?

Da fallen mir zunächst Herr Stefan Holzamer von der SGL Carbon in Meitingen und Herr Settelmeier von der Stadtsparkasse Augsburg ein. Und das nicht nur, weil es sich hier um Sponsoren des ZWW handelt, sondern weil ich diese Personen persönlich kennen und schätzen gelernt habe. Sie sind authentisch und haben immer ein offenes Ohr. Und dann ist da noch Herr Johannes Juppe als Geschäftsführer der vbw-Bezirksgruppe Schwaben, der in unserer Region mit beeindruckender Tatkraft, Entschlossenheit und Frische für die Interessen der angeschlossenen Wirtschaftsverbände eintritt.

Wieso haben Sie erst mit 52 Jahren geheiratet?

Weil ich bis dahin nicht die Reife hatte, zu erkennen, dass man Freiheit auch in der Entscheidung für und damit letztlich in einer intimen Beziehung erleben kann.

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