101 Köpfe, Folge 109

Ferdinand Munk: Die Leiter zum Erfolg erklimmt man zuhause

Ferdinand Munk, Geschäftsführer der Günzburger Steigtechnik. Foto: Günzburger Steigtechnik
Ferdinand Munk im 101 Köpfe-Interview: Wie der Chef der Günzburger Steigtechnik am liebsten in den Tag startet, auf welche Entscheidung er besonders stolz ist und welche App er sich als letztes heruntergeladen hat, lesen Sie hier.

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Name: Ferdinand Munk

Alter: 56

Position:  Geschäftsführer

Unternehmen: Günzburger Steigtechnik

Hobbies: Bergwandern, Radfahren, mein Eselgehege, ehrenamtliche Aktivitäten, meine Enkelkinder

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Munk, Sie führen die Günzburger Steigtechnik in vierter Generation. Was bedeutet Ihnen dieses Erbe?

Ferdinand Munk: Sehr viel. Ich bin stolz darauf, dass wir in vier Familiengenerationen das Unternehmen zu einer international bekannten Größe ausbauen konnten. Für manchen mag ein derartiges Familienerbe eine Last sein. Für mich ist es Ansporn und Motivation, das weiter voranzutreiben, was meine Vorväter mit Weitsicht und viel Erfindungsreichtum erschaffen haben.

Stand für Sie immer fest, dass Sie in den Familienbetrieb einsteigen möchten?

Ja, das war mir schon sehr früh bewusst. Das Unternehmertum wurde mir ja quasi in die Wiege gelegt. Von Kindesbeinen an war ich im elterlichen Betrieb immer mit dabei. Ich lernte mit allen Höhen und Tiefen kennen, was es bedeutet, Unternehmer zu sein und Verantwortung zu leben. Ich hatte bereits früh eigene Ideen und habe an neuen Produkten getüftelt.

Wie bereiten Sie die nachfolgende Generation auf ihre Aufgabe vor?

Alle meine vier Kinder sind mit dem Unternehmen aufgewachsen. Unser Wohnhaus war auf dem Firmengelände, betriebliche Angelegenheiten wurden seit jeher am Familientisch besprochen. Dadurch haben sie den Geschäftsbetrieb quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Alle vier Kinder sind schon heute in verschiedenen Funktionen und Abteilungen aktiv und gestalten das Unternehmen mit. Ich denke, eine bessere Vorbereitung gibt es nicht.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften, die ein Unternehmer mitbringen muss?

Mut, Weitblick und Verantwortung – auch für andere Menschen und die Region. Zudem finde ich persönlich es wichtig, dass nicht der schnelle Profit zählt, sondern seine Firma zukunftsfähig zu machen. Das ist es, was ein Unternehmer wirklich leisten kann: etwas zu schaffen, von dem auch kommende Generationen noch profitieren.

Auf welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Auf „made in Germany“ gesetzt zu haben – auch in Zeiten, in denen es konjunkturell schwierig oder in Mode war, seine Produktion in günstige Herstellungsländer zu verlagern. Das Bekenntnis zum Standort hat uns stark gemacht und ist unsere Stärke.

Wann sind Sie selbst am kreativsten?

Wenn ich raus aus dem Tagesgeschehen bin, in der Natur und vor allem in den Bergen. Hier schalte ich ab und dann purzeln die Ideen nur so. Aber auch, wenn wir in kreativer Runde im Unternehmen zusammensitzen, die Gedanken freien Lauf haben dürfen und jeder sich aus seinem Bereich einbringt. Was dann zustande kommt, begeistert mich immer wieder aufs Neue. Für 2018 haben wir jetzt eine Innovationswerkstatt ins Leben gerufen, welche bewusst Raum geben soll für Kreativität, Zukunftsideen und -visionen.

Was bedeutet Ihnen Ihre Heimat?

Ich bin ein regional sehr verwurzelter Mensch. Heimat ist für mich meine Familie, meine Region, unser Unternehmen. Das macht mich aus und daraus schöpfe ich Kraft. Heimat ist mein Kraftplatz und Ruhepol.

Warum sind Ihnen politisches und ehrenamtliches Engagement so wichtig?

Unternehmertum versteht unsere Familie seit jeher auch als sozialen Auftrag und gesellschaftliche Verantwortung. Dort aktiv zu sein, wo Heimat ist, ist mir ein besonderes Anliegen. Sich für die Menschen, die Region, kulturelle und soziale Belange einzusetzen, ist mir einfach wichtig.

Aber mein politisches Engagement und meine Ehrenämter gehen auch über die Region hinaus. Als Wirtschaftssenator beim Bundesverband für mittelständische Wirtschaft (BVMW) verfolge ich beispielsweise das Ziel, gesellschaftspolitische und ökonomische Belange aktiv mitzugestalten. Die Rolle des Verharrenden und Abwartenden ist mir nicht in die Wiege gelegt worden und so ist politisches und ehrenamtliches Engagement für mich auch Hobby und Passion zugleich.

Wie starten Sie am liebsten in den Tag?

Mit einer guten Tasse Kaffee, frühmorgens, wenn es noch ruhig ist, einem Blick in die Zeitung und danach einem Rundgang durch das ganze Unternehmen. Als Chef präsent und auch jederzeit ansprechbar und greifbar zu sein – für meine Mitarbeiter(innen) auf allen Ebenen – liegt mir am Herzen. Daher ist der Rundgang für mich ein wichtiges morgendliches Ritual.

Welche App haben Sie zuletzt auf Ihr Smartphone heruntergeladen?

Eine Märchen-App für meine Enkel – denn manchmal muss man einfach auch „nur“ Opa sein.

Hand aufs Herz: Welchen Gegenstand haben Sie schon einmal zweckentfremdet, weil Sie keine Leiter zur Hand hatten?

Als Hersteller von Leitern „tut man das nicht“. „Ich stehe auf Leitern“ und das quasi im doppelten Sinne. Wenn ich gerade keine Leiter zur Hand habe, dann hole ich mir eine. Das ist mir meine Gesundheit wert. Die Statistiken sagen, dass Absturzunfälle eine der häufigsten Unfallarten sind. Viele dieser Unfälle ließen sich vermeiden, wenn die Menschen geeignete Steighilfen verwenden würden, anstatt zu Stuhl, Bierkiste oder allerhand waghalsigen Konstruktionen zu greifen.

Ganz spontan in 30 Sekunden: drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Mein Vater Leopold Munk, der Politiker Dr. Georg Simnacher und Pfarrer Sebastian Kneipp.

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