Folge 52: Heidrun Mayer, Papilio e.V.

Der ewige Kampf gegen Gewalt- und Suchtprobleme

Heidrun Mayer, Geschäftsführende 1. Vorsitzende Papilio e.V., Foto: Papilio e.V.

Vor zehn Jahren hat Heidrun Mayer das Präventionsprogramm Papilio mit ins Leben gerufen. Heute ist daraus ein Sozialunternehmen geworden. Im B4B SCHWABEN 101 Köpfe Interview verrät Heidrun Mayer warum sie das Projekt zu einem Unternehmen wachsen ließ und welche Erfahrungen sie als Frau an der Spitze eines Unternehmens gesammelt hat.

 

 

 


Heidrun Mayer

Alter: 52
Position: Geschäftsführende 1. Vorsitzende
Unternehmen: Papilio e.V.
Hobbies: Tanzen, Wandern, Reisen, Oper, Kultur, Kunst


B4B SCHWABEN: Die Idee für das Projekt Papilio hat sich vor zehn Jahren entwickelt. Vor zwei Jahren haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Welche Idee steckt hinter Ihrem Unternehmen?

Heidrun Mayer: Wir wollen Kindern Fähigkeiten mit auf den Weg geben, damit sie eigenverantwortlich ihr Leben gestalten können, und damit wir langfristig Gewalt- und Suchtprobleme in unserer Gesellschaft lösen. Wir haben uns selbstständig gemacht, weil die Arbeit für die Kinder zu wichtig ist. Mit Papilio können wir tief ins System unserer Gesellschaft hineinreichen. Denn wir schärfen auch das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen für die nachfolgenden Generationen, damit unsere Kinder eine lebensbejahende Zukunft haben.

B4B SCHWABEN: Was unterscheidet das Unternehmen Papilio von dem ursprünglichen Präventionsprogramm des Beta-Instituts?

Heidrun Mayer: Anfangs war Papilio ein Projekt, das von der Betapharm-Stiftung als Hauptförderer getragen wurde und im gemeinnützigen Beta-Institut angesiedelt war. Als eigenständiges Unternehmen werden wir deutlicher wahrgenommen, aber wir haben auch eine viel größere Verantwortung. Ohne dauerhafte Trägerstiftung im Hintergrund sind wir auf andere Geldgeber angewiesen, um das Programm weiter zu verbreiten. Zwar haben wir schon viele Kooperationspartner, die unsere Arbeit nachhaltig unterstützen, beispielsweise die AOK Hessen und die Barmer GEK, sowie Stiftungen wie Auridis und Robert Bosch. Dennoch sind wir ständig auf der Suche nach neuen Partnern, damit wir noch mehr Kinder mit Papilio erreichen können.

B4B SCHWABEN: Was unterscheidet Papilio von anderen sozialen Projekten?

Heidrun Mayer: Papilio ist kein Aktionsprogramm, es wirkt nachhaltig und wirkt tief in das Gesellschaftssystem hinein. Papilio vermittelt eine Haltung, die langfristig Werte und Normen in unserer Gesellschaft verändert. Darüber hinaus verfolgen wir einen universellen Ansatz: Alle Kinder, die einen Papilio-Kindergarten besuchen, profitieren von dem Programm und werden gleichermaßen gefördert. Damit werden Kinder, die bereits Verhaltensauffälligkeiten haben, nicht stigmatisiert, indem sie eine Sonderbehandlung erfahren.

B4B SCHWABEN: Wie wird Papilio in der Region aufgenommen?

Heidrun Mayer: Hier in der Region wurde in den Jahren 2002 bis 2005 die wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit des Programms durchgeführt. Die meisten Kindergärten, die seit dieser Studie Papilio einsetzen, sind überzeugt davon, da es die Arbeit im Kindergarten entlastet, die Kinder fördert und die Qualität der Einrichtung steigert.

B4B SCHWABEN: Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre für Papilio?

Heidrun Mayer: Wir arbeiten weiter an der Verbreitung und der Qualität des Programms. Papilio soll in fünf Jahren in fast allen Bundesländern umgesetzt sein. Wir werden Module für Eltern, Unter-Dreijähige und für den Übergang in die Grundschule entwickelt, als Modellprojekt erprobt und evaluiert haben, um sie flächendeckend umzusetzen. Darüber hinaus soll Papilio in die Ausbildung für Erzieherinnen integriert werden. Wir möchten auch in der Politik mehr Bewusstsein für die Problematik von Sucht- und Gewaltproblemen schaffen und wie man diesen frühzeitig vorbeugen kann. Ein wichtiges Ziel ist auch, dass die Arbeit von Papilio durch Förderer, Spender und eigene Einnahmen langfristig gesichert ist.

B4B SCHWABEN: Wollten Sie schon immer Unternehmerin werden?

Heidrun Mayer: Nein. Vielleicht unbewusst schon, denn ich habe bereits als junges Mädchen gerne bei meinem Onkel Apothekerin gespielt. Später wollte ich mit Kindern arbeiten, und das hat mich auf den Weg geführt, Erzieherin zu werden. Die Zielgruppe der Kinder wurde immer wichtiger für mich. Ich wollte immer einen Schritt weiter gehen, einen anderen Fokus legen, die Kinder mehr unterstützen und fördern. Als Erzieherin bin ich dabei an meine Grenzen gestoßen. Ich wusste, dass ich auch für mich selbst noch mehr lernen musste. Und so habe ich weiterstudiert. Im Anschluss war ich viele Jahre in der Ausbildung von Erzieherinnen aktiv. Papilio habe ich von Anfang an mit aufgebaut. Es spiegelt meine persönliche und berufliche Überzeugung wieder. Deshalb bin ich den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen. Mir ist wichtig, alles dafür zu tun, Kindern bereits im Kindergartenalter eine positive Grundhaltung zum Leben mit auf den Weg zu geben.

B4B SCHWABEN: Ist es manchmal schwierig, sich als Frau an der Unternehmensspitze durchzusetzen?

Heidrun Mayer: Bei uns im Unternehmen ist das sicher kein Problem. Meine Mitarbeiter schätzen meine Führungs- und Entscheidungskompetenz und stehen voll hinter mir. Aber ich habe den Eindruck, dass es eine Frau in unserer Gesellschaft oft schwerer hat als ein Mann, wenn sie sich als anerkannte Unternehmerin durchsetzen möchte. Bei Männern wird weniger hinterfragt, welche Kompetenzen sie haben. Frauen müssen sich mehr erklären und brauchen eine höhere Kompetenz, die auf dem Papier steht.

B4B SCHWABEN: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Papilio aus?

Heidrun Mayer: Es gibt keinen normalen Arbeitstag für mich. Die meiste Zeit bin ich für Papilio unterwegs, um die Verbreitung des Programms voranzutreiben, Förderer zu finden, Trainer fortzubilden und vieles mehr. Zwei Tage pro Woche sind jedoch als Bürotage festgelegt, um mit meinen Kolleginnen und Kollegen aktuelle Dinge zu erläutern. Dabei geht es um Kostenpläne, interne Verwaltung und Organisatorisches, aber auch um die konzeptionelle Weiterentwicklung von Papilio. Diese Tage sind geprägt von vielen Besprechungen und Telefonkontakten.

B4B SCHWABEN: Was hat Sie für Ihr soziales Engagement – gerade in diesem Bereich – motiviert?

Heidrun Mayer: Das sind sicher die Kinder, weil ich sehr früh gemerkt habe, dass die Zielgruppe der Unter-Siebenjährigen zu wenig im Fokus steht. Kinder gestalten als Erwachsene unsere Zukunft. Ich möchte dazu beitragen, dass sie lernen, selbstbewusst Verantwortung für sich und für andere in unserer Gesellschaft zu übernehmen. Auch die Werte- und Haltungsdiskussion in unserer Gesellschaft motiviert mich. Es ist wichtig, dass wir Werte wie Toleranz, Verantwortung füreinander und Rücksichtnahme leben. Wir sind dafür verantwortlich, was unsere Kinder morgen erwartet.

B4B SCHWABEN: Wie erhalten Sie sich diese Motivation, trotz kontinuierlicher Erfahrungen im Umgang mit Gewalt und Sucht?

Heidrun Mayer: Diese Erfahrungen habe ich nicht, weil wir mit Papilio im frühen Kindesalter ansetzen. Unsere Arbeit ist präventiv, deshalb haben wir mit Gewalt und Sucht direkt nichts zu tun. Papilio fördert die Kinder so, damit sie später schwierigen Lebenssituationen eben nicht mit Gewalt und Sucht begegnen.

B4B SCHWABEN: Nach was sind Sie süchtig?

Heidrun Mayer: Meine einzige Sucht ist die Sehnsucht – nach mehr Zeit für meine Arbeit, aber auch mehr Zeit für private Interessen.

B4B SCHWABEN: Ihr Rezept für den perfekten Ausgleich zu den emotional-schwerwiegenden Eindrücken, die Sie Tag für Tag sammeln?

Heidrun Mayer: Die sammeln wir ja nicht. Es ist beglückend, in strahlende Kinderaugen zu blicken. Jeder, der bei Papilio ist, hat Spaß und Freude. Unsere Arbeit ist nicht emotional schwer besetzt. Wir arbeiten mit der Leichtigkeit und Freude der Kinder.

B4B SCHWABEN: Ganz spontan in 15 Sekunden: drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Heidrun Mayer: Als erstes möchte ich meine Mutter nennen, die mich am längsten auf meinem Lebensweg bis heute begleitet. Sie hat mich sehr in meiner Haltung und meinem sozialen Engagement geprägt. Zudem freut sie sich über unsere Erfolge. Horst Erhardt hat Papilio im Beta-Institut mitgegründet und in seiner Entwicklung mitgetragen. Und dann noch Klaus Marschall von der Augsburger Puppenkiste, weil er und sein Team Papilio mit viel Einsatz und Engagement Papilio unterstützt.

B4B SCHWABEN: Was ist Ihre Vision für die Zukunft?

Jeder muss es im Bewusstsein haben, dass wir für unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen etwas tun müssen. Und dass es selbstverständlich ist, dass Papilio in jedem Kindergarten als fester Bestandteil verankert wird.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Artikel teilen
Folge 52: Heidrun Mayer, Papilio e.V.

Der ewige Kampf gegen Gewalt- und Suchtprobleme

Heidrun Mayer, Geschäftsführende 1. Vorsitzende Papilio e.V., Foto: Papilio e.V.

Vor zehn Jahren hat Heidrun Mayer das Präventionsprogramm Papilio mit ins Leben gerufen. Heute ist daraus ein Sozialunternehmen geworden. Im B4B SCHWABEN 101 Köpfe Interview verrät Heidrun Mayer warum sie das Projekt zu einem Unternehmen wachsen ließ und welche Erfahrungen sie als Frau an der Spitze eines Unternehmens gesammelt hat.

 

 

 


Heidrun Mayer

Alter: 52
Position: Geschäftsführende 1. Vorsitzende
Unternehmen: Papilio e.V.
Hobbies: Tanzen, Wandern, Reisen, Oper, Kultur, Kunst


B4B SCHWABEN: Die Idee für das Projekt Papilio hat sich vor zehn Jahren entwickelt. Vor zwei Jahren haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Welche Idee steckt hinter Ihrem Unternehmen?

Heidrun Mayer: Wir wollen Kindern Fähigkeiten mit auf den Weg geben, damit sie eigenverantwortlich ihr Leben gestalten können, und damit wir langfristig Gewalt- und Suchtprobleme in unserer Gesellschaft lösen. Wir haben uns selbstständig gemacht, weil die Arbeit für die Kinder zu wichtig ist. Mit Papilio können wir tief ins System unserer Gesellschaft hineinreichen. Denn wir schärfen auch das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen für die nachfolgenden Generationen, damit unsere Kinder eine lebensbejahende Zukunft haben.

B4B SCHWABEN: Was unterscheidet das Unternehmen Papilio von dem ursprünglichen Präventionsprogramm des Beta-Instituts?

Heidrun Mayer: Anfangs war Papilio ein Projekt, das von der Betapharm-Stiftung als Hauptförderer getragen wurde und im gemeinnützigen Beta-Institut angesiedelt war. Als eigenständiges Unternehmen werden wir deutlicher wahrgenommen, aber wir haben auch eine viel größere Verantwortung. Ohne dauerhafte Trägerstiftung im Hintergrund sind wir auf andere Geldgeber angewiesen, um das Programm weiter zu verbreiten. Zwar haben wir schon viele Kooperationspartner, die unsere Arbeit nachhaltig unterstützen, beispielsweise die AOK Hessen und die Barmer GEK, sowie Stiftungen wie Auridis und Robert Bosch. Dennoch sind wir ständig auf der Suche nach neuen Partnern, damit wir noch mehr Kinder mit Papilio erreichen können.

B4B SCHWABEN: Was unterscheidet Papilio von anderen sozialen Projekten?

Heidrun Mayer: Papilio ist kein Aktionsprogramm, es wirkt nachhaltig und wirkt tief in das Gesellschaftssystem hinein. Papilio vermittelt eine Haltung, die langfristig Werte und Normen in unserer Gesellschaft verändert. Darüber hinaus verfolgen wir einen universellen Ansatz: Alle Kinder, die einen Papilio-Kindergarten besuchen, profitieren von dem Programm und werden gleichermaßen gefördert. Damit werden Kinder, die bereits Verhaltensauffälligkeiten haben, nicht stigmatisiert, indem sie eine Sonderbehandlung erfahren.

B4B SCHWABEN: Wie wird Papilio in der Region aufgenommen?

Heidrun Mayer: Hier in der Region wurde in den Jahren 2002 bis 2005 die wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit des Programms durchgeführt. Die meisten Kindergärten, die seit dieser Studie Papilio einsetzen, sind überzeugt davon, da es die Arbeit im Kindergarten entlastet, die Kinder fördert und die Qualität der Einrichtung steigert.

B4B SCHWABEN: Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre für Papilio?

Heidrun Mayer: Wir arbeiten weiter an der Verbreitung und der Qualität des Programms. Papilio soll in fünf Jahren in fast allen Bundesländern umgesetzt sein. Wir werden Module für Eltern, Unter-Dreijähige und für den Übergang in die Grundschule entwickelt, als Modellprojekt erprobt und evaluiert haben, um sie flächendeckend umzusetzen. Darüber hinaus soll Papilio in die Ausbildung für Erzieherinnen integriert werden. Wir möchten auch in der Politik mehr Bewusstsein für die Problematik von Sucht- und Gewaltproblemen schaffen und wie man diesen frühzeitig vorbeugen kann. Ein wichtiges Ziel ist auch, dass die Arbeit von Papilio durch Förderer, Spender und eigene Einnahmen langfristig gesichert ist.

B4B SCHWABEN: Wollten Sie schon immer Unternehmerin werden?

Heidrun Mayer: Nein. Vielleicht unbewusst schon, denn ich habe bereits als junges Mädchen gerne bei meinem Onkel Apothekerin gespielt. Später wollte ich mit Kindern arbeiten, und das hat mich auf den Weg geführt, Erzieherin zu werden. Die Zielgruppe der Kinder wurde immer wichtiger für mich. Ich wollte immer einen Schritt weiter gehen, einen anderen Fokus legen, die Kinder mehr unterstützen und fördern. Als Erzieherin bin ich dabei an meine Grenzen gestoßen. Ich wusste, dass ich auch für mich selbst noch mehr lernen musste. Und so habe ich weiterstudiert. Im Anschluss war ich viele Jahre in der Ausbildung von Erzieherinnen aktiv. Papilio habe ich von Anfang an mit aufgebaut. Es spiegelt meine persönliche und berufliche Überzeugung wieder. Deshalb bin ich den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen. Mir ist wichtig, alles dafür zu tun, Kindern bereits im Kindergartenalter eine positive Grundhaltung zum Leben mit auf den Weg zu geben.

B4B SCHWABEN: Ist es manchmal schwierig, sich als Frau an der Unternehmensspitze durchzusetzen?

Heidrun Mayer: Bei uns im Unternehmen ist das sicher kein Problem. Meine Mitarbeiter schätzen meine Führungs- und Entscheidungskompetenz und stehen voll hinter mir. Aber ich habe den Eindruck, dass es eine Frau in unserer Gesellschaft oft schwerer hat als ein Mann, wenn sie sich als anerkannte Unternehmerin durchsetzen möchte. Bei Männern wird weniger hinterfragt, welche Kompetenzen sie haben. Frauen müssen sich mehr erklären und brauchen eine höhere Kompetenz, die auf dem Papier steht.

B4B SCHWABEN: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Papilio aus?

Heidrun Mayer: Es gibt keinen normalen Arbeitstag für mich. Die meiste Zeit bin ich für Papilio unterwegs, um die Verbreitung des Programms voranzutreiben, Förderer zu finden, Trainer fortzubilden und vieles mehr. Zwei Tage pro Woche sind jedoch als Bürotage festgelegt, um mit meinen Kolleginnen und Kollegen aktuelle Dinge zu erläutern. Dabei geht es um Kostenpläne, interne Verwaltung und Organisatorisches, aber auch um die konzeptionelle Weiterentwicklung von Papilio. Diese Tage sind geprägt von vielen Besprechungen und Telefonkontakten.

B4B SCHWABEN: Was hat Sie für Ihr soziales Engagement – gerade in diesem Bereich – motiviert?

Heidrun Mayer: Das sind sicher die Kinder, weil ich sehr früh gemerkt habe, dass die Zielgruppe der Unter-Siebenjährigen zu wenig im Fokus steht. Kinder gestalten als Erwachsene unsere Zukunft. Ich möchte dazu beitragen, dass sie lernen, selbstbewusst Verantwortung für sich und für andere in unserer Gesellschaft zu übernehmen. Auch die Werte- und Haltungsdiskussion in unserer Gesellschaft motiviert mich. Es ist wichtig, dass wir Werte wie Toleranz, Verantwortung füreinander und Rücksichtnahme leben. Wir sind dafür verantwortlich, was unsere Kinder morgen erwartet.

B4B SCHWABEN: Wie erhalten Sie sich diese Motivation, trotz kontinuierlicher Erfahrungen im Umgang mit Gewalt und Sucht?

Heidrun Mayer: Diese Erfahrungen habe ich nicht, weil wir mit Papilio im frühen Kindesalter ansetzen. Unsere Arbeit ist präventiv, deshalb haben wir mit Gewalt und Sucht direkt nichts zu tun. Papilio fördert die Kinder so, damit sie später schwierigen Lebenssituationen eben nicht mit Gewalt und Sucht begegnen.

B4B SCHWABEN: Nach was sind Sie süchtig?

Heidrun Mayer: Meine einzige Sucht ist die Sehnsucht – nach mehr Zeit für meine Arbeit, aber auch mehr Zeit für private Interessen.

B4B SCHWABEN: Ihr Rezept für den perfekten Ausgleich zu den emotional-schwerwiegenden Eindrücken, die Sie Tag für Tag sammeln?

Heidrun Mayer: Die sammeln wir ja nicht. Es ist beglückend, in strahlende Kinderaugen zu blicken. Jeder, der bei Papilio ist, hat Spaß und Freude. Unsere Arbeit ist nicht emotional schwer besetzt. Wir arbeiten mit der Leichtigkeit und Freude der Kinder.

B4B SCHWABEN: Ganz spontan in 15 Sekunden: drei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Heidrun Mayer: Als erstes möchte ich meine Mutter nennen, die mich am längsten auf meinem Lebensweg bis heute begleitet. Sie hat mich sehr in meiner Haltung und meinem sozialen Engagement geprägt. Zudem freut sie sich über unsere Erfolge. Horst Erhardt hat Papilio im Beta-Institut mitgegründet und in seiner Entwicklung mitgetragen. Und dann noch Klaus Marschall von der Augsburger Puppenkiste, weil er und sein Team Papilio mit viel Einsatz und Engagement Papilio unterstützt.

B4B SCHWABEN: Was ist Ihre Vision für die Zukunft?

Jeder muss es im Bewusstsein haben, dass wir für unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen etwas tun müssen. Und dass es selbstverständlich ist, dass Papilio in jedem Kindergarten als fester Bestandteil verankert wird.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

nach oben