101 Köpfe, Folge 110

Christine Weber: Milchwirtschaft ist fest in der DNA verankert

Christine Weber, Geschäftsführende Direktorin und Vorsitzende des Verwaltungsrats der Molkerei Zott. Foto: Kaloo Images
Christine Weber ist die Frau an der Spitze der Molkerei Zott in Mertingen. Im 101 Köpfe-Interview verrät sie, weshalb es für sie keinen erfüllenderen Job gibt und welchen Nachtisch sie am liebsten isst.

Name: Christine Weber

Alter: 64 Jahre

Position: Geschäftsführende Direktorin und Vorsitzende des Verwaltungsrats

Unternehmen: Zott SE & Co. KG

Hobbies: Familie, Interesse an Homöopathie und alternativer Medizin, Lesen, Reisen


B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Sie haben die Entwicklung des Unternehmens von Kindesbeinen an mit verfolgt. Wie hat Sie das geprägt?

Christine Weber: Meine Mutter hat einmal gesagt, dass ich sprichwörtlich in die Milchwirtschaft hineingeboren wurde. Zott ist also fest in meiner DNA verankert. Teil von etwas Großem zu sein, Verantwortung zu tragen und gemeinsam Ziele zu erreichen ist ein großartiges Gefühl. Ich bin jemand, der sich immer die Frage stellt: Wie können wir das noch besser machen?

Hatten Sie je einen anderen Berufswunsch und wenn ja, welchen?

Nein, denn ich bin in und mit dem Geschäft aufgewachsen. Meine Produkte sind wie meine Kinder. Für mich gibt es keinen besseren und erfüllenderen Job.

In welchem Job sind Sie bei Zott eingestiegen?

Ich war schon in vielen Funktionen für Zott tätig und habe das gemacht, was angefallen ist. Als Kind war ich zum Beispiel oft in der Eiscreme-Abteilung oder bin mit dem Lieferwagenfahrer mitgefahren. Ich war Telefonistin und verantwortlich für das Lager. Während meines Betriebswirtschaftsstudiums in Augsburg, habe ich natürlich weiterhin für unsere Molkerei gearbeitet. Danach, als ich voll bei Zott einstieg, übernahm ich Marketing-, Entwicklungs- und später Vertriebsaufgaben.

Die Molkerei Zott wird in dritter Generation familiengeführt – mit Ihnen an der Spitze. Gibt es als Frau in einer solchen Position besondere Herausforderungen?

Ich habe von Anfang an gelernt, mich gegen männliche Bedenkenträger durchzusetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Sahnejoghurt, den ich in den 80er Jahren erfunden habe. Damals glaubte niemand an meine Vision. Ich blieb aber hartnäckig und der Erfolg des Produktes gab mir Recht. Natürlich bin ich auch des Öfteren mit meiner Meinung angeeckt. Hier kam mir aber zugute, dass ich die Tochter vom Chef war. Denn sonst wäre ich sicher das ein oder andere Mal entlassen worden.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit in einer Molkerei am besten?

Ich kann meine Leidenschaft für Marken kreativ ausleben und Lebensmittel herstellen, die viele Menschen lieben, konsumieren und schätzen.

Können Sie als Tochter einer Molkerei eine Kuh melken?

Um ehrlich zu sein, habe ich das noch nie probiert.

Worauf achten Sie bei der Wahl Ihrer Lebensmittel besonders?

Mir ist es wichtig, dass Lebensmittel verantwortungsvoll erzeugt werden. Aus diesem Grund haben wir bei Zott 2018 auch beschlossen, die gentechnikfreie und importfuttermittelfreie Fütterung für alle Milcherzeuger der Gruppe auszuweiten. Wir waren mit eines der ersten Unternehmen, welches sich schon frühzeitig mit dieser Thematik beschäftigt und ein eigenes Kontrollsystem etabliert hat, das weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Wir sind sehr stolz auf unser Programm „Nachhaltige Fütterung“ und unsere Milcherzeuger.

Was ist Ihr Lieblingsnachtisch?

Oh, da gibt es so viele gute Sachen. Am liebsten esse ich aber unseren Erdbeer-Sahnejoghurt.

Auch Ihr Mann ist Geschäftsführer, allerdings bei Dehner. Kommen Arbeitsthemen auch privat oft zur Sprache?

Es gehört zu unserem Selbstverständnis, Herausforderungen, Probleme und Erfolge miteinander zu teilen. Unsere Unternehmen werden dadurch gestärkt und die Basis unserer Traditionsfamilienunternehmen gesichert. Außerdem werden für uns relevante Werte über Generationen hinweg erhalten.

Sehen Sie es als Vor- oder als Nachteil, dass Sie in unterschiedlichen Branchen arbeiten?

Für mich ist dies kein Nachteil, da man sich austauscht und bei einem Blick über den eigenen Tellerrand auch neue Denkanstöße erhält.

Haben Sie Büropflanzen? Wenn ja, kommen diese von Dehner?

Natürlich begrünen wir unsere Räumlichkeiten, um für die Arbeitsatmosphäre unserer Mitarbeiter und Gäste eine angenehme Umgebung zu schaffen. Dafür kaufen wir unter anderem bei Dehner ein. Aber auch hier vor Ort haben wir sehr gute und zuverlässige Floristen.

Haben Sie einen grünen Daumen?

Ich würde ja sagen. Aber natürlich ist es mir auch schon mal passiert, dass eine Blume eingegangen ist.

Wo verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Am liebsten verbringe ich meine Freizeit beziehungsweise meinen Urlaub mit meiner Familie. Der Ort, wo wir dabei sind, ist für mich nicht so wichtig. Ein Land, das ich jedoch sehr liebe, ist Italien.

Ganz spontan in 30 Sekunden: Zwei tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben?

Bürgermeister Albert Lohner aus Mertingen und Bürgermeister Gerhard Jauernig aus Günzburg. Beide setzen sich für ihre Gemeinden, die dort lebenden Menschen und ansässigen Unternehmen ein. Ein gutes kommunales Miteinander ist von jeher für uns von Bedeutung gewesen.

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