Folge 59: Christian Plail, Schneider, Geiwitz & Partner

101 Köpfe: "Die typische Insolvenz gibt es nicht" Christian Plail Schneider, Geiwitz & Partner

Christian Plail von Schneider, Geiwitz & Partner in Augsburg, Foto: Schneider, Geiwitz & Partner

Christian Plail betreut als Geschäftsführer der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner in Augsburg nicht nur Insolvenzen von Unternehmen mit großer Öffentlichkeitswirkung wie beispielsweise Schlecker. Sein Tagesgeschäft beinhaltet weitaus mehr. Eine Konstante gibt es jedoch: Der Fokus liegt auf dem Wohl der Unternehmen und der Sicherung von Arbeitsplätzen.


Christian Plail

Alter: 50
Position: Partner der Kanzlei, Leitung Standort Augsburg
Unternehmen: Schneider, Geiwitz & Partner
Hobbys: Sport, Kommunalpolitik


B4B SCHWABEN: In den Medien taucht der Name Schneider, Geiwitz & Partner fast immer im Zusammenhang mit größeren Insolvenzverfahren auf. Ihre Kanzlei – wenn man das bei dieser Größenordnung überhaupt noch so nennen kann – bietet jedoch weit mehr. Woraus besteht das Tagesgeschäft Ihrer Kanzlei denn außerdem?

Christian Plail: Unsere Kanzlei mit mehr als 220 Mitarbeitern beschäftigt sich mit allen Fragen der Unternehmensführung – somit geht das Leistungsspektrum weit über die reine Insolvenzverwaltung hinaus. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte beraten Unternehmen an zwölf Standorten in Deutschland. Der öffentliche Fokus richtet sich natürlich auf die spektakulären Großverfahren, aber unser Schwerpunkt liegt auch in der Beratung für florierende Betriebe. Wir sind ein Team von hochqualifizierten und motivierten Partnern und Mitarbeitern, die unsere Kanzlei prägen.

B4B SCHWABEN: Ihre Standorte befinden sich alle in der südlichen Hälfte der Deutschlandkarte – wie kommt’s? Stehen der Norden oder auch das Ausland nicht auf Ihrer Wunsch- oder Planungsliste?

Christian Plail: Das Insolvenzrecht hat eine starke Regionalisierung mit sich gebracht – bei Rechtsanwälten ist es ja ähnlich. Alle großen Insolvenzverwaltungs-Kanzleien haben einen räumlich begrenzten Aktionsradius – Schneider, Geiwitz & Partner bildet hier keine Ausnahme. Wir sind im süddeutschen Raum verwurzelt, zugleich aber gut gewappnet für überregionale Herausforderungen. Mit der Novellierung im Frühjahr 2012 zeichnet sich aber eine neue Tendenz ab. Wir sind auf diese Entwicklung bestens vorbereitet und streben ein organisches Wachstum an. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise einen neuen Standort in Nürnberg eröffnet. Wir sind zudem auch für unsere Mandanten international aktiv durch Klärung internationaler Steuerfragen. Zudem sind wir durch unsere Aktivitäten in den Bereichen Private Equity und M&A international sehr gut vernetzt. Unser vornehmliches Marktgebiet werden Bayern und Baden-Württemberg bleiben, aber weitere Zuwächse sind nicht ausgeschlossen, wie unsere Standorte in Frankfurt am Main und Berlin unter Beweis stellen.

B4B SCHWABEN: Was reizt Sie an der Tätigkeit für mittelständische Unternehmen?

Christian Plail: Nicht nur in unserer Region ist der Mittelstand eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Hier werden Innovationen voran getrieben und neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Unternehmergeist führt zu einem ständigen Fortschritt. Gerade bei der Beratung ist die Tätigkeit für mittelständische Betriebe sehr fruchtbar. Es gibt einen direkten Kontakt zur Unternehmensleitung und Konzepte können dann auch schnell umgesetzt werden – man bekommt rasch Ergebnisse.

B4B SCHWABEN: Lässt sich eigentlich ein roter Faden, ein typisches Muster vielleicht, im Geschäftsgebaren eines Unternehmens feststellen, das über kurz oder lang zu einer Insolvenz führt? Und wenn ja, könnten Sie bitte die wichtigsten Eckpunkte skizzieren?

Christian Plail: Es gibt sicher nicht die „typische“ Insolvenz. Die Bandbreite der Ursachen reicht von der Verkettung unglücklicher Umstände trotz eines gesunden Unternehmenskerns bis hin zu offensichtlicher Inkompetenz der Unternehmensleitung – manchmal sind es auch mehrere Faktoren gleichzeitig. Wir sind stets bestrebt, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern und benötigen dabei die Mithilfe der Beteiligten. Und all dies muss immer unter einem hohen Zeitdruck abgewickelt werden.

B4B SCHWABEN: Eine Frage an den Menschen Plail: Wie gehen Sie – Sozialcharta hin oder her – ganz für sich mit den menschlichen Schicksalen um, die ja mit einer Insolvenz verbunden sind? Geht Ihnen das manchmal nahe?

Christian Plail: Hinter jedem betroffenen Arbeitnehmer stehen häufig Familien, die auf das Arbeitseinkommen des Vaters oder der Mutter angewiesen sind. Jede Entlassung schmerzt und geht im Einzelfall unter Umständen sehr nahe. Wir tun uns mit unseren Entscheidungen nie leicht. Oft sind aber Einschnitte unvermeidlich, um den Fortbestand des Unternehmens sicherzustellen. Die Gespräche im Vorfeld mit den Beschäftigten und den Betriebsräten und Gewerkschaften sind ganz sicher kein leichtes Brot – aber im Sinne des Verfahrens leider unvermeidlich. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, immer nach Möglichkeiten zu suchen, um eine Schließung zu vermeiden und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Das zeichnet unsere Kanzlei sicher aus.

B4B SCHWABEN: Können Sie uns einen kleinen Einblick in den Stand der Dinge bei den von Ihnen betreuten Insolvenzverfahren in Bayerisch-Schwaben geben?

Christian Plail: Wir betreuen eine Vielzahl von Verfahren in der Region. Das reicht von der Privat-Insolvenz über kleine Geschäfte oder Einzelfirmen bis hin zu weltweit agierenden Konzernen. Bei den überregional spektakulären Fällen, wie manroland, Schlecker, Böwe, Trevira oder Kögel, laufen immer noch Aktivitäten – wenn auch unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit. Es ist üblich, dass sich hier die Aufarbeitung aufgrund der Komplexität lange hinzieht. Bei der Leiser/Schuhhof-Gruppe haben wir kürzlich das Insolvenzplanverfahren abgeschlossen – das war eines der ersten großen Verfahren nach dem neuen Insolvenzrecht bundesweit. Und bei der Kunert AG läuft ein Investorenprozess, von dem wir uns einen raschen Erfolg versprechen. Bei allen Verfahren bemühen wir uns grundsätzlich um eine intensive Kommunikation – das sorgt auch für Vertrauen.

B4B SCHWABEN: Ein Blick in die Zukunft - was werden Ihre beruflichen Themen in 5 Jahren sein? Und wo sehen Sie sich selber in 5 Jahren?

Christian Plail: Wir haben ein starkes Team, das uns optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Wir werden unsere Aktivitäten im Bereich der interdisziplinären Beratung weiter verstärken. Wir helfen lieber bevor es zu spät ist und kümmern uns um die Vermeidung von Krisen. Für die Region Schwaben wünsche ich mir einen weiteren Zuwachs der Wirtschaftskraft.

B4B SCHWABEN: Welche 3 Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben beeindrucken Sie?

Christian Plail: Ich bin fußballbegeistert und verfolge deshalb mit großer Bewunderung die Entwicklung des FC Augsburg. Hier hat man durch vernünftige Vereinspolitik und Augenmaß den Sprung ins Fußball-Oberhaus geschafft, die Klasse gehalten und eine ganze Region in den Bann gezogen. Großen Respekt habe ich vor Theo Waigel, der in unmittelbarer Nähe meines Heimatortes Krumbach aufwuchs und sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat ohne abzuheben. Ich schätze auch das Schaffenswerk von Dominikus Ringeisen in Ursberg. In den Einrichtungen werden seit vielen Jahren behinderte Menschen tatkräftig unterstützt. Ein solches gesellschaftliches Engagement finde ich wichtig.

B4B SCHWABEN: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

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Folge 59: Christian Plail, Schneider, Geiwitz & Partner

101 Köpfe: "Die typische Insolvenz gibt es nicht" Christian Plail Schneider, Geiwitz & Partner

Christian Plail von Schneider, Geiwitz & Partner in Augsburg, Foto: Schneider, Geiwitz & Partner

Christian Plail betreut als Geschäftsführer der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner in Augsburg nicht nur Insolvenzen von Unternehmen mit großer Öffentlichkeitswirkung wie beispielsweise Schlecker. Sein Tagesgeschäft beinhaltet weitaus mehr. Eine Konstante gibt es jedoch: Der Fokus liegt auf dem Wohl der Unternehmen und der Sicherung von Arbeitsplätzen.


Christian Plail

Alter: 50
Position: Partner der Kanzlei, Leitung Standort Augsburg
Unternehmen: Schneider, Geiwitz & Partner
Hobbys: Sport, Kommunalpolitik


B4B SCHWABEN: In den Medien taucht der Name Schneider, Geiwitz & Partner fast immer im Zusammenhang mit größeren Insolvenzverfahren auf. Ihre Kanzlei – wenn man das bei dieser Größenordnung überhaupt noch so nennen kann – bietet jedoch weit mehr. Woraus besteht das Tagesgeschäft Ihrer Kanzlei denn außerdem?

Christian Plail: Unsere Kanzlei mit mehr als 220 Mitarbeitern beschäftigt sich mit allen Fragen der Unternehmensführung – somit geht das Leistungsspektrum weit über die reine Insolvenzverwaltung hinaus. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte beraten Unternehmen an zwölf Standorten in Deutschland. Der öffentliche Fokus richtet sich natürlich auf die spektakulären Großverfahren, aber unser Schwerpunkt liegt auch in der Beratung für florierende Betriebe. Wir sind ein Team von hochqualifizierten und motivierten Partnern und Mitarbeitern, die unsere Kanzlei prägen.

B4B SCHWABEN: Ihre Standorte befinden sich alle in der südlichen Hälfte der Deutschlandkarte – wie kommt’s? Stehen der Norden oder auch das Ausland nicht auf Ihrer Wunsch- oder Planungsliste?

Christian Plail: Das Insolvenzrecht hat eine starke Regionalisierung mit sich gebracht – bei Rechtsanwälten ist es ja ähnlich. Alle großen Insolvenzverwaltungs-Kanzleien haben einen räumlich begrenzten Aktionsradius – Schneider, Geiwitz & Partner bildet hier keine Ausnahme. Wir sind im süddeutschen Raum verwurzelt, zugleich aber gut gewappnet für überregionale Herausforderungen. Mit der Novellierung im Frühjahr 2012 zeichnet sich aber eine neue Tendenz ab. Wir sind auf diese Entwicklung bestens vorbereitet und streben ein organisches Wachstum an. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise einen neuen Standort in Nürnberg eröffnet. Wir sind zudem auch für unsere Mandanten international aktiv durch Klärung internationaler Steuerfragen. Zudem sind wir durch unsere Aktivitäten in den Bereichen Private Equity und M&A international sehr gut vernetzt. Unser vornehmliches Marktgebiet werden Bayern und Baden-Württemberg bleiben, aber weitere Zuwächse sind nicht ausgeschlossen, wie unsere Standorte in Frankfurt am Main und Berlin unter Beweis stellen.

B4B SCHWABEN: Was reizt Sie an der Tätigkeit für mittelständische Unternehmen?

Christian Plail: Nicht nur in unserer Region ist der Mittelstand eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Hier werden Innovationen voran getrieben und neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Unternehmergeist führt zu einem ständigen Fortschritt. Gerade bei der Beratung ist die Tätigkeit für mittelständische Betriebe sehr fruchtbar. Es gibt einen direkten Kontakt zur Unternehmensleitung und Konzepte können dann auch schnell umgesetzt werden – man bekommt rasch Ergebnisse.

B4B SCHWABEN: Lässt sich eigentlich ein roter Faden, ein typisches Muster vielleicht, im Geschäftsgebaren eines Unternehmens feststellen, das über kurz oder lang zu einer Insolvenz führt? Und wenn ja, könnten Sie bitte die wichtigsten Eckpunkte skizzieren?

Christian Plail: Es gibt sicher nicht die „typische“ Insolvenz. Die Bandbreite der Ursachen reicht von der Verkettung unglücklicher Umstände trotz eines gesunden Unternehmenskerns bis hin zu offensichtlicher Inkompetenz der Unternehmensleitung – manchmal sind es auch mehrere Faktoren gleichzeitig. Wir sind stets bestrebt, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern und benötigen dabei die Mithilfe der Beteiligten. Und all dies muss immer unter einem hohen Zeitdruck abgewickelt werden.

B4B SCHWABEN: Eine Frage an den Menschen Plail: Wie gehen Sie – Sozialcharta hin oder her – ganz für sich mit den menschlichen Schicksalen um, die ja mit einer Insolvenz verbunden sind? Geht Ihnen das manchmal nahe?

Christian Plail: Hinter jedem betroffenen Arbeitnehmer stehen häufig Familien, die auf das Arbeitseinkommen des Vaters oder der Mutter angewiesen sind. Jede Entlassung schmerzt und geht im Einzelfall unter Umständen sehr nahe. Wir tun uns mit unseren Entscheidungen nie leicht. Oft sind aber Einschnitte unvermeidlich, um den Fortbestand des Unternehmens sicherzustellen. Die Gespräche im Vorfeld mit den Beschäftigten und den Betriebsräten und Gewerkschaften sind ganz sicher kein leichtes Brot – aber im Sinne des Verfahrens leider unvermeidlich. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, immer nach Möglichkeiten zu suchen, um eine Schließung zu vermeiden und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Das zeichnet unsere Kanzlei sicher aus.

B4B SCHWABEN: Können Sie uns einen kleinen Einblick in den Stand der Dinge bei den von Ihnen betreuten Insolvenzverfahren in Bayerisch-Schwaben geben?

Christian Plail: Wir betreuen eine Vielzahl von Verfahren in der Region. Das reicht von der Privat-Insolvenz über kleine Geschäfte oder Einzelfirmen bis hin zu weltweit agierenden Konzernen. Bei den überregional spektakulären Fällen, wie manroland, Schlecker, Böwe, Trevira oder Kögel, laufen immer noch Aktivitäten – wenn auch unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit. Es ist üblich, dass sich hier die Aufarbeitung aufgrund der Komplexität lange hinzieht. Bei der Leiser/Schuhhof-Gruppe haben wir kürzlich das Insolvenzplanverfahren abgeschlossen – das war eines der ersten großen Verfahren nach dem neuen Insolvenzrecht bundesweit. Und bei der Kunert AG läuft ein Investorenprozess, von dem wir uns einen raschen Erfolg versprechen. Bei allen Verfahren bemühen wir uns grundsätzlich um eine intensive Kommunikation – das sorgt auch für Vertrauen.

B4B SCHWABEN: Ein Blick in die Zukunft - was werden Ihre beruflichen Themen in 5 Jahren sein? Und wo sehen Sie sich selber in 5 Jahren?

Christian Plail: Wir haben ein starkes Team, das uns optimistisch in die Zukunft blicken lässt. Wir werden unsere Aktivitäten im Bereich der interdisziplinären Beratung weiter verstärken. Wir helfen lieber bevor es zu spät ist und kümmern uns um die Vermeidung von Krisen. Für die Region Schwaben wünsche ich mir einen weiteren Zuwachs der Wirtschaftskraft.

B4B SCHWABEN: Welche 3 Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben beeindrucken Sie?

Christian Plail: Ich bin fußballbegeistert und verfolge deshalb mit großer Bewunderung die Entwicklung des FC Augsburg. Hier hat man durch vernünftige Vereinspolitik und Augenmaß den Sprung ins Fußball-Oberhaus geschafft, die Klasse gehalten und eine ganze Region in den Bann gezogen. Großen Respekt habe ich vor Theo Waigel, der in unmittelbarer Nähe meines Heimatortes Krumbach aufwuchs und sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat ohne abzuheben. Ich schätze auch das Schaffenswerk von Dominikus Ringeisen in Ursberg. In den Einrichtungen werden seit vielen Jahren behinderte Menschen tatkräftig unterstützt. Ein solches gesellschaftliches Engagement finde ich wichtig.

B4B SCHWABEN: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

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