Folge 95: Justina Rokita

101 Köpfe: Die (Lauf)Masche zum Erfolg

Justina Rokita, Geschäftsführerin KUNERT. Foto: KUNERT
Im 101 Köpfe-Interview mit B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN verrät Justina Rokita, Geschäftsführerin KUNERT, ihr Geheimrezept gegen Laufmaschen. Außerdem hat sie einen Tipp für Frauen, die in der noch immer von Männern dominierten Modebranche erfolgreich sein wollen.

Name: Justina Rokita

Alter: 39

Position: Geschäftsführererin Marketing, Produkt, Sales

Unternehmen: KUNERT Fashion GmbH

Hobbies: Literatur, Sport, Musik


B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Rokita, den Deutschen wird oft nachgesagt, dass sie sich schlecht kleiden. Stimmt das?

Justina Rokita: Ich halte grundsätzlich nichts von sogenannten Generalaussagen. Als gebürtige Polin lebe ich seit über 26 Jahren in Deutschland. Bedingt durch meine hohe Reisetätigkeit in Europa kann ich nur sagen: Überall gibt es gute und schlechte Geschmäcker. Somit kann ich diesem Urteil nicht zustimmen. Es ist genauso falsch wie die Aussage, dass alle Polen klauen.

Haben Sie ein Geheimrezept gegen Laufmaschen?

Speziell bei feinen Nylons habe ich immer ein zweites Paar in meiner Handtasche. Denn als eine passionierte „Strumpffrau“ lasse ich keine Laufmaschen zu, lieber habe ich einen Ersatz dabei. Aber ich weiß, dass sich die Laufmaschen mit einem farblosen Nagellack stoppen lassen. Dieser Trick hilft jedoch nicht gegen bereits vorhandene, optische Schäden. Darum greife ich lieber auf die laufmaschenfreie Strumpflinie Chinchillan aus unserem Haus zurück.

Welche Veränderungen in der Modebranche sind Ihnen in den vergangenen zehn Jahren aufgefallen?

Auf Strümpfe bezogen hat ganz klar der ästhetisch-funktionelle Aspekt an Bedeutung gewonnen. Es gibt zahlreiche neue Garne oder Techniken mit Zusatznutzen, beispielsweise Produkte mit Kompressionen, gepaart mit einem Modeanspruch. Aber auch das Thema Nachhaltigkeit ist immer wichtiger. Dieses bezieht sich längst nicht mehr rein auf den Einsatz von Fair Trade-Garnen. Vielmehr wird der gesamte Kreislauf berücksichtigt.

Was glauben Sie: Welches modische Highlight der vergangenen Jahrzehnte wird ein Comeback erleben?

Seit fast 12 Jahren bin ich in der Strumpfbranche tätig und muss sagen: Durch all die Jahre haben sich die Stile zwar wiederholt, wurden aber jedes Mal neu interpretiert und umgesetzt. Ich sehe persönlich bis dato keinen spezifischen Stil, der sich mit einem Comeback manifestieren wird, aber es werden neue Mischthemen forciert. Hier ein Beispiel aus unserem Haus: Athleisure interpretiert Athletics (Sport) und Leisure (Freizeit) neu. Auch unsere neue Stricklinie von Hudson wird von diesem Ansatz inspiriert.

Was raten Sie anderen Frauen, die in der Modebranche erfolgreich sein wollen?

Am wichtigsten ist die Leidenschaft, für etwas zu brennen und dies jeden Tag zu leben. Gerade in der Modebranche, die noch immer eine Männerdomäne ist, ist ein professionelles und authentisches Auftreten essentiell. Auch auf das eigene Bauchgefühl zu hören sowie Herz und Hirn in der richtigen Mischung einzusetzen, ist unabdingbar, um erfolgreich zu sein. Ich vertrete zudem sehr stark eine moderne Art der Geschäftsführung, die auf einem kooperativen Führungsstil basiert. Fördern und Fordern sollten dabei in der richtigen Mischung erfolgen.

Den krassen Gegensatz zu Feinstrumpfhosen bilden passend zur Tracht die traditionellen „Allgäuer Wadlstrümpf“. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie diese sehen?

Da sage ich nur: Schön! Denn zu der traditionellen Trachtkleidung muss ein Strumpf her.

Man sagt ja, mit einer guten Strumpfhose könne man sogar ein Auto abschleppen. Hand aufs Herz: Haben Sie mal eine Strumpfhose „zweckentfremdet“?

Ja, aber sicher! Ich benutze immer wieder eine Feinstrumpfhose beziehungsweise Teile davon als Haargummi. Auch für kosmetische Zwecke eignen sich diese perfekt, beispielsweise bei der Gesichtsreinigung. Feinstrumpfhosen sind elastisch und „unkaputtbar“. Zudem lassen sich unterschiedliche Strumpfhosen mit diversen Musterungen und Farben schön einsetzen, um neue modische Highlights zu setzen. Sowohl der Kreativität als auch den Einsatz-Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Erinnern Sie sich an Strümpfe oder Strumpfhosen aus Ihrer Kindheit, die Sie besonders gerne getragen haben?

Oh ja. Meine Lieblingsstrumpfhosen waren aus Strick und damit zu 98 Prozent aus Baumwolle. Sie waren immer einfarbig, ohne Musterung, dafür aber bunt in den schönsten Kinderfarben Pink, Grün, Lila und Rot. Ich habe sie gerne zu Jeansröcken oder Kleidern getragen.

Wann entstand Ihre Liebe für die Mode?

Bereits in den frühen Kinderschuhen. Schon als sechsjähriges Mädchen habe ich immer den Kleiderschrank meiner Mutter aufgeräumt und einen Ladenverkauf simuliert. All meine Freundinnen waren meine Kundinnen. Ich kann mich auch daran erinnern, dass ich damals eine große Passion für Knöpfe jeglicher Art hatte. Ich habe es geliebt, sie zu sammeln – auch wenn hin und wieder mal Pullover oder Jacken meiner Eltern darunter leiden mussten…

Wenn demnächst wieder die Skispringer in Oberstdorf starten, schlägt Ihr Herz für das deutsche oder das polnische Team?

Ganz klar: Möge das bessere Team gewinnen! Ich habe eine schöne Kindheit und Teenager-Zeit in Polen verbracht. Seit meiner Ausbildung lebe ich in Deutschland. So unterschiedlich, wie beide Länder sein können, so schön und interessant sind sie zugleich –  geprägt durch ihre Mentalität, ihre Kultur, ihre kulinarische Vielfalt. Somit schlagen in meiner Brust zwei Herzen, es gibt keine Präferenz hierbei.

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Name: Justina Rokita

Alter: 39

Position: Geschäftsführererin Marketing, Produkt, Sales

Unternehmen: KUNERT Fashion GmbH

Hobbies: Literatur, Sport, Musik


B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Rokita, den Deutschen wird oft nachgesagt, dass sie sich schlecht kleiden. Stimmt das?

Justina Rokita: Ich halte grundsätzlich nichts von sogenannten Generalaussagen. Als gebürtige Polin lebe ich seit über 26 Jahren in Deutschland. Bedingt durch meine hohe Reisetätigkeit in Europa kann ich nur sagen: Überall gibt es gute und schlechte Geschmäcker. Somit kann ich diesem Urteil nicht zustimmen. Es ist genauso falsch wie die Aussage, dass alle Polen klauen.

Haben Sie ein Geheimrezept gegen Laufmaschen?

Speziell bei feinen Nylons habe ich immer ein zweites Paar in meiner Handtasche. Denn als eine passionierte „Strumpffrau“ lasse ich keine Laufmaschen zu, lieber habe ich einen Ersatz dabei. Aber ich weiß, dass sich die Laufmaschen mit einem farblosen Nagellack stoppen lassen. Dieser Trick hilft jedoch nicht gegen bereits vorhandene, optische Schäden. Darum greife ich lieber auf die laufmaschenfreie Strumpflinie Chinchillan aus unserem Haus zurück.

Welche Veränderungen in der Modebranche sind Ihnen in den vergangenen zehn Jahren aufgefallen?

Auf Strümpfe bezogen hat ganz klar der ästhetisch-funktionelle Aspekt an Bedeutung gewonnen. Es gibt zahlreiche neue Garne oder Techniken mit Zusatznutzen, beispielsweise Produkte mit Kompressionen, gepaart mit einem Modeanspruch. Aber auch das Thema Nachhaltigkeit ist immer wichtiger. Dieses bezieht sich längst nicht mehr rein auf den Einsatz von Fair Trade-Garnen. Vielmehr wird der gesamte Kreislauf berücksichtigt.

Was glauben Sie: Welches modische Highlight der vergangenen Jahrzehnte wird ein Comeback erleben?

Seit fast 12 Jahren bin ich in der Strumpfbranche tätig und muss sagen: Durch all die Jahre haben sich die Stile zwar wiederholt, wurden aber jedes Mal neu interpretiert und umgesetzt. Ich sehe persönlich bis dato keinen spezifischen Stil, der sich mit einem Comeback manifestieren wird, aber es werden neue Mischthemen forciert. Hier ein Beispiel aus unserem Haus: Athleisure interpretiert Athletics (Sport) und Leisure (Freizeit) neu. Auch unsere neue Stricklinie von Hudson wird von diesem Ansatz inspiriert.

Was raten Sie anderen Frauen, die in der Modebranche erfolgreich sein wollen?

Am wichtigsten ist die Leidenschaft, für etwas zu brennen und dies jeden Tag zu leben. Gerade in der Modebranche, die noch immer eine Männerdomäne ist, ist ein professionelles und authentisches Auftreten essentiell. Auch auf das eigene Bauchgefühl zu hören sowie Herz und Hirn in der richtigen Mischung einzusetzen, ist unabdingbar, um erfolgreich zu sein. Ich vertrete zudem sehr stark eine moderne Art der Geschäftsführung, die auf einem kooperativen Führungsstil basiert. Fördern und Fordern sollten dabei in der richtigen Mischung erfolgen.

Den krassen Gegensatz zu Feinstrumpfhosen bilden passend zur Tracht die traditionellen „Allgäuer Wadlstrümpf“. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie diese sehen?

Da sage ich nur: Schön! Denn zu der traditionellen Trachtkleidung muss ein Strumpf her.

Man sagt ja, mit einer guten Strumpfhose könne man sogar ein Auto abschleppen. Hand aufs Herz: Haben Sie mal eine Strumpfhose „zweckentfremdet“?

Ja, aber sicher! Ich benutze immer wieder eine Feinstrumpfhose beziehungsweise Teile davon als Haargummi. Auch für kosmetische Zwecke eignen sich diese perfekt, beispielsweise bei der Gesichtsreinigung. Feinstrumpfhosen sind elastisch und „unkaputtbar“. Zudem lassen sich unterschiedliche Strumpfhosen mit diversen Musterungen und Farben schön einsetzen, um neue modische Highlights zu setzen. Sowohl der Kreativität als auch den Einsatz-Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Erinnern Sie sich an Strümpfe oder Strumpfhosen aus Ihrer Kindheit, die Sie besonders gerne getragen haben?

Oh ja. Meine Lieblingsstrumpfhosen waren aus Strick und damit zu 98 Prozent aus Baumwolle. Sie waren immer einfarbig, ohne Musterung, dafür aber bunt in den schönsten Kinderfarben Pink, Grün, Lila und Rot. Ich habe sie gerne zu Jeansröcken oder Kleidern getragen.

Wann entstand Ihre Liebe für die Mode?

Bereits in den frühen Kinderschuhen. Schon als sechsjähriges Mädchen habe ich immer den Kleiderschrank meiner Mutter aufgeräumt und einen Ladenverkauf simuliert. All meine Freundinnen waren meine Kundinnen. Ich kann mich auch daran erinnern, dass ich damals eine große Passion für Knöpfe jeglicher Art hatte. Ich habe es geliebt, sie zu sammeln – auch wenn hin und wieder mal Pullover oder Jacken meiner Eltern darunter leiden mussten…

Wenn demnächst wieder die Skispringer in Oberstdorf starten, schlägt Ihr Herz für das deutsche oder das polnische Team?

Ganz klar: Möge das bessere Team gewinnen! Ich habe eine schöne Kindheit und Teenager-Zeit in Polen verbracht. Seit meiner Ausbildung lebe ich in Deutschland. So unterschiedlich, wie beide Länder sein können, so schön und interessant sind sie zugleich –  geprägt durch ihre Mentalität, ihre Kultur, ihre kulinarische Vielfalt. Somit schlagen in meiner Brust zwei Herzen, es gibt keine Präferenz hierbei.

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