Realgrund AG

Wohnungsnot in Ulm: Der Staat ist gefragt

Auch im Ulm und Neu-Ulm wird bezahlbarer Wohnraum knapp. Foto: Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Wohnungsengpässe, hohe Mieten oder „Mietpreisbremse“ sind auch in Ulm und Neu-Ulm aktuelle Themen. Obwohl die Lage noch lange nicht so kritisch ist wie in den Metropolregionen, besteht trotzdem Handlungsbedarf. Michael Wolber, Vorstand der Realgrund AG, kennt die Lösung: Der Staat muss Investoren und Bauträger stärker fördern.

von Christine Weigl, Online-Redaktion

Nach dem Gesetzesentwurf ist in sogenannten „angespannten Wohnungsmärkten“ maximal eine zehnprozentige Mieterhöhung bei einer Wiedervermietung erlaubt. Neuvermietungen, also der Erstbezug eines Neubaus, sind ausgenommen. Wo die Wohnungsmärkte als „angespannt“ gelten, muss von der Landesregierung allerdings erst noch festgelegt werden. Unklar ist, ob der Großraum Ulm und Neu-Ulm überhaupt als Region mit zu hohen Mieten eingestuft werde, so Michael Wolber, Vorstand der Ulmer Realgrund AG.

Anreize für Investoren und Bauträger schaffen

Vermieter werden versuchen, die nicht mehr erlaubte, möglicherweise aber notwendige Erhöhung bei einem Mieterwechsel zu kompensieren. Mancher Hausherr könnte alle gesetzlichen Möglichkeiten ausnutzen und beispielsweise höhere Abstandszahlungen, etwa für die Küche, verlangen. Auch für Investoren wird der finanzielle Spielraum enger. Nach Ansicht von Wolber brächten Anreize für Investoren und Bauträger eher Entspannung für den Wohnungsmarkt als Regulierungen. „Ein Wohnungsengpass kann nur gelöst werden, indem mehr Wohnraum und damit auch Mietwohnraum entsteht“, erklärte Wolber.

Hohe Kosten bremsen neue Wohnbau-Projekte

Realgrund-Vorstand Wolber betont, dass die Stadt Ulm den Bauträgern mieterfreundliche Maßnahmen auferlegt. Diese gelten beim Erwerb eines städtischen Grundstücks. Die Bauträger seien verpflichtet, 20 Prozent der entstehenden Immobilien als preisgünstigen Wohnraum zur Miete zur Verfügung zu stellen. So können sie stabile Mieten garantieren und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Für Investoren und Bauträger würden neue Projekte aber auch in Ulm und Neu-Ulm immer mehr zu einer Herausforderung. Vor allem belasten sie steigende Baukosten, Löhne und Grundstückspreise sowie Vorschriften wie die neue Energieeinsparverordnung, erklärte Wolber.

Realgrund AG betont: Immobilienmakler sind wichtig

Der Gesetzesentwurf sieht auch eine Änderung bei der Maklergebühr vor. Künftig soll der Makler vom Vermieter bezahlt werden und nicht - wie bisher - vom Mieter. „Nach unserem Verständnis hat die Dienstleistung eines Maklers einen Wert und damit einen Preis. Egal, wer diesen bezahlt“, betonte Wolber. Dessen Unternehmen betreut jährlich bis zu 100 Vermietungen in Ulm und deutschlandweit. Ein Makler übernehme neben anderem die Vorauswahl der Mietinteressenten und die Bonitätsprüfung. Außerdem organisiere er die Besichtigungen und achte auch auf die Zusammensetzung der Mieter in einer Wohnanlage. Der Verzicht auf einen Makler sei laut Wolber unter Umständen sehr zeit- und arbeitsaufwändig. Zudem können auch hohe Kosten entstehen, besonders bei ungültigen Mietvertragsregelungen, informierte der Vorstand der Realgrund AG.

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