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Interview: Wie ein Nischenprodukt die Allgäuer Adelegg erhält
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Kreuzthaler Bürgerstiftung KulturLandschaft Adelegg

Interview: Wie ein Nischenprodukt die Allgäuer Adelegg erhält

Der Landschaftspflegehof in Buchenberg wurde im Juni eingeweiht. Foto: adeleggstiftung

Wetterextreme, Schleuderpreise, Wirtschaftssanktionen: Gerade 2015 war für die Landwirte in Bayerisch-Schwaben ein schwieriges Jahr. Dabei hat erst im Juni dieses Jahres die Kreuzthaler Bürgerstiftung KulturLandschaft Adelegg den neuen Landschaftspflegehof in Buchenberg eingeweiht. Im B4B SCHWABEN-Interview erklärt Vorstandsmitglied Oliver Post, wie das Projekt seine Heimat schützt und warum es trotz aller Herausforderungen eine wirtschaftliche Zukunft hat.

B4B SCHWABEN: Herr Post, warum ist es Ihnen wichtig, die Kulturlandschaft Adelegg zu erhalten?

Oliver Post: Die Adelegg ist ein Gebirgsblock, in dem sich historisch bedingt vor allem durch die Glasmacher und Landwirte eine einzigartige Kulturlandschaft entwickelt hat. Früher war das Kreuzthal sehr lebendig. In den 1960er Jahren kam es dann zur Schwarzwaldisierung des Gebiets. Es wurde großflächig aufgeforstet, vor allem mit Nadelbäumen. Auch heute noch ist Holz eine sehr interessante Ressource, die Preise dafür sind gut.

Das Problem dabei ist: Mittlerweile besteht die Adelegg zu rund 95 Prozent aus Wald. Die Forstwirtschaft lohnt sich hier, die Landwirtschaft immer weniger. Bei dem Projekt geht es uns darum, unsere Heimat zu erhalten und die letzten noch freien Flächen zu schützen. Die Adelegg ist für den Naturschutz von hoher Bedeutung, hier hat sich eine einzigartige Artenvielfalt entwickelt. Gleichzeitig liegt die Adelegg zwischen Kempten, Isny und Leutkirch und ist damit auch als Naherholungsgebiet und für den Tourismus sehr attraktiv.

B4B SCHWABEN: Der Landschaftspflegehof soll dazu beitragen, die Kulturlandschaft Adelegg zu erhalten. Wie genau funktioniert das Projekt?

Oliver Post: Für die Landwirtschaft ergeben sich im Kreuzthal verschiedene Probleme. Zum einen sind die Flächen sehr steil. Vieles muss durch Handarbeit gemacht werden. Früher haben viele Familienmitglieder bei der Arbeit mitgeholfen. Zum anderen wuchern die verbleibenden Flächen zu, wenn sie nicht gepflegt werden. Denn Rinder fressen diese Sträucher nicht.

Deshalb werden auf dem Landschaftspflegehof Ziegen gehalten. Sie stehen gemeinsam mit den Jungrindern auf der Weide. Ziegen haben ein anderes Fressverhalten und sind hier sehr nützlich. Sie fressen mit Vorliebe die Brombeeren und anderes Gebüsch und übernehmen so die Arbeit, die früher von Hand gemacht wurde.

Auch wirtschaftlich gesehen ist die Arbeit mit Ziegen sehr interessant. Die Weiden der Adelegg bietet eine hervorragende Futtergrundlade. Zudem sind Ziegenmilch und -käse Nischenprodukte, hier sind wir mit dem Projekt durchaus konkurrenzfähig.

B4B SCHWABEN: Kann sich der Landschaftspflegehof wirklich wirtschaftlich selber tragen?

Oliver Post: Ja, das kann er. Für das Projekt haben wir zunächst unsere Bürgerstiftung gegründet. Normalerweise wird in der Landwirtschaft ein Hof ja ererbt. Das bedeutet, dass verschiedene Generationen Kapital angesammelt haben und Zeit hatten, auf den Markt zu reagieren. Das ist hier anders. Der Landschaftspflegehof ist praktisch aus dem Nichts entstanden.

Da die Gemeinschaft von dem Projekt profitiert, haben wir auch eine gemeinnützige Trägerschaft angestrebt. Deshalb wurde die Stiftung gegründet. Die Stiftung verpachtet den Hof an den jeweiligen Betreiber. Dieser verpflichtet sich dazu, alle Flächen aufzunehmen, die aus der normalen Bewirtschaftung herausfallen. Die Pacht bemisst sich an den Herstellungskosten – 2 Prozent sind hier die normale landwirtschaftliche Größe. Damit wird der Hof instandgehalten. Zudem sind Ziegenmilch und -käse wirtschaftlich sehr interessante Produkte, hier sehen wir großes Potential.

B4B SCHWABEN: Die Landwirtschaft begegnet immer größeren Herausforderungen. Besonders in diesem Jahr machen das Wetter, der Preisdruck und wirtschaftliche Sanktionen vielen Landwirten zu schaffen. Wieso sind Sie sich sicher, dass der Landschaftspflegehof eine Zukunft hat?

Oliver Post: Es stimmt, dass viele Landwirte gerade in diesem Jahr Schwierigkeiten haben. Allerdings arbeitet der Landschaftspflegehof unter anderen Voraussetzungen. Der entscheidende Punkt ist: Das Projekt besetzt eine Marktnische. Der Milchpreis muss sich derzeit auf dem Weltmarkt behaupten. Wir stellen jedoch keine Kuhmilch, sondern Ziegenmilch her. Der Unterschied ist gewaltig. Der Markt ist kleiner, wir werden die Milch selber veredeln und vermarkten, vor allem regional. Die Nachfrage bei diesen Produkten kann derzeit bei Weitem nicht gedeckt werden. Die Probleme der großen Weltwirtschaft belasten den Landschaftspflegehof daher nicht. Unsere 60 Ziegen produzieren für einen kleinen Kundenkreis, der vor allem regional gepflegt werden muss.

B4B SCHWABEN: Können 60 Ziegen denn das schaffen, was Sie sich eigentlich vor genommen haben – die Kulturlandschaft der Adeleggs zu erhalten?

Oliver Post: Diese 60 Ziegen machen den Anfang. Für sie und circa 140 Stück Jungvieh haben wir bereits eine Fläche von 100 Hektar gepachtet. 60 Ziegen haben aber jedes Jahr so um die 110 Kitze. In den kommenden Jahren sind laut einer Flächenerhebung weitere 100 bis 150 Hektar Land zu bewirtschaften. Auch der Hof selber ist so geplant, dass er problemlos erweitert werden kann.

B4B SCHWABEN: Vielen Dank für das freundliche Gespräch!

Das Interview führte Rebecca Weingarten

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