Interview

Bergwasser aus Sonthofen: „Eine normale Saison wird es keinesfalls“

Chris Lemke ist Gründer und Geschäftsführer von Bergwasser. Er führt sowohl Erlebnis-Touren als auch seinen Betrieb. Der junger Familienvater ist direkt von der Corona-Krise betroffen. Im Interview verrät er, welche Auswirkungen das Virus auf seinen Betrieb, die Mitarbeiter und Kunden hat.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Chris, Sie sind Outdoor Guide und der Begründer von Bergwasser. Normalerweise wäre der Frühling die perfekte Zeit für eine Tour in der Natur, oder? 

Chris Lemke: Absolut, der Frühling ist aus verschiedenen Gründen sehr interessant für uns. Erstens kommen wir Canyoning Guides zu der Zeit aus dem Winterschlaf und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Als Guide und Inhaber eines Betriebes für Canyoning Touren zieht es mich natürlich sofort in die Schlucht, um zu verstehen, was sich über den Winter verändert hat und wo neue Gefahren lauern. Das sind sehr spannende Zeiten, weil auch die Wasserstände eher hoch sind und ich von null auf 100 mit voller Konzentration dabei sein muss. Eine faszinierende Zeit. 

Dieses Jahr zieht jedoch der Corona-Virus uns allen einen Strich durch die Rechnung. Welche Auswirkungen hat das auf Bergwasser?

Ich schwanke zwischen „Ach das wird schon“ und „Wir machen dies Jahr null Umsatz“. Ich kann es noch gar nicht absehen und versuche es zu nehmen, wie es kommt. Es ist natürlich so, dass große Gruppen wie Junggesellenabschiede, Vereine oder Betriebe jetzt ihre Planung auf den Sommer verlegen. Im Moment ist an Canyoning jedoch nicht zu denken. Somit hoffe ich, dass die Buchungen dann spontan kommen, aber in diesen Zeiten sind Vorhersagen eher schwierig. 

Wie wirkt sich das auf die Mitarbeiter aus?

Es ist so, dass Guides bei uns freie Mitarbeiter sind, die für Touren hinzu gebucht werden. Das wird nun vor allem im Frühling nichts werden. Im Sommer buchen wir die Guides, wie die Gäste uns buchen. Da schaut es natürlich auch sehr dunkel aus. Selbst wenn die Jungs und Mädels sich darauf einstellen können, hilft das in der Situation wenig. Denn sie können ja nicht in die nächste Fabrik oder das nächste Hotel gehen und sagen: „Hier bin ich.“ In den letzten Jahren wäre das kein Problem gewesen, die Guides sind sehr flexibel und fleißig, aber wenn alles dicht ist, geht das eben auch nicht.

Rechnen Sie damit, 2020 noch Touren machen zu können?

Eine normale Saison wird es keinesfalls werden. Wir hoffen natürlich, die Kurzentschlossenen und Wagemutigen dann im Sommer spontan führen zu können. Gerade geht es bei uns darum die Fixkosten niedrig zu halten und flexibel zu sein. Das ist in unserer Branche sowieso ein guter Rat.

Gab es bereits gebuchte Führungen, die abgesagt werden mussten? Wenn ja, wie wurde damit umgegangen?

Ja, den April habe ich bereits komplett abgesagt, was die Gäste jedoch nicht sehr gestört hat. Denn das waren maßgeblich Junggesellenabschiede, die sowieso nicht stattfinden können. Wir versuchen immer den Termin zu verschieben oder eben komplett abzusagen. Jetzt noch Geld von Gästen zu verlangen fühlt sich nicht richtig an. Denn diese Krise berührt uns alle im hohen Maße. Da möchte ich die Gäste so behandeln, wie ich auch behandelt werden möchte. Nämlich kulant und anständig. Natürlich hoffe ich, dass sich das an anderer Stelle wieder auszahlt. 

Gibt es Pläne, wie Bergwasser nach Ende der Krise wieder schnell auf die Beine gebracht werden soll?

Es ist schwer abzuschätzen, wie sich der Tourismus nach der Krise entwickelt. Mein Gefühl ist, dass lokale und nationale Destinationen noch mehr im Trend sein werden, als vor der Krise. So könnten wir dann profitieren. Wenn es aber zu einer schweren und lang andauernden Rezession kommt, dann wird Canyoning und Rafting nicht gerade die top Priorität unserer Gäste sein. Natürlich verfolge ich einen Plan, wie wir nach der Krise besser dastehen als vorher, aber das ist Betriebsgeheimnis.

Nutzen Sie Social-Media-Kanäle, um trotz Krise im Gespräch zu bleiben?

Ja, wir nutzen die Kanäle, die für uns Sinn machen: YouTube, Facebook und Instagram. Die Anteilnahme und Unterstützung sind groß und das freut mich sehr. Das erste Mal habe ich das Gefühl, dass die genannten Plattformen tatsächlich sozial sind.

Wird sich die Natur durch den Corona-Virus erholen?

Im globalen Sinne sicherlich. Es geistern ja viele Bildchen und Statistiken umher, wie viele Emissionen es nun nicht mehr gibt. Ich bin trotzdem der Meinung, dass unsere Erlebnisse wie Canyoning und Rafting kaum – am liebsten würde ich schreiben keine, aber das würde nicht stimmen – einen Fußabdruck hinterlassen. 

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Normalität zurückkehrt?

Am meisten freue ich mich, einfach ungezwungen draußen unterwegs sein zu können. Durch die aktuelle Situation ist mir bewusst geworden, in welch tollen System wir normalerweise leben und welche Rechte wir genießen. Vielleicht auch ein Gutes aus der Krise: So wird uns bewusst, wie wichtig Demokratie und Freiheit ist. Gerade, wenn Letzteres gerade fehlt.

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Chris Lemke: Absolut, der Frühling ist aus verschiedenen Gründen sehr interessant für uns. Erstens kommen wir Canyoning Guides zu der Zeit aus dem Winterschlaf und genießen die ersten Sonnenstrahlen. Als Guide und Inhaber eines Betriebes für Canyoning Touren zieht es mich natürlich sofort in die Schlucht, um zu verstehen, was sich über den Winter verändert hat und wo neue Gefahren lauern. Das sind sehr spannende Zeiten, weil auch die Wasserstände eher hoch sind und ich von null auf 100 mit voller Konzentration dabei sein muss. Eine faszinierende Zeit. 

Dieses Jahr zieht jedoch der Corona-Virus uns allen einen Strich durch die Rechnung. Welche Auswirkungen hat das auf Bergwasser?

Ich schwanke zwischen „Ach das wird schon“ und „Wir machen dies Jahr null Umsatz“. Ich kann es noch gar nicht absehen und versuche es zu nehmen, wie es kommt. Es ist natürlich so, dass große Gruppen wie Junggesellenabschiede, Vereine oder Betriebe jetzt ihre Planung auf den Sommer verlegen. Im Moment ist an Canyoning jedoch nicht zu denken. Somit hoffe ich, dass die Buchungen dann spontan kommen, aber in diesen Zeiten sind Vorhersagen eher schwierig. 

Wie wirkt sich das auf die Mitarbeiter aus?

Es ist so, dass Guides bei uns freie Mitarbeiter sind, die für Touren hinzu gebucht werden. Das wird nun vor allem im Frühling nichts werden. Im Sommer buchen wir die Guides, wie die Gäste uns buchen. Da schaut es natürlich auch sehr dunkel aus. Selbst wenn die Jungs und Mädels sich darauf einstellen können, hilft das in der Situation wenig. Denn sie können ja nicht in die nächste Fabrik oder das nächste Hotel gehen und sagen: „Hier bin ich.“ In den letzten Jahren wäre das kein Problem gewesen, die Guides sind sehr flexibel und fleißig, aber wenn alles dicht ist, geht das eben auch nicht.

Rechnen Sie damit, 2020 noch Touren machen zu können?

Eine normale Saison wird es keinesfalls werden. Wir hoffen natürlich, die Kurzentschlossenen und Wagemutigen dann im Sommer spontan führen zu können. Gerade geht es bei uns darum die Fixkosten niedrig zu halten und flexibel zu sein. Das ist in unserer Branche sowieso ein guter Rat.

Gab es bereits gebuchte Führungen, die abgesagt werden mussten? Wenn ja, wie wurde damit umgegangen?

Ja, den April habe ich bereits komplett abgesagt, was die Gäste jedoch nicht sehr gestört hat. Denn das waren maßgeblich Junggesellenabschiede, die sowieso nicht stattfinden können. Wir versuchen immer den Termin zu verschieben oder eben komplett abzusagen. Jetzt noch Geld von Gästen zu verlangen fühlt sich nicht richtig an. Denn diese Krise berührt uns alle im hohen Maße. Da möchte ich die Gäste so behandeln, wie ich auch behandelt werden möchte. Nämlich kulant und anständig. Natürlich hoffe ich, dass sich das an anderer Stelle wieder auszahlt. 

Gibt es Pläne, wie Bergwasser nach Ende der Krise wieder schnell auf die Beine gebracht werden soll?

Es ist schwer abzuschätzen, wie sich der Tourismus nach der Krise entwickelt. Mein Gefühl ist, dass lokale und nationale Destinationen noch mehr im Trend sein werden, als vor der Krise. So könnten wir dann profitieren. Wenn es aber zu einer schweren und lang andauernden Rezession kommt, dann wird Canyoning und Rafting nicht gerade die top Priorität unserer Gäste sein. Natürlich verfolge ich einen Plan, wie wir nach der Krise besser dastehen als vorher, aber das ist Betriebsgeheimnis.

Nutzen Sie Social-Media-Kanäle, um trotz Krise im Gespräch zu bleiben?

Ja, wir nutzen die Kanäle, die für uns Sinn machen: YouTube, Facebook und Instagram. Die Anteilnahme und Unterstützung sind groß und das freut mich sehr. Das erste Mal habe ich das Gefühl, dass die genannten Plattformen tatsächlich sozial sind.

Wird sich die Natur durch den Corona-Virus erholen?

Im globalen Sinne sicherlich. Es geistern ja viele Bildchen und Statistiken umher, wie viele Emissionen es nun nicht mehr gibt. Ich bin trotzdem der Meinung, dass unsere Erlebnisse wie Canyoning und Rafting kaum – am liebsten würde ich schreiben keine, aber das würde nicht stimmen – einen Fußabdruck hinterlassen. 

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Normalität zurückkehrt?

Am meisten freue ich mich, einfach ungezwungen draußen unterwegs sein zu können. Durch die aktuelle Situation ist mir bewusst geworden, in welch tollen System wir normalerweise leben und welche Rechte wir genießen. Vielleicht auch ein Gutes aus der Krise: So wird uns bewusst, wie wichtig Demokratie und Freiheit ist. Gerade, wenn Letzteres gerade fehlt.

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