Berufsbildung

So funktioniert Integration in der Berufswelt

Es gibt Chancen und Schwierigkeiten bei der beruflichen Integration geflüchteter Menschen. Das ist das Fazit eines Rundengesprächs zwischen Unternehmern und Berufsschullehrern in Dillingen. Diese Schwierigkeiten machen die Angelegenheit besonders anspruchsvoll.

„Ohne Deutschkenntnisse ist es fast unmöglich, eine Ausbildung zu machen. Dabei hilft es nicht besonders, wenn die Meinung besteht, man könnte auf dem Fußballplatz als ‚Ronaldo‘ Karriere machen. Nur mit harter Arbeit erreicht man den Abschluss“. Das war das Fazit von Franz Brichta, Vorstandsmitglied der Unterstützergruppe „Asyl/Migration Dillingen a.d.D.“ e.V. nach einer Stunde Podiumsdiskussion mit Unternehmern und Berufsschullehrern aus der Region. Stattgefunden hat diese bei dem 37. Rundgespräch vergangene Woche. „Die Ausbildung in Deutschland ist anspruchsvoller als in den meisten Herkunftsländern“, erklärte Brichta nach der Veranstaltung. „Allein die ‚Fachkunde Metall‘ aus meinem Fachgebiet beispielsweise ist ein 700 Seiten dickes Buch, das ein Industriemechaniker nach 3,5 Jahren im Kopf haben sollte.“ Die Mühe lohne sich aber auch: eine ausgebildete Fachkraft verdiene bis zu 35 Prozente mehr als ein Ungelernter, und in Krisenzeiten verspreche der Berufsabschluss eine höhere Jobsicherheit.

Georg Schrenk: Berufsintegration von Geflüchteten lohnt sich

Davon, dass sich ihre Erwartungen erfüllt hatten, konnten der Optiker Uwe Brüning und der Metzgermeister Rudolf Schulz berichten. Bei einem Geflüchteten in seinem Betrieb spüre er „keinen Unterschied zu den deutschen Azubis“, so Schulz, und Brüning erzählte von eritreischen Auzubi, der dieses Jahr seine Optikerprüfung erfolgreich ablegte, obwohl er in Eritrea nie eine Schule besucht hatte. Hier habe sich insbesondere die Unterstützung der Ehrenamtlichen positiv ausgewirkt. Der Vorsitzende der Dillinger Flüchtlingshelfer, Georg Schrenk, warb daher erneut dafür, sich ehrenamtlich für die Berufsintegration von Flüchtlingen einzusetzen: „Es lohnt sich!“

Fehltage sind ein Problem

Doch es gab auch Kritik. Der Steinheimer Zimmerermeister Franz Graf berichtete von Durchfallquoten in Höhe von circa 30 Prozent, und Tanja Meier vom Sanitätshaus Hilscher beobachtet mit Sorge, dass bei einem afghanischen Geflüchteten in ihrem Betrieb eher die Freizeitaktivitäten im Mittelpunkt stünden. Reinhard Hickl von der Berufsschule Lauingen bestätigte, dass Fehltage ein großes Problem seien. Freizeit kann jedoch für die Integration auch förderlich sein: nämlich dann, wenn sie zusammen mit Einheimischen verbracht wird. Schrenk bedauerte an dieser Stelle einmal mehr, dass Angebote wie der Sprachtreff von den Dillingern kaum angenommen würden.

Behörden sorgen für Probleme

Ein weiteres großes Problem liegt oftmals gar nicht bei den Geflüchteten selbst, sondern bei den Behörden. Das wurde deutlich, als in der anschließenden Fragerunde ein Geflüchteter von seinem Briefkasten erzählte, der vollgestopft sei mit Behördenbescheiden insbesondere des Jobcenters, die er nicht verstehe. Schrenk pflichtete ihm bei, dass der Papierkram oft auch für Muttersprachler undurchschaubar sei und der nötige Mentalitätswandel in den Amtsstuben leider weiter auf sich warten lasse. Eine diesbezügliche Anfrage mit Verbesserungsvorschlang an den Präsidenten der Bundesarbeitsagentur blieb bisher ohne nachhaltige Änderungen.

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Georg Schrenk: Berufsintegration von Geflüchteten lohnt sich

Davon, dass sich ihre Erwartungen erfüllt hatten, konnten der Optiker Uwe Brüning und der Metzgermeister Rudolf Schulz berichten. Bei einem Geflüchteten in seinem Betrieb spüre er „keinen Unterschied zu den deutschen Azubis“, so Schulz, und Brüning erzählte von eritreischen Auzubi, der dieses Jahr seine Optikerprüfung erfolgreich ablegte, obwohl er in Eritrea nie eine Schule besucht hatte. Hier habe sich insbesondere die Unterstützung der Ehrenamtlichen positiv ausgewirkt. Der Vorsitzende der Dillinger Flüchtlingshelfer, Georg Schrenk, warb daher erneut dafür, sich ehrenamtlich für die Berufsintegration von Flüchtlingen einzusetzen: „Es lohnt sich!“

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Doch es gab auch Kritik. Der Steinheimer Zimmerermeister Franz Graf berichtete von Durchfallquoten in Höhe von circa 30 Prozent, und Tanja Meier vom Sanitätshaus Hilscher beobachtet mit Sorge, dass bei einem afghanischen Geflüchteten in ihrem Betrieb eher die Freizeitaktivitäten im Mittelpunkt stünden. Reinhard Hickl von der Berufsschule Lauingen bestätigte, dass Fehltage ein großes Problem seien. Freizeit kann jedoch für die Integration auch förderlich sein: nämlich dann, wenn sie zusammen mit Einheimischen verbracht wird. Schrenk bedauerte an dieser Stelle einmal mehr, dass Angebote wie der Sprachtreff von den Dillingern kaum angenommen würden.

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Ein weiteres großes Problem liegt oftmals gar nicht bei den Geflüchteten selbst, sondern bei den Behörden. Das wurde deutlich, als in der anschließenden Fragerunde ein Geflüchteter von seinem Briefkasten erzählte, der vollgestopft sei mit Behördenbescheiden insbesondere des Jobcenters, die er nicht verstehe. Schrenk pflichtete ihm bei, dass der Papierkram oft auch für Muttersprachler undurchschaubar sei und der nötige Mentalitätswandel in den Amtsstuben leider weiter auf sich warten lasse. Eine diesbezügliche Anfrage mit Verbesserungsvorschlang an den Präsidenten der Bundesarbeitsagentur blieb bisher ohne nachhaltige Änderungen.

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