Medizinische AKADemie

Interview zum Ärztemangel: Dillingen fehlen Betriebsärzte

Der Dillinger Landrat Leo Schrell. Foto: Landratsamt Dillingen
Das Dillinger Krankenhaus bietet ein bundesweit einmaliges Ausbildungskonzept mit dem Ziel gegen den Ärztemangel in ländlichen Regionen vorzugehen. Wir haben bei Landrat Leo Schrell nachgefragt, wie sich das auf Dillingen auswirkt.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was ist die AKADemie genau und woher kam die Idee dazu?

Leo Schrell: AKADemie steht für Ausbildungskonzept Allgemeinmedizin Dillingen. Die Idee dazu wurde 2012 von der Chefärztin der Inneren Medizin Dr. Ulrike Bechtel entwickelt. Ausgearbeitet wurde das Konzept in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. Antonius Schneider und der Medizindidaktik unter der Leitung von Prof. Dr. Pascal Berberat der Technischen Universität München. Im März 2013 wurde die Kreisklinik Dillingen zum bundesweit ersten akademischen Lehrkrankenhaus für Allgemeinmedizin anerkannt. Gefördert wird das Projekt von den bayerischen Staatsministerien für Wissenschaft sowie Gesundheit und Pflege.Interview zum Ärztemangel: Dillingen fehlen Betriebsärzte

Wie gewinnen Sie Ärzte für die Region? 

Das akademische Lehrkrankenhaus übernimmt die Aus- und Weiterbildung angehender Allgemeinmediziner. Seit 2013 konnten wir damit bereits 36 Medizin-Studierende für Dillingen gewinnen, von denen sich etliche langfristig für eine ärztliche Berufstätigkeit in der Region entscheiden. Inzwischen befinden sich 25 junge Ärzte in der Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin. Damit können sie die Qualifikation zur hausärztlichen Niederlassung in der Mindestzeit von fünf Jahren erwerben. Durchschnittlich gehen jetzt drei bis vier Hausärzte pro Jahr als Alumni der AKADemie hervor.

Auf dem Land herrscht nicht nur Hausärzte-, sondern auch Betriebsarztmangel. Bildet die AKADemie auch Mediziner für Unternehmen in der Region aus?

Es sind auch Lehrärzte in der Verbundweiterbildung tätig, die über eine Weiterbildungsbefugnis für Betriebsmedizin verfügen. Nachwuchs in der Allgemeinmedizin ist auch für die Betriebsmedizin erfolgskritisch, vor allem aber zur hausärztlichen Versorgung der Mitarbeiter aller Unternehmen der Region.

Wie ist die betriebsärztliche Versorgung im Raum Dillingen aufgestellt?

Aktuell arbeiten drei niedergelassene Allgemeinärzte im Landkreis auch als Betriebsärzte. Allerdings sind alle um die 65 Jahre alt. Nur die Bosch Siemens Hausgeräte GmbH mit Sitz in Dillingen hat einen eigenen Betriebsarzt. Viele Firmen werden bis dato noch von Betriebsärzten außerhalb des Landkreises versorgt.

Wie unterstützen Sie betriebliches Gesundheits-Management?

Im Landratsamt ist seit 2013 ein Arbeitskreis Gesundheit etabliert. Dieser hat für das Landratsamt und die Kreiseinrichtungen ein Konzept des betrieblichen Gesundheits-Managements entwickelt. Im Bereich der Gesundheitsförderung bieten wir Dauerangebote wie Lauftreffs und Ballspiele und halbjährlich wechselnde Angebote zu Themen wie Entspannung und Rückentraining. Aber auch die kontinuierliche Schulung der Führungskräfte als „Gesundheitsfaktor Nr.1“gehört dazu. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist zudem Thema in der Gesundheitskonferenz des Landkreises.           

Was ist die Aufgabe der Gesundheitskonferenz und welche Ziele verfolgt sie?

Seit 2012 gibt es die Gesundheitskonferenz in Dillingen. Deren Aufgabe ist es, regionale Gesundheitsziele festzulegen und die regionalen Akteure zu allen Gesundheitsthemen miteinander zu vernetzen. Verschiedene Arbeitskreise arbeiten die festgelegten Themen aus und planen Projekte. Ein wichtiges Ziel dabei ist, mit der Gesundheitsförderung schon in der KITA und in der Schule zu beginnen. Zudem wollen wir eine gesunde Arbeitswelt fördern, in der Familie und Beruf gut miteinander zu vereinbaren sind. Dabei spielt auch die betriebliche Gesundheitsförderung eine entscheidende Rolle.

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B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Was ist die AKADemie genau und woher kam die Idee dazu?

Leo Schrell: AKADemie steht für Ausbildungskonzept Allgemeinmedizin Dillingen. Die Idee dazu wurde 2012 von der Chefärztin der Inneren Medizin Dr. Ulrike Bechtel entwickelt. Ausgearbeitet wurde das Konzept in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. Antonius Schneider und der Medizindidaktik unter der Leitung von Prof. Dr. Pascal Berberat der Technischen Universität München. Im März 2013 wurde die Kreisklinik Dillingen zum bundesweit ersten akademischen Lehrkrankenhaus für Allgemeinmedizin anerkannt. Gefördert wird das Projekt von den bayerischen Staatsministerien für Wissenschaft sowie Gesundheit und Pflege.Interview zum Ärztemangel: Dillingen fehlen Betriebsärzte

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Das akademische Lehrkrankenhaus übernimmt die Aus- und Weiterbildung angehender Allgemeinmediziner. Seit 2013 konnten wir damit bereits 36 Medizin-Studierende für Dillingen gewinnen, von denen sich etliche langfristig für eine ärztliche Berufstätigkeit in der Region entscheiden. Inzwischen befinden sich 25 junge Ärzte in der Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin. Damit können sie die Qualifikation zur hausärztlichen Niederlassung in der Mindestzeit von fünf Jahren erwerben. Durchschnittlich gehen jetzt drei bis vier Hausärzte pro Jahr als Alumni der AKADemie hervor.

Auf dem Land herrscht nicht nur Hausärzte-, sondern auch Betriebsarztmangel. Bildet die AKADemie auch Mediziner für Unternehmen in der Region aus?

Es sind auch Lehrärzte in der Verbundweiterbildung tätig, die über eine Weiterbildungsbefugnis für Betriebsmedizin verfügen. Nachwuchs in der Allgemeinmedizin ist auch für die Betriebsmedizin erfolgskritisch, vor allem aber zur hausärztlichen Versorgung der Mitarbeiter aller Unternehmen der Region.

Wie ist die betriebsärztliche Versorgung im Raum Dillingen aufgestellt?

Aktuell arbeiten drei niedergelassene Allgemeinärzte im Landkreis auch als Betriebsärzte. Allerdings sind alle um die 65 Jahre alt. Nur die Bosch Siemens Hausgeräte GmbH mit Sitz in Dillingen hat einen eigenen Betriebsarzt. Viele Firmen werden bis dato noch von Betriebsärzten außerhalb des Landkreises versorgt.

Wie unterstützen Sie betriebliches Gesundheits-Management?

Im Landratsamt ist seit 2013 ein Arbeitskreis Gesundheit etabliert. Dieser hat für das Landratsamt und die Kreiseinrichtungen ein Konzept des betrieblichen Gesundheits-Managements entwickelt. Im Bereich der Gesundheitsförderung bieten wir Dauerangebote wie Lauftreffs und Ballspiele und halbjährlich wechselnde Angebote zu Themen wie Entspannung und Rückentraining. Aber auch die kontinuierliche Schulung der Führungskräfte als „Gesundheitsfaktor Nr.1“gehört dazu. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist zudem Thema in der Gesundheitskonferenz des Landkreises.           

Was ist die Aufgabe der Gesundheitskonferenz und welche Ziele verfolgt sie?

Seit 2012 gibt es die Gesundheitskonferenz in Dillingen. Deren Aufgabe ist es, regionale Gesundheitsziele festzulegen und die regionalen Akteure zu allen Gesundheitsthemen miteinander zu vernetzen. Verschiedene Arbeitskreise arbeiten die festgelegten Themen aus und planen Projekte. Ein wichtiges Ziel dabei ist, mit der Gesundheitsförderung schon in der KITA und in der Schule zu beginnen. Zudem wollen wir eine gesunde Arbeitswelt fördern, in der Familie und Beruf gut miteinander zu vereinbaren sind. Dabei spielt auch die betriebliche Gesundheitsförderung eine entscheidende Rolle.

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