Auftaktveranstaltung im Goldenen Saal

TEAM 4.0 stellt sich der Roboter-Invasion auf dem Arbeitsmarkt

Thiel, Klingelstein, Sloterdijk, Rohrmair, Moser, Schmölz. Foto: Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Mit der Auftaktveranstaltung von TEAM 4.0 „Arbeit 4.0: Spannungsfeld Mensch | Arbeit | Digitalisierung“ feierten die Partner den Startschuss des Großprojekts in Augsburg. Für die kommenden drei Jahre beschäftigen sie sich intensiv mit den Auswirkungen und der Transformation des Arbeitsmarktes hin zur Industrie 4.0.

Mehr als 400 Gäste empfing die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, Projektpartner von TEAM 4.0, am 22. November 2017 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses. Projektträger ist die Hochschule Augsburg. TEAM 4.0 (Technologische Entwicklungen am Augsburger ArbeitsMarkt 4.0) richtet sich an Wissenschaftler, Entscheidungsträger, Führungskräfte sowie Arbeitnehmer, die unmittelbar von der Digitalisierung betroffen sind. Gefördert wird das Projekt vom Europäischen Sozialfonds in Bayern und dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Es stehen Mittel von rund 750.000 Euro in Aussicht.

Referenten beleuchten Arbeit 4.0

„Die Digitalisierung löst nicht nur eine Diskussion über Chancen aus, sondern auch über Ängste“, leitete Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH, die Veranstaltung ein. Dass der Megatrend eine große Herausforderung ist, sei hinlänglich bekannt. Was Arbeit 4.0 für den einzelnen Arbeitsplatz, das Arbeits- oder gar Gesellschaftsmodell bedeutet und was Unternehmen beachten sollten, ist Kernthema von TEAM 4.0. Den Versuch, eine Antwort zu liefern, wagten am Abend zwei Referenten: Der Philosoph und Schriftsteller Prof. Dr. Peter Sloterdijk, sowie der Präsident der Hochschule Augsburg, Prof. Dr. Gordon T. Rohrmair.

Auftaktveranstaltung zu TEAM 4.0 in Augsburg

Rohrmair: Digitalisierung ist unumkehrbar

„Eigentlich ist es keine Transformation, sondern eine Metamorphose“, erklärte Rohrmair. Es handele sich um einen unumkehrbaren Prozess, der gängige Denkmuster aufweicht. Die Geschwindigkeit, in der neue Technologien einziehen, nehme rasant zu. Das hat Auswirkungen auf alle Bereich des Lebens, die schon heute spürbar sind. Seine Frage war daher: Bleibt der Mensch dadurch auf der Strecke?

„Wir brauchen ein neues Gesellschaftsmodell“

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Technik den Menschen „abgehängt“ hat. Mit der Erfindung der Dampfmaschine konnte die menschliche Muskelkraft überwunden werden. Die Folge war ein beispielsloses Wachstum an Produktivität. Die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz zielen darauf ab, die geistige Leistung der Menschen zu übertreffen. Das zeigen die Plattforminnovationen, an denen Startups und junge Unternehmen arbeiten. Sie zielen nicht darauf ab, ein neues Produkt zu fertigen, sondern den bestehenden Markt effizienter zu gestalten. Studien besagen, dass nur noch 50 Prozent erwerbstätig sein müssen, um den Abreitsaufwand zu bewältigen. „Wir brauchen ein neues Gesellschaftsmodell“, betonte Rohrmair daher.

Einwanderung der Maschinen in vollem Gange

Änderungen dieser Art sind für den Menschen jedoch nichts neues, weiß Prof. Dr. Peter Sloterdijk. Eine der größten und ältesten Zäsuren stellte die Alphabetisierung in der Antike dar. Sie ermöglichte es, Informationen für jeden zugänglich zu machen. Etwas Ähnliches geschehe auch heute. Der Grund für die Angst der Gesellschaft davor lege darin begründet, dass der Mensch zwar einen Gefahren- aber keinen Risikosinn besäße. Man habe sich daher seither gerne auf „hervorragende Trendberater“ verlassen – von Orakeln bis Unternehmensberater. „Das Hauptereignis zu unserer Zeit ist und bleibt seit dem 18 Jahrhundert die Migration“, fasste Sloterdijk zusammen. Die Gesellschaft erlebe nun die „Einwanderung der Maschinen“, die „Roboter-Invasion“.

Wie sieht die Zukunft der Arbeit nun also aus? Die Referenten zeigten sich positiv: Es sei schließlich nicht die erste Industrielle Revolution vor der der Arbeitsmarkt und die Gesellschaft stünden. Das fachübergreifende Netzwerk, das TEAM 4.0 nun spannen möchte, sei ein wichtiger Schritt, um diesen Herausforderungen frühzeitig zu begegnen, waren sich die Projektpartner einig.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben