SCHEIDLE & PARTNER Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater mbB

Scheidle & Partner informiert: Wichtige Neuerung im Handelsrecht

Die Autorin Dipl. Oec. Angelika Seuster ist Partnerin bei der Augsburger Wirtschaftskanzlei SCHEIDLE & Partner.

Wichtige Neuerungen für Unternehmen bringt das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG), das am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist und in Deutschland die Vorgaben des europäischen Rechts auf diesem Gebiet umsetzt. Dipl. Oec. Angelika Seuster, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partnerin bei der Augsburger Wirtschaftskanzlei Scheidle & Partner erläutert die wichtigsten Änderungen.

Das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) setzt EU-Recht in Deutschland um und ist seit dem 1. Januar 2016 verpflichtend anzuwenden.

Die bedeutendste Änderung des BilRUG betrifft die Definition der Umsatzerlöse in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Die bisherigen Abgrenzungskriterien „gewöhnliche Geschäftstätigkeit“ und „typisches Leistungsangebot“ entfallen. Als Umsatzerlöse sind nun alle Einnahmen aus dem Verkauf und der Vermietung und Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen auszuweisen, was in der Regel zu höheren Umsatzerlösen führt.

Veränderungen bei Rohertrag und Deckungsbeiträgen möglich

Höhere Umsatzerlöse wirken sich auf eine Vielzahl von Kennzahlen wie zum Beispiel Umsatzrentabilität, Auftragsreichweite oder Kapitalumschlagshäufigkeit aus. Aufgrund der Ausstrahlung der erweiterten Umsatzerlöse auf bezogene Vorleistungen (Ausweis von „Materialaufwand“ statt „sonstiger betrieblicher Aufwand“) können sich auch Veränderungen des Rohertrags und des Deckungsbeitrags ergeben.

Die Neudefinition ist ebenfalls bei umsatzabhängigen Nebenabreden im Rahmen von Kreditverträgen zu beachten, den sogenannten Convenants. Sofern Covenants aufgrund der Neudefinition nicht eingehalten werden (können), ist eine Abstimmung mit dem Kreditgeber dringend anzuraten.

Neue Regelung schränkt Verlgeichbarkeit von Unternehmenskennzahlen ab 2016 ein

Ebenso ist Vorsicht geboten bei Tantiemevereinbarungen, die auf Basis von Umsatzerlösen, Roherträgen oder Deckungsbeiträgen errechnet werden. Darüber hinaus enthalten viele Mietverträge Klauseln, wonach sich die Miete nach Umsatzerlösen berechnet. In solchen Fällen hat sich durch die Neudefinition der Umsatzerlöse die Miete seit Jahresbeginn automatisch erhöht, sofern der Unternehmer hierzu keine andere Regelung getroffen hat. Gegebenenfalls sollte daher eine Vertragsanpassung angestrebt werden.

Bei internen und externen Mehrjahresvergleichen wird die Vergleichbarkeit von Unternehmenskennzahlen ab 2016 eingeschränkt sein. Es kann daher sinnvoll sein, das interne Planungs- und Berichtswesen für 2016 an die neuen externen Vorschriften anzupassen, um gegebenenfalls erläuterungsbedürftige Abweichungen zu vermeiden.

Auswirkungen ergeben sich auch auf das Größenkriterium „Umsatzerlöse“ bei den Schwellenwerten des § 267 HGB, die durch das BilRUG um rund 24 % angehoben werden. Von dieser Vorschrift können Unternehmen durch rückwirkende Anwendung bezüglich der Offenlegung schon für Geschäftsjahre ab 2014 profitieren.

Neben der Neudefinition der Umsatzerlöse wird durch das BilRUG auch eine strukturelle Überarbeitung der GuV vorgenommen, wodurch der Saldo „Außerordentliches Ergebnis“ zukünftig entfällt. Hiervon sind unter anderem die praxisrelevanten Anpassungsbeträge aus der Neubewertung der Pensionsverpflichtungen nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) betroffen. Bislang konnten die Beiträge als „außerordentliche Aufwendungen“ dargestellt werden und zwar verteilt auf einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Zukünftig sind sie als „sonstige betriebliche Aufwendungen“ auszuweisen.

Im Ergebnis führt der Wegfall des „außerordentlichen Ergebnisses“ zu einer verzerrten Darstellung des operativen Ergebnisses in der GuV. Im Anhang kann dieser Umstand durch die Erläuterungen der „außergewöhnlichen Aufwendungen/Erträge“ beziehungsweise „periodenfremden Aufwendungen/Erträge“ allenfalls  mittelbar und eingeschränkt aufgefangen werden.

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