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KI-Rechenzentrum im Unterallgäu – ein Schritt zu digitaler Souveränität?
Investition

KI-Rechenzentrum im Unterallgäu – ein Schritt zu digitaler Souveränität?

So soll das KI-Rechenzentrum in Amberg aussehen. Foto: WV Energie AG
So soll das KI-Rechenzentrum in Amberg aussehen. Foto: WV Energie AG

In Amberg im Unterallgäu soll ein KI-Rechenzentrum entstehen. Mögliches Investitionsvolumen: mehrere Milliarden Euro. Wie kann die regionale Wirtschaft von dem Rechenzentrum profitieren?

Digitale Souveränität ist spätestens seit Donald Trumps zweiter Amtszeit ein viel ausgerufenes Ziel. Beim Thema Künstliche Intelligenz könnte Deutschland nun einen Schritt unabhängiger von den USA werden – und Schwaben ist mittendrin. Denn in Amberg (Kreis Unterallgäu) will das Start-up Polarise ein KI-Rechenzentrum bauen. Polarise plant in der ersten Ausbaustufe eine Kapazität von 30 Megawatt. Das Rechenzentrum kann auf bis zu 120 Megawatt ausgebaut werden. Zum Vergleich: Anfang Februar hat in München ein neues KI-Rechenzentrum mit einer Kapazität von 15 Megawatt den Betrieb aufgenommen. Polarise ist hier Partner.

Wie viel das KI-Rechenzentrum in Amberg kosten wird, will Polarise nicht mitteilen. Finanziert werde die Investition „aus eigenen Mitteln mit unseren Investoren“. Allerdings habe das KI-Rechenzentrum in München nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters etwa eine Milliarde Euro gekostet. Das KI-Rechenzentrum in Amberg soll Mitte 2027 betriebsbereit sein.

Das ist in Amberg geplant

Das KI-Rechenzentrum soll auf dem Gelände des ehemaligen Kurzwellensenders Wertachtal und einer angrenzenden Fläche entstehen. Polarise will beides von den Stadtwerken Bad Vilbel (Hessen) und einer Bürgerstiftung abkaufen. Das Rechenzentrum soll in das ehemalige Sendegebäude einziehen. Die Verträge sind allerdings wegen der anstehenden Kommunalwahl in Hessen noch nicht ausgearbeitet.

Im KI-Rechenzentrum kommen sogenannte AI Pods zum Einsatz: Modulare Einheiten, die als unabhängige Hochleistungsrechner innerhalb der vorhandenen Infrastruktur arbeiten. Sie werden in bestehende Rechenzentren integriert. Dadurch könne laut Polarise KI-Infrastruktur schneller bereitgestellt werden – mit einem geringeren Ressourcenaufwand als herkömmliche Neubauprojekte. Das KI-Rechenzentrum in München habe Polarise so innerhalb von sechs Monaten in Betrieb nehmen können.

Digitale Souveränität – was bedeutet das KI-Rechenzentrum für die Wirtschaft?

Bayerns Digitalminister Fabian Mehring spricht von einem „Digital-Coup für Bayerisch-Schwaben“ und sieht einen Fortschritt für mehr digitale Souveränität. „Für das Allgäu und ganz Schwaben kann dieses Rechenzentrum ein echter Innovations- und Wachstumsmotor werden – mit neuen Impulsen für Unternehmen, Arbeitsplätze und die digitale Wertschöpfung vor Ort“, teilt Mehring mit.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezeichnet leistungsfähige Rechenzentren als das Rückgrat der digitalen Welt und vergleicht ihre Wichtigkeit mit der von Straßen oder Stromleitungen. „Ohne sie gibt es keine Cloud, keine Künstliche Intelligenz und keine Industrie 4.0. Wenn unsere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben sollen, wenn Verwaltung effizient arbeiten und unser Alltag digital funktionieren soll, dann brauchen wir eine starke digitale Infrastruktur“, sagt Aiwanger. „Wer hier zurückfällt, der verliert am Ende nicht nur Innovation – der riskiert Arbeitsplätze und Wohlstand.“ Aiwanger forciert derzeit eine AI-Gigafactory in Schweinfurt, um den Zugang zu leistungsfähiger KI-Infrastruktur zu vergrößern. „Damit nicht nur wenige globale Tech-Konzerne darüber verfügen, sondern auch unsere Unternehmen, unsere Forschung und unser Mittelstand.“

Laut dem Wirtschaftsministerium ist Bayern nach Hessen der zweitgrößte Rechenzentrumsstandort in Deutschland – mit einer installierten IT-Leistung von rund 420 Megawatt und mehr als 500 Rechenzentren.

Diese Vorteile erwartet Amberg

Auch Ambergs amtierender Bürgermeister, Peter Kneipp, sieht Vorteile, durch das Rechenzentrum. Er hofft auf Gewerbesteuer durch das Rechenzentrum und dass regionale Unternehmen bei den Arbeiten zum Zug kommen. Polarise teilt dazu auf Anfrage allgemein mit: „Wir arbeiten in Um- und Ausbau oft eng mit regionalen Unternehmen und Gewerken zusammen.“

Die Ankündigung des Betreibers Polarise, dass vor Ort in Amberg durch das Rechenzentrum Arbeitsplätze entstehen werden, schränkt Kneipp ein. „Diese dürften sich in Grenzen halten und werden sich auf Techniker beschränken, wenn alles fertig ist“. Kneipp geht von 15 bis 20 Arbeitsplätzen aus.

Kneipp sieht aber auch einen Vorteil darin, dass das Rechenzentrum vor allem mit grünem Strom betrieben werden soll, der vor Ort produziert wird. „Wenn der Strom vor Ort verbraucht werden kann, muss natürlich das Netz nicht ausgebaut werden“, sagt er. Zudem könnte die Abwärme aus dem Rechenzentrum für die umliegenden Gemeinden genutzt werden.

Rechenzentrum mit erneuerbaren Energien

Für den Standort in Amberg hat sich Polarise wegen des Bestandsgebäudes und der vorhandenen, regenerativen Stromquellen entschieden. Denn auf dem Gelände betreibt die WV Energie AG aus Bad Vilbel bereits seit 2012 PV-Anlagen mit 70 Megawatt. Zudem bearbeitet die Gemeinde Amberg derzeit ein Bebauungsplanverfahren für eine weitere PV-Anlage mit 35 Megawatt. Auch drei Windkraftanlagen und große Batteriespeicher sind dort geplant.

Für den CEO von WV Energie, Heinrich Bettelhäuser, ist das geplante KI-Rechenzentrum eine Win-win-Situation für beide Seiten. „Für den Betreiber Polarise hat es den Vorteil, dass sie das Rechenzentrum mit ökologischem, vor Ort erzeugtem Strom versorgen können. Und für uns hat es den Vorteil, dass wir den Strom nicht im Rahmen eines Marktprozesses, sondern vor Ort vermarkten können“, sagt Bettelhäuser. Das zeige, dass Rechenzentren und die Energiewende nicht im Widerspruch zueinanderstehen. „Durchdacht kombiniert zeigt dieses Projekt, wie sich beides sogar gegenseitig stärken kann“, so Bettelhäuser weiter.

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