Kommentar

Keine Zeit für Arbeit

Symbolbild. Feierabend. Foto: iStock/fizkes
Arbeit hat sich verändert. Sie nimmt einen ganz neuen Stellenwert im Leben ein. Nine-to-Five ist out, Homeoffice und Zeitkonten regieren die Arbeitswelt. Grenzen gibt es dennoch, aber an den falschen Stellen.

Der Kunde ist König heißt es, der Gast ist Gott. Doch der Angestellte ist abwesend – sonst überschreitet er die gesetzlich festgeschriebene maximale Arbeitszeit. Da ist es egal, wie viel Betrieb herrscht. Da ist es egal, dass wieder Zeiten kommen, in denen die Auslastung geringer ist. Unternehmen können viel planen, Schwankungen lassen sich aber nicht verhindern. Doch gerade hier, wo Flexibilität gebraucht wird, fehlt sie.

Es geht nicht darum, Arbeitnehmer auszubeuten und bis zur Erschöpfung schuften zu lassen. Es geht darum, Arbeitszeiten an aktuelle Bedürfnisse anzupassen. Das betrifft gerade auch den Tourismussektor. Ein Beispiel: Das LEGOLAND in Günzburg ist die Nummer 1 der deutschen Familienhotels, Nummer 3 in Europa und 10 weltweit laut TripAdvisor. Die Zimmer waren 2017 zu rund 92 Prozent ausgelastet. Gäste aus 116 Nationen wurden begrüßt. Flexiblere Arbeitszeitmodelle sind dabei ein entscheidender Faktor um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn: Gäste müssen rund um die Uhr einen Ansprechpartner erreichen können. Durch fehlendes Fachpersonal kann diese Aufgabe auch nicht auf mehr Leute umverteilt werden. Die Folgen sind verheerend. Dieses Problem „bringt uns an eine Grenze, an der wir überlegen, ob wir überhaupt noch wachsen können“, macht LEGOLAND-Geschäftsführer Martin Kring deutlich.

Ähnliches gilt auch für den Park selbst. Dieser öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende eine Stunde länger. Mehr ist nicht machbar, egal wie gut das Wetter ist oder wie begeistert die Gäste sind. Sie müssen gehen, denn die Angestellten dürfen nicht länger bleiben. Damit fallen auch Umsätze im Park selber weg. Ein Saisongeschäft, das für gutes Wetter sogar bestraft wird.

Betroffen von diesem Problem ist auch das produzierende Gewerbe. Bei hoher Auftragslage fällt mehr Arbeit an, die in kurzer Zeit bewältigt werden muss. Wochenend- und Feiertagsarbeit ist die Folge. Das füllt Zeitkonten mit vielen Plusstunden. Mit diesen Aufträgen verdient das Unternehmen aber auch das Geld für diese Arbeitsplätze. Die Stunden gehen nicht verloren, werden später abgefeiert und sind mit Zuschlägen verbunden. Dennoch werden Stimmen laut, dass so keine Rücksicht auf das (Familien)leben der Arbeitnehmer genommen werde.

Das zeigt, wie sich die Sicht auf das Thema Arbeit verändert hat. Statt „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ verschiebt sich die Meinung immer mehr zu einer Co-Existenz. Das ist richtig, das ist wichtig. Work-Life-Balance ist kein reiner Modebegriff mehr, sondern gelebte Realität. Hier wurde und wird der Arbeitgeber in die Pflicht genommen, mehr zu bieten. So flexibel und familienfreundlich Arbeitszeit auch gestaltet wird, so flexibel sollten Mitarbeiter aber auch anders herum sein. Das Recht zu arbeiten wo und wann es einem passt, sollte mit der Pflicht verbunden sein, Arbeit zu erledigen, wenn sie anfällt.

Was nutzt es den Unternehmen auf die Arbeitnehmer zuzugehen, wenn diese ihnen nicht entgegenkommen? Wie flexibel kann ein System sein, das Grenzen aufweist? Zugegeben, auch wenn wir diese sprengen, wird es immer jemanden geben, der versucht, damit egoistisch gesteuerten Profit zu generieren. Diese Gefahr darf aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es sich hier um Ausnahmen handelt. Die Allgemeinheit bestrafen wegen der Vergehen Weniger, hat nichts mit Schutz zu tun. Das Einzige was dies letztlich verhindert, ist wirtschaftliches Wachstum – die Basis eines guten Lebens.

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Keine Zeit für Arbeit

Symbolbild. Feierabend. Foto: iStock/fizkes
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Der Kunde ist König heißt es, der Gast ist Gott. Doch der Angestellte ist abwesend – sonst überschreitet er die gesetzlich festgeschriebene maximale Arbeitszeit. Da ist es egal, wie viel Betrieb herrscht. Da ist es egal, dass wieder Zeiten kommen, in denen die Auslastung geringer ist. Unternehmen können viel planen, Schwankungen lassen sich aber nicht verhindern. Doch gerade hier, wo Flexibilität gebraucht wird, fehlt sie.

Es geht nicht darum, Arbeitnehmer auszubeuten und bis zur Erschöpfung schuften zu lassen. Es geht darum, Arbeitszeiten an aktuelle Bedürfnisse anzupassen. Das betrifft gerade auch den Tourismussektor. Ein Beispiel: Das LEGOLAND in Günzburg ist die Nummer 1 der deutschen Familienhotels, Nummer 3 in Europa und 10 weltweit laut TripAdvisor. Die Zimmer waren 2017 zu rund 92 Prozent ausgelastet. Gäste aus 116 Nationen wurden begrüßt. Flexiblere Arbeitszeitmodelle sind dabei ein entscheidender Faktor um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn: Gäste müssen rund um die Uhr einen Ansprechpartner erreichen können. Durch fehlendes Fachpersonal kann diese Aufgabe auch nicht auf mehr Leute umverteilt werden. Die Folgen sind verheerend. Dieses Problem „bringt uns an eine Grenze, an der wir überlegen, ob wir überhaupt noch wachsen können“, macht LEGOLAND-Geschäftsführer Martin Kring deutlich.

Ähnliches gilt auch für den Park selbst. Dieser öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende eine Stunde länger. Mehr ist nicht machbar, egal wie gut das Wetter ist oder wie begeistert die Gäste sind. Sie müssen gehen, denn die Angestellten dürfen nicht länger bleiben. Damit fallen auch Umsätze im Park selber weg. Ein Saisongeschäft, das für gutes Wetter sogar bestraft wird.

Betroffen von diesem Problem ist auch das produzierende Gewerbe. Bei hoher Auftragslage fällt mehr Arbeit an, die in kurzer Zeit bewältigt werden muss. Wochenend- und Feiertagsarbeit ist die Folge. Das füllt Zeitkonten mit vielen Plusstunden. Mit diesen Aufträgen verdient das Unternehmen aber auch das Geld für diese Arbeitsplätze. Die Stunden gehen nicht verloren, werden später abgefeiert und sind mit Zuschlägen verbunden. Dennoch werden Stimmen laut, dass so keine Rücksicht auf das (Familien)leben der Arbeitnehmer genommen werde.

Das zeigt, wie sich die Sicht auf das Thema Arbeit verändert hat. Statt „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ verschiebt sich die Meinung immer mehr zu einer Co-Existenz. Das ist richtig, das ist wichtig. Work-Life-Balance ist kein reiner Modebegriff mehr, sondern gelebte Realität. Hier wurde und wird der Arbeitgeber in die Pflicht genommen, mehr zu bieten. So flexibel und familienfreundlich Arbeitszeit auch gestaltet wird, so flexibel sollten Mitarbeiter aber auch anders herum sein. Das Recht zu arbeiten wo und wann es einem passt, sollte mit der Pflicht verbunden sein, Arbeit zu erledigen, wenn sie anfällt.

Was nutzt es den Unternehmen auf die Arbeitnehmer zuzugehen, wenn diese ihnen nicht entgegenkommen? Wie flexibel kann ein System sein, das Grenzen aufweist? Zugegeben, auch wenn wir diese sprengen, wird es immer jemanden geben, der versucht, damit egoistisch gesteuerten Profit zu generieren. Diese Gefahr darf aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es sich hier um Ausnahmen handelt. Die Allgemeinheit bestrafen wegen der Vergehen Weniger, hat nichts mit Schutz zu tun. Das Einzige was dies letztlich verhindert, ist wirtschaftliches Wachstum – die Basis eines guten Lebens.

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