Interview

Joerg Maxzin: „Vielleicht ist Kunst in Krisenzeiten Nebensache“

Der Künstler Joerg Maxzin hat sein eigenes Atelier in Augsburg. Seine Kunstwerke sind außerdem beispielsweise im Coworking Campus oder an der Universität Augsburg zu finden. Im Interview verrät er nun, wie die Corona-Krise die Künstler-Szene trifft.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Maxzin, Ihre Kunstwerke sind beispielsweise im Coworking Campus zu finden. Denken Sie, dass Kunst positive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben kann?

Joerg Maxzin: Ich glaube, es zeichnet den Menschen aus, dass er schon immer ein kulturelles Wesen war. Von Anfang an begleiten uns rituelles Handeln und künstlerisches Schaffen. Denken wir etwa an Höhlenmalereien. Heute ist Kunst so vielfältig wie nie. Sie regt unsere Sinne und unseren Geist gelichermaßen an. Meiner Meinung nach bringt gute Kunst immer etwas ins Rollen. Sie schafft einen Mehrwert in unserem Dasein. Sie kann kontemplativ, inspirierend oder aufheiternd sein und zum Nachdenken anregen. Das gilt natürlich auch im Arbeitsalltag. Im besten Fall fügt sich alles zu einem positiven Umfeld: die Architektur mit dem Design und der Kunst.

Gibt es eine bestimmte Art von Kunst, die Sie besonders für das Einrichten von Büroräumen empfehlen können?


Das hängt natürlich in erster Linie von den auszugestaltenden Räumlichkeiten ab. Als positiv gestimmter Mensch würde ich immer etwas Aufbauendes und Motivierendes empfehlen. Es gibt ja auch Kunst, die in ihrer Unverständlichkeit die Menschen eher ausschließt, als sie mitzunehmen. Das hat dann mehr mit einem Machtanspruch zu tun. Das würde ich nicht wählen. Von der Technik her sind die traditionellen Medien geeignet: Malerei, Grafik, Fotografie oder Skulptur. Natürlich gibt es auch Medienkunst, Lichtinstallationen und Ähnliches. Jedoch werden die meisten hierbei den Wartungsaufwand scheuen. Eventuell sind viele Arbeiten aus diesem Bereich am Ende auch zu ablenkend. Ich würde es daher in Büroräumen eher klassisch halten.

Wie helfen Sie Ihren Kunden dabei, den richtigen Ort für das Platzieren des Werkes zu finden?

Das ist eine sehr spannende Frage. Ich würde Kunst nie getrennt von ihrem Raum und seiner Lichtführung denken. Und vor allem nie getrennt von den Menschen, die darin leben und arbeiten. Daher ist zuerst die Resonanz zum Betrachter wichtig. Es macht keinen Sinn, sich mit Kunst zu umgeben, die einem nichts sagt. Es braucht einen persönlichen Zugang. Das ist das Wichtigste. Erst dann kommen die anderen Parameter: Materialität, Größe, Proportionen, Blickachsen. Das sind klassische Fragen des Interior Designs. Hier kommt dann auch wieder die Inszenierung ins Spiel. Ich suche immer den Dialog mit dem Sammler oder dem Kunden und biete ihm dabei personalisierte Visualisierungen an. Fotomontagen haben sich dazu sehr gut bewährt. Ich mache Fotos der Räume, vorhandenen Werke oder Kunden. So lassen sich präzise mögliche Varianten durchspielen, bis die optimale Lösung gefunden ist. Für mich ist das einer der großen Vorzüge der Digitalisierung in meiner künstlerischen Arbeit.

In Ihrer Arbeit als Künstler, treffen Sie die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus?


Die Folgen des Virus treffen viele Selbstständige ins Mark, auch die Künstler. Wenn alles auf das heruntergefahren wird, was systemrelevant ist, fallen zuerst die durchs Netz, die Leistungen erbringen, welche nicht unmittelbar zum täglichen Überleben nötig sind. Das sind eben gerade auch die Kulturschaffenden. Kunst und Kultur leben vom Austausch unter den Menschen, von Konzerten, Ausstellungen, Messen, Events. Diese finden plötzlich nicht mehr statt. Man kann nicht alles Digitalisieren. Konkret: Auch in meinem Atelier wurden Events abgesagt und Sammler können nicht mehr vorbeikommen. Natürlich sucht man nach Lösungen mit langjährigen Kunden aber die Ungewissheit ist groß. Die Einnahmen bleiben aus, die Ateliermiete läuft weiter. So geht es gerade vielen.

Wie wichtig ist Kunst in Krisenzeiten?

Vielleicht ist Kunst in Krisenzeiten Nebensache. Andererseits fallen mir Skizzenbücher ein, die im Krieg entstanden sind. Für die Künstler waren sie Mittel zur Bewältigung. Ich weiß von vielen Kollegen, die in ihren Ateliers sind und weiterarbeiten. Sie arbeiten gegen die Ungewissheit, gegen die Existenzängste, um etwas Positives zu schaffen – gerade jetzt. Sieht man sich den Strom der schlechten Nachrichten an, der auf uns einprasselt, muss man dem etwas entgegensetzen. Kunst kann ein Katalysator sein.

In drei Worten: Was kann Kunst bewirken?

Kunst gibt Hoffnung.

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Joerg Maxzin: Ich glaube, es zeichnet den Menschen aus, dass er schon immer ein kulturelles Wesen war. Von Anfang an begleiten uns rituelles Handeln und künstlerisches Schaffen. Denken wir etwa an Höhlenmalereien. Heute ist Kunst so vielfältig wie nie. Sie regt unsere Sinne und unseren Geist gelichermaßen an. Meiner Meinung nach bringt gute Kunst immer etwas ins Rollen. Sie schafft einen Mehrwert in unserem Dasein. Sie kann kontemplativ, inspirierend oder aufheiternd sein und zum Nachdenken anregen. Das gilt natürlich auch im Arbeitsalltag. Im besten Fall fügt sich alles zu einem positiven Umfeld: die Architektur mit dem Design und der Kunst.

Gibt es eine bestimmte Art von Kunst, die Sie besonders für das Einrichten von Büroräumen empfehlen können?


Das hängt natürlich in erster Linie von den auszugestaltenden Räumlichkeiten ab. Als positiv gestimmter Mensch würde ich immer etwas Aufbauendes und Motivierendes empfehlen. Es gibt ja auch Kunst, die in ihrer Unverständlichkeit die Menschen eher ausschließt, als sie mitzunehmen. Das hat dann mehr mit einem Machtanspruch zu tun. Das würde ich nicht wählen. Von der Technik her sind die traditionellen Medien geeignet: Malerei, Grafik, Fotografie oder Skulptur. Natürlich gibt es auch Medienkunst, Lichtinstallationen und Ähnliches. Jedoch werden die meisten hierbei den Wartungsaufwand scheuen. Eventuell sind viele Arbeiten aus diesem Bereich am Ende auch zu ablenkend. Ich würde es daher in Büroräumen eher klassisch halten.

Wie helfen Sie Ihren Kunden dabei, den richtigen Ort für das Platzieren des Werkes zu finden?

Das ist eine sehr spannende Frage. Ich würde Kunst nie getrennt von ihrem Raum und seiner Lichtführung denken. Und vor allem nie getrennt von den Menschen, die darin leben und arbeiten. Daher ist zuerst die Resonanz zum Betrachter wichtig. Es macht keinen Sinn, sich mit Kunst zu umgeben, die einem nichts sagt. Es braucht einen persönlichen Zugang. Das ist das Wichtigste. Erst dann kommen die anderen Parameter: Materialität, Größe, Proportionen, Blickachsen. Das sind klassische Fragen des Interior Designs. Hier kommt dann auch wieder die Inszenierung ins Spiel. Ich suche immer den Dialog mit dem Sammler oder dem Kunden und biete ihm dabei personalisierte Visualisierungen an. Fotomontagen haben sich dazu sehr gut bewährt. Ich mache Fotos der Räume, vorhandenen Werke oder Kunden. So lassen sich präzise mögliche Varianten durchspielen, bis die optimale Lösung gefunden ist. Für mich ist das einer der großen Vorzüge der Digitalisierung in meiner künstlerischen Arbeit.

In Ihrer Arbeit als Künstler, treffen Sie die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus?


Die Folgen des Virus treffen viele Selbstständige ins Mark, auch die Künstler. Wenn alles auf das heruntergefahren wird, was systemrelevant ist, fallen zuerst die durchs Netz, die Leistungen erbringen, welche nicht unmittelbar zum täglichen Überleben nötig sind. Das sind eben gerade auch die Kulturschaffenden. Kunst und Kultur leben vom Austausch unter den Menschen, von Konzerten, Ausstellungen, Messen, Events. Diese finden plötzlich nicht mehr statt. Man kann nicht alles Digitalisieren. Konkret: Auch in meinem Atelier wurden Events abgesagt und Sammler können nicht mehr vorbeikommen. Natürlich sucht man nach Lösungen mit langjährigen Kunden aber die Ungewissheit ist groß. Die Einnahmen bleiben aus, die Ateliermiete läuft weiter. So geht es gerade vielen.

Wie wichtig ist Kunst in Krisenzeiten?

Vielleicht ist Kunst in Krisenzeiten Nebensache. Andererseits fallen mir Skizzenbücher ein, die im Krieg entstanden sind. Für die Künstler waren sie Mittel zur Bewältigung. Ich weiß von vielen Kollegen, die in ihren Ateliers sind und weiterarbeiten. Sie arbeiten gegen die Ungewissheit, gegen die Existenzängste, um etwas Positives zu schaffen – gerade jetzt. Sieht man sich den Strom der schlechten Nachrichten an, der auf uns einprasselt, muss man dem etwas entgegensetzen. Kunst kann ein Katalysator sein.

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