Kommentar

Funde im Boden: Sollte der Steuerzahler einspringen?

Symbolbild: Die Theater-Sanierung ist in die nächste Phase gestartet. Foto: Iris Zeilnhofer / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Diese Woche sind die archäologischen Ausgrabungen am Theater Augsburg gestartet. Aus aktuellem Anlass stellt sich die Frage: Wie gehen wir allgemein mit Funden im Boden um – und wer bleibt auf den Kosten sitzen?

Gerade in Ballungsräumen werden immer häufiger neue oder brachliegende Areale erschlossen. Ein Grund dafür ist der wachsende Flächenbedarf für Wohnraum und Gewerbe. Dabei traut man sich – notgedrungen – auch in Augsburg immer häufiger an Boden, der zum Teil jahrzehntelang unberührt geblieben ist. Das Problem: Die Kosten für die Aufbereitung sind je nach Fläche enorm.

Während ein Boden-Gutachten schnell mehrere Tausend Euro verschlingt, bringt es trotzdem häufig keine Gewissheit. Denn in der Regel werden lediglich Stichproben entnommen. Planungs-Sicherheit zu erlangen, wird immer schwieriger. Das gilt vor allem für die Eigentümer, denn für mögliche Altlasten müssen sie in der Regel selber zahlen. Auch archäologische Funde bremsen Bauherren aus. Die Arbeiten verzögern sich, Mensch und Maschine müssen länger bezahlt und Pläne umgeworfen werden. Jeder zusätzliche Tag verursacht Mehrkosten.

In einer Stadt wie Augsburg ist das Risiko, etwas im Boden zu finden, hoch. Sei es bei der Weiterentwicklung ehemaliger Militär- oder Industrie-Flächen oder bei Grabungen im Stadtkern. Bei der Sanierung des Theaters konnten die archäologischen Funde mit einkalkuliert werden. Der Fund der Fliegerbombe kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres war hingegen nicht vorhersehbar. 54.000 Menschen wurden evakuiert, der Freistaat Bayern übernahm die Entschärfung und den Abtransport, die Stadt zahlte ebenfalls einen Großteil. Doch auch der Grundstücks-Eigentümer wurde zur Kasse gebeten.

So gibt es zahlreiche weitere Beispiele. Mal übernimmt die Stadt das Risiko für mögliche Altlasten – wie beispielsweise bei der Entwicklung des Augsburg Innovationspark und des Sheridan Park – mal zahlen die Unternehmer. Die Frage, die je nach Fall neu ausgelegt wird, lautet immer: Wer bleibt auf den Kosten sitzen und ist ihre Verteilung gerecht? Wären solche Angelegenheiten nicht vielmehr Sache der Allgemeinheit? Und ließe sich dann nicht sogar besser und nachhaltiger planen und bauen?

Für viele stellt diese unkalkulierbare Kostenfrage ein (zu) hohes Risiko da. Sie stehen bei jedem größeren Bauprojekt vor der Entscheidung, die sprichwörtliche Katze im Sack zu kaufen – während es sicher bessere, weil klarere Regelungen geben würde.

von Kristina Wittlich

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