Exit für Augsburger Start-up

Das sagen die Gründer zum Verkauf von Little Lunch

Trotz Corona ist der Mittelstand auf Einkaufstour, um sich innovative Geschäftsfelder ins Portfolio zu holen: Dr. Oetker kauft Flaschenpost, Little Lunch gehört jetzt zur Allos Hof-Manufaktur. Doch was motiviert die Gründer, den Exit zu wagen? Wir haben mit den Gründerbrüdern Daniel und Denis Gibisch von Little Lunch über ihren Deal gesprochen.

Daniel und Denis Gibisch sind heute bekannte Gesichter. Vor ihrem Auftritt in der Höhle der Löwen 2015 war das aber noch anders. Mit der Unterstützung von gleich zwei Löwen haben die Jungs von Little Lunch in den letzten Jahren ihren Traum verwirklicht: Ihre Produkte haben sich zum Marktführer im Bio-Segment von Suppen gemausert – für 2020 sei ein Umsatz von etwa 16 Millionen geplant, spekulieren verschiedene Medien. 

Wieso  Nestlé als Käufer nicht infrage kam

Um ein Start-up so groß zu machen, muss man als Gründer viel Herzblut in sein Unternehmen stecken. Umso überraschender klingt dann die Nachricht vom Exit: Denn so wie Daniel und Denis Gibisch ihr „Baby“ Little Lunch verkauft haben, ergeht es vielen Start-ups. „Ein bisschen tut das schon weh“, gesteht Daniel, „aber wenn man gründet, dann macht man das ja, weil man seine Idee groß machen will. Und wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, da brauchen wir einen strategischen Partner, um weiterzuwachsen.“ „Außerdem bekommt man dafür auch ein kleines Schmerzensgeld“, ergänzt Denis lachend. Wie hoch diese „Entschädigung“ jedoch war, darüber haben sie mit dem Käufer Stillschweigen vereinbart. „Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden damit“, gesteht er augenzwinkernd. Auch wenn die beiden sich nicht zur Verkaufssumme äußern dürfen, Spekulationen gibt es natürlich trotzdem. Glaubt man den kursierenden Gerüchten, wird in dieser Branche der Jahresumsatz mit vier multipliziert. Gehen wir bei Little Lunch von 16 Millionen für 2020 aus, läge der Verkaufspreis also bei 64 Millionen Euro. Auch wenn für gewöhnlich entsprechende Earn-Out Regelungen den Kaufpreis noch verringern können, haben die Gründer wohl ein attraktives Ergebnis erzielt.

Nach dem richtigen Käufer haben sie eine ganze Weile gesucht. „Wir haben mit vielen Interessenten gesprochen. Aber wir wollten uns und unseren Mitarbeitern treu bleiben. Wenn du so lange Werte wie bio und Nachhaltigkeit in den Fokus stellst, wäre es einfach allen Beteiligten gegenüber unfair, plötzlich an ein Unternehmen wie Nestlé zu verkaufen, nur weil sie eben am meisten zahlen“, erklärt Denis die Problematik.

Das Gesamtpaket musste stimmen

Letztendlich fanden die beiden jedoch ihren perfekten Partner für den Exit: Die Allos Hof-Manufaktur gehört seit 2001 zur niederländischen Wessanen-Gruppe. Das norddeutsche Unternehmen produziert seit über 40 Jahren vegetarische Bio-Produkte. Auch Allos Hof-Manufaktur-Geschäftsführer Eike Melhop freut sich über den Deal: „Die Verbindung der zwei Welten Traditionsunternehmen und Start-up birgt ein enormes Potential. Ob neue Distributionswege, Online-Kompetenz, europäisches Vertriebsnetzwerk – beide Partner haben sich viel zu bieten und können voneinander profitieren.“

„Bei der Allos Hof-Manufaktur stimmt für uns einfach das Gesamtpaket. Vor allem bei der Expansion können wir von dem Käufer profitieren: Ihre Produkte stehen in beinahe allen europäischen Ländern in den Bio-Läden“, erzählt Daniel und Denis ergänzt: „Zur Höhle der Löwen sind wir gegangen, weil wir Hilfe gebraucht haben. Und genau das Gleiche haben wir jetzt wieder gemacht: Wir suchen uns halt immer jemanden, der das richtig gut kann, was wir nicht können.“ 

Diese Tipps haben die Little-Lunch-Gründer

Doch dass der Exit so hart werden würde, damit hatten die beiden nicht gerechnet. „Einer unserer Investoren hat uns zwar gewarnt: ,Jungs, das wird der Stress eures Lebens, macht euch bereit.‘ Ich konnte mir das aber nicht so ganz vorstellen, als Gründer sind wir ja Stress und Druck gewohnt. Aber das war wirklich hart“, erzählt Daniel. „Wir mussten hunderte Seiten an Dokumenten lesen und uns für jede Kleinigkeit rechtfertigen. Dann der ständige Dialog mit Anwälten und Notaren …”, zählt Denis auf. „Apropos: Man sollte ein Team aus Profis für einen Exit zu Rate ziehen: Ein guter Anwalt, der den Prozess kennt, und ein guter M&A-Berater“, rät Denis. „Ansonsten braucht man einfach Durchhaltevermögen. Wenn’s besonders stressig wurde, hab ich sogar meditiert. Trotzdem bin ich in den letzten Monaten gefühlt um fünf Jahre gealtert“, fügt Daniel hinzu.

Doch jetzt ist der Deal über die Bühne gebracht und für die Brüder heißt es „back to business“: Bis 2022 werden sie auf jeden Fall noch Geschäftsführer von Little Lunch bleiben. In zwei Jahren sollen die Synergien dann optimal genutzt werden und die Gründerbrüder wollen sich auf neue Projekte konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin Rocketeer. Wer Interesse an einem Exemplar hat, meldet sich unter info@rocketeer.de.

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Exit für Augsburger Start-up

Das sagen die Gründer zum Verkauf von Little Lunch

Trotz Corona ist der Mittelstand auf Einkaufstour, um sich innovative Geschäftsfelder ins Portfolio zu holen: Dr. Oetker kauft Flaschenpost, Little Lunch gehört jetzt zur Allos Hof-Manufaktur. Doch was motiviert die Gründer, den Exit zu wagen? Wir haben mit den Gründerbrüdern Daniel und Denis Gibisch von Little Lunch über ihren Deal gesprochen.

Daniel und Denis Gibisch sind heute bekannte Gesichter. Vor ihrem Auftritt in der Höhle der Löwen 2015 war das aber noch anders. Mit der Unterstützung von gleich zwei Löwen haben die Jungs von Little Lunch in den letzten Jahren ihren Traum verwirklicht: Ihre Produkte haben sich zum Marktführer im Bio-Segment von Suppen gemausert – für 2020 sei ein Umsatz von etwa 16 Millionen geplant, spekulieren verschiedene Medien. 

Wieso  Nestlé als Käufer nicht infrage kam

Um ein Start-up so groß zu machen, muss man als Gründer viel Herzblut in sein Unternehmen stecken. Umso überraschender klingt dann die Nachricht vom Exit: Denn so wie Daniel und Denis Gibisch ihr „Baby“ Little Lunch verkauft haben, ergeht es vielen Start-ups. „Ein bisschen tut das schon weh“, gesteht Daniel, „aber wenn man gründet, dann macht man das ja, weil man seine Idee groß machen will. Und wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, da brauchen wir einen strategischen Partner, um weiterzuwachsen.“ „Außerdem bekommt man dafür auch ein kleines Schmerzensgeld“, ergänzt Denis lachend. Wie hoch diese „Entschädigung“ jedoch war, darüber haben sie mit dem Käufer Stillschweigen vereinbart. „Wir sind auf jeden Fall sehr zufrieden damit“, gesteht er augenzwinkernd. Auch wenn die beiden sich nicht zur Verkaufssumme äußern dürfen, Spekulationen gibt es natürlich trotzdem. Glaubt man den kursierenden Gerüchten, wird in dieser Branche der Jahresumsatz mit vier multipliziert. Gehen wir bei Little Lunch von 16 Millionen für 2020 aus, läge der Verkaufspreis also bei 64 Millionen Euro. Auch wenn für gewöhnlich entsprechende Earn-Out Regelungen den Kaufpreis noch verringern können, haben die Gründer wohl ein attraktives Ergebnis erzielt.

Nach dem richtigen Käufer haben sie eine ganze Weile gesucht. „Wir haben mit vielen Interessenten gesprochen. Aber wir wollten uns und unseren Mitarbeitern treu bleiben. Wenn du so lange Werte wie bio und Nachhaltigkeit in den Fokus stellst, wäre es einfach allen Beteiligten gegenüber unfair, plötzlich an ein Unternehmen wie Nestlé zu verkaufen, nur weil sie eben am meisten zahlen“, erklärt Denis die Problematik.

Das Gesamtpaket musste stimmen

Letztendlich fanden die beiden jedoch ihren perfekten Partner für den Exit: Die Allos Hof-Manufaktur gehört seit 2001 zur niederländischen Wessanen-Gruppe. Das norddeutsche Unternehmen produziert seit über 40 Jahren vegetarische Bio-Produkte. Auch Allos Hof-Manufaktur-Geschäftsführer Eike Melhop freut sich über den Deal: „Die Verbindung der zwei Welten Traditionsunternehmen und Start-up birgt ein enormes Potential. Ob neue Distributionswege, Online-Kompetenz, europäisches Vertriebsnetzwerk – beide Partner haben sich viel zu bieten und können voneinander profitieren.“

„Bei der Allos Hof-Manufaktur stimmt für uns einfach das Gesamtpaket. Vor allem bei der Expansion können wir von dem Käufer profitieren: Ihre Produkte stehen in beinahe allen europäischen Ländern in den Bio-Läden“, erzählt Daniel und Denis ergänzt: „Zur Höhle der Löwen sind wir gegangen, weil wir Hilfe gebraucht haben. Und genau das Gleiche haben wir jetzt wieder gemacht: Wir suchen uns halt immer jemanden, der das richtig gut kann, was wir nicht können.“ 

Diese Tipps haben die Little-Lunch-Gründer

Doch dass der Exit so hart werden würde, damit hatten die beiden nicht gerechnet. „Einer unserer Investoren hat uns zwar gewarnt: ,Jungs, das wird der Stress eures Lebens, macht euch bereit.‘ Ich konnte mir das aber nicht so ganz vorstellen, als Gründer sind wir ja Stress und Druck gewohnt. Aber das war wirklich hart“, erzählt Daniel. „Wir mussten hunderte Seiten an Dokumenten lesen und uns für jede Kleinigkeit rechtfertigen. Dann der ständige Dialog mit Anwälten und Notaren …”, zählt Denis auf. „Apropos: Man sollte ein Team aus Profis für einen Exit zu Rate ziehen: Ein guter Anwalt, der den Prozess kennt, und ein guter M&A-Berater“, rät Denis. „Ansonsten braucht man einfach Durchhaltevermögen. Wenn’s besonders stressig wurde, hab ich sogar meditiert. Trotzdem bin ich in den letzten Monaten gefühlt um fünf Jahre gealtert“, fügt Daniel hinzu.

Doch jetzt ist der Deal über die Bühne gebracht und für die Brüder heißt es „back to business“: Bis 2022 werden sie auf jeden Fall noch Geschäftsführer von Little Lunch bleiben. In zwei Jahren sollen die Synergien dann optimal genutzt werden und die Gründerbrüder wollen sich auf neue Projekte konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin Rocketeer. Wer Interesse an einem Exemplar hat, meldet sich unter info@rocketeer.de.

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