Kommentar

Coronakrise im Einzelhandel: Neue Einschränkung kostet Existenzen

Weihnachten steht vor der Tür, doch in der Augsburger Innenstadt herrscht gähnende Leere. Die ab Freitag neu geltende Corona-Einschränkung zerstört die letzte Hoffnung gerade von kleinen Geschäften.

Anfangs hat der Einzelhandel sicher aufgeatmet, da er im Gegensatz zu der Gastro nicht von den corona-bedingten Schließungen betroffen ist. Doch es zeigt sich deutlich, dass der „Lockdown light“ die Kunden verunsichert und immer weniger in die Innenstadt gehen.  

Neue Corona-Regeln in Augsburg

Nun hat die Stadt Augsburg wegen der hohen Corona-Zahlen eine weitere Einschränkung ab Freitag beschlossen. Angesichts der hohen Corona-Zahlen verschärft die Stadt Augsburg die Maßnahmen. Ab Samstag darf sich in einem Geschäft auf 20 Quadratmetern Fläche nur ein Kunde aufhalten. Derzeit sind es zehn Quadratmeter. Die Zahl der gleichzeitig zugelassenen Kunden wird somit halbiert. Manch kleiner Laden kann gar nicht erst aufsperren. 

„Schlag ins Gesicht“ für Einzelhandel

Für den Handelsverband Bayern – Bezirk Schwaben ist das ein „Schlag ins Gesicht“. Denn für viele Händler ist das Weihnachtsgeschäft der wichtigste Umsatzbringer des Jahres. Doch wegen der Corona-Pandemie meiden viele Kunden die Innenstädte. Der Handelsverband spricht von völlig eingebrochenen Umsätzen in den vergangenen drei Wochen, Umsatz- und Frequenzverlusten von 50 bis 70 Prozent seien keine Seltenheit. Die neue Einschränkung ist für kleinere Läden ein weiterer Dolchstoß, der einigen die Existenz kosten könnte. „Sollte es sich um einen städtischen Alleingang handeln, ist aus unserer Sicht hier die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben und bietet Angriffsfläche für ein gerichtliches Vorgehen“, so ein Kommentar des Handelsverband Bayern-Bezirk Schwaben auf Facebook.

Wo ist die finanzielle Entschädigung?

Was bisher auch völlig fehlt, ist eine Aussage zur Entschädigung. Greift die Stadt Augsburg den Händlern finanziell unter die Arme oder wird der Bund aktiv? Der Handelsverband spricht von einem „systematischen Ausbluten des Handels“.  

Ja, das mag etwas hart formuliert sein, aber was definitiv nicht von der Hand zu weisen ist: Die Händler erfüllen jegliche Vorgaben und tun alles zum Schutz ihrer Kunden. Sie standen auch nie im Verdacht, für Infektionsherde verantwortlich zu sein. Hunderte Betriebe und tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Wenn die Stadt solche Entscheidungen trifft, muss sie auch gleichzeitig Unterstützung zusichern. Es reicht nicht an den Bürger zu appellieren, statt online die Weihnachtseinkäufe zu bestellen, lieber „support your locals“ zu betreiben.  

Krise kann auch Chance sein

Für den stationären Einzelhandel ist es 5 vor 12. Doch er darf nicht tatenlos zusehen, wie seien Kunden in die Arme des Online-Handels getrieben wird. Gerade in der Corona-Zeit sollten die Händler die Chance nutzen und zum Beispiel ihre Waren online präsentieren. Wer es alleine nicht schafft, kann sich mit anderen Geschäften nach dem Zwischenzeit-Beispiel zusammentun. Oder auch einen Lieferservice anbieten für Kunden, die das Haus nicht verlassen wollen oder können - regionale Partner stehen mit ihren Fahrrädern parat. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, muss man neue Wege gehen. Nur dann kann eine Krise auch eine Chance sein – und man kann das Ausbluten verlangsamen und vielleicht sogar die Wunde schließen. 

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Coronakrise im Einzelhandel: Neue Einschränkung kostet Existenzen

Weihnachten steht vor der Tür, doch in der Augsburger Innenstadt herrscht gähnende Leere. Die ab Freitag neu geltende Corona-Einschränkung zerstört die letzte Hoffnung gerade von kleinen Geschäften.

Anfangs hat der Einzelhandel sicher aufgeatmet, da er im Gegensatz zu der Gastro nicht von den corona-bedingten Schließungen betroffen ist. Doch es zeigt sich deutlich, dass der „Lockdown light“ die Kunden verunsichert und immer weniger in die Innenstadt gehen.  

Neue Corona-Regeln in Augsburg

Nun hat die Stadt Augsburg wegen der hohen Corona-Zahlen eine weitere Einschränkung ab Freitag beschlossen. Angesichts der hohen Corona-Zahlen verschärft die Stadt Augsburg die Maßnahmen. Ab Samstag darf sich in einem Geschäft auf 20 Quadratmetern Fläche nur ein Kunde aufhalten. Derzeit sind es zehn Quadratmeter. Die Zahl der gleichzeitig zugelassenen Kunden wird somit halbiert. Manch kleiner Laden kann gar nicht erst aufsperren. 

„Schlag ins Gesicht“ für Einzelhandel

Für den Handelsverband Bayern – Bezirk Schwaben ist das ein „Schlag ins Gesicht“. Denn für viele Händler ist das Weihnachtsgeschäft der wichtigste Umsatzbringer des Jahres. Doch wegen der Corona-Pandemie meiden viele Kunden die Innenstädte. Der Handelsverband spricht von völlig eingebrochenen Umsätzen in den vergangenen drei Wochen, Umsatz- und Frequenzverlusten von 50 bis 70 Prozent seien keine Seltenheit. Die neue Einschränkung ist für kleinere Läden ein weiterer Dolchstoß, der einigen die Existenz kosten könnte. „Sollte es sich um einen städtischen Alleingang handeln, ist aus unserer Sicht hier die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben und bietet Angriffsfläche für ein gerichtliches Vorgehen“, so ein Kommentar des Handelsverband Bayern-Bezirk Schwaben auf Facebook.

Wo ist die finanzielle Entschädigung?

Was bisher auch völlig fehlt, ist eine Aussage zur Entschädigung. Greift die Stadt Augsburg den Händlern finanziell unter die Arme oder wird der Bund aktiv? Der Handelsverband spricht von einem „systematischen Ausbluten des Handels“.  

Ja, das mag etwas hart formuliert sein, aber was definitiv nicht von der Hand zu weisen ist: Die Händler erfüllen jegliche Vorgaben und tun alles zum Schutz ihrer Kunden. Sie standen auch nie im Verdacht, für Infektionsherde verantwortlich zu sein. Hunderte Betriebe und tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Wenn die Stadt solche Entscheidungen trifft, muss sie auch gleichzeitig Unterstützung zusichern. Es reicht nicht an den Bürger zu appellieren, statt online die Weihnachtseinkäufe zu bestellen, lieber „support your locals“ zu betreiben.  

Krise kann auch Chance sein

Für den stationären Einzelhandel ist es 5 vor 12. Doch er darf nicht tatenlos zusehen, wie seien Kunden in die Arme des Online-Handels getrieben wird. Gerade in der Corona-Zeit sollten die Händler die Chance nutzen und zum Beispiel ihre Waren online präsentieren. Wer es alleine nicht schafft, kann sich mit anderen Geschäften nach dem Zwischenzeit-Beispiel zusammentun. Oder auch einen Lieferservice anbieten für Kunden, die das Haus nicht verlassen wollen oder können - regionale Partner stehen mit ihren Fahrrädern parat. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, muss man neue Wege gehen. Nur dann kann eine Krise auch eine Chance sein – und man kann das Ausbluten verlangsamen und vielleicht sogar die Wunde schließen. 

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