Im Wettbewerb mit Amazon

Augsburger Boxbote: „Als Startup kämpft man tagtäglich ums Überleben“

Raimund Seibold, Geschäftsführer von Boxbote. Foto: Boxbote
Das Augsburger Startup Unternehmen Boxbote liefert jeden Abend Gerichte aus bekannten Augsburger Lokalen aus. 15 Boxboten sind dafür in der Innenstadt mit dem Fahrrad unterwegs. Geschäftsführer Raimund Seibold verriet uns im Interview, was Boxbote als nächstes plant und auf welche neue Zielgruppe er sich freut.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Welcher Gedanke steckt hinter dem Konzept von Boxbote?

Raimund Seibold: Ziel von Boxbote ist es, den Augsburgern das Leben etwas einfacher zu machen. Wir wollen alle Besorgungs-Fahrten für Dinge des täglichen Bedarfs übernehmen. Essen ist hier nur der Anfang. Wir ersetzten hierdurch sehr viele PKW-Fahrten und schonen die Umwelt. Desweiteren wollen wir den Einzelhändlern einen Service bieten, der eine Alternative zu Amazon darstellt. Der Druck war hier nie größer und wir können dabei helfen. Boxbote ist ein Marktplatz, auf dem sich jeder zeigen kann, der etwas zu verkaufen und idealerweise liefern zu lassen hat.

Gibt es Investoren für Boxbote?

Nein, wir haben weder Kredite von Banken noch werden wir von Investoren finanziert. Es gibt immer wieder Gespräche, aber bis jetzt war noch nicht das Passende dabei. Wir könnten allerdings wesentlich schneller wachsen, wenn wir nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssten. Wir werden aber ausschließlich Investoren an Bord holen, die hinter unserer Philosophie stehen und auch eine persönliche Expertise mit in das Unternehmen einbringen.

Sie bieten auch mittags Lieferungen für Unternehmen an. Wie wird dies bisher angenommen?

Wir haben zwischenzeitlich sehr viele registrierte Unternehmen. Ich gehe davon aus, dass sich unser Service schnell herumsprechen wird. Wir freuen uns auf diese neue Zielgruppe.

Im Moment kooperieren Sie mit 18 Partnern. Sind Sie mit weiteren im Gespräch?

Wir sind eigentlich immer in Gesprächen mit neuen Partnern. Das Thema Restaurants forcieren wir jedoch nicht mehr so stark. Wir bevorzugen langfristige Partnerschaften. Bei zu vielen können wir die Qualität der Wertschöpfungs-Kette nicht immer im Auge haben. Ein paar Restaurants hätten wir noch sehr gerne mit an Bord. Neue Partner müssen sich durch eine hohe Qualität oder durch ein überzeugendes Konzept von der Masse abheben.

Was und wann wird am häufigsten bestellt?

Die stressigste Zeit ist sonntags zwischen 17 Uhr und 20 Uhr. Da will noch jeder pünktlich zum Blockbuster etwas Leckeres auf dem Tisch haben. Wir liefern zwischenzeitlich auch immer mehr Getränke wie Gin, Wein oder eine Kiste Bier aus. Was die Restaurants angeht, haben wir eine gesunde Mischung. Besonders beliebt sind dabei jedoch Indisch, Bayerisch und Burger.

Warum liefern Sie mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto aus? Die Reichweite wäre doch sicherlich größer und es ginge schneller?

Die Schnelligkeit unseres Boxboten wird regelmäßig unterschätzt. Strecken unter drei Kilometer sind mit dem Rad wesentlich schneller zu erreichen. Zur Rush-Hour ist ein PKW dafür ungeeignet. Und das Fahrrad ist natürlich umweltfreundlicher. Da jedoch das Bestell-Volumen bei den Fahrradfahrern begrenzt ist, haben wir an starken Tagen auch immer einen PKW-Kurier eingeteilt. Dieser übernimmt dann auch längere Fahrten.

Welche Ziele haben Sie sich für das Unternehmen gesteckt?

Als Startup kämpft man tagtäglich ums Überleben. Im Moment legen wir den Fokus auf neue Branchen und auf die Prozess-Optimierung. Sobald wir die Augsburger Innenstadt komplett abgedeckt haben, werden wir außerdem auch angrenzende Stadtteile in Angriff nehmen. Selbstverständlich fahren wir weiterhin zum Großteil mit dem Fahrrad. Hierfür muss aber die Restaurant-Dichte ausreichend sein. Ziel ist es, weiterhin unserer Philosophie treu bleiben zu können und unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten zu können. Am Ende des Tages werden wir dadurch auch unsere wirtschaftlichen Ziele erreichen.

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