Zentrales Thema: Brexit

Über 500 Gäste beim Sommerfest der IHK Schwaben 2017

Beim internationalen Sommerfest der IHK Schwaben. Foto: Iris Zeilnhofer/B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Vor rund einem Jahr fand das Referendum statt: Die Bürger Großbritanniens entschieden sich für den Brexit. Doch was genau bedeutet das für die Unternehmen in Augsburg, in Schwaben? Und wie geht es jetzt weiter? Das waren die zentralen Fragen des IHK Sommerfests am 27. Juli 2017.

Über 500 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hatten sich zum Sommerfest der IHK Schwaben 2017 angemeldet. Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, begrüßte die Gäste. Unter ihnen waren auch der britische Botschafter, S.E. Sir Sebastian Wood KCMG, Dr. Volker Treiber von der DIHK und MdEP Markus Ferber. Kopton kam auf die Unterschiede zwischen den beiden Ländern zu sprechen: „Wirklich Teil der EU war Großbritannien nie.“ Der Brexit trifft die schwäbische Wirtschaft dennoch. Er verunsichert die schwäbischen Unternehmen. Rund die Hälfte derer, die mit Großbritannien Handel treiben oder Niederlassungen vor Ort haben, sind besorgt. Dies ergibt eine aktuelle Umfrage der IHK Schwaben.

Beim Brexit geht es den Briten nicht nur um die EU

Sir Wood betonte in seiner Ansprache hingegen immer wieder die tiefen Bande zwischen den beiden Ländern – in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport und auch darüber hinaus. „Unsere beiden Länder sind sehr eng miteinander verbunden“, so der britische Botschafter. „Das ist auch meine Kernbotschaft heute: Dass Deutschland und Großbritannien viel mehr miteinander verbindet als die EU.“ Warum haben dann so viele Bürger Großbritanniens für den Brexit gestimmt? Diese Frage stellen sich auch ein Jahr nach dem Referendum noch viele. „Für zahlreiche Bürger ging es bei dem Referendum nicht nur und nicht hauptsächlich um die EU“, erklärte Wood. Großbritannien befinde sich in einem Wandel. Das Ergebnis der Abstimmung sei ein Spiegel dieser tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Alle Bilder vom internationalen Sommerfest der IHK Schwaben 2017

Wenig Zeit für weichenstellende Entscheidungen

„Ende März 2019 werden wir die EU verlassen. Das heißt, dass wir die Details unter Zeitdruck klären müssen“, so Sir Wood weiter. Mehr Kontrolle über die Zuwanderung – das ist eines der Ziele der britischen Regierung. Gleichzeitig betonte Botschafter Wood, dass man eine enge Partnerschaft mit der EU wolle. „Natürlich sollen auch nach dem Brexit EU-Bürger in Großbritannien bleiben können und dieselben Rechte haben wie britische Bürger. Dasselbe muss aber auch umgekehrt gelten“, betonte Sir Wood.

„Wir haben schon viel Schlimmeres durchgestanden“

Ein wichtiger Knackpunkt ist nach wie vor auch die Kostenfrage: Wer soll für den Brexit zahlen? Darauf konnte auch der britische Botschafter keine Antwort geben. Doch er betonte: „Unser Interesse muss es sein, diejenigen zu schützen, die von unseren Entscheidungen abhängig sind – Familien, Unternehmen, Studenten.“ Ziel sei es, ein Abkommen zu gestalten, von dem alle Partner profitieren. „Wir sind wirtschaftlich eng verflochten. Wir brauchen deshalb eine Lösung, die diesen Beziehungen Rechnung trägt“, so Sir Wood. Dabei wandte er sich direkt an die Gäste des IHK Sommerfests: „Wir wollen, dass Großbritannien ein attraktiver Wirtschaftsstandort für Ihre Unternehmen bleibt.“ Die Sorgen der Unternehmer zu zerstreuen, das schien das Ziel des britischen Botschafters auf dem IHK Sommerfest zu sein. „Wir verlassen die EU, aber nicht Europa. Wir haben schon viel Schlimmeres durchgestanden“, betonte Sir Wood.

Viele Fragen bleiben offen

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Sir Wood auch MdEP Ferber, Dr. Treier und Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer der Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH Memmingen, teil. Moderiert wurde die Talkrunde von Axel Sir, Außenhandels-Experte der IHK Schwaben. Dabei wurde deutlich: Trotz aller Verbindungen gibt es doch – zum Teil historisch bedingt – auch viele Unterschiede zwischen Großbritannien und dem „Kontinent“, also den Ländern auf dem europäischen Festland. Die Haltung der britischen Bevölkerung zur europäischen Gemeinschaft lässt sich so erklären. Doch auch nach dem IHK Sommerfest bleiben viele Fragen offen. Klar ist nur: Der Brexit wird Europa, aber auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Schwaben und Großbritannien verändern.

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