Kommentar der Woche von Rebecca Weingarten

Kommentar: Warum das Klinikum Augsburg wirtschaftlicher werden muss

Kommentar | 06.08.2015

Das Klinikum Augsburg. Foto: B4B SCHWABEN
Das Klinikum Augsburg. Foto: B4B SCHWABEN

Für das Geschäftsjahr 2014 meldete das Klinikum Augsburg einen Verlust von 4,5 Millionen Euro. Die Verantwortlichen betonten damals, das Krankenhaus sei trotzdem wirtschaftlich stabil. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, auf den zweiten durchaus erklärbar. Denn Stadt und Landkreis Augsburg kommen für die Schulden auf.

Im Klartext heißt das: Der Steuerzahler übernimmt die Schulden des Klinikums. Dieses Geld ist dann weg. Es ist nicht mehr verfügbar für kulturelle Angebote, den Ausbau der Infrastruktur, die Wirtschaftsförderung. Ein marodes System hat erneut Millionen geschluckt.

Seit vergangener Woche steht fest, dass das Klinikum Augsburg bis Ende 2018 eine Uniklinik wird. Mit der Übernahme der Einrichtung durch den Freistaat Bayern haben Stadt und Landkreis Augsburg eine Sorge weniger. Die finanziellen Risiken liegen beim neuen Träger. Der Steuerzahler wird diesen Unterschied jedoch kaum bemerken.

Der 10-Jahresplan, den das Klinikum kurz vor der Bekanntgabe des Datums für den Trägerwechsel präsentierte, soll das Klinikum jetzt wirtschaftlicher machen. Viele reagieren darauf irritiert. Einsparen – an der Gesundheit der Bevölkerung? Ist das ethisch vertretbar?

Es gibt viele, die sich darüber aufregen, dass wirtschaftliche Aspekte bei der Diskussion um die Gesundheitsversorgung eine Rolle spielen. Niemand, der krank ist und Hilfe braucht, wünscht sich einen müden Arzt oder eine überarbeitete Krankenschwester. Die Angst davor, dass Einsparungen genau dazu führen, ist groß – und leider ist sie verständlich. Jeder weiß, dass es viel zu viele Menschen gibt – in Altersheimen, in Krankenhäusern, in Behinderteneinrichtungen, in Hospizen – die nicht die Versorgung bekommen, die man sich selber wünschen würde, wenn man krank, alt, hilflos ist.

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Was bei aller Angst jedoch verkannt wird, ist, dass die Sparmaßnahmen trotz allem darauf abzielen, den Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Das erklärte Ziel des Klinikums ist es, Prozesse zu optimieren, damit mehr Patienten schneller operiert werden können. Gleichzeitig werden Dienstleistungen wie die der Wäscherei an externe Firmen vergeben. Wirtschaftlicher werden bedeutet eben nicht automatisch, dass an der Qualität gespart werden muss.

Gleichzeitig ist das Nicht-Einbringen wirtschaftlicher und finanzieller Fakten in die gesundheitspolitische Diskussion schlichtweg mit der Verkennung der Realität gleichzusetzen. Fakt ist: Kliniken sind Unternehmen. Der Gesundheitsmarkt ist riesig und er wächst stetig. Hier und auch im Kampf um finanzielle Mittel beim Steuerzahler müssen sich Krankenhäuser behaupten können. Sie müssen als solche auch für ihre Bilanzen geradestehen. Das ist auch richtig so. Schließlich werden marode Systeme sonst weiterhin auf Kosten der Gemeinschaft finanziert.

Noch einmal: Dieses Geld ist dann weg. Kein Geld für die chronisch unterfinanzierte Kinderklinik. Kein Geld für die Sanierung des Theaters oder der B17. Kein Geld für zusätzliche Kindergartenplätze. Kein Geld für Altersheime, in denen Menschen in Würde alt werden können, für Flüchtlingsunterkünfte, wo Gestrandete Perspektiven finden, für die steuerliche Begünstigung von Unternehmen, die Augsburg in die Zukunft führen, …

von Rebecca Weingarten

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