B4B Impuls von 5 Sterne Redner Peter Stangel

Vom Orchester ins Unternehmen: Führen wie ein Dirigent

B4B Impuls | 25.09.2013

Führen wie ein Dirigent. Foto: Peter Stangel

Foto: Peter Stangel
Führen wie ein Dirigent. Foto: Peter Stangel

Führen wie ein Dirigent – vom Leiter eines klassischen Orchesters kann man als Führungskraft eine Menge lernen. Warum ist das so?

Sofortige Reaktion

Anders als in der Wirtschaft bekommt der Dirigent die Antwort auf die eigenen Führungsqualitäten in Echtzeit: Wenn er ungenau dirigiert, wird das Orchester unpräzise einsetzen, wenn er eine falsche Bewegung macht, sind die Folge falsche Töne. Im schlimmsten Fall fällt der Vorhang in der Oper!

Weil das so ist, kann man aus den Regeln, die für ein gutes Dirigat gelten, auch Einiges für Führungskräfte im Allgemeinen ableiten.

Eine wahre Geschichte

Ein Dirigent, der sich bei einem Orchester durch Überheblichkeit unbeliebt gemacht hatte, gab während der Probe einen großen Einsatz (forte): Sein Taktstock donnerte nach unten – und niemand spielte. In die Stille hinein erklang eine Stimme aus dem Orchester: „So klingt ein Dirigent“.

Wahrscheinlich schmunzeln Sie jetzt – das ist verständlich. Die Geschichte hat aber noch eine Fortsetzung:

Da der Dirigent zwar überheblich, aber ein Könner war, zahlte er es dem Orchester heim: An einer komplizierten Stelle, bei der seine Leitung dringend gebraucht worden wäre, wurden seine Bewegungen immer sparsamer, der Taktstock stand fast still - bis die Musiker abbrechen mussten. Der schadenfrohe Kommentar des Dirigenten: „Und so klingt ein Orchester“.

Führen und Folgen sind zwei Seiten einer Medaille

Diese (wahre) Geschichte lehrt uns eine wichtige Tatsache: Wer führt, ist nicht besser, als der, der geführt wird. Die beiden Tätigkeiten sind nur unterschiedliche Funktionen im Rahmen einer Arbeitsteilung – und nur dadurch können wir so großartige und komplexe Dinge vollbringen, wie wir Menschen es tagtäglich tun. Jede der beiden Tätigkeiten wird ohne die andere vollständig sinnlos.

Deshalb lautet die vielleicht wichtigste Regel für gute Führung, den anderen zu respektieren – und zwar von beiden Seiten. Dirigenten können nicht Oboe spielen – und Oboisten können nicht dirigieren. Sie brauchen einander, um Musik erklingen zu lassen. Deshalb: Auf Augenhöhe miteinander sprechen ist die halbe Miete!

„Ihr Job ist es, dem Orchester zu helfen“

Dieser wunderbare Satz stammt von einem amerikanischen Kollegen: Denn auch inhaltlich ist der Geführte auf eine gute Vorarbeit des Führenden angewiesen. „Wer nicht gut geführt wird, der kann auch nicht gut folgen“: Dazu gehört, dass man als Dirigent genau weiß, wie man eine bestimmte Stelle von den Musikern gespielt haben möchte. Ohne Klarheit im eigenen Kopf, kann man nicht klar führen und entsprechend genaue Anweisungen geben.

Die meisten Menschen wollen nämlich gerne gut arbeiten – es macht einfach mehr Spaß, als schlecht zu arbeiten. Als Führungskraft ist es unsere Pflicht, ihnen das zu ermöglichen, und das beginnt bei uns selbst.

Und wenn es hakt?

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Probleme gibt es immer und überall – und sie haben die unangenehme Eigenschaft, nicht einfach zu verschwinden, wenn man sie ignoriert. Probleme entstehen niemals von einer Seite allein – erst im Zusammenspiel zwischen Führenden und Geführten kommt es zu Reibung.

Aufgrund der Ungleichheit der Funktionen liegt aber die Aufgabe, Probleme anzusprechen und nach Lösungen zu suchen, bei der Führungskraft - im Fall der Musik also beim Dirigenten. Sehr häufig stelle ich fest, dass ich den Musiker, mit dem es ein Problem gibt, einfach missverstanden habe (oder er mich), und im Gespräch können wir die Unstimmigkeit ausräumen - vorausgesetzt, der Respekt vor dem anderen ist da (siehe Regel Nummer 1).

Das sind meine drei goldenen Regeln für gute Führung

  • Meine Musiker sind Partner für mich. Ich brauche sie und sie brauchen mich - nur zusammen können wir schöne Musik machen.
  • Ich möchte, dass meine Musiker ihre Arbeit so gut wie möglich machen können – und versuche deshalb, klar und deutlich in meinen Anweisungen zu sein.
  • Wenn es Probleme gibt, spreche ich sie an; respektvoll, aber offen – und suche nach einer Lösung, mit der beide Seiten leben können.

Übrigens ...

Diese drei Regeln gelten nicht nur im Orchester oder im Geschäftsleben. Sie werden erstaunt sein, dass durch ihre Anwendung ganz allgemein etwas ins Leben kommt, was für uns Musiker herzustellen die schönste Aufgabe ist: Harmonie.

Peter Stangel
Dirigent und Kommunikationstrainer

Über Peter Stangel

5 Sterne Redner, Orchesterleiter und Komponist Peter Stangel wurde 1964 in der ehemaligen CSSR geboren. Er lernte Klavier und Geige zu spielen, studierte und arbeitete ab 1990 als Repetitor, Studienleiter und erster Kapellmeister an verschiedenen europäischen Opernhäusern. Ab 1999 war er Generalmusikdirektor der Max-Bruch-Philharmonie und der Oper Nordhausen in Thüringen, gleichzeitig 1. Gastdirigent an der Staatsoper Ljubljana (Slowenien) und Leiter des ersten deutschen Max-Bruch-Festes. Im Jahr 2000 wurde er als „bester Dirigent“ nominiert (Opernwelt). Seit 2004 widmet er sich vor allem kompositorischer Arbeit („Cabaret Voltaire“, „Dribbel-Konzert“) sowie der Entwicklung und Leitung des Ensembles „die taschenphilharmonie“. 2007 erhielt er den Förderpreis der Stadt München für „Autopoesia“ sowie 2011 den Leopold-Medienpreis. Als 5 Sterne Redner begeistert er sein Publikum, indem er die Zusammenarbeit und die Harmonie eines Unternehmens mit einem Orchester (Firma) den Musikern (Mitarbeiter, Team) mit dem Dirigenten (Führungskraft) vergleicht und daraus praktische und sofort umsetzbare Handlungsempfehlungen ableitet.

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