SWU kauft Bahnstrecke

Strecke zwischen Senden und Weißenhorn gepachtet

Neu-Ulm/Ulm | 09.07.2009

SWU kauft Bahnstrecke
v.l. Andreas Hanke DB Bahn AG, Ingo Wortmann SWU

Der Fortbestand der Bahnstrecke zwischen Senden und Weißenhorn ist gesichert. Ab 12. Juli null Uhr wird die SWU Verkehr, eine Tochtergesellschaft der SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH, die 8,9 Kilometer lange Schienenstrecke samt Signalanlagen, Weichen, Bahnsteigen und Bahnhöfen betreiben.

Die Bahn-Tochter DB Netz AG hatte die Strecke verkaufen oder stilllegen wollen. Die SWU Verkehr ist zunächst Pächterin. Im Bahnhof Senden unterzeichneten Ingo Wortmann, technischer Geschäftsführer der SWU Verkehr, und Andreas Hanke, Leiter des Regionalnetzes Südbayern der DB Netz AG, vor kurzem den Pachtvertrag. „Die SWU wird ausschließlich für die Infrastruktur verantwortlich sein. Der Verkehr auf der Strecke, ob zur Güter- oder Personenbeförderung, wird nicht unsere Aufgabe sein“, stellte Ingo Wortmann klar. Die SWU Verkehr deckt den Unterhalt der Strecke durch die Einnahme von Trassen-Entgelten.

Im Januar 2010, so der weitere Zeitplan, wird die SWU Verkehr Eigentümerin der Strecke. Die Ablöse von 132.600 Euro ist festgeschrieben, auch die übrigen Kaufkonditionen sind im Wesentlichen ausverhandelt. Die Pacht von monatlich rund 10.600 Euro wird auf den Kaufpreis angerechnet.

„SWU betreibt Strukturpolitik“

Nach dem Verständnis Ingo Wortmanns ist die Trassen-Übernahme für die SWU Verkehr weit mehr als nur ein neues Geschäftsfeld: „Der Kauf ist auch ein Stück handfeste Strukturpolitik für die Region“, bekräftigt der Geschäftsführer. Denn der Erhalt der Trasse bedeute gleichzeitig den Erhalt von Arbeitsplätzen – weil der Güterverkehr fortbestehen kann.

Pendler entdecken die Schiene neu

Bis Mitte der Sechzigerjahre verkehrten zwischen Weißenhorn und Senden regelmäßig Personenzüge. Die stürmische Motorisierung beendete dieses Kapitel. Jetzt, über vier Jahrzehnte später, denkt man um. Personennahverkehr ist wieder gefragt, speziell der auf der Schiene. Ein vom Regionalverband Donau-Iller bestelltes
Gutachten kam 2007 zu dem Schluss, dass es auf der Verbindung ein Potenzial von 3.200 Berufspendlern täglich gibt. Der Neu-Ulmer Kreistag unternimmt seit geraumer Zeit Anstrengungen, den Freistaat Bayern für die Reaktivierung der Nahverkehrszüge zu gewinnen. Bestellen müssten diesen Verkehr die Bayerische Eisenbahngesellschaft in München (BEG), ein Unternehmen des Freistaats, sowie deren Pendant, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW). Denn die Züge sollen über Senden bis Ulm durchfahren können.

Größere Investitionen hängen von Bestellgarantie ab

In diesem Szenario fungiert die SWU Verkehr, wie erwähnt, als reines Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen. Ingo Wortmann: „An etwaigen Ausschreibungen für Schienenverkehrsleistungen wird sich die SWU Verkehr nicht beteiligen“. Für das Unternehmen komme es erst einmal darauf an, die Bahnstrecke betriebssicher zu halten. Entscheidungen für größere Investitionen, um die Gleisanlagen zu ertüchtigen oder auszubauen, würden getroffen, sobald klar ist, ob und wann der reguläre Personenverkehr tatsächlich wieder rollen wird. In diesem Zusammenhang entscheidend wäre für die SWU Verkehr eine durch die genannten Nahverkehrsgesellschaften, BEG und NVBW, abzugebende Bestellgarantie. Um die Gleise für den Personennahverkehr auszubauen, müssten nach heutigem Stand bis zu elf Millionen Euro investiert werden.

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