Elektromobilität

Elektromobilität wird immer wichtiger – Das Handwerk sucht neue Geschäftsfelder

Neu-Ulm/Ulm | 19.07.2010

Elektromobilität
Prof. Dr. Achim Bubenzer(Mitte) zusammen mit Franz Loogen

Elektromobilität nimmt fühlbar an Bedeutung für unseren Alltag zu – Doch es sind noch viele Umstellungen und Neuheiten für den Übergang zur Elektromobilität notwendig.

Elektromobilität zum Anfassen – Beim Informationsabend der Handwerkskammer Ulm gab es ein vielfältiges Ausstellungsangebot. Viele interessierte BesucherInnen kamen, um Elektroroller, Elektromobile, Elektromotorräder, Hybrid-Autos und vieles mehr zum Thema Elektro-Mobilität kennen zu lernen. Die Mischung aus Vorträgen, Ausstellung und Probefahrt sorgten für einen abwechslungsreichen und informativen Abend.

Elektromobilität ohne passendes Handwerk?

Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur e-mobil GmbH Baden Württemberg, ist überzeugt. Dem Handwerk komme bei der weiteren Entwicklung der Elektromobilität eine zentrale Bedeutung zu, so Loogen. Dies gelte für die Fahrzeugtechnik ebenso wie für die gesamte Infrastruktur. Zum Thema brachte Franz Loogen ein Beispiel: Es der bringe der Gesellschaft, wenn Daimler das Elektroauto baue und es kein Handwerker warten könne. Innovation komme eben nur mit dem Handwerk beim Verbraucher an. Die modernen Handwerksbetriebe sind High-Tech-Betriebe, die sich auf alle Veränderungen umgehend einstellen müssen.

Alles aus einer Hand

Die Einführung des Elektroantriebs neben dem Verbrennungsmotor ist bislang unrealistisch, betonte Dr. Tobias Mehlich. Es bedürfe einer parallelen Ausrichtung von industriellen Herstellern und dem Kraftfahrzeug- und Elektrohandwerk. Das meint der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Dr. Mehlich. Fahrzeuge mit verschiedener Antriebstechnik müssen auch zukünftig verbraucherorientiert aus einer Hand angeboten werden. Mehlich: „Alles andere würde die Marktdurchdringung behindern." Doch neben der Vertriebsfrage stellt sich natürlich auch die Frage der Qualifikation. Wasserstoff- und Elektroantriebe sind neue technologische Herausforderungen für die Mitarbeiter und Betriebe. Auf diese Umstellung muss das Handwerk frühzeitig reagieren. Die Bildungsakademie der Handwerkskammer Ulm werde hierzu entsprechende Bildungsangebote anbieten. Damit sollen Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten beim Technologiewandel unterstützt werden, kündigte Mehlich an.

Die Zeiten der Zapfsäule sind vorüber…

Thomas Rüdiger, Vizepräsident der Handwerkskammer Ulm, weist auf den Bereich der Infrastruktur hin. Hier sei vor Allem das Elektro- und Informationstechnische Handwerk betroffen. Im Vordergrund steht bei aktuellen Modell-Projekten die Versorgung der Elektromobile im öffentlichen Raum. In Zukunft wird das Tanken der Elektro-Fahrzeuge dezentral im Privat-Haushalt passieren. Um Ladestationen mit hohen Ladeleistungen bei der Gebäude-Installation zu gewährleisten, bedarf es doppeltes Fach-Wissen. Es erfordert eine enge Zusammenarbeit von Elektro-Fachbetrieb und Energie-Versorger. Die Kundenbetreuung zählt auch zum Betätigungsfeld des E-Handwerks. Die Wartungen und Überprüfungen er Anlagen sind essentielle Tätigkeiten.

Erdöl gegen Elektroantrieb

Prof. Dr. rer. nat. Achim Bubenzer, Rektor der Hochschule Ulm machte die Notwendigkeit von Umstellungen deutlich. Für den Übergang zu E-Mobilität werden viele Änderungen und neue Partnerschaften erforderlich sein. „Ich bin sicher, dass eins dafür unverzichtbar sein wird: die gute, strategische Kooperation zwischen dem Handwerk, den Handwerkskammern und den Fachhochschulen.“ Die Hochschule Ulm stehe auf jeden Fall bereit, versicherte er. Prof. Dr. rer. nat. Werner Tillmetz ist Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (WBZU) vom Ulmer Eselsberg. Er hielt bei der Veranstaltung den Fachvortrag zum Thema „Brennstoffzellen und Batterien – Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität“ und prognostizierte: „Spätestens mit dem Desaster im Golf von Mexiko sollte jeder verstanden haben, dass das Zeitalter des billigen Erdöls rasant zu Ende geht. Damit wird sich auch sehr schnell die Antriebstechnologie unserer Autos verändern. Die Elektrifizierung des Antriebes wird schnell voranschreiten und damit auch großen Einfluss auf alle beteiligten Berufsgruppen haben.“
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