Neu-Ulm/Ulm | 12.07.2010

Brunel-Lünendonk Studie: Mittelstand nutzt Fachkräfte Know-How nicht
Mehr Arbeitsplätze für Ingenieure. Dennoch keine Erholung von der Wirtschaftskrise: Im Mittelstand herrscht trotz Fachkräfte-Mangel Misstrauen gegenüber externen Dienstleistern.
Laut Zahlen des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) nahm die Zahl an Arbeitsplätzen für Ingenieure deutlich zu. „Im Mai stieg die Zahl der offenen Ingenieurstellen gegenüber dem April um 7%.“ Die FAZ berichtet weiterhin, dass sich die Stellen in Deutschland somit auf mehr als 60.000 belaufen. „Damit wurde zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise der Vorjahreswert (1,5%) übertroffen.“ Von einer Erholung von der Wirtschaftskrise kann dennoch nicht die Rede sein. Mittelständische Unternehmen verweigern sich laut der Brunel-Lünendonk Studie trotz eines Mangels an Fachkräften externen Dienstleistern. Ein enormes Maß an wirtschaftlichem Potenzial wird somit ungenutzt verschenkt.
Die Brunel-Lünendonk Studie
Im Auftrag von Brunel hat das Marktforschungs-Unternehmen Lünendonk eine repräsentative Marktstichprobe durchgeführt. Befragt wurden über 130 mittelständischen Unternehmen in ganz Deutschland. Überraschend das Ergebnis: Nur jedes zweite Unternehmen arbeitet mit externen Ingenieur-Dienstleistern zusammen. Die Zusammenarbeit findet dabei überwiegend ad hoc statt: Zur Überbrückung von Kapazitätsspitzen. Zur strategischen Ressourcen-Planung werden sie kaum eingesetzt. Offensichtlich gibt es zwischen Mittelstand und externem Ingenieur-Service Berührungsängste, die größere Unternehmen bereits überwunden haben.
Lieber alles selber machen
Obwohl mittelständische Unternehmen unter einem hohen Innovationsdruck stehen, herrscht bei den meisten weiterhin die Devise „Alles selber machen“. Lediglich 14% der Entwicklungsarbeit in mittelständischen Unternehmen wird von außen erbracht. Somit wird auch der Unterschied zu Großunternehmen deutlich. Diese geben bis zu 70% der Entwicklungsarbeit an externe Dienstleister ab. Das Prinzip „Innovation von außen“ liegt also im Markt durchaus vor und müsste nur noch umgesetzt werden.
Zögern im Mittelstand
Die Stärken externer Dienstleister wurden von allen Befragten der Brunel-Lünendonk Studie wahrgenommen. Aber dennoch reichen die Schwächen aus, um den Mittelstand zögern zu lassen. Erstaunlich, da die meisten Unternehmen auch bei den Schwächen gute Noten vergeben haben. So sehen rund 31% überhaupt kein Problem beim Einsatz von externen Dienstleistern. Gleichwohl reichen aber 29% „Kosten, schlechtes Preis‐Leistungs-Verhältnis“ und „Miss-fit von Anforderungsprofil und Know-How (12%) aus: Die mittelständischen Unternehmen zögern und verlassen sich im Ernstfall lieber auf eigenes Personal.
Vorurteile gegenüber externen Dienstleistern
Alle Befragten sehen durchaus Vorteile beim Einsatz von externen Ingenieur-Dienstleistern: Die „Bewältigung von Auftragsspitzen“ (68%) sowie „Flexibilisierungsinstrument für Personal-Bedarfsplanung“ (59%). Auch sind die „Planbarkeit von Personalkosten“ (24%) und der „Zukauf von wichtigem Know-How“ (23%) wichtig. Viel bedeutender sind aber die Nachteile, von denen mittelständische Unternehmer ausgehen. Hierbei zeigt sich in der Brunel-Lünendonk Studie ein großer Unterschied zwischen den Unternehmen: Die Meinungen bei denjenigen, die bereits mit externen Dienstleistern gearbeitet haben und denen, die dies noch nicht taten unterscheiden sich sehr.
Deutlich wird das an der Preis-Leistungs-Beurteilung: Nur 23% der Nutzer sehen die „Kosten, das Preis-Leistungsverhältnis“ als möglichen Nachteil. 38% der Nichtnutzer vermuten hier jedoch einen Nachteil. Deutlich auch die Differenz bei dem Nachteilfaktor „Fehlende interne Betriebskenntnis“: Er spielt für nur 2% der Nutzer eine Rolle, aber für 10% der Nichtnutzer von externen Ingenieur-Dienstleistungen.
Fazit: Zusammenarbeit? „Jein, danke.“
70% der befragten Mittelständler, die bisher keine externen Ingenieur‐Dienstleister nutzen, wollen die kommenden Herausforderungen mit eigenem Personal bewältigen. Ihnen stehen 72% gegenüber, die das zur Bewältigung von Auftragsspitzen wieder und weiter tun wollen. Der Mittelstand nutzt somit externe Dienstleister gerne, um personale Engpässe zu umgehen. Wenn es ernst wird, verlässt er sich aber lieber auf sich selbst. Für den Erfolg des Mittelstandes ist eine Trendwende aber dringend nötig. Markus Möhler, Leiter der Brunel Niederlassung in Ulm, erachtet es daher als wichtig, den mittelständischen Unternehmen neue Perspektiven aufzuzeigen. Um die Unternehmen in der Region zu fördern und in einer „globalisierten, sich zum Teil rasant verändernden Wirtschaft [konkurrenzfähig zu machen] sind aus unserer Sicht enge regionale Kooperationen und geplante, aber flexible und kreative Arbeitsmodelle grundlegend [notwendig]“, fasst Möhler zusammen.
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