Memmingen/Unterallgäu | 01.06.2010

v.l.: Dietmar Voigsberger (Steca Elektronik GmbH), Claudia Knoll, Dr. Werner Schnappauf, Stephan Stracke (CSU)
Am Wochenende fand in Memmingen das Mittelstandsgespräch statt. Prominentester Gast war Dr. Werner Schnappauf. Er mahnte Memmingen zur Vorsicht, um nicht als Wirtschafsstandort an Bedeutung zu verlieren.
Die Stadt Memmingen muss Industrieunternehmen den roten Teppich ausbreiten, um als Wirtschaftsstandort nicht an Bedeutung zu verlieren. Dies forderte kein Geringerer als Dr. Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), am Wochenende beim Mittelstandsgespräch in Memmingen. Der frühere bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister stieß dabei auf offene Ohren. Memmingens zweite Bürgermeisterin Claudia Knoll (CSU) fordert bereits seit längerem Anreize für die Ansiedlung von Unternehmen ein.
Memmingens Politik bei Mammut: irritierend
"Es ist schon sehr irritierend, wenn die Stadt Memmingen einem so namhaften Unternehmen wie Mammut kein Angebot zur geplanten Betriebserweiterung unterbreitet und sich der Outdoor-Spezialist jetzt anderweitig nach geeigneten Gewerbeflächen umsieht. Und auf der Homepage der Stadt Memmingen stammen die Zahlen zur Wirtschaft zum Teil noch aus dem Jahr 2007. Da muss sich schleunigst was ändern", kritisierte Claudia Knoll.
Global agierende Unternehmen mit allen Mitteln halten
"Viele Länder beneiden uns mittlerweile wieder dafür, dass Deutschland nach wir vor eine Industrienation ist. Diese Qualität aus Deutschland müssen wir mit allen Mitteln aufrecht erhalten. Gerade in Zeiten der Globalisierung", erklärte der BDI-Geschäftsführer. Daher müsse man exportorientierte Unternehmen, die am globalen Markt teilnehmen, mit allen Mitteln zu halten. "Nur so kann man als Wirtschaftsstandort bestehen. Und von der Infrastruktur her hat Memmingen mit dem Flughafen und dem Autobahnkreuz ja beste Voraussetzungen."
Preise für Gewerbegrund mehr der Region anpassen
Seine CSU-Parteifreundin Claudia Knoll ist wie Schnappauf der Meinung, dass Unternehmen bessere Standortbedingungen in Memmingen geboten werden müssen. Größere Flächen seien vonnöten und die Preise für Gewerbegrund dürften sich nicht so stark von denen der umliegenden Kommunen unterscheiden. Zudem will sie auch den Beschäftigten bessere Möglichkeiten bieten: 62 Prozent der Beschäftigten sind Pendler. Wenn diese auch in Memmingen leben würden, stiegen nicht nur die Steuereinnahmen, auch das Stadtleben würde attraktiver.
Kritik auch an der deutschen Bürokratie
Dietmar Voigtsberger, Geschäftsführer der Steca Elektronik GmbH mit Sitz in Memmingen, kritisierte im Gespräch mit Dr. Schnappauf und den anderen Wirtschaftsvertretern den hohen Bürokratismus in Deutschland, der Unternehmen immer wieder ausbremse. Dazu brachte er das Beispiel China an, in dem die Firma seit Jahren aktiv ist und beschrieb, in welchem Umfang die Politik dort die Wirtschaft unterstützt. Dr. Klaus Hörmann, Geschäftsführer der Fabrino Produktionsgesellschaft mbH & Co. KG, stimmte ihm zu: "Als Unternehmer in Deutschland wird man genötigt, bei Entscheidungen abzuwiegen, ob die nun steuerlich sinnvoll oder unternehmerisch sinnvoll sind."
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