Memmingen/Unterallgäu | 26.08.2010
Allgäu Airport im Schockzustand: Air Berlin hatte letzte Woche bekannt gegeben, die tägliche Flugverbindung zwischen Berlin und Memmingen zu beenden. Nachdem die Airline bereits im Frühjahr die Flugverbindungen nach Hamburg und Köln eingestellt hat, kann der Allgäu Airport künftig nur noch eine innerdeutsche Verbindung anbieten.
„Die Entscheidung von Air Berlin den Flugverkehr zwischen Memmingen und Berlin aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen, ist für uns ein herber qualitativer und quantitativer Verlust. Wir können die Argumente der Airline nicht nachvollziehen, aber wir akzeptieren die neue Situation“, erklärt Ralf Schmid, Sprecher der Geschäftsleitung am Allgäu Airport. Das Argument der Fluggesellschaft, die Memminger Öffnungs- und Flugzeiten bis 22.00 Uhr erschwerten eine optimale Anbindung an Drehkreuz Berlin, findet Schmid bedauerlich und betont, dass der Allgäu Airport auch diesem Punkt Möglichkeiten zum Handeln hat.
Deutlicher äußert sich Josef Rief, CDU Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Biberach. „An der Wirtschaftlichkeit kann es nicht gelegen haben. Hier wurde eine Flugverbindung trotz guter Auslastung eingestellt. Das ist ein herber Schlag für die Menschen in der Region und für die Geschäftsleute. Die Entscheidung von Air Berlin wird uns wirtschaftlich schaden.“ Der Bundestagsabgeordnete berichtet, dass er die Fluglinie zwischen Berlin und Memmingen berufsbedingt häufig nutzt. „Ich habe nie erlebt, dass eine Maschine zu weniger als zwei Drittel besetzt war“. Im Gegenteil. Bei kurzfristigen Reisen habe er oft nur mit Mühe noch einen Platz buchen können.
Nicht mit offenen Karten gespielt
Auch Josef Miller, CSU-Landtagsabgeordnete im Bayerischen Landtag und Stephan Stracke, Mitglied der CDU/CSU Bundestagsfraktion bedauern den Rückzug von Air Berlin und werfen der Fluggesellschaft vor, nicht mit offenen Karten zu spielen: „Es gab im Vorfeld keinerlei Signale, dass Air Berlin über einen Rückzug am Allgäu Airport nachdenkt. Stephan Stracke selbst hat seit der Kündigung der Flugverbindungen nach Hamburg und Köln im vergangenen Frühjahr mehrfach Gespräche mit dem Geschäftsführer von Air Berlin geführt. Auch während dieser Aussprachen habe die Airline keinerlei Andeutungen über ihre Pläne gemacht. Außerdem gäbe es begründete Befürchtungen, dass die umliegenden großen Flughäfen, dazu zählt auch Stuttgart, die Flugverbindungen vom Allgäu Airport abwerben wollen. „Es ist nicht angemessen, dass sich ein Flughafen, der vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart getragen wird, mit solchen Mitteln gegen einen von der Wirtschaft in Bayern und Württemberg getragenen Regionalflughafen durchsetzt“, macht Josef Rief seinem Ärger Luft. Er teilt mit, dass er sich an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Mappus und den Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens Fundel gewandt habe, um die Situation zu erörtern.
Allgäu Airport stärkt die regionale Wirtschaft
Übereinstimmend verweisen die Politiker und der Geschäftsführer des Allgäu Airports auf den hohen Zuspruch, den der Memminger Flughafen bei der Bevölkerung und bei den Geschäftsleuten besitzt: „Der Allgäu Airport ist hervorragend an das umliegende Autobahnnetz angeschlossen, zeichnet sich durch besonders kurze An- und Abfahrtswege aus und gewährleistet eine schnelle Abfertigung der Passagiere. „Das kommt bei den Fluggästen sehr gut an“, berichtet Ralf Schmid. Er ergänzt, dass viele Unternehmer aus dem bayerischen und württembergischen Allgäu die tägliche Flugverbindung zwischen Memmingen und Berlin nutzen, um neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Gleichzeitig ist die Verbindung ein starkes Argument für viele Fach- und Führungskräfte, sich beruflich im Allgäu zu etablieren.
Allgäu Airport schreibt schwarze Null
Die Bilanzzahlen bestätigen die Aussagen des Geschäftsführers: Im vergangenen Jahr starteten rund 812.000 Fluggäste vom Allgäu Airport. „Das ist ein Wachstum von 76 Prozent im Vergleich zum Geschäftsjahr 2008“, macht Ralf Schmid deutlich. „Damit ist uns bereits nach zwei Jahren Flugbetrieb der wirtschaftliche Turn-Around gelungen“. Der Geschäftsführer des Allgäu Airports bestätigt, dass die Auslastung der Berlin-Flüge in den vergangenen Monaten stetig gestiegen ist. Zwischen 110.000 und 115.000 Passagiere seien im Verlauf von zwölf Monaten auf der Strecke zwischen Berlin und Memmingen geflogen.
Entstandene Lücke schnell schließen
„Wir müssen die entstandene Lücke am Allgäu Airport so schnell wie möglich schließen und werden die Gespräche mit anderen Airlines intensivieren“, macht Ralf Schmid deutlich. Doch das dürfte leichter gesagt als getan sein. Die meisten Fluggesellschaften haben die Folgen der allgemeinen Luftfahrts- und Wirtschaftskrise noch nicht überwunden. Auch die Auswirkungen des internationalen Flugverbotes, dass während des Ausbruchs des isländischen Vulkans verhängt wurde, sind noch deutlich zu spüren. Hinzu kommt die Diskussion um die drohende Luftverkehrssteuer. „Das alles macht die Dinge nicht einfacher“, berichtet Schmid. „Die Airlines planen gegenwärtig sehr vorsichtig“. Er betont, dass die Geschäftsführung des Allgäu Airports auch weiterhin das Gespräch mit Air Berlin sucht. „Die Tür ist noch nicht zugeschlagen“, so Schmid wörtlich.
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