Memmingen/Unterallgäu | 23.12.2010

Der Holzbauer Boxler ist insolvent
19 Mitarbeiter von Boxler in Rammingen fuhren zum Memminger Amtsgericht und stellten einen Antrag auf Firmeninsolvenz. Muss Boxler nun schließen?
Einer der beteiligten Mitarbeiter vor dem Amtsgericht sagte der Augsburger Allgemeinen: „Wir haben keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Viele von uns leben am Existenzminimum.“ Die Geschäftsführung des Ramminger Unternehmens hätte dies offenbar schon längst tun müssen.
Schweizer Investor springt ab
Der geschäftsführende Gesellschafter Detlev Schmidt hatte den Mitarbeitern verkündet, dass sich dieser Zustand noch ändern könne. Doch daran glauben die Angestellten nicht mehr. Ein potenzieller Investor aus der Schweiz, der das Unternehmen übernehmen wollte, sagte vor Kurzem wieder ab. Insider sprechen laut der Augsburger Allgemeinen von einem zerstörten Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsführung und Belegschaft. Detlev Schmidt spricht dagegen von einer Schuld von Betriebsrat und Gewerkschaft. „Die Verhandlungen mit dem Schweizer Investor, der Boxler übernehmen wollte, standen kurz vor dem Abschluss“, sagt er. Die Gespräche mit ihm seien offenbar durch den Antrag der Angestellten gestoppt worden.
Mitarbeiter werden erst nach drei Monaten bezahlt
Aber der Grund für den Gang zum Memminger Amtsgericht war ein anderer: einige der 100 Mitarbeiter warten teilweise drei Monate auf ihr Gehalt. Erst im Dezember wurde der Lohn für den September überwiesen. Detlev Schmidt bestätigt die verspäteten Lohnzahlungen, allerdings sei das Unternehmen im Schnitt nur mit sechs Wochen im Rückstand. Schon länger hat der auf das Luxussegment spezialisierte Holzbauer finanzielle Probleme. Nach Auskunft eines Betriebsratsmitglieds stellt sich die Lage nun als besonders schwer dar.
Boxler macht immer neue Schulden
Im Geschäftsjahr 2008 nahm das Unternehmen über 800.000 Euro neue Schulden auf. Der Schuldenstand lag zum 31. Dezember 2008 bei 8,3 Millionen Euro, derzeit wird er auf über zehn Millionen Euro geschätzt.
Insolvenzverfahren soll im Februar 2011 beginnen
Auch eine Arbeitsniederlegung vom 9. bis zum 13. Dezember von 30 Mitarbeitern half nicht, sich zu einigen. Nun gibt es einen Insolvenzverwalter: Dr. Dieter Kühne von der Münchner Kanzlei Kübler. Dieser stellte sich bereits bei einer Mitarbeiterversammlung vor. Das Insolvenzverfahren soll laut Kühne am 1. Februar 2011 starten. Ziel sei es, alle 100 Arbeitsplätze am Standort zu erhalten. Bis dahin geht der Betrieb unverändert weiter. Eine wichtige Nachricht. Geschäftsführung und die Mitarbeitervertretung sind sich in einem Punkt einig: „Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage nach den Produkten des Fußbodenherstellers ist da. Vor allem die Produktlinie ‚Castellana‘ sei stark nachgefragt“, schreibt die Augsburger Allgemeine.
Mitarbeiter geben Boxler noch nicht auf
Die Mitarbeiter haben ihr Unternehmen aber noch nicht ganz aufgegeben und hoffen auf einen Investor. Boxler habe eine gute Substanz – nur die Liquidität sei Mangelhaft. Es könnten keine Vorleistungen für Millionen-Aufträge übernommen werden.
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