Studie in Lindau

Die Krise wird den Landkreis hart treffen

Lindau | 25.06.2009

Der Kreis Lindau werde von der Krise sehr stark betroffen sein, sagt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) voraus. Die exportorientierten Unternehmen sowie Autozulieferer würden stark betroffen, heißt es in einer neuen Studie, die dem Landkreis insgesamt aber eine überdurchschnittliche Bewertung gibt.

Die INSM ist eine Lobbyvereinigung von Unternehmen und Verbänden, die staatliche Eingriffe verringern und freies Wirtschaften fördern will. Entsprechend sind die Kriterien, nach denen die INSM 409 Landkreise in Deutschland untersucht hat. Die Zahl der Arbeitslosen spielt ebenso eine Rolle wie der Anteil der Arbeitsplätze für Ingenieure, die Verschuldung der öffentlichen Haushalte ist ebenso einbezogen wie die Schulden der Bürger und die Kaufkraft und die Zahl der Gästeübernachtungen oder die Zahl der Plätze in Krippen und Kindergärten.

Insgesamt billigt die INSM dem Landkreis Lindau in Deutschland Platz 84 zu, was zum oberen Fünftel gehört. Da es in Bayern aber viele Landkreise gibt, denen es noch besser geht, belegt Lindau im Freistaat nur einen mittelmäßigen Platz 45 (von 96 Landkreisen). Interessant ist, dass sich Lindau im bundesdeutschen Vergleich von der INSM-Studie vor drei Jahren um 13 Plätze verbessert hat, während es in Bayern um zwei Ränge nach hinten gerutscht ist.

Am besten schneidet der Landkreis bei den weichen Standortfaktoren ab: Im Landkreis gibt es weit mehr Ingenieure als woanders, und bei der Zahl der Gästeankünfte pro Einwohner liegt Lindau bundesweit auf Platz 20. Produktivität und Arbeitskosten sowie geringe Zahl von Krippenplätzen bringen zwar Minuspunkte, dennoch reicht es in diesem Bereich zu einem hervorragenden Platz 49. Ähnlich gut punktet Lindau beim Arbeitsmarkt, denn die Arbeitslosenquote ist im Landkreis bekanntlich sehr niedrig.

 

Schlecht bewertet des INSM dagegen die Struktur: Zwar gibt es nur wenig junge Arbeitslose, da belegt Lindau in ganz Deutschland den Spitzenplatz 5, aber Überalterung, fehlende Steuerkraft der Gemeinden und vor allem die hohen Schulden des Landkreises und der Städte und Gemeinden lassen Lindau in diesem Bereich auf Platz 103 sinken.

Verschuldung ist ein Problem

Noch schlechter, nämlich auf Platz 131, sind Kaufkraft und Einkommensteuerkraft bewertet, welche die INSM zum Bereich "Wohlstand" zusammenfasst. Hier liegt Lindau jeweils nur ganz leicht über dem Durchschnitt in Deutschland, der jeweils vor allem von Landkreisen in Ostdeutschland gedrückt wird.

Als Stärken des Landkreises benennt die INSM demnach die niedrige Arbeitslosigkeit, die hohe Zahl der Ingenieure und das gute Angebot an Ausbildungsplätzen. Dass Firmen für ihre Arbeitskräfte verhältnismäßig viel zahlen müssen, wird dagegen ebenso schlecht bewertet wie die hohe Verschuldung von im Durchschnitt 1734 Euro pro Einwohner. Der Bundesschnitt liegt bei 1456 Euro.

Interessant ist der Blick auf die Nachbarlandkreise: So bewertet die INSM beim Bodenseekreis nur die ebenfalls recht hohe Verschuldung schlecht, ordnet ihn aber auf Platz 24 weit oben ein. Ravensburg erreicht Platz 72, das Oberallgäu ist auf Platz 100 schlechter als Lindau.

Angesichts der Krise hat die INSM heuer die Anfälligkeit der Landkreise unter die Lupe genommen. Beim Blick auf die entsprechende Karte fällt auf, dass all die Kreise, denen es heute schlecht geht, kaum ein Risiko haben, von der Krise heftig getroffen zu werden. Damit ist die Aussage, der Landkreis werde "sehr stark" betroffen sein, zunächst mal ein Lob für die Arbeit von Unternehmern und Politik in der Vergangenheit. Beim Blick auf die im Landkreis vertretenen Branchen stellen die Forscher aber fest, dass es in Lindau viele exportorientierte Unternehmen gibt und dass viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Autoindustrie abhängen. Weil diese am stärksten von der Krise betroffen sind, werde der Landkreis die Folgen zu spüren bekommen, sagt die INSM voraus.

zurück drucken versenden verlinken

Mehr zum Thema

Weiterhin Skepsis in einigen Branchen

Weiterhin skeptisch sind die Unternehmen in der Stadt Augsburg hinsichtlich der weiteren konjunkturellen Entwicklung in den nächsten Monaten. Konnten bislang teilweise immer noch ... [ zum Artikel » ]

Krise hat auch KUKA erfasst Tochterfirma von KUKA produziert für Jeep Wrangler

Vorläufiges Betriebsergebnis im zweiten Quartal von KUKA fällt schlechter als erwartet aus. Das ausführliche Ergebnis könne Sie hier nachlesen. [ zum Artikel » ]

Konjunkturabschwächung bei Schwabens Tourismusunternehmen Tourismusumfrage

Die aktuelle Tourismusumfrage der IHK Schwaben bei 219 Unternehmen der Tourismus- und Freizeitbranche zeigt: Der allgemeine Abschwung ist leider auch in Schwaben angekommen. [ zum Artikel » ]

"Region kommt mit blauem Auge davon" IHK Schwaben

„Die Region kommt vielleicht mit einem blauen Auge davon.“ So beschreibt Herbert Scheel, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung für den Landkreis ... [ zum Artikel » ]

Kurzarbeit gegen die Krise? BVMW Logo

Die aktuelle Wirtschaftskrise stellt vor allem kleine und mittelständische Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Gefragt sind flexible und unternehmensspezifische Maßnahmen. [ zum Artikel » ]

17 Mitarbeiter bei Schuster freigestellt Maschinen- und Werkzeugbauer Schuster Kaufbeuren insolvent

Vor zwei Monaten hat Schuster Präzision mit Stammsitz in Denklingen (Oberbayern) und einem Werk in Kaufbeuren vorläufig Insolvenz angemeldet. Nun musste ein Drittel des ... [ zum Artikel » ]

Anzeige

Hidden Champions

Eduard Edel GmbH Bonbonfabrik

Die Helden des regionalen Mittelstandes – wir haben sie aufgespürt und lüften ihre Erfolgs-geheimnisse.

Aktuell: B4B SCHWABEN hat den Geschmacks-Test bei der Eduard Edel Bonbonfabrik gemacht.

IT und Computer

CMG IT WOLKE

Der betriebliche Alltag steckt voller Fragen und Herausforderungen in Sachen IT. Die Antworten finden Sie in unserem neuen B4B SCHWABEN CROSSMEDIA GUIDE.

Anzeige

101 Köpfe

Rüdiger R. Burchardi ist Vorstand bei der Dialog Lebensversicherungs-AG

Lernen Sie Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben kennen!

Aktuell: Teneriffa oder Augsburg? Warum es Rüdiger R. Burchardi in die Sonne zieht und wo man den besten Fisch in Augsburg genießen kann verrät er im 101 Köpfe Interview.

Top Firmen der Region

Top Firmen in Bayerisch-SChwaben

Firmenporträts erfolgreicher Unternehmen in Bayerisch-Schwaben, Reporte zu Zukunftsbranchen und Analysen zu Perspektiven der Region.

Lindau

Wirtschaftskalender

Thema der Woche

M:access-Analystenkonferenz am 29. März 2012

Mittelstand und Börsengang

Gerade erfolgreiche mittelständische Unternehmen, die expandieren wollen oder ihre Forschung und Entwicklung intensivieren möchten, benötigen ausreichend Kapital. Der Königsweg ist die Finanzierung über ausreichend Eigenkapital.

IHK Magazine

Bayerisch-Schwäbische Wirtschaft 5|2012 bsw

Die aktuelle Ausgabe 
„Bayerisch-Schwäbische Wirtschaft“
jetzt online zum Blättern!

›› Ausgabe 05/2012

Anzeige

Bildergalerien Schwaben

Partner in der Region

Jetzt Fan werden