Lindau | 19.05.2010

Deutsch-Pakistanisches Solarmeeting bei Azur Solar GmbH in Wangen
Wie kann die Energieversorgung der Zukunft durch regenative Energiequellen sichergestellt werden? Diese Frage wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in der islamischen Republik Pakistan intensiv diskutiert.
Bei einem Projekt wird ein Allgäuer Unternehmen federführend sein: Die Azur Solar GmbH aus Wangen unterzeichnete ein Joint Venture für eine Photovoltaikanlage mit 50 MW Leistungskapazität.
Begonnen hat alles mit einer unerwarteten E-Mail vor knapp zwei Jahren: Darin erkundigte sich der in Deutschland lebende, pakistanische Honorarkonsul Sikander Mir-Kohler bei der Geschäftsleitung der Azur Solar GmbH nach ihrem Interesse, den Bau einer Solaranlage in Pakistan zu unterstützen. Schnell entstand aus der zunächst unverbindlichen Anfrage ein persönlicher Kontakt. Intensive Gespräche zwischen dem Ehrenkonsul Sikander Mir-Kohler, dem pakistanischen Investitionsminister Saleem H. Mandviwalla und der Geschäftsführung von Azur Solar GmbH folgten. Mehrfach reiste Uwe Störmer, Chief Sales Officer der Azur Solar GmbH nach Pakistan um sich ein Bild von den Bedingungen vor Ort zu machen und den Wangener Solarhersteller bei den zukünftigen Geschäftspartnern vorzustellen. Im Dezember 2009 war der Weg dann frei: Während eines Deutschlandaufenthaltes des pakistanischen Premierministers Syed Yousuf Raza Gilani unterzeichnete der geschäftsführende Gesellschafter und Firmengründer Bernd Sauter eine Absichtserklärung für die Installation einer 50 Megawatt Solaranlage. Dabei ziehen die Projektpartner drei Standorte in die nähere Auswahl. Einer befindet sich in der Region Sindh im Süden Pakistans. Das Investitionsvolumen wird mit 250 Millionen Dollar beziffert.
Besonders Beschichtungsverfahren ermöglicht Einsatz an Extremstandorten
Entscheidend für die Wahl der Azur Solar GmbH als Projektpartner waren vermutlich auch die Eigenschaften der Azur 2P Solarmodule. Ein besonderes Beschichtungsverfahren schützt die Solarzellen vor Extremeinflüssen wie Sand, extremer Hitze oder Wind. Diese folienähnliche Beschichtung ist außerdem wasserabweisend und besitzt selbstreinigende und selbstreparierende Eigenschaften. Treffen zum Beispiel Sand- oder Hagelkörner auf die Module, können die so verursachten Unebenheiten auf der Moduloberfläche durch den gelartigen Kern der Spezialbeschichtung zu einem großen Teil wieder verschlossen werden. Dank dieser Fähigkeit sind die Azur 2P Solarmodule nach Aussage von dem geschäftsführenden Gesellschafter Bernd Sauter auch für den Einsatz an Extremstandorten wie zum Beispiel den wüstenähnlichen Regionen Pakistans geeignet.
Pakistans Energiebedarf steigt rasant
Mit 165 Millionen Einwohnern und einer jährlichen Bevölkerungszunahme von mehr als zwei Prozent gehört Pakistan zu den sechs bevölkerungsreichsten Staaten der Welt. Gleichzeitig drängen immer mehr Menschen aus den ländlichen Regionen Pakistans in die Zentren der muslimischen Republik. Daher zählt Pakistan auch zu den Ländern mit dem höchsten und schnellsten Städtewachstum. Dank staatlicher und privater Investitionen konnte sich die pakistanische Industrie in den vergangenen Jahren gut entwickeln. Der wichtigste Industriezweig ist das textilverarbeitende Gewerbe, Pakistan gehört heute zu den weltgrößten Herstellern von Baumwollgarnen. Ein bedeutender Außenhandelspartner Pakistans ist die Europäische Gemeinschaft. Der muslimische Staat verfügt über eigene Erdgasvorkommen, seinen Erdölbedarf deckt das Land über Importe aus den arabischen Staaten. Ein Großteil des benötigten Stroms Pakistans wird aus Wärmeenergie erzeugt. Die stetig wachsende Industrie, das hohe Bevölkerungswachstum und die starke flächenmäßige Ausbreitung der Städte lassen den Energie- und Strombedarf des muslimischen Staates regelrecht nach oben schießen. So wird Pakistan trotz eigener Erdgasvorkommen schon bald auf Erdgasimporte angewiesen sein. Gleichzeitig wird die Schere zwischen den wirtschaftlich pulsierenden Zentren der muslimischen Republik und der vielfach benachteiligten Landbevölkerung, denen der Zugang zu Strom und Energie häufig verwehrt ist, immer stärker auseinanderklaffen.
Erneuerbare Energiequellen spielen bisher eine untergeordnete Rolle
Mit Ausnahme der Wasserkraft spielen Erneuerbare Energien in Pakistan eine eher untergeordnete Rolle. Mit dem Ziel diesen Anteil auszubauen wurde im Jahr 2003 das Alternative Energy Developing Board gegründet. Von diesem Board ging auch die Initiative für die geplante Solaranlage im Süden Pakistans aus, die die Azur Solar GmbH nun bauen wird. Für Bernd Sauter, geschäftsführende Gesellschafter und Gründer der Azur Solar GmbH, ist dies ein im wahrsten Sinne nachhaltiges Projekt: Sein Unternehmen wird in Pakistan eine Tochtergesellschaft gründen, die einen eigenen Produktion- und Ausbildungsschwerpunkt besitzt. Außerdem setzt sich Sauter für eine intensivere Zusammenarbeit deutscher und pakistanischer Universitäten ein.
Azur Solar GmbH ist international aufgestellt
Für die Azur Solar GmbH beginnt damit ein weiterer Meilenstein ihrer internationalen Aktivitäten. Schon seit längerem verfolgt das Unternehmen eine duale Vertriebsstrategie und ist stark auf europäische und internationale Märkte ausgerichtet. Azur Solar GmbH besitzt Niederlassungen in den USA, in Großbritannien, Spanien, Griechenland, Belgien, Frankreich und Italien. Außerhalb Europas ist der Solarhersteller auch in den Arabischen Emiraten und in China aktiv. Die internationale Ausrichtung des Unternehmens spiegelt sich auch in den Umsatz- und Wachstumszahlen wider: So stieg der Umsatz von 20 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 60 Millionen Euro im Jahr 2009. Für 2010 strebt Bernd Sauter einen Umsatz von 100 Millionen Euro an. Gegenwärtig beschäftigt der Solarhersteller am Standort Wangen 65 Mitarbeiter.
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