Creditreform Kempten/Allgäu

Mittelstand: Wirtschaftslage in Österreich

Kempten/Oberallgäu | 29.10.2010

Investitionen
Investitionen

Die Wirtschaftslage des österreichischen Mittelstands kann einen Aufschwung verbuchen. Unternehmens-Insolvenzen gehen zurück. Das Vorkrisen-Niveau ist aber noch nicht erreicht.

Die Stimmung im österreichischen Mittelstand ist gut. Gefragt nach seiner Einschätzung der aktuellen Geschäftslage antwortet jeder zweite der knapp 1.800 befragten mittelständischen Unternehmer (52,1 Prozent) mit  "gut" oder "sehr gut". Letztes Jahr waren nur  35,5 Prozent der Befragten dieser Meinung. Neun Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage derzeit mit "mangelhaft" oder "ungenügend" (Vorjahr: 16,5 Prozent). Die verbesserte Geschäftslagen-Beschreibung zieht sich durch alle vier Hauptwirtschafts-Bereiche. 

Stimmung besser als die tatsächliche Lage

Der "harte" Konjunktur-Indikator Umsatz-Entwicklung ist aber insgesamt noch auf einem niedrigeren Niveau. So konnten 40,6 Prozent der Befragten im vergangenen halben Jahr ihren Umsatz steigern (Herbst 2009: 33,8 Prozent). Jeder fünfte mittelständische Betrieb verzeichnet dagegen ein Umsatzminus (21,6 Prozent; Vorjahr: 32,3 Prozent). Schlechter sieht es bei der Ertragslage aus. Insgesamt erreicht der Ertragssaldo hier mit plus 0,4 Punkten nur knapp den positiven Bereich. In den zurückliegenden sechs Monaten stockte fast jeder vierte Betrieb (23,5 Prozent) seinen Personalbestand auf. Im Jahr zuvor war dies lediglich bei 17,2 Prozent der Unternehmen der Fall. Seit dem vergangenen Frühjahr mussten sich nur 13,6 der Befragten von Mitarbeitern trennen. Bei der letztjährigen Umfrage waren es noch 35,7 Prozent. 

Mittelständler geben sich optimistisch

Jedes dritte Unternehmen (34,5 Prozent) rechnet in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen. Nur 21,1 Prozent waren es im Jahr zuvor. Sinkende Umsätze prognostiziert nur jeder Achte (13,1 Prozent, Vorjahr: 25,0 Prozent). Auch die Ertragsaussichten sind überwiegend positiv: Ein Drittel der Befragten (33,8 Prozent) rechnet damit, in den kommenden Monaten steigende Gewinne zu verbuchen. Von sinkenden Erträgen geht fast jeder Vierte (23,9 Prozent) aus. Der Ertragssaldo fällt mit plus 9,9 Punkten positiv aus.

Zurückhaltung bei der Personalplanung  
 
Insgesamt wollen lediglich 13,3 Prozent der Unternehmen im nächsten halben Jahr zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Voraussichtlich werden 12,7 Prozent der Unternehmen den Personalbestand verkleinern. Unterm Strich dürfte die Beschäftigtenzahl im Mittelstand deshalb kaum wachsen (Saldo: plus 0,6 Punkte).Dagegen springt die Investitions-Tätigkeit im Mittelstand langsam wieder an: Mittlerweile ist jeder zweite befragte Unternehmer bereit, in den kommenden Monaten Investitionen durchzuführen (50,7 Prozent). Im Vorjahr waren es 47,5 Prozent.

Kunden zahlen wieder pünktlicher

Heuer konnten 60,3 Prozent der Betriebe die fristgerechte Bezahlung der Rechnungen innerhalb von 30 Tagen melden. Im vergangenen Jahr konnten dies nur 58,3 Prozent. Bei Kunden aus der Privatwirtschaft kommen fast drei Viertel der Befragten (72,2 Prozent) innerhalb eines Monats an ihr Geld. Bei nur 42,7 Prozent der Kunden im öffentlichen Sektor ist dies der Fall. Hier aber dürfte eine neue EU-Regelung in den kommenden Jahren für Abhilfe sorgen. Danach sind öffentliche Stellen angehalten, ein generelles Zahlungsziel von 30 Tagen einzuhalten.

Bis zu drei Monate und länger müssen derzeit 11,3 Prozent der Lieferanten und Leistungserbringer auf den Ausgleich ihrer Forderungen warten (Vorjahr: 14,1 Prozent). Der Zugang zu Finanzierungsmitteln ist heute für 45,5 Prozent schwieriger als noch vor einem Jahr. Damit bleibt die Finanzierungs-Situation für viele Betriebe weiterhin angespannt. Insbesondere für den Dienstleistungssektor (51,2 Prozent der Befragten) hat sich die Unternehmens-Finanzierung verschärft. 

Unternehmens-Insolvenzen: Rückgang um sechs Prozent 

Die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen entwickelt sich rückläufig: In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden mit 4.971 Verfahren sechs Prozent weniger Fälle gezählt als in der Vorjahresperiode. Der Rückgang der Firmen-Insolvenzen hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab: Starke Binnenmarkt-Fokussierung vieler kleiner und mittlerer Betriebe, Kurzarbeit und staatliche Konjunktur-Programme.    

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