Kempten/Oberallgäu | 25.02.2010
Rund 17.000 Euro will die Marktgemeinde Sulzberg für die Verbesserung ihrer Breitbandversorgung investieren. Das beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung im Februar.
Zuvor hat die Gemeinde rund 1.850 Fragebögen an Gewerbebetriebe und private Haushalte in der Marktgemeinde verschickt. Darin erkundigte sich die Gemeinde, wie der derzeitige Internetzugang erfolgt und auf welche Übertragungsgeschwindigkeit die Nutzer zurückgreifen können.
Gewerbetreibende, Freiberufler und öffentliche Einrichtungen wurden gebeten, die von ihnen gewünschte Übertragungsgeschwindigkeit anzugeben und diesen Bedarf stichhaltig zu begründen.
Gleichzeitig beauftragte Bürgermeister Thomas Hartmann das Ingenieurbüro Corwese mit der Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen für den geplanten Ausbau des Breitbandnetzes. Das Seefelder Beratungsunternehmen wurde im Dezember 2008 von dem Diplomingenieur für Elektrotechnik und heutigen Geschäftsführer Roland Werb gegründet. Corwese berät Kommunen bei dem Ausbau ihrer Telekommunikationsleistungen.
Sulzberger Bürger und Unternehmer stimmen für den Ausbau
Die Reaktion der Sulzberger ließ nicht lange auf sich warten: Über 32 Prozent der angeschriebenen Haushalte und 98 Prozent der Unternehmer beteiligten sich an der Umfrage. Der überwiegende Teil der Bürgerinnen und Bürger votierten für den Ausbau des Breitbandnetzes. Besonders deutliche Verbesserungswünsche äußerten die Bewohner der Ortsteile Moosbach und Ottacker.
Das Breitbandangebot im Gemeindebereich Sulzberg variiert augenblicklich sehr stark. Während der Hauptort und der Gewerbepark mit Glasfaser angebunden sind, führen in die übrigen Ortsteile nur Kupferleitungen. Einzige Ausnahme ist der Ortsteil Graben. Hier ist eine Versorgung über Kabelfernsehen möglich. Je weiter die Distanz zwischen dem Telefonanschluss in einem der Sulzberger Ortsteile und dem Glasfaseranschluss in der Vermittlungsstelle ist, desto langsamer wird die Datenübertragung.
Verhaltene Reaktion auf Ausschreibung
„Die Wünsche der Sulzberger Bürger und Unternehmer werden wir leider nur annähernd erfüllen können“, bedauert Oberbürgermeister Thomas Hartmann.
Bisher haben lediglich drei Unternehmen auf die Ausschreibung der Firma Corwese reagiert und ein Angebot für den Ausbau des Breitbandnetzes in der Gemeinde Sulzberg abgegeben. „Darunter ist jedoch kein Kostenvoranschlag über den Ausbau des Glasfasernetzes“, berichtet Roland Werb. Der Geschäftsführer begründet das mangelnde Interesse der Telekommunikationsanbieter mit den zu erwartenden hohen Investitionskosten: „In den Städten und stadtnahen Gebieten sind Investitionen in das Glasfasernetz für Telekommunikationsanbieter viel lukrativer als in ländlich strukturierten Regionen. „Das liegt daran, dass die Unternehmen ihre Investitionskosten in dicht besiedelten Gebieten auf deutlich mehr Haushalte und User pro Quadratkilometer Fläche verteilen können. In weitläufig besiedelten Regionen dagegen überwiegen aus Sicht der Anbieter die Ausgaben. Dadurch verschiebt sich die zu erwartende Wirtschaftlichkeit“, erklärt Werb. Paradoxer Weise ist die Internetnutzungsquote in ländlichen Gebieten im Durchschnitt höher als in den Städten“, fügt der Geschäftsführer hinzu. „Ich denke hier insbesondere an die Berufsgruppe der Landwirte, die viele betriebsbedingte Maßnahmen inzwischen über das Internet abwickeln“.
Ausbau des Breitbandnetzes erfolgt über die vorhandene Telefonleitung
„Zwei Unternehmen bieten an, die Breitbandversorgung per Funk zu verbessern. Ein dritter Anbieter hat vorgeschlagen, das Breitbandangebot über Kabel sicherzustellen“, erklärt Werb. Von einer Versorgung über Funk hat er der Gemeinde Sulzberg wegen der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung jedoch abgeraten. Die mvox AG aus Garching an der Alz möchte den Ausbau des Breitbandnetzes über das vorhandene Telefonnetz sicherstellen. Das Unternehmen setzt ein neuartiges Modulationsverfahren ein, mit dem eine größere Reichweite über die vorhandenen Kupferkabel erzielt werden kann. Diese Technik wird laut Werb in den Vermittlungsstellen der Telekom installiert und rüstet das Netz auf eine Leistung von mindestens einem Megabit pro Sekunde auf. „Der große Vorteil dieser Technik ist, dass das vorhandene Telefonnetz genutzt werden kann und die Investitionskosten in einer vertretbaren Größenordnung bleiben“, macht Werb deutlich. Durch die Technik der mvox AG ergibt sich eine flächendeckende Verbesserung im gesamten Gemeindegebiet. Im Ortsteil Moosburg steigt die Übertragungsgeschwindigkeit auf sechs Megabit pro Sekunde, in Ottacker, Untergassen und Untermoos werden künftig Geschwindigkeiten zwischen drei und sechs Megabit pro Sekunde erreicht.
Ein Schritt in die richtige Richtung
„Der Ausbau des Breitbandnetzes über das vorhandene Telefonnetz bietet uns nicht die gleichen Vorteile wie die Glasfasertechnik, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, resümiert Bürgermeister Thomas Hartmann. Die Gesamtkosten werden 59.000 Euro betragen. Abzüglich der Fördergelder wird die Gemeinde Sulzberg 17.000 Euro selbst finanzieren müssen. Mit der Verabschiedung der Breitbandrichtlinie vom 23.06.2008 wurde für die bayerischen Kommunen grundsätzlich die Möglichkeit eröffnet, mit Hilfe staatlicher Zuschüsse ihre Versorgungswünsche zu realisieren. Die jüngst veröffentlichte Breitbandstrategie der Bundesregierung setzt darauf auf, sodass sich der Förderrahmen inzwischen deutlich erhöht hat.
Die Gemeinderäte haben den Weg für Sulzberg inzwischen freigemacht. Sie votierten einstimmig für den Vorschlag, das Breitbandnetz über das vorhandene Telefonnetz auszubauen. Nach Abschluss der laufenden Nachverhandlungen steht einer Unterschrift nichts mehr im Wege.
Die Helden des regionalen Mittelstandes – wir haben sie aufgespürt und lüften ihre Erfolgs-geheimnisse.
Aktuell: B4B SCHWABEN hat den Geschmacks-Test bei der Eduard Edel Bonbonfabrik gemacht.
Der betriebliche Alltag steckt voller Fragen und Herausforderungen in Sachen IT. Die Antworten finden Sie in unserem neuen B4B SCHWABEN CROSSMEDIA GUIDE.
Lernen Sie Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben kennen!
Aktuell: Teneriffa oder Augsburg? Warum es Rüdiger R. Burchardi in die Sonne zieht und wo man den besten Fisch in Augsburg genießen kann verrät er im 101 Köpfe Interview.

Firmenporträts erfolgreicher Unternehmen in Bayerisch-Schwaben, Reporte zu Zukunftsbranchen und Analysen zu Perspektiven der Region.
Mittelstand und Börsengang
Gerade erfolgreiche mittelständische Unternehmen, die expandieren wollen oder ihre Forschung und Entwicklung intensivieren möchten, benötigen ausreichend Kapital. Der Königsweg ist die Finanzierung über ausreichend Eigenkapital.

Die aktuelle Ausgabe
„Bayerisch-Schwäbische Wirtschaft“
jetzt online zum Blättern!