Kempten/Oberallgäu | 21.02.2011
Ein deutlicher Rückgang der Insolvenzzahlen im Allgäu blieb aus. Meist sind kleinste Firmen von der Insolvenz betroffen – insgesamt wurden über tausend Arbeitsplätze gestrichen.
Der Wirtschaftsaufschwung hat in der Region noch nicht zu einer deutlichen Rückführung der Insolvenzzahlen geführt. In den kreisfreien Städten Kaufbeuren (19 Insolvenzen; im Vorjahr: 20) und Kempten (27; Vorjahr: 28) sowie in den Landkreisen Lindau (22; Vorjahr: 20) und Oberallgäu (41; Vorjahr: 42) ist praktisch eine Stagnation der Unternehmensinsolvenzen festzustellen.
Mehr Konkurse im Unterallgäu – weniger im Ostallgäu
Der Landkreis Unterallgäu (38; Vorjahr: 34) verzeichnet dagegen einen leichten Zuwachs. Schon deutlich abgenommen hat die Zahl der Firmenkonkurse 2010 dagegen im Landkreis Ostallgäu, von 42 auf 32 Fälle. Auch in der Stadt Memmingen ging die Zahl der Insolvenzen von 16 auf neun Fälle zurück.
Kleine Unternehmen sind belastet
Viele Unternehmen in der Region waren nach der schweren Rezession im Jahr 2009 noch angeschlagen. Die Kapitalrücklagen wurden durch Verluste und die schwierige Refinanzierung angegriffen, die Liquiditätslage der Firmen belastet. Das führte zu einem Anstieg der Insolvenzzahlen gerade bei kleinen Unternehmen.
Betroffen: Kleinstbetriebe, Gewerbetreibende und selbstständig Tätige
So waren in 81,9 Prozent (2009: 74,8 Prozent)der insolventen Unternehmen in der Region zum Zeitpunkt der Insolvenzmeldung weniger als fünf Personen beschäftigt. Nur in 1,6 Prozent der Fälle (2009: 3 Prozent)bestand die Belegschaft aus mehr als 50 Mitarbeitern. Zumeist sind es also Kleinstbetriebe, Gewerbetreibende und selbstständig Tätige ohne oder mit nur wenigen Angestellten, die 2010 Insolvenz anmelden mussten. Insgesamt sind durch die insolventen Unternehmen rund 1.100 Arbeitsplätze bedroht.
Großteil der Unternehmen im Dienstleistungssektor
59 Prozent (2009: 48 Prozent)der insolventen Unternehmen in der Region waren im Dienstleistungssektor tätig; 27,1 Prozent im Handel (2009: 27,2 Prozent) und 10,6 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe (2009: 9,4 Prozent). Alexandra Winterstein, Einzelprokuristin bei Creditreform in Kempten/Allgäu sagt dazu: „Trotz der guten Konjunktur 2010 stand das Insolvenzgeschehen im vergangenen Jahr noch im Schatten der Rezession. Betroffen waren vor allem der kleine Mittelstand und das Dienstleistungsgewerbe.“
Firmenkonkurse in der EU – leichter Rückgang
Zum Vergleich: die Firmenkonkurse in den EU-15 Staaten plus Norwegen und der Schweiz gingen zurück. Im vergangenen Jahr wurden 175.677 Firmenkonkurse registriert. Das sind 1,4 Prozent weniger als 2009 (178.235 Fälle). Erhöht hat sich die Zahl der Insolvenzen in Osteuropa; um 14,1 Prozent auf 35.581 Fälle.
Anstieg in Luxemburg – Rückgang in Deutschland
Den größten prozentualen Insolvenzanstieg innerhalb der westeuropäischen Staaten verzeichnet Luxemburg mit plus 31,5 Prozent, gefolgt von Italien (plus 30,8 Prozent), Schweiz (plus 19,9 Prozent) und Portugal (plus 15,6 Prozent). In Finnland wurde ein Rückgang um 12,4 Prozent registriert, in Großbritannien waren es 11,1 Prozent weniger und in Norwegen 10,6 Prozent. Deutschland verzeichnet ein Minus von 2,5 Prozent gegenüber 2009.
Privatinsolvenzen nehmen europaweit zu
Die Zahl der Privatinsolvenzen ist europaweit auf knapp 385.000 gestiegen. Damit wurden 5,2 Prozent mehr Fälle gemeldet als 2009 (366.000). Dieser Anstieg geht weitgehend auf die Entwicklungen in Schweden (plus 19,3 Prozent), in den Niederlanden (plus 16,6 Prozent), in Frankreich (plus 8,1 Prozent) und in Deutschland (plus 7,6 Prozent) zurück.
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