Erster Bayerischer Mädchen-Technik-Kongress startet

Erster Bayerischer Mädchen-Technik-Kongress startet an der Hochschule Kempten

Kempten/Oberallgäu | 01.04.2010

Technik zum Anfassen und Erleben
Der ersterBayerische Mädchen-Technik-Kongress am 29.September 2010

Mädchen und junge Frauen mit naturwissenschaftlichen und technischen Berufen in Kontakt zu bringen und sie nachhaltig für diese Aufgabenfelder zu begeistern, so lautet das Ziel des ersten Bayerischen-Mädchen-Technik-Kongresses am 29. September 2010 an der Hochschule Kempten. Auf einer gemeinsamen Presseveranstaltung stellten die Organisatoren das aktuelle Kongressprogramm und eine Auswahl der vielfältigen Aktivitäten vor.

Berufe mit naturwissenschaftlicher und technischer Ausrichtung bieten für Mädchen und Frauen attraktive Aufgabenfelder und sehr gute berufliche Perspektiven. Dennoch ist der Frauenanteil in gewerblich-naturwissenschaftlichen Ausbildungsberufen und in den entsprechenden Studiengängen vergleichsweise gering. Besonders niedrig ist die Beschäftigungsquote von Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) im ländlichen Raum. Nun hat das bundesweit agierende Aus- und Weiterbildungsnetzwerk für die Mikrosystemtechnik (AWNET) eine Initiative gestartet, die Mädchen und junge Frauen auf technisch-naturwissenschaftliche Berufe aufmerksam machen soll. Im Mittelpunkt der Initiative stehen sechs Mädchen-Technik-Kongresse, die mit Unterstützung regionaler Partner zwischen Juni und November 2010 ausgerichtet werden. Beteiligt sind die Bundesländer Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Rheinland-Pfalz/ Saarland und Bayern.

Erster Bayerischer Mädchen-Technik-Kongress im September an der Hochschule Kempten

Der erste Bayerische Mädchen-Technik-Kongress findet am 29. September 2010 von 9.00 bis 16.00 Uhr auf dem Campus der Hochschule Kempten statt. Den überwiegenden Teil der organisatorischen Aufgaben haben das Fraunhofer-Institut IZM und die Hochschule Kempten stellvertretend für den Freistaat Bayern übernommen. Sie werden von zahlreichen regionalen Wirtschaftsunternehmen partnerschaftlich unterstützt, darunter die Allgäuer Überlandwerk GmbH, die Liebherr-Verzahntechnik GmbH, die Steca Elektronik GmbH, die Endress + Hauser Wetzer GmbH und die ept GmbH. Teilnehmende Organisationen sind unter anderem die Allgäu-Initiative GbR, das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft gGmbH, die Nanoinitiative Bayern GmbH, die Stadt Kempten und die Technische Universität München.

Technik zum Anfassen und ausprobieren

„Das Besondere an unserem Konzept ist, dass Mädchen und junge Frauen der Klassenstufen 6 bis 10 selbst als Referentinnen agieren und ihre Projekte und Arbeitsfelder vorstellen“, berichtet Dr. Regina Buhr, Diplom-Sozialökonomin an der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH in Berlin und Mitinitiatorin des Kongresses auf Bundesebene. Angeboten werden Workshops, Erfahrungsberichte, Präsentationen oder experimentelle Vorführungen. „Dabei steht der Spaß an neuen Erfahrungen im Vordergrund“, ergänzt Sabine Scherbaum, Diplom-Ingenieurin am Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in München. Sie gehört dem mäta-Konsortium an und ist für die Koordination und Organisation des ersten Bayerischen Mädchen-Technik-Kongress verantwortlich. „Die Kongressteilnehmerinnen sollen selbst aktiv werden und können alle Angebote, die sie interessieren, ausprobieren. Auf keinen Fall wollen wir unterrichtsähnliche Strukturen“, unterstreicht die Koordinatorin. Angesprochen und eingeladen sind Schülerinnen ab der
6. Jahrgangsstufe die im Freistaat Bayern leben. Die Anmeldung zum ersten Bayerischen Technik-Mädchen-Kongress auf dem Campus der Hochschule Kempten nehmen die Schulen entgegen.

Wie werden eigentlich Mikrochips hergestellt?

Diese Fragestellung ist nur ein Beispiel aus dem umfangreichen Themenangebot des Kongresses. Unter dem Arbeitstitel Leistung-Arbeit-Fitness haben die Teilnehmerinnen Gelegenheit, Erfahrungen mit Elektromobilität zu sammeln und einen Segwayroller auszuprobieren. Darüber hinaus werden die Mädchen Energiebilanzen für einen PKW mit Verbrennungsmotor, einen Zug und ein Elektroauto erstellen und diese miteinander vergleichen. Im zweiten Workshop lernen die Kongressteilnehmerinnen moderne Steuerungstechniken der Industrie kennen. Nicht alltäglich ist die Reise in die Welt der Nanotechnik: Hier erfahren die Schülerinnen wie aus dem Rohstoff Sand Mikrochips für Handys hergestellt wird und was dabei zu beachten ist. Außerdem beschäftigen sich die Mädchen mit der Überwachungsgefahr, die möglicherweise von Funkchips in Reisepässen und Mobiltelefonen ausgeht und erhalten Gelegenheit, einen originalen Reinluftanzug zu tragen. Handwerkliches Geschick und Fingerspitzengefühl kommen beim Löten und Messen zum Einsatz. Gemeinsam mit einer Schülerin des Gymnasiums Immenstadt und Vertretern der Fakultät Maschinenbau der Hochschule Kempten können die Schülerinnen das Strömungsverhalten unterschiedlicher Stoffe und Formen im Windkanal testen und vergleichen. Zum Highlight des Kongresses avanciert der Fraunhofer Truck: Dort werden wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Kommunikation, Mobilität Energie und Umwelt in anschaulicher Weise gezeigt.

Bayerische Partnerunternehmen für zukünftige Mädchen-Technik-Kongresse gesucht

Noch bis Januar 2010 werden die sechs bundesweiten Mädchen-Technik-Kongresse vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des nationalen Paktes für Frauen in MINT-Berufen finanziell gefördert. „Ein weiteres Ziel unserer Initiative ist, in den Bundesländern stabile Netzwerke zwischen Schulen, Hochschulen und den regionalen Wirtschaftsunternehmen aufzubauen“, berichtet Dr. Regina Buhr. Sie hofft, dass die Mitglieder der einzelnen Ländernetzwerke die Idee der Mädchen-Technik-Kongresse aufnehmen, ausbauen und ab 2011 in eigener Regie weiterführen.

Aktuell haben zehn bayerische Schulen ihre Teilnahme zugesagt, darunter auch das Gymnasium Sonthofen im Allgäu. Schulleiter Hubert Thiele unterstützt die Idee der bundesweiten Mädchen-Technik-Kongresse: „Die Schule hat eine besondere Aufgabe im Bereich der MINT-Berufe, die wir aber erst langsam zu entdecken beginnen“. Wichtig ist nach Thieles Auffassung in diesem Zusammenhang auch ein Gender-spezifischer Unterricht. Doch auch dieses Konzept wird seiner Meinung nach an vielen bayerischen Schulen noch zu wenig umgesetzt. Durch die Zusammenarbeit von Schulen, Hochschulen, Ausbildungsbetrieben und regionalen Wirtschaftsunternehmen, könnte es gelingen, künftig mehr Mädchen und junge Frauen für einen MINT-Beruf zu begeistern. Weitere Informationen zum ersten Bayerischen Mädchen-Kongress gibt es unter http://www.mst-ausbildung.de  www.komm-mach-mint.de oder unter http://www.mytalent-portal.de/

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